Matthias Jacob Schleiden (* 5. April 1804 in Hamburg; † 23. Juni 1881 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Botaniker und Mitbegründer der Zelltheorie. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Schleid.“
Matthias Schleiden war das erste Kind des Arztes Andreas Benedict Schleiden (1775–1853) und seiner Ehefrau Sophie Eleonore Schleiden geb. Bergeest (1776–1856). Er behielt zeitlebens engen Kontakt zu seinem jüngeren Bruder, dem Theologen und Schulgründer Heinrich Schleiden (1809–1890) in Hamburg. Matthias studierte zunächst Rechtswissenschaft an der Universität Heidelberg und wurde 1826 zum Doktor beider Rechte promoviert. Anschließend ging er zurück in seine Heimatstadt Hamburg; dort wurde er am 26. Oktober 1827 als Advokat zugelassen und war bis 1831 als solcher eingeschrieben. Nach einem Suizidversuch während einer depressiven Phase im Sommer 1832 nahm er Ende des Jahres an der Universität Göttingen ein Medizin-Studium auf, in dessen Verlauf sein Interesse für die Naturwissenschaften, speziell zur Botanik, immer mehr zunahm. Hier war er meistenteils Schüler von Friedrich Gottlieb Bartling. Er ging 1835 nach Berlin, studierte bei Johann Horkel und beschäftigte sich hauptsächlich mit Botanik, Pflanzenphysiologie und vor allem Pflanzenembryologie. 1838 hatte er die Zelle als Formelement der Pflanze und die Entwicklung der Pflanze aus der Zelle erkannt.
Im Jahr 1839 wurde er zum Dr. phil. promoviert und bekam im Januar 1840 einen Ruf als außerordentlicher Professor an der Universität Jena. 1850 avancierte er zum Ordinarius und man betraute ihn mit der Leitung des Botanischen Gartens der Universität. In Jena hielt Schleiden nicht nur Vorlesungen naturwissenschaftlich-botanischen Inhalts; er sprach auch über anthropologische, philosophische und kulturhistorische Themen. Genau wie Alexander von Humboldt wollte Schleiden beim gebildeten Bürger das Interesse an Naturwissenschaften wecken und fördern.
Er schrieb Beiträge zur Phytogenese und wies als erster Botaniker nach, dass die verschiedenen Teile der Pflanzen aus Zellen bestehen. Er erkannte auch die Bedeutung des Zellkerns, der 1831 von dem schottischen Botaniker Robert Brown entdeckt worden war. Schleiden war einer der ersten deutschen Botaniker, die Charles Darwins Evolutionstheorie akzeptierten.
1863 nahm Schleiden einen Ruf an die Kaiserliche Universität Dorpat an, wo man ihm einen Lehrstuhl für Pflanzenchemie anbot. Auch hier hielt er Vorträge für das Bildungsbürgertum. Missverständnisse und Streitereien mit der Kirche ließen ihn 1864 resigniert nach Dresden zurückkehren. Als Privatgelehrter wirkte er bis an sein Lebensende nacheinander in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt am Main.
In seinem wissenschaftlichen Werk stand Schleiden dem Philosophen Jakob Friedrich Fries nahe in seinem Kampf gegen jedwede Art von Spekulationen, welche Medizin und Naturwissenschaften der Romantik beeinflussten. Schleiden gehörte auch zu den bedeutendsten Pharmakognosten seiner Zeit. Zusammen mit Theodor Schwann, der 1839 die tierische Zellenlehre begründete, schuf Schleiden mit der Zelltheorie die Grundlagen der Zellularpathologie von Rudolf Virchow.
Schleiden erwarb sich Verdienste durch sein Eintreten gegen den erstarkenden Antisemitismus der 1870er Jahre.
Im Alter von 77 Jahren starb Matthias Jacob Schleiden am 23. Juni 1881 in Frankfurt am Main.
Schleiden verehelichte sich nach mehrjähriger Verlobungszeit am 27. Februar 1844 mit Sophia Milhelmine Bertha Mirus (* 8. Dezember 1814; † 21. Januar 1854), einer Tochter des Rats und Regiments-Arztes Johann Aldolph Lebrecht Ehrenfried Mirus in Weimar (* 1772; † 1. November 1847) und seiner Ehefrau Wilhelmine Johanna Juliana Mirus geb. Thon (* 28. Februar 1777; † 7. Juni 1843), Schwester des Sachbuchautors Christian Friedrich Gottlieb Thon. Der Ehe entstammten drei Töchter:
Christiane Eleonore Bertha (* 6. Dezember 1844; † 12. Dezember 1936) lebte lange im elterlichen Haushalt; nach einer Musikausbildung zog sie 1880 zu ihrer (geschiedenen) Klavierlehrerin Luise Langhans-Japha (1826–1910) in Wiesbaden.
Marie Sophie Benedicta (* 2. April 1847; † 16. Februar 1863) litt seit der Kindheit an einer unheilbaren Nierenkrankheit.
Wilhelmine („Minchen“) Louise Melanie (* 20. Oktober 1849; † 22. August 1926) verehelichte sich am 25. Januar 1876 in Wiesbaden mit Philipp Freytag (1840–1905), Stadtrichter in Breslau, ab etwa 1885 Oberverwaltungsgerichtsrat in Berlin. Sie schrieb jahrelang (bis zur Eheschließung) die Manuskripte ihres Vaters ins Reine. Ihre Töchter:
Thekla (1877–1933) ⚭ 1910 Mediziner Hermann Loeschcke (1882–1958).
Hedwig (1878–1952) ⚭ 1909 Kaufmann Paul Bondy (1881–1943), Bruder des Regisseurs Fritz Bondy (1888–1980).
Nach Berthas Tod im Januar 1854 verehelichte Schleiden sich am 29. Mai 1855 mit Therese Johanna Justina Amalia Marezoll (* 4. August 1820 in Gießen; † 19. August 1896 in Charlottenburg), dem ersten Kind des Universitätsjuristen Theodor Marezoll in Leipzig. Dadurch wurden Teile der verzweigten Familie Marezoll auch Teil der Familie Schleiden. So lebte Eleonore ab August 1858 für ein Jahr und erneut im Frühjahr 1860 bei Thereses Schwager Karl Broschmann, damals Schuldirektor in Colditz; Schleiden traf 1864 bei seiner Reise nach St. Petersburg mit ihrem Schwager Richard Voigt zusammen, Lehrer an der St. Annen-Schule dort. Therese unterhielt in allen Wohnorten, die die Familie im Lauf der Jahre hatte, lebhafte gesellschaftliche Kontakte.
Am 1. Januar 1838 wurde Schleiden mit dem akademischen Beinamen „Malpighi II“ als Mitglied in die Kaiserliche Leopoldino-Carolinische Akademie der Naturforscher aufgenommen. Seit 1849 war er Mitglied der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. 1854 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Die Russische Akademie der Wissenschaften nahm ihn 1850 als korrespondierendes Mitglied auf. Am 1. Mai 1860 wurde er auch als Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt aufgenommen. Ihm zu Ehren wurde die Gattung Schleidenia Endl. der Pflanzenfamilie der Raublattgewächse (Boraginaceae) benannt.
Nach Matthias Jacob Schleiden sind folgende Orte und Einrichtungen benannt:
Schleidenplatz in Berlin-Friedrichshain