Matthias Matussek (* 9. März 1954 in Münster) ist ein deutscher Journalist, Publizist und Schriftsteller. Von 1987 bis 2013 arbeitete er für den Spiegel. Seit den 2010er-Jahren vertritt er Positionen der Neuen Rechten.
Matussek (Betonung des Namens auf der zweiten Silbe) besuchte drei Jahre lang das von Jesuiten geführte Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg und wechselte dann zum Karls-Gymnasium in Stuttgart, wo er das Abitur ablegte. Danach begann er an der Freien Universität Berlin ein Studium der Amerikanistik, Germanistik und Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft. Nach der Zwischenprüfung brach er das Studium ab und wechselte auf die Deutsche Journalistenschule in München, die er 1977 mit einem Diplom abschloss.
Nach den Studien begann er als Kulturredakteur bei der Berliner Zeitung Der Abend. Nach seinen Tätigkeiten für den Abend und für den Stern ging er 1987 zum Spiegel. Vom Mauerfall bis zum Tag der Deutschen Einheit berichtete er als Sonderkorrespondent aus Ost-Berlin, wofür er 1991 mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet wurde. Danach leitete Matussek die Büros des Spiegel in New York (1992), Rio de Janeiro (1999) und London (2003).
Von 2005 bis 2008 war er Leiter des Kulturressorts des Spiegel. Von Oktober 2006 bis April 2011 wöchentlich, danach bis Januar 2014 in loser Folge veröffentlichte Matussek auf Spiegel Online ein Vlog namens Matusseks Kulturtipp. Ende Oktober 2013 wechselte er zur Axel Springer AG, bei der er im November 2015 als Kolumnist der Tageszeitung Die Welt entlassen wurde. 2019 erlitt er einen Herzinfarkt. 2022 startete er den Podcast Matussek! auf dem Internet-Radiosender Kontrafunk.
Im Herbst 2020 gehörte er zu den Erstunterzeichnern des Appells für freie Debattenräume.
Durch Artikel und Bücher wie Die vaterlose Gesellschaft (1998), Wir Deutschen (2006) und Das katholische Abenteuer (2011) – allesamt deutsche Bestseller – griff Matussek wiederholt kontroverse Themen auf. Er vertritt dabei in der Öffentlichkeit konservative Werte wie Glauben, Familie oder Patriotismus.
2009 kritisierte er den gegenwärtigen deutschen Konservatismus, der seiner Ansicht nach einen „Klassenkampf von oben“ führe, und bezeichnete sich als einen „versehentlichen Linken“. Als „unzuverlässiger Konservativer“ und Sohn eines CDU-Bürgermeisters betrachtete er den Klassenkampf von oben als „verspäteten Kulturkampf, in dem die bürgerliche Mitte die 68er ein weiteres Mal besiegt wie in einer ständigen Sedanfeier aus Alt- und Jungkonservativen“. Das konservative Juste Milieu, „welches die allerschwersten ökonomischen Panikattacken hinter sich hat“, sei lediglich beschäftigt, „sich auf die Schulter zu klopfen, mit geradezu unerträglicher Selbstzufriedenheit“. Der heutige Konservatismus sei „zu einer öden Lifestyle-Spießerei und verspäteten Abrechnungen mit dem linken Gegner von einst abgesunken“ und habe „Werte zertrümmert, radikaler, als es die Linke je vermocht hätte“.
2010 bezeichnete er in einem Debattenbeitrag für den Spiegel die Sarrazin-Debatte unter anderem als Chiffre „für die Empörung darüber, wie das Justemilieu der Konsensgesellschaft den Saalschutz losschickt, um einen verstörenden Zwischenrufer nach draußen zu eskortieren“. Debatten zu Identität (z. B. kulturelle Identität) und Leitkulturen würden in einer zunehmend globalisierten Welt geführt, was „nur ein Beharren auf Traditionen und Werten, zu denen auch die Religion gehört“, bedeute. Über einige Passagen des Sarrazin-Buches Deutschland schafft sich ab urteilte Matussek: „In ihnen spricht sich die Melancholie darüber aus, dass die Deutschen nicht nur demografisch an ihrem Verschwinden arbeiten, sondern sich auch von ihren Kultur- und Bildungshorizonten verabschieden.“ Den Kritikern der Pegida-Bewegung warf Matussek 2014 auf Facebook vor: „Wer beim rituellen Treten gegen diese Menschen mitmacht, hat die Gesinnung von HJ-Pöbeln.“
Nach eigenem Bekunden ist Matussek ein praktizierender Katholik, der regelmäßig beichtet, da es „entlastender“ sei, „als auf die ganz große Schlussabrechnung durch einen gnädigen Gott zu warten, wie es Protestanten tun“. Seinen Katholizismus kommentierte er 2011 so: „Ich bin so leidenschaftlich katholisch, wie ich vor vierzig Jahren Marxist war. Warum? Weil mein Verein angegriffen wird.“ Er ist Unterstützer der katholischen Laienbewegung Deutschland pro Papa. Des Weiteren unterzeichnete er unter dem Titel „Petition pro Ecclesia“ ein Gegenmemorandum zu Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch, und er tritt für den Erhalt des Zölibats ein, kritisiert aber in seinem Buch Das katholische Abenteuer die Kirchensteuer als eine „moderne Form von Ablasshandel“.
