An diesem Tag

Mary Ellen Pleasant

US-amerikanische Bürgerrechtlerin und Unternehmerin

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Mary Ellen Pleasant (* 19. August 1814 in Philadelphia; † 11. Januar 1904 in San Francisco) war eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin und Unternehmerin. Sie verhalf durch großzügige Geldspenden an das Netzwerk des Underground Railroad versklavten Afroamerikanern zur Flucht und unterstützte den weißen Abolitionisten John Brown finanziell. In San Francisco klagte sie mehrmals erfolgreich gegen die Diskriminierung der Schwarzen und wird daher mitunter als „Mutter der Bürgerrechte in Kalifornien“ bezeichnet. Durch ihr unternehmerisches Talent und geschickte Investitionen wurde sie nach dem Sezessionskrieg eine reiche Landbesitzerin und ist damit möglicherweise die erste schwarze Millionärin der Vereinigten Staaten.

Zu Mary Ellen Pleasants Herkunft gibt es widersprüchliche Angaben. Sie selbst behauptete, als Freie in der Barley Street 9 in Philadelphia geboren worden zu sein. Ihr Vater wäre ein Hawaiianer namens Louis Alexander Williams gewesen, der mit Seide handelte und ihre Mutter eine Afroamerikanerin namens Mary aus Louisiana, nach der sie benannt worden war. Tatsächlich ist während der 1810er und 1820er die Anwesenheit eines Alexander Williams in Philadelphia durch eine Volkszählung nachgewiesen. Laut Aussagen ihrer Bekannten in San Francisco hingegen wurde sie in die Sklaverei geboren, entweder in Georgia oder in Louisiana. So wird mitunter der Weiße John Hampden Pleasants als möglicher Vater genannt. Daher nehmen Historiker an, dass sie entweder ihre Geburt in Sklaverei verschwieg oder dass ihre schwarzen Freunde lediglich behaupteten, sie wäre Sklavin gewesen, um ihren späteren Aufstieg umso dramatischer darzustellen.

Im Alter zwischen 6 und 11 Jahren wurde sie nach Nantucket in Massachusetts geschickt, wo sie bei einer Quäkerin namens Mary Hussey aufwuchs. Die African Baptist Church von Nantucket führt den Namen Mary E. Williams als eines der ersten Mitglieder auf. Pleasant erzählte später, ihr Vater hätte Hussey Geld für ihre Ausbildung gegeben, doch hätte die Frau sie im Laden arbeiten lassen, statt sie in die Schule zu schicken. Erst als Erwachsene, um ca. 1849, lernte sie lesen und schreiben. Trotz der fehlenden Ausbildung stellte sich das Mädchen als charismatisch und scharfsinnig heraus.

Über ihre erste Ehe herrscht Unstimmigkeit. Einem Interview von 1895 zufolge zog sie um 1840 nach Philadelphia, wo sie einen Afroamerikaner namens James Henry Smith heiratete. In einem handschriftlichen Fragment schrieb Mary Pleasant, dass ihr Mann der Sohn einer schwarzen Frau und eines Gouverneurs der Südstaaten war und mit seinen Brüdern in den Nordstaaten eine Ausbildung erhielt. Einer anderen Quelle zufolge heiratete sie den kubanischen Abolitionisten James W. Smith und lebte mit ihm in Boston. Mitunter wird Smith als gewalttätig und als Mitglied des Underground Railroad beschrieben. In jedem Fall starb er ca. 1844 und hinterließ seiner Frau seinen gesamten Besitz. Während über die tatsächliche Summe nur spekuliert werden kann, machte sie Pleasant zu einer reichen, unabhängigen Witwe. Aus der Ehe ging ihre Tochter Elizabeth „Lizzie“ Smith hervor.

