Mathilde ter Heijne (* 1969 in Straßburg, Frankreich) ist eine niederländische Künstlerin und Hochschullehrerin. Sie arbeitet mit Installation, Video, Skulptur, Performance und forschungsbasierten kollaborativen Formaten. Inhaltlich beschäftigt sich ihre Arbeit mit feministischer Geschichtsschreibung, kollektiver Erinnerung, gesellschaftlichen Machtverhältnissen sowie Formen von Teilhabe und künstlerischer Zusammenarbeit. Seit 2019 ist sie Professorin für Performance und zeitbasierte Medien an der Universität der Künste Berlin.
Mathilde ter Heijne studierte von 1988 bis 1992 an der Stadsacademie in Maastricht und von 1992 bis 1994 an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam. Anschließend entwickelte sie eine internationale Ausstellungspraxis mit Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa, Nordamerika und Asien.
Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist sie als Kuratorin, Initiatorin kollaborativer Projekte und Hochschullehrerin tätig. Zwischen 2011 und 2019 arbeitete sie als Professorin für neue Medien, Performance und Installation an der Kunsthochschule Kassel. Seit 2019 ist sie Professorin für Performance und zeitbasierte Medien an der Universität der Künste Berlin.
Im Zentrum des Werks von ter Heijne stehen Fragen nach Sichtbarkeit, Repräsentation und historischen Leerstellen, insbesondere in Bezug auf Frauen- und Sozialgeschichte. Viele Arbeiten verbinden dokumentarische Recherche mit installativen, performativen oder partizipativen Elementen.
Wiederkehrende Themen sind alternative Formen der Wissensproduktion, transgenerationale Erinnerung, dekoloniale Perspektiven sowie die Rolle von Kunst im öffentlichen Raum.
Zu der Arbeit Woman to go (2005), bestehend aus Postkartenständern mit frei mitnehmbaren Karten, schrieb der Kunstkritiker Hans-Jürgen Hafner, die Installation thematisiere Fragen von Verfügbarkeit, Identitätskonstruktion sowie das Verhältnis von Archiv, Dokumentation und Fiktion bei der Herstellung von Gedächtnis.
Die Kunsthistorikerin Jill Dawsey beschrieb ter Heijnes mannequinhafte Doppelgängerfiguren als eine Art „crash-test dummies“, mit denen die Künstlerin Mimesis, Selbstinszenierung und geschlechtsspezifische Gewalt untersuche.
Kollaborative und kuratorische Praxis
Im Jahr 2012 war ter Heijne Mitbegründerin des feministischen Kollektivs ff, das in Berlin Ausstellungen, Screenings und Diskussionsformate organisierte.
Seit 2020 ist sie Mitinitiatorin von art&dialogue e. V., einer Plattform für kollaborative und forschungsbasierte Kunstprojekte.
Aus dem seit 2015 entwickelten Projekt Pulling Matter from Unknown Sources ging 2021 das Kultur- und Community-Zentrum Maison Gbegbe in Agouegan (Togo) hervor.
Im Jahr 2019 war sie an dem Projekt Intersectional Matter an der Universität der Künste Berlin beteiligt, das sich mit Intersektionalität, künstlerischer Forschung und institutionellen Räumen auseinandersetzte.
Seit 2023 koordiniert sie das transdisziplinäre Festival Room to Expand an der Universität der Künste Berlin.
2002 Tragedy, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich
2005 BASE 103, Sammlung Goetz, München
2006 Woman to Go, Berlinische Galerie, Berlin
2009 Long Live Matriarchy!, Stedelijk Museum Bureau, Amsterdam
2010 Any Day Now, Kunsthalle Nürnberg