Mary Wollstonecraft /ˈwʊlstənkrɑːft/ (* 27. April 1759 in Spitalfields, London; † 10. September 1797 in London) war eine englische Schriftstellerin, Philosophin, Frauenrechtlerin und Übersetzerin irischer Abstammung. Ihr bekanntestes Werk ist A Vindication of the Rights of Woman (1792), ein wegweisendes Werk der feministischen Philosophie, das für die Gleichheit von Männern und Frauen in allen Aspekten (moralisch, politisch, ökonomisch und legal) argumentiert. Die Grundlage ihrer Argumentation bildet sich aus der Überzeugung, dass Frauen, ebenso wie Männer, vernunftbegabte Wesen sind. Zentral für die Umsetzung der Gleichberechtigung sei das Recht von Frauen auf Bildung.
Während ihrer Karriere schrieb sie neben philosophischen Werken auch Romane, Reisetagebücher und eine Darstellung der Französischen Revolution.
Wollstonecraft wurde als zweites von sieben Kindern des Webers und Landwirtes Edward John Wollstonecraft und seiner Ehefrau Elizabeth Dickson geboren. Der Vater war Alkoholiker; er misshandelte seine Ehefrau und missbrauchte die Töchter. Beruflich war er erfolglos und die Familie hatte oft finanzielle Schwierigkeiten. Seit Mary Wollstonecrafts frühester Kindheit zog die Familie immer wieder um. Länger als sechs bis sieben Jahre blieb sie nie an einem Ort. Deshalb wies Wollstonecrafts Schulbildung etliche Lücken auf. Doch Mary Wollstonecraft füllte diese Lücken in mühevollem Selbststudium und war ihr ganzes Leben über bestrebt zu lernen; ein großes Lebensziel war unter anderem die gleichberechtigte Schulbildung für Mädchen. Mit 19 Jahren ging sie von 1778 bis 1779 als Gesellschafterin einer älteren Dame nach Bath, kehrte aber 1780 zur Pflege ihrer erkrankten Mutter ins Elternhaus zurück. Nach dem Tod der Mutter gründete sie mit ihren Schwestern Eliza und Everina und ihrer Kindheitsfreundin Fanny Blood eine private Schule in London und unterrichtete dort bis 1786. In den Jahren 1782 bis 1785 gehörte sie der unitarischen Gemeinde um die Newington Green Unitarian Church an, die den nonkonformistischen Dissenters zugerechnet wurde, und stand im Austausch mit dem dortigen Prediger und Philosophen Richard Price.
1785 reiste Wollstonecraft nach Lissabon, um ihrer besten Freundin, der Illustratorin Fanny Blood, bei der Schwangerschaft und Geburt des ersten Kindes beizustehen. Blood war zuvor nach Lissabon gereist, um zu heiraten, und starb letztlich bei der Geburt. Im Dezember kehrte Wollstonecraft nach London zurück. Aufgrund von finanziellen Problemen, die während ihrer Abwesenheit entstanden waren, schloss Wollstonecraft im Januar 1786 die Schule. Um die Schulden zu bezahlen, nahm sie eine Stelle als Gouvernante in Irland an und begann damit, Thoughts on the Education of Daughters zu schreiben.
1787 wurde Wollstonecrafts Thoughts on the Education of Daughters von dem Verleger Joseph Johnson veröffentlicht. Ihre Stelle als Gouvernante wurde ihr im selben Jahr gekündigt. Durch ihre Arbeit als Übersetzerin und Leserin für Johnson konnte sie sich allerdings in London selbst finanzieren. 1788 veröffentlichte Johnson ebenfalls Wollstonecrafts ersten Roman Mary: A Fiction, Original Stories from Real Life. Sie wurde Teil von Johnsons Kreis von progressiven Schriftstellenden und Künstlern. Im Jahr 1790 veröffentlichte sie, zunächst anonym, A Vindication of the Rights of Men, welche sie als Reaktion auf Edmund Burkes Reflections on the Revolution in France (1790) geschrieben hatte. Durch die Auseinandersetzung mit dem seinerzeit hoch angesehenen Philosophen und Politiker wurde Mary Wollstonecraft schlagartig bekannt und ihre Veröffentlichungen erhielten große Resonanz.
Mary Wollstonecraft arbeitete auch als Übersetzerin für Deutsch, Französisch und Italienisch. Sie übersetzte beispielsweise das Werk Elements of morality for the use of children des deutschen Pfarrers und Pädagogen Christian Gotthilf Salzmann.
Im Januar 1792 veröffentlichte Wollstonecraft ihr bekanntestes Werk A Vindication of the Rights of Woman. Im selben Jahr reiste sie nach Frankreich, wo drei Jahre zuvor die Französische Revolution begonnen hatte. Das Werk widmete sie dem damaligen französischen Konventabgeordneten und späteren Außenminister Charles Maurice de Talleyrand, von dem sie sich einen Einsatz für die Rechte der Frauen erhoffte. Sein Vorschlag zur Bildung von Frauen in Frankreich hatte sie enttäuscht.
