Marius Hugh Louis Wilhelm (Max) Blokzijl (* 20. Dezember 1884 in Leeuwarden; † 16. März 1946 in Den Haag) war ein niederländischer Journalist und Autor.
Blokzijl wurde zunächst durch seine Reportagereise bekannt, in der er zusammen mit Jean-Louis Pisuisse als italienischer Straßenmusiker verkleidet auftrat; anschließend unternahm er mit letzterem eine mehrjährige zweite Reportagereise durch den östlichen Weltteil. Als musizierende Journalisten wurde dem Duo auch außerhalb der Niederlande große Beachtung zuteil. Anschließend arbeitete Blokzijl während des Ersten Weltkriegs als Kriegsreporter und dann mehr als 20 Jahre lang als Korrespondent in Berlin. Nach der Machtübernahme durch Hitler wandte sich Blokzijl dem Nationalsozialismus zu und trat für diesen während der deutschen Besatzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg als Pressewächter und insbesondere als Propagandasprecher im Radio ein. Nach Kriegsende wurde er wegen Landesverrats hingerichtet.
Familie und erste Jahre als Journalist
In Leeuwarden als Sohn eines Berufssoldaten geboren, verbrachte Blokzijl seine frühe Kindheit in Kampen und Utrecht. Seine Mutter arrangierte für ihn Klavierstunden, die sich für ihn später noch als nützlich erweisen sollten, sein Vater nahm ihn häufig zu Militärparaden mit, die ihn nachhaltig beeindruckten. Nach der Scheidung der Eltern blieb er bei seiner Mutter, die sich mit ihrem Sohn in Den Haag niederließ, und mied in der Folgezeit den Kontakt zu seinem Vater. Zunächst wollte Blokzijl Ingenieur oder Marineoffizier werden, entdeckte aber während seiner Schulzeit seine Ader für den Journalismus und gründete eine vierzehntäglich erscheinende Zeitschrift namens Iris, die von dem von ihm verehrten Schriftsteller Frederik van Eeden protegiert wurde. Sie war patriotisch gesinnt, warb für eine starke Armee und eine soldatische Haltung der Jugend. 1902 fusionierte die Zeitschrift mit Jong Nederland en Arbeid.
Nach seiner Schulzeit besuchte Blokzijl auf Wunsch seiner Mutter kurzfristig eine Malerakademie, entschied sich jedoch bald für seine eigentliche Leidenschaft und wurde 1903 Reporter beim Amsterdamer Algemeen Handelsblad. Er arbeitete ein Jahr lang in der Lokalredaktion und leistete anschließend seinen Militärdienst innerhalb des Regiments „Grenadiere und Jäger“ ab. Während dieser Zeit schrieb er für das militärische Fachblatt De Militaire Gids, in dem er, wie schon wie bei seiner eigenen Zeitschrift, für eine Verbesserung des Ansehens der Wehrpflicht in der Gesellschaft warb. 1906 kehrte Blokzijl zum Algemeen Handelsblad zurück und betätigte sich als Lokal- und Sportreporter. Dort lernte er Jean-Louis Pisuisse kennen, der nach vier Jahren als London-Korrespondent zurückgekommen war. Beide wollten dem Alltagstrott entfliehen, und auf Anregung von Pisuisse beschlossen sie, als italienische Straßenmusikanten verkleidet durch die Niederlande zu reisen und darüber eine Reportage zu schreiben.
Ende August 1907 begannen sie ihre neuntägige Reise durch die niederländische Provinz. Trotz ihres Kauderwelschs, das sie als vorgebliche Italiener zu sprechen versuchten sowie ihrer sonderbaren äußeren Erscheinung, wurde ihnen nach eigenem Bekunden Hilfsbereitschaft zuteil, und tatsächlich kehrten sie mit einem ansehnlichen Gewinn nach Amsterdam zurück. Ihre Reisereportage erschien unter dem Namen Avonturen als straatmuzikant (Abenteuer als Straßenmusiker) als Serie in ihrer Zeitung, die sich durch den großen Erfolg veranlasst sah, tausende Extraexemplare zu drucken. Blokzijl und Pisuisse wurden von Verlagen umworben, die erschienene Buchausgabe wurde ebenso wie die ursprüngliche Serie ein großer Verkaufserfolg.
Weltreise als musizierender Korrespondent
Die Reportage wurde in der Folgezeit zum gesellschaftlichen Phänomen. Drei Theatergesellschaften führten die Abenteuer auf und sogar eine Zigarettenmarke mit dem Namen „Straßensänger“ wurde herausgebracht. Das Interesse der Öffentlichkeit an Blokzijl und Pisuisse war so groß, dass diese schließlich mit neuem Material in Theatern auftraten. Ihre Darbietungen fanden trotz des musikalisch amateurhaften Charakters selbst bei der Kritik Anklang. Im Anschluss an diese Auftritte entschloss sich das Duo zu einer Weltreise, die es nach einer Reihe von Abschiedskonzerten 1908 antrat.
