Mateusz Jakub Morawiecki [maˈtɛuʃ jakub mɔraˈvjɛt͡ski] (* 20. Juni 1968 in Breslau) ist ein polnischer Politiker (PiS, Rozwój Plus) und ehemaliger Bankmanager. Er war von Januar 2025 bis September 2026 Präsident der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR).
Zuvor war er vom 16. November 2015 bis zum 11. Dezember 2017 stellvertretender Ministerpräsident sowie Wirtschafts- und Finanzminister im Kabinett von Beata Szydło und anschließend bis zum 13. Dezember 2023 Ministerpräsident der Republik Polen (Kabinette Morawiecki I, II und III). Seit 2019 gehört er dem Sejm in der IX. und X. Wahlperiode an.
Herkunft, Jugend und Ausbildung
Morawiecki ist Sohn des antikommunistischen Dissidenten und Politikers Kornel Morawiecki und engagierte sich als Jugendlicher ebenfalls für die politische Opposition in der damaligen Volksrepublik Polen. Während des Kriegsrechts war er zusammen mit anderen Aktivisten am Druck und Vertrieb von Veröffentlichungen der politischen Untergrundpresse beteiligt. 1986 begann er unter Pseudonymen selbst Artikel zu schreiben, die hauptsächlich im Biuletyn Dolnośląski veröffentlicht wurden.
1987 legte Morawiecki am Juliusz-Słowacki-Lyzeum in Breslau die Reifeprüfung ab. Als Student der Universität Breslau war er im Unabhängigen Studentenverband aktiv und Mitglied der von seinem Vater mitgegründeten „Kämpfenden Solidarność“. Zwischen 1988 und 1989 nahm er darüber hinaus an Besetzungsstreiks teil und war Mitorganisator des Klub Myśli Politycznej „Wolni i Solidarni“ (Klub der Politischen Meinung „Freie und Solidarische“), wofür er mehrmals aus politischen Gründen verprügelt, verhört und verhaftet wurde.
Morawiecki beendete sein Studium der Geschichtswissenschaft 1992 mit einer Magisterarbeit zum Thema Die Genese und die ersten Jahre der ‚Kämpfenden Solidarność‘ (mit Interviews mit 53 Oppositionellen). Ein Jahr später absolvierte er an der Technischen Universität Breslau sowie der Central Connecticut State University ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, wonach er 1995 das Diplom des Master of Business Administration an der Wirtschaftsakademie Breslau erlangte.
Mit Zbigniew Jagiełło, dem späteren Vorstandsvorsitzenden der PKO Bank Polski, verbindet Morawiecki seit dem Wirken in der „Kämpfenden Solidarność“ eine enge Freundschaft. Nach der politischen Wende hatten beide zunächst mit Kleidung gehandelt und Reklametafeln vermietet. 1989 gründeten sie die Handelsgesellschaft Reverentia, die unter anderem medizinische Ausstattung, Brandschutzmittel und Gartenartikel vertrieb und im Jahr darauf in einen Verlag umgewandelt wurde. Nebenbei schrieb Morawiecki als Redakteur für die Zeitschrift Dwa Dni und arbeitete von 1992 bis 1995 als Unternehmensberater für Verlage, Werbeagenturen und Finanzinstitute.
Ab 1995 konzentrierte sich Morawiecki vollständig auf Tätigkeiten im Finanzsektor und absolvierte unter anderem ein Praktikum bei der Deutschen Bundesbank. 1996 bis 1997 führte er Forschungsprojekte im Bereich des Bankwesens und der Makroökonomie an der Universität Frankfurt. Im gleichen Jahr schloss er an der Universität Hamburg ein Aufbaustudium im Bereich des europäischen Rechts und der wirtschaftlichen Integration ab. Danach studierte er von 1995 bis 1997 an der Universität Basel (Schweiz). In Zusammenarbeit mit dem Juristen Frank Emmert veröffentlichte er ferner das Handbuch für europäisches Recht.