In diesem Winter 1792/1793 lernte Wollstonecraft bei ihrem lange geplanten Frankreichaufenthalt in Paris den amerikanischen Geschäftsmann Gilbert Imlay kennen, mit dem sie ab Mitte April 1793 eine Beziehung einging. Nach dem Aufstand der Pariser Sansculotten und dem Sturz der Girondisten wurde die Situation in Paris derart bedrohlich, dass Mary Wollstonecraft mit ihrem Geliebten nach Le Havre umzog. Am 14. Mai 1794 kam dort Fanny, die Tochter der beiden, zur Welt. Imlay ließ Wollstonecraft, obwohl sie nicht verheiratet waren, als seine Frau bei der amerikanischen Botschaft registrieren. Auf diese Weise war Wollstonecraft dadurch geschützt, dass sie theoretisch die amerikanische Staatsbürgerschaft in Anspruch nehmen konnte. 1794 schrieb und veröffentlichte Wollstonecraft A Historical and Moral View of the Origin and Progress of the French Revolution. Während Imlay bereits nach England zurückkehrte, blieben Wollstonecraft und ihre Tochter Fanny in Frankreich. 1795 folgte Wollstonecraft Imlay zurück nach London und erfuhr dort von seiner Untreue. Sie versuchte sich umzubringen, was Imlay verhinderte. Im Sommer 1795 unternahmen Imlay, sie und ihre Tochter eine dreimonatige Reise durch Skandinavien. Ihre Letters Written During a Short Residence in Sweden, Norway, and Denmark wurden 1796 veröffentlicht. Im September kehrte Wollstonecraft mit ihrer Tochter zurück nach England. Durch die sich auflösende Beziehung zwischen Imlay und ihr wurde Wollstonecraft zunehmend depressiv. Sie überlebte einen weiteren Suizidversuch am 10. Oktober 1795.
Am 14. April 1796 besuchte Wollstonecraft den proto-anarchistischen Schriftsteller William Godwin, den sie schon 1791 bei einem Empfang ihres Verlegers Johnson kennengelernt hatte. Am 29. März 1797 heirateten Wollstonecraft und Godwin in der St Pancras Church, London. Am 30. August 1797 kam ihre gemeinsame Tochter Mary zur Welt, die spätere Autorin des Romans Frankenstein. Nach deren Geburt erkrankte sie durch einen in der Gebärmutter verbliebenen Mutterkuchen schwer und starb elf Tage darauf am Kindbettfieber. Noch im 19. Jahrhundert hatten Geburten, aufgrund der mangelhaften hygienischen Verhältnisse, oft tödliche Folgen und für die tödliche Sepsis, an der Mary Wollstonecraft verstarb, gab es damals noch keine geeignete Behandlung. Nach ihrem Tod gab ihr Ehemann ihre Posthumous works in vier Bänden heraus und verewigte sie in seinem Roman St. Leon von 1799.
Die Tochter Mary Godwin, später Mary Shelley, wurde später Autorin des berühmten Romans Frankenstein.
Thoughts on the Education of Daughters
Bei der Thoughts on the Education of Daughters handelt es sich um eine pädagogische Schrift, die 1787 als Wollstonecrafts erstes Werk veröffentlicht wurde. Bereits am Anfang dieses Werkes appelliert Wollstonecraft an die Eltern, dass es sich um ihre Pflicht handelt, sicherzustellen, dass ihre Kinder lernen sollen, ihre Vernunft zu benutzen und zu beherrschen. Die Wichtigkeit von Vernunft für Wollstonecraft lässt sich in all ihren Werken wiederfinden. Wollstonecraft zieht es in ihrem Werk vor, dass Kinder häuslich erzogen werden und dass Mädchen und junge Frauen dazu gebracht werden, sich innere Ressourcen anzueignen, um psychologisch unabhängiger zu sein. Zudem sollen Kinder auf das „Hauptgeschäft des Lebens“ vorbereitet werden - die Erlangung von Tugendhaftigkeit und Autonomie. Wollstonecraft wurde durch die britische Frauenrechtlerin und Historikerin Catherine Macaulay in ihren pädagogischen Werken beeinflusst.
A Vindication of the Rights of Men
Das Werk A Vindication of the Rights of Men verfasste Wollstonecraft im November 1790 als Antwort auf Edmund Burkes Reflections of the Revolution in France (1790). Sie kritisiert in ihrem Werk Burkes Verteidigung der Monarchie und seine Abwertung der Rechte des Menschen bzw. Mannes. Zudem befürwortet sie den Republikanismus und verteidigt die Französische Revolution. Ihrer Meinung nach sei Burke mit seiner positiven Position zur Monarchie außerdem inkonsistent zu seinen vorherigen Schriften. Eine Kritik, mit der sie nicht alleine war.