Mathias Spahlinger (* 15. Oktober 1944 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Komponist. Sein Schaffen vollzieht sich im Spannungsfeld der verschiedensten musikalischen Einflüsse und Stilrichtungen. Zwischen Renaissance und Jazz, zwischen musique concrète und Webernschem Minimalismus, zwischen Geräusch, Improvisation und Notation, zwischen ästhetischer Autonomie und politischem Bewusstsein tragen die Werke Spahlingers Konflikte in einer Weise aus, für die es keine Vorbilder gibt.
Sein Vater war Cellist. Er unterrichtete ihn ab 1951 im Spiel auf der Fidel, Gambe, Blockflöte und später auch dem Cello. Ab 1952 bekam Mathias Spahlinger Klavierunterricht. 1959 begann er sich intensiv mit dem Jazz zu beschäftigen, nahm Saxophonunterricht und wollte Jazzmusiker werden. 1962 verließ er die Schule und machte eine Schriftsetzerlehre. Währenddessen nahm er privat Kompositionsunterricht bei Konrad Lechner. Nach beendeter Lehre setzte er sein Studium bei Lechner an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt fort. 1968 wurde er Lehrer an der Stuttgarter Musikschule für Klavier, Theorie, musikalische Früherziehung und experimentelle Musik. 1973 bis 1977 studierte er Komposition bei Erhard Karkoschka an der Musikhochschule Stuttgart. 1978 wurde er Gastdozent für Musiktheorie an der Hochschule der Künste in Berlin, 1984 Professor für Komposition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Er war ab 1990 Professor für Komposition und Leiter des Instituts für Neue Musik an der Hochschule für Musik Freiburg. Seit 1996 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 2012 lehnte er das Förderhonorar der Ernst von Siemens Musikstiftung für seine Auftragskomposition „off“ (1993/2011) für das Schweizer Festival „usinesonore“ mit dem Hinweis auf die NS-Vergangenheit der Siemens AG (als Finanzquelle der Stiftung) und den Reklamecharakter von Kultursponsoring ab. Er lebt heute in Potsdam.
2014: Großer Kunstpreis Berlin
1981 Rou a GH i FF (strange?) – für 5 Jazzsolisten und Orchester
1986 inter-mezzo, concertato non concertabile tra pianoforte e orchestra
1988–1990 passage / paysage – für Orchester
1993 und als wir – für 54 Streicher
1997–1998 akt, eine treppe herabsteigend – für Bassklarinette, Posaune und Orchester (nach einem Werk von Marcel Duchamp)
2009 doppelt bejaht. etüden für orchester ohne dirigent – für Orchester
2011 lamento, protokoll – für violoncello und orchester
1969 fünf sätze – für zwei Klaviere
1972 phonophobie – für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott
1975 Vier Stücke – für Stimme, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier
1976 128 erfüllte augenblicke systematisch geordnet, variabel zu spielen – für Sopran, Klarinette, und Violoncello
1977 éphémère – für Schlagzeug, veritable Instrumente und Klavier
1979–1980 extension – für Violine und Klavier
1981 aussageverweigerung / gegendarstellung – zwei Kontra-Kontexte für Doppelquartett
1982 apo do (von hier) – für Streichquartett