Im September 2012 fasste die katholische Kirche in Deutschland einen Entschluss mit dem Tenor Keine Sakramente ohne Kirchensteuer. Matussek fragte sich, „wie misstrauisch die deutsche katholische Kirche sein [müsse], die Sakramente an Mitgliedsbeiträge zu binden“, und prognostizierte „So wird sie in sich zusammensinken: Alte sterben, Junge bleiben weg“; er empfahl, die Kirche sollte auf Freiwilligkeit bauen. Im September 2015 äußerte er sich gegen die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Deutschland in einem Disput mit Henny Engels vom LSVD-Vorstand. Auf der Online-Seite des Debattenmagazins The European bezeichnete Matussek Homosexualität überdies als „Fehler der Natur“ und verglich sie mit Taubheit und Erbkrankheiten wie der Ahornsirupkrankheit. Bei einem „Journalistischen Kolloquium“ 2012 an der Universität Eichstätt widersprach er der These, dass der Islam zu Deutschland gehöre; er bezeichnete diese Religion vielmehr als „Bedrohung“, die u. a. zur Folge habe, dass man „stundenlange Kontrollen an Flughäfen“ durchführe.
Nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November 2015 äußerte Matussek auf seinem Facebook-Account: „Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen.“ Diese Einschätzung beendete er mit einem ‚Smiley‘, dem Emoticon für Freude. Insbesondere das lächelnde Smiley wurde in diesem Zusammenhang als unpassend kritisiert. Der Chefredakteur der Welt, Jan-Eric Peters, nannte das Posting – ebenfalls via Facebook – „durchgeknallt“ und distanzierte sich von Matusseks Aussage. Am 17. November 2015 trennte sich Die Welt mit „sofortiger Wirkung“ von ihrem Kolumnisten. Kurz danach, am 21. November 2015, hielt Matussek die Laudatio bei der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises an Heimo Schwilk, der durch die Wochenzeitung Junge Freiheit vergeben wird, die als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt.
Anfang 2017 wurde bekannt, dass sich Matussek an einer ihm telefonisch durch das Satiremagazin Titanic angebotenen Position bei der rechtspopulistischen Nachrichten- und Meinungswebsite Breitbart News Network interessiert zeigte.
2017 äußerte Matussek, die „lustigen Aktionen“ der vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) seien „einfach so geil“. Im Juli 2017 erschien ein Artikel, in dem er seine Wandlung „zum heutigen Matussek“ skizzierte und sich selbst als „Sympathisant der Identitären“ bezeichnete. Im selben Jahr porträtierte Matussek in Roger Köppels Weltwoche die IB-Aktivisten Martin Sellner und Martin Lichtmesz unter dem Titel „Rechts. Na und?“.
Matussek bekannte sich öffentlich zur AfD und gehörte zu den Erstunterzeichnern der von Vera Lengsfeld ausgegangenen Initiative Gemeinsame Erklärung 2018. In deren Wortlaut wird eine Beschädigung Deutschlands durch „illegale Masseneinwanderung“ behauptet und Solidarität mit friedlichen Demonstranten bekundet, welche für eine Wiederherstellung der „rechtsstaatlichen Ordnung an den Grenzen unseres Landes“ demonstrieren. Nach Recherchen von Martin Machowecz gehört er auch zu einem hinter dieser Erklärung stehenden Zirkel um dessen Gründer Jörg Baberowski, dem auch Thilo Sarrazin, Monika Maron, Cora Stephan, Vera Lengsfeld und Dieter Stein angehören. Regelmäßiger Treffpunkt der Gruppe ist die Bibliothek des Konservatismus.