Matthew Wayne Shepard (* 1. Dezember 1976 in Casper, Wyoming; † 12. Oktober 1998 in Fort Collins, Colorado) war ein US-amerikanischer Student der University of Wyoming, der im Oktober 1998 in Laramie (Wyoming) das Opfer eines vorsätzlichen Tötungsdelikts wurde. Sechs Tage nach der Tat starb er an den ihm zugefügten Verletzungen.
Der Fall erregte großes Aufsehen. Internationale Medien berichteten aufgrund der Aussagen der Täter, dass diese ihr Opfer wegen seiner Homosexualität ausgesucht hatten, was sowohl Kundgebungen von homosexuellen Bürgerrechtsbewegungen als auch Gegenkundgebungen von homophoben Gruppen auslöste. Das Verbrechen an Matthew Shepard führte wesentlich zu dem nach ihm mitbenannten Matthew Shepard and James Byrd, Jr. Hate Crimes Prevention Act, aufgrund dessen seit Ende 2009 in den USA ein sogenanntes hate crime (deutsch: „Hasskriminalität“) mit höheren Strafen belegt wird.
Matthew Wayne Shepard wurde am 1. Dezember 1976 als erster Sohn des Sicherheitsingenieurs Dennis Shepard und seiner Frau Judy Shepard, geborene Peck, geboren. Seine Eltern hatten sich Ende der 1960er-Jahre beim Studium in Laramie im Südosten des Bundesstaates, kennengelernt und in der örtlichen anglikanischen Kirche am 5. Mai 1973 geheiratet.
Nach dem Besuch der Grundschule (1983–1987) und der Dean Morgan Junior High School (1987–1992) besuchte er 1992 bis 1993 die Natrona County High School in Casper. Er trat dort dem Schulchor bei und betätigte sich im Schülerbeirat der Schule. Anfang 1993 erhielt sein Vater, der als Ingenieur für das Ölunternehmen Aramco International arbeitete, das Angebot, als Sicherheitsingenieur im Auslandsdienst in Saudi-Arabien zu arbeiten. Die Shepards verkauften ihr Einfamilienhaus in Casper (4730 South Oak Street, Casper, Wyoming, USA) und siedelten nach Dharhan in Saudi-Arabien an die Küste des Persischen Golfes. Matthew Shepard setzte seine Schullaufbahn an der American School in Switzerland (TASIS) in Montagnola am Luganersee fort.
In Montagnola lernte Shepard neben Deutsch, das er als Fremdsprache bereits in Casper gewählt hatte, auch noch Italienisch und Französisch. Er war kulturbeflissen, bildungsinteressiert und sprachbegabt; er interessierte sich für Literatur und schloss in der Schweiz und darüber hinaus in Europa viele Freundschaften. Shephard begann auch, Gedichte zu schreiben, sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch und Italienisch. Häufig reiste er während der Ferienzeiten nach Saudi-Arabien zu seinen Eltern und unternahm zahlreiche Reisen innerhalb Europas.
Die Theatergruppe der American School in Switzerland bot Shepard zudem die Möglichkeit, sein bereits während seiner Schulzeit in Wyoming zu Tage getretenes Interesse für die Welt des Theaters, für die Literatur von Theaterstücken und Bühnenauftritte zu professionalisieren. Seit 1993 trat er nicht nur selbst immer wieder als Laiendarsteller in Theaterinszenierungen der Schultheatertruppe auf (u. a. wirkte er in mehreren Inszenierungen der Stücke Shakespeares mit), sondern führte 1994/1995 als Laienregisseur auch selbst Regie und trat im Rahmen der allsommerlichen Abschlussfeierlichkeiten der Absolventen des Jahrgangs 1994 der TASIS als Impresario der damaligen Theaterdarbietung zu Ehren der Abschlussschüler.
Shepard erlernte schließlich auch die arabische Sprache innerhalb weniger Monate und konnte sich bald fließend mit den Einwohnern Saudi-Arabiens auf Arabisch verständigen; später fing er an, auch arabische Literatur im Original zu lesen.
1995 erwarb Shepard in der Schweiz seinen High-School-Abschluss. Im August 1995 begann er am Catawba College in Salisbury, North Carolina, ein Studium der Kunstwissenschaft. Im Sommer 1996 wechselte Shephard an das Casper College in seiner Heimatstadt Casper und ergänzte seine Studien um die Fächer Germanistik und Politikwissenschaften. Seine Mutter Judy Shepard kam aus Dharhan zurück nach Casper und schrieb sich ebenfalls am Casper College ein, und zwar im Fach Geschichte. In Casper schloss sich Shepard schließlich einer kleinen Vereinigung schwul-lesbischer Studierender des Casper College, den „fantastischen Sieben“ (The Fabulous Seven), an, die dadurch zur Gruppe der „Fabulous Eight“ wurde. Bei den wöchentlichen Treffen dieser studentischen Truppe lernte Matt Shepard Ende 1996 auch seine spätere, enge Freundin Romaine Patterson (* 1978) kennen. Sie wurde nach und nach zu seiner engen Bezugsperson und Matt schloss auch Freundschaft mit Romaines Lebenspartnerin Roni (1997).