Einer Quelle zufolge betätigte Mary Pleasant sich bereits während ihrer ersten Ehe als Fluchthelferin für Sklaven, andere siedeln ihre Aktivitäten erst später an. Ungefähr 1848 heiratete sie den ehemaligen Sklaven John James Pleasant und zog spätestens 1852 nach San Francisco, Kalifornien. Dort arbeitete sie zunächst als Köchin, nutzte jedoch das hinterlassene Vermögen ihres ersten Ehemannes für Spekulationen und Investitionen. Da sie für Bankiers und Minenbesitzer Geschäftsessen organisierte, erfuhr sie aus deren Gesprächen von lohnenswerten Investitionsmöglichkeiten. Sie war mit 15.000 US-Dollar in Gold nach San Francisco gekommen und griff auf die Hilfe von alten Freunden und Bekannten zurück, um es lukrativ anzulegen, mitunter für 10 Prozent Zinsen. Auch tauschte sie je nach Situation Gold in Silber, legte das Silber an und ließ es sich später wieder in Gold auszahlen. Um 1855 hatte sie damit genug Einnahmen erzielt, um mehrere Wäschereien zu betreiben.

Einen Großteil des Geldes verwendete Mary Pleasant darauf, geflohene Sklaven zu unterstützen. Sie stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung, die den Schwarzen die sichere Flucht aus den Südstaaten ermöglichte. In San Francisco angekommen, wurden die Flüchtlinge von ihr versorgt und entweder in ihren Herbergen versteckt oder nach Möglichkeit in Dienstverhältnissen untergebracht. Anderen half sie dabei, ihre eigenen Geschäfte zu eröffnen.

Insbesondere alleinstehende Frauen genossen Mary Pleasants Unterstützung. Ungebildete Frauen erhielten von ihr Unterricht darin, sich ordentlich zu kleiden und angemessen auszudrücken. Pleasants Hilfe ermöglichte es ihnen, sich ein unabhängiges Leben aufzubauen oder gut situierte Ehemänner zu finden. Bei Letzterem griff sie auf das placage der Südstaaten zurück, ein System, das ursprünglich dazu diente, Beziehungen und Eheschließungen für reiche, weiße Männer zu arrangieren. Im San Francisco des Kalifornischen Goldrauschs kam mitunter auf 48 Männer nur eine einzige Frau, weshalb Pleasants Partnervermittlung äußerst erfolgreich war. In einigen Fällen soll sie in Bordelle gestürmt sein, um ahnungslose, neu angekommene Mädchen in Sicherheit zu bringen. Falls sie tatsächlich selbst bordellos für ihre Partnervermittlung nutzte, wie ihre Feinde später behaupteten, trat sie niemals offiziell als die Inhaberin auf. Für ungewollte Kinder fand sie neue Familien.

In dieser Zeit wurde sie auch offiziell für die Rechte der Schwarzen aktiv. Obwohl Kalifornien selbst nicht zu den Sklavenhalterstaaten zählte, bot das Gesetz keinerlei Schutz für flüchtige Sklaven. Schwarze durften vor Gericht nicht aussagen und ihre Besitzer hatten laut dem Fugitive Slave Law of 1850 das Recht, ihre Auslieferung zu verlangen oder sie mit Gewalt zurückzuholen. Mary Pleasant versteckte die Flüchtlinge in ihrem eigenen Haus oder bei Weißen, für die sie arbeitete, und verschaffte ihnen Rechtsbeistände. Auch finanzierte sie Kampagnen gegen das Fugitive Slave Law und gilt als treibende Kraft in der Abschaffung des Verbots der Zeugenaussage für Schwarze, weshalb sie mitunter als „Mutter der Bürgerrechte in Kalifornien“ bezeichnet wird.

Über Mary Pleasants Begegnung und Zusammenarbeit mit dem Abolitionisten John Brown gibt es verschiedene Überlieferungen, da lediglich Aussagen von Pleasant selbst und schriftliche Berichte ihrer Freunde existieren. Einigen Quellen zufolge war sie der Überzeugung, dass die Sklaverei nur durch einen bewaffneten Aufstand beendet werden konnte, weshalb sie 1858 ihre Wäschereien vermietete. Am 5. April segelten sie und ihr Ehemann von San Francisco nach New York, wo sie sich einen Teil des von ihr überwiesenen Geldes als Wechsel ausstellen ließ, bevor sie nach Chatham, Kanada, weiterreisten. Dort traf sie sich eigenen Angaben und Briefen ihrer Freunde zufolge mit John Brown in einer Herberge in der King Street. Tatsächlich wird in einer alten Monografie bestätigt, dass Brown sich im Frühjahr 1858 in der King Street aufhielt.

Laut ihrer Biografin Lynn Downey übergab Pleasant ihm als Unterstützung die stattliche Summe von 30.000 US-Dollar. Susheel Bibbs