Nach einem Abstecher in Paris machten sich die beiden auf den Weg nach Niederländisch-Indien, wo sie von Gouverneur Joannes Benedicius van Heutsz empfangen wurden. Dort traf Blokzijl Hendrik Colijn, mit dem er Jahrzehnte später nach dessen Zeit als Ministerpräsident der Niederlande aneinandergeraten sollte. Pisuisse und Blokzijl tourten die folgenden sechs Monate als musizierende Kriegskorrespondenten – es gab seit 1873 Aufstände in der Provinz Aceh – durch die Kolonie. Insgesamt verbrachten sie drei Jahre dort; da der mit den an ihre Zeitung und die Zeitschrift Buiten („Draußen“) gesandten Korrespondentenberichten aus Aceh erzielte Verdienst nicht ausreichte, war Blokzijl auch als Schauspieler, Komponist und Dekorateur tätig. In Surabaya gründete er zusammen mit Pisuisse und drei Frauen, darunter Pisuisses spätere zweite Frau Fie Carelsen, ein Kabarett.
1910 heiratete Blokzijl von Niederländisch-Ostindien aus eine Frau, die er noch vor seiner Abreise kennengelernt hatte, doch während der Bootsfahrt von den Niederlanden nach Ostindien verliebte diese sich in einen anderen Mann, ging von Bord und ließ sich umgehend scheiden. Diese Episode kostete Blokzijl, der während jener Zeit alles andere als begütert war, mehrere tausend Gulden. 1911 machte er sich zusammen mit Pisuisse auf die Heimreise. Aufgrund einer falschen Reiseplanung landeten sie zunächst in Makassar und beschlossen daraufhin spontan, China und Japan zu besuchen. Nachdem sie während einer Flugschau in Shanghai Zeugen des Absturzes des französischen Flugpioniers René Vallon geworden waren, gaben sie ein Wohltätigkeitskonzert für die Witwe, was ihnen zusätzliche Bekanntheit verschaffte. Im Anschluss an ihren Aufenthalt in Japan, von wo aus Blokzijl nach längerer Zeit wieder Reiseberichte sandte, zogen sie nach Russland weiter, schlugen sich in Sibirien nur mühsam durch und wurden in Moskau beinahe als Landstreicher verhaftet. Nach den weiteren Stationen Sankt Petersburg und Berlin kehrten Blokzijl und Pisuisse schließlich im Sommer 1911 in die Niederlande zurück.
Nach ihrer Rückkehr absolvierten sie wieder Auftritte in ihrer Heimat und auch in Berlin, wo eine Schellackplatte aufgenommen wurde. Es folgte eine Tournee durch Deutschland und andere Länder, deren Höhepunkt ein Auftritt vor der rumänischen Königin Elisabeth bildete. 1912 heiratete Blokzijl die Schauspielerin Annie Jurgens; diese Ehe hielt jedoch keine zwei Jahre. Im September 1913 reiste er zusammen mit Pisuisse erneut nach Niederländisch-Ostindien und trat zweimal mit ihm in Singapur auf. Obwohl eng verbunden, war es doch zwischen beiden zu Spannungen gekommen, Pisuisse war ambitionierter als Blokzijl, der im Herzen Journalist blieb, und genehmigte sich von den Tantiemen einen größeren Anteil. 1914 wurde Blokzijl für seine alte Zeitung Reisekorrespondent in Berlin und wollte danach mit Pisuisse, trotz ihrer früheren Spannungen, eine Tournee durch Nordamerika in Angriff nehmen. Der Beginn des Ersten Weltkriegs bedeutete allerdings das abrupte Ende dieses Vorhabens. Pisuisse ging als Korrespondent nach Belgien, während Blokzijl in den Niederlanden blieb, und aus dem vorläufigen Ende des Duos wurde im Anschluss an den Krieg ein endgültiges.
Blokzijl sah es in diesen Zeiten als seine patriotische Pflicht, sich nicht abseits zu halten und diente daraufhin in den folgenden Jahren als lediglich einer von zwei Journalisten in der niederländischen Armee. Zu seiner Enttäuschung wurde er nicht dem Nachrichtendienst zugeteilt, sondern musste als Kurier arbeiten. Blokzijl entschloss sich deswegen zu einer Offizierslaufbahn und wurde innerhalb eines Jahres zum Leutnant befördert. Während dieser Zeit schrieb er ein „Sachbuch für den Liniensoldaten“, das jedoch aus Geldmangel nicht verbreitet wurde. Ein von ihm komponierter Marsch brachte es hingegen bei den Soldaten zu großer Bekanntheit.