Zum Ende des Wintersemesters 1996/1997 war seine Mutter nach Saudi-Arabien zurückgekehrt und Matthew Shepard war seiner Freundin Romaine Patterson nach Denver gefolgt, wo er sich ein Jahr lang niederließ (1997/1998). Das Jahr, das er in Denver zubrachte, wurde von schweren depressiven Schüben geprägt, die ihn immer wieder aufs Krankenlager warfen.
Romaine Patterson arbeitete als Kellnerin und Bardame in einem damals bekannten Café in Denver, „Diderich’s Café“, das von der deutschstämmigen Wirtsfamilie Diderich betrieben wurde. Matthew Shepard – von Depressionen heimgesucht und irgendwie auch von seinem studentischen und akademischen Umfeld entwurzelt – verbrachte viele Wochen mehr oder weniger untätig in Denver, erschien vormittags in Diderich’s Café, plauderte mit Romaine oder unterhielt sich mit den Gästen des Cafés vor allem über seine Reisen und seine Schulzeit in Europa.
Im Frühling 1998 entschloss sich Matthew Shepard, sein 1997 unterbrochenes Studium wieder aufzunehmen. Er hatte sogar die Idee, eines Tages in den diplomatischen Dienst der USA einzutreten. Dazu benötigte er jedoch einen Universitätsabschluss, die Zertifikate eines Colleges – wie in Casper oder Salisbury – wären dafür nicht ausreichend gewesen. Shepard schrieb sich für das Wintersemester 1998/1999 an der University of Wyoming in Laramie im äußersten Südosten des Staates ein, die bereits die Alma Mater des Vaters, Dennis Shepard, gewesen war. Nach Zimmersuche und der Auflösung seiner alten Wohnung in Denver zog er im August 1998 von Denver nach Laramie um. Die Vorlesungen und Lehrveranstaltungen begannen im August 1998. Im Sommer noch waren Judy und Dennis Shepard aus Saudi-Arabien angereist und hatten ihrem Sohn beim Umzug geholfen; die Familie verbrachte danach einige sommerliche Urlaubswochen zusammen in Wyoming, in der alten Heimat.
An der University of Wyoming fand Matthew Shepard schnell neue Freunde. Insbesondere seine Sprachgewandtheit, Welterfahrung und das europäische Flair, das ihn umgab, machte tiefen Eindruck auf die Kommilitonen. Shepard schloss sich der studentischen Vereinigung schwul-lesbischer Studierender auf dem Campus an und schloss mit deren Vorsitzendem, Jim Osborne, Freundschaft. Kurz vor seinem Tode wurde er noch in ein Amt der studentischen Selbstverwaltung der University of Wyoming gewählt (September 1998).
Der 21-jährige Matthew Shepard lernte am 6. Oktober 1998 in einer Bar auf dem College-Campus Aaron James McKinney (22 Jahre) und Russell Arthur Henderson (21 Jahre) kennen. Laut McKinney bat Shepard sie, ihn mit ihrem Pick-up nach Haus zu fahren. In der Folge wurde Shepard ausgeraubt, etwa 18 Mal mit einem .357-Magnum-Revolver geschlagen – vornehmlich auf den Kopf –, mit seinen Schnürsenkeln in einer einsamen ländlichen Gegend an einen Zaun gefesselt und seinem Schicksal überlassen. Das Blut in Shepards Gesicht wurde teilweise von Tränen weggespült, was darauf hindeutet, dass er nach der Tat zwischenzeitlich bei Bewusstsein gewesen sein muss. Wie die Freundinnen der Täter später unter Eid aussagten, flehte Matthew Shepard vergebens um sein Leben. McKinney und Henderson fanden Shepards Adresse heraus und beabsichtigten, laut McKinneys Aussage, bei ihm zu Hause einzubrechen. Als sie jedoch das Fahrzeug geparkt hatten, gerieten sie mit zwei Hispanics in Streit. McKinney schlug mit der gleichen Waffe, mit der er Shepard geschlagen hatte, auf einen der Hispanics ein, der dabei eine Schädelfraktur erlitt. Der Freund des Angegriffenen schlug ihn daraufhin mit einem kleinen Baseballschläger. Kurz bevor die Polizei eintraf, flohen alle vier Personen in verschiedene Richtungen. Sgt. Flint Waters konnte Henderson ergreifen und entdeckte danach im Fahrzeug Beweise, die Henderson und McKinney mit dem Mord an Shepard in Verbindung brachten. Shepard wurde 18 Stunden nach der Tat von zwei Radfahrern entdeckt, die ihn anfangs für eine Vogelscheuche gehalten hatten. Bis zu seinem Tod am 12. Oktober 1998 im Krankenhaus von Fort Collins, Colorado, erwachte er nicht mehr aus seiner Bewusstlosigkeit.