1998 bis 2001 war er zudem Mitglied im Aufsichtsrat des städtischen Energieversorgungsbetriebes in Wałbrzych sowie der polnischen Industrie-Entwicklungs-Agentur in Warschau. Zur gleichen Zeit arbeitete er bei der Bank Zachodni und war unter anderem Berater des Vorstandsvorsitzenden. 2001 wurde er nach der Fusionierung mit der Wielkopolski Bank Kredytowy Vorstandsmitglied der neuen Bank Zachodni WBK. Ab Mitte 2007 leitete er für acht Jahre deren Vorstand. Durch die Fusion und den Anschluss an die spanische Banco Santander stieg die Bank Zachodni WBK unter Morawiecki zu Polens drittgrößter Bank auf. 2014 verdiente Morawiecki als Vorstandschef über 1,76 Millionen Złoty (umgerechnet 450.000 Euro).
1998 wurde Morawiecki Stellvertreter im polnischen Ausschuss für Europäische Integration in der Abteilung für Beitrittsverhandlungen. Er war Mitglied einer ministeriellen Gruppe, welche die Beitrittsbedingungen Polens in die Europäische Union in mehreren Bereichen zu verhandeln hatte. Als Repräsentant der „Wahlaktion Solidarność“ saß Morawiecki bereits 1998 bis 2002 als Abgeordneter im Regionalparlament der Woiwodschaft Niederschlesien.
2010 wurde er von Ministerpräsident Donald Tusk in den polnischen Wirtschaftsrat berufen. In diesem Amt lobte er in Interviews und bei öffentlichen Auftritten die Wirtschaftspolitik des Kabinetts Tusk.
Über die ebenfalls aus Breslau stammende Vizevorsitzende und Wirtschaftsexpertin der Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS), Aleksandra Natalli-Świat, näherte sich Morawiecki der PiS an. Ihre Rolle übernahm nach dem 10. April 2010 Beata Szydło, für die Morawiecki Analysen und Stichpunkte für Debatten und Auftritte verfasste, noch bevor Szydło Ministerpräsidentin wurde. Am 16. November 2015 wurde er im Kabinett von Beata Szydło zum Wirtschaftsminister ernannt und war ab dem 28. September 2016 auch Finanzminister. Seit 2016 gehört er auch selbst offiziell der PiS an.
Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Finanzminister lag in der Re-Polonisierung der polnischen Banken. In Polen tätige Banken im ausländischen Eigentum wurden auf freiwilliger Basis von staatlich kontrollierten polnischen Unternehmen gekauft.
Amtszeit als Ministerpräsident
Im Zuge einer Regierungsumbildung beschloss die PiS am 7. Dezember 2017, dass Morawiecki die bisherige Ministerpräsidentin Beata Szydło nach ihrem Rücktritt ablösen solle. Am 11. Dezember 2017 wurde er zum neuen Ministerpräsidenten Polens ernannt. Beata Szydło blieb in der Regierung als seine Stellvertreterin. Nach Berichten der polnischen Presse schloss sie sich mit dem rechtsextremen Justizminister Zbigniew Ziobro, der als Morawieckis politischer Rivale gilt, zusammen, um die auf Kompromisse mit der EU abzielende Politik Morawieckis zu hintertreiben. Bei der Sejmwahl 2019 gelang ihm erstmals die Wahl in das Parlament. Anschließend wurde er erneut zum Ministerpräsidenten ernannt.
Im Zuge des Krieges in der Ukraine reiste Morawiecki am 15. März 2022 zusammen mit dem polnischen Vize-Ministerpräsidenten Jarosław Kaczyński zu Gesprächen in die belagerte Hauptstadt Kiew. Ebenfalls an dem Besuch beteiligt waren der slowenische Ministerpräsident Janez Janša sowie der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala.
Im Dezember 2022 wurde bekannt, dass Morawiecki privat für 700.000 Zloty (rund 150.000 Euro) ein Grundstück aus kirchlichem Besitz gekauft hatte, dessen Marktwert vier Millionen Zloty (rund 850.000 Euro) betrug.
Nach der Parlamentswahl 2023, bei der er erneut in den Sejm gewählt worden war, machten ihn Parteigänger des Justizministers Zbigniew Ziobro für die Niederlage des Regierungslagers verantwortlich. Es sei Morawieckis fundamentaler Fehler gewesen, überhaupt mit der EU-Kommission über deren Forderungen zur Wiederherstellung der Rechtstaatlichkeit in Polen zu reden. Das Magazin Polityka schrieb, dass es Morawiecki nicht gelungen sei, die Vorwürfe zu entkräften; er habe oft faktenwidrige Angaben über angebliche Erfolge seines Kabinetts gemacht. Morawiecki habe deshalb im Volksmund den Spitznamen „Pinocchio“ bekommen.