Max Bruch (* 6. Januar 1838 in Köln; † 2. Oktober 1920 in Berlin) war ein deutscher Komponist und Dirigent. Zu seinen weiteren Vornamen finden sich zwei verschiedene Angaben: Maximilian Christian Friedrich sowie Max Karl August. Bruch ist vor allem für sein 1. Violinkonzert und die Schottische Fantasie bekannt.
Die Vorfahren von Max Bruch lassen sich zurückverfolgen bis zu Thomas Bruch, einem 1560 in Saarbrücken geborenen Katholiken, der zum Protestantismus konvertierte. Max Bruchs Großvater, Christian Gottlieb Bruch (1771–1836), studierte Theologie und kam als Superintendent nach Köln. Sein ältester Sohn, August Carl Friedrich (1799–1861), der Vater des Komponisten, studierte Jura und wurde nach einigen Jahren als Anwalt in Berlin Königlicher Polizeirat und stellvertretender Polizeipräsident in Köln. Dessen Frau, Wilhelmine Bruch, geb. Almenräder (1799–1867), war Sängerin und stammte aus einer ursprünglich im Bergischen Land beheimateten Musikerfamilie. Max Bruch und seine Frau Clara, eine Sängerin, hatten drei Söhne, darunter den Maler Hans Bruch (1887–1913), und eine Tochter, die Schriftstellerin Margarete Bruch (1882–1963).
Max Bruch wurde am 6. Januar, dem Dreikönigstag des Jahres 1838, im Richmodis-Haus in Köln geboren. Eine Plakette am wiederaufgebauten Turm in der Richmodstraße am Neumarkt trägt folgende Inschrift: „Geburtsstätte des rheinischen Tondichters und Sängers Max Bruch – 6. Januar 1838“. Warum Bruch auch als Sänger beschrieben wird, ist unklar.
Bruch charakterisiert seinen Vater in seinen Jugenderinnerungen als einen pflichtbewussten und gewissenhaften Beamten, der sich aber wohlwollend und hilfsbereit zeigte, wo er nur konnte. Er fügt im selben Artikel noch eine vor allem für die musikalische Nachwelt interessante Anekdote über einen kleinen beweglichen Geschäftsmann ein, der eines Tages in der Amtsstube seines Vaters erschien, seinen Sohn vorstellte und diesen als großes Talent am Cello pries – bei dem Jungen handelte es sich um den späteren Operetten-Komponisten Jacques Offenbach. Seinen ersten Musik- und Klavierunterricht erhielt Bruch von der Mutter. In seinen Jugenderinnerungen beschreibt er sie als musikalische Frau mit einer guten Sopranstimme, die dann aber ihre Stimme verlor und sich daher auf den Gesangsunterricht beschränken musste. Mit seiner Schwester Mathilde, genannt Till, verband ihn ein enges Verhältnis, da, wie er schreibt, keine weiteren Geschwister vorhanden waren. Bruch beschreibt, wie viel sie miteinander unternahmen und besprachen, und lobt ihren Sinn für Form und melodische Schönheit sowie ihren scharfen und logischen Verstand.
Zwischen seinem 7. und 10. Lebensjahr entwickelte Bruch ein Talent zum Malen, weshalb ihn seine Verwandten auch den „zweiten Raffael“ nannten. Zur Übung kopierte er von ihm verehrte Werke wie Die Landung des Ferdinand Cortez an der Küste von Mexiko, Die Himmelfahrt des Elias, Der heilige Bonifacius die heilige Eiche von Hessen fällend und andere, die ihm als Illustrationen aus Kinderbüchern, Bibeln und Studien zur Weltgeschichte bekannt waren.
Im Alter von neun Jahren schrieb er seine erste Komposition, ein Lied zum Geburtstag der Mutter. Von da an war die Musik seine Passion, die von seinen Eltern nach Kräften gefördert wurde. So entstanden in einem plötzlichen kreativen Ausbruch viele kleine Werke wie Motetten, Psalmvertonungen, Klavierstücke, Violinsonaten, ein Streichquartett und sogar Orchesterwerke wie die Ouvertüre zu einer geplanten Oper Jungfrau von Orléans. Nur wenige dieser Jugendwerke sind überliefert.
Im Jahr 1968 tauchte im Nachlass der Witwe von Max Bruchs ältestem Sohn Max Felix eine frühe Komposition aus dieser Zeit auf, und zwar das auf den 28. August 1849 datierte Septett Es-Dur. Die Datierung – der 100. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe – lässt eine Entstehung des Septetts als Hommage an den von Bruch verehrten Dichter vermuten.
Den ersten musiktheoretischen Unterricht erhielt Bruch 1849 in Bonn von Professor Heinrich Carl Breidenstein, einem Freund seines Vaters. Zu dieser Zeit kam er auch das erste Mal auf den Igeler Hof, einem Gut in Bergisch Gladbach, auf dem er einen Großteil seiner Musik schrieb. Der Hof gehörte dem Rechtsanwalt und Notar Neißen, der ihn mit seiner unverheirateten Schwester Thérèse bewohnte. Später wurde das Gut von der Familie Zanders gekauft, die eine große Papierfabrik besaß. Auf Wanderungen und Postkutschfahrten dorthin wurde der Junge von seinem Vater in französischer und englischer Konversation unterwiesen. In den späteren Jahren gab ihm Maria Zanders als enge Freundin und Mäzenin die geeignete Umgebung für sein Schaffen in der Villa Zanders. Zusätzlich erhielt Max Bruch Privatunterricht von Lehrern vom Kölner Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.
Auch der kritische Blick des aufgeweckten Jungen wurde schon früh durch die Familie geschult. In einem Brief an seine Mutter über eine Kaffeeeinladung an den Igeler Hof bei der befreundeten Familie Weber schreibt er sehr differenziert über die dort dargebotenen Musikstücke. Im gleichen Brief berichtet er auch vom Gang seiner Studien und wie er sich über die Komposition einer Fuge den Kopf zerbrach, die er nachmittags in der Violinstunde Professor Breidenstein vorlegte, der die Fuge gar nicht so schlecht fand.
Als Elfjähriger trat er mit größeren Kompositionen an die Öffentlichkeit. Im März 1852 wurde seine erste Sinfonie f-Moll durch die Philharmonische Gesellschaft in Köln aufgeführt. Mit einem Streichquartett gewann er 1852 ein Vierjahresstipendium der Frankfurter Mozart-Stiftung. Dieses Stipendium erlaubte ihm von 1853 bis 1857 ein Kompositionsstudium bei Ferdinand Hiller und Klavierstudien bei Carl Reinecke und Ferdinand Breunung in Köln.
Hiller hatte den jungen Bruch bereits 1850 kennengelernt, was ein Tagebucheintrag vom 8. April belegt: „Besuch von Bruch und Sohn“. Er berichtet weiter von einer Sonate zu vier Händen, die Max ihm brachte. In den folgenden Jahren hörte er mehrere Stücke des jungen Talents, so „zum Geburtstag der Mutter ein Streichquartett vom Sohn“, 1851 ein Trio, eine Motette und eine Sonate. Am 30. November 1852 hörte er schließlich bei einem der zahlreichen Besuche im Elternhaus eine „Sonate mit Violine“ und ein Klavierquintett.
Mittlerweile hatte Hiller sich bei der Mozartstiftung in Frankfurt für ein Stipendium für Max eingesetzt, wofür ihm der Junge in einem Brief dankte und unter anderem auf Hillers konstruktive Hilfe bei Bruchs früheren Streichquartetten einging. Die Stiftung bat Hiller auch ausdrücklich darum, „den neuen Mozart-Zögling zu einem wackeren Musiker und Tondichter heranzubilden“.
Bereits am 12. März 1852 erschien in der Rheinischen Musikzeitung ein Artikel über Max, in dem man ihn mit Mozart und Mendelssohn verglich. Beschrieben wird er als „ein lieber, offener, munterer, kindlich unbefangener Knabe, der, obwohl er nur in Tönen lebt und webt, nichtsdestoweniger auch für andere Gegenstände Geschick und Befähigung zeigt“. Am Ende des Artikels gibt man ihm die besten Wünsche mit auf den Weg:
Hiller hielt große Stücke auf Bruch und widmete seiner Arbeit mehr Aufmerksamkeit als der seiner anderen Schüler. In seinen Tagebüchern sind die meisten von Bruchs unveröffentlichten Frühwerken sowie seine ersten publizierten Kompositionen erwähnt. Auch war er maßgeblich an der Drucklegung des op. 1, der Oper Scherz, List und Rache nach einer Vorlage von Goethe, seines Schülers beteiligt, indem er einerseits Empfehlungen aussprach und andererseits eine Subskriptionsliste in Köln unter Musikliebhabern und Freunden zirkulieren ließ. Diese Liste war innerhalb von wenigen Tagen gezeichnet und ermöglichte so 1857 die Veröffentlichung von Scherz, List und Rache beim Verlag Senff in Leipzig. Die Oper handelt von dem Ehepaar Scapin und Scapine, das um sein Erspartes gebracht wird und es durch Anwendung einer List zurückerlangt.
Auf Anraten seines Lehrers Hiller ging Max Bruch im Jahr 1858 nach Leipzig, um dort seine musikalischen Studien fortzusetzen. Dort traf er Ignaz Moscheles, Ferdinand David und Moritz Hauptmann. Zudem knüpfte er erste Kontakte zu Breitkopf & Härtel und brachte erste Werke zur Veröffentlichung oder zur Aufführung. Zu diesen gehörte das Jubilate op. 3, ein kurzes Werk für Solosopran, Chor und Orchester, von dem sich der Musikkritiker Ludwig Bischoff begeistert zeigte. Zu den weiteren Kompositionen dieser Zeit zählen Die Birken und die Erlen op. 8, die Drei Duette op. 4, das Trio op. 5 in c-moll für Klavier, Violine und Violoncello, die zwei Streichquartette op. 9 und op. 10 sowie seine letzten Soloklavierwerke, und zwar die Fantasie für zwei Klaviere op. 11, die Sechs Klavierstücke op. 12 (Bruchs Cousine Bertha Krupp (geborene Eichhoff) gewidmet) und die Zwei Klavierstücke op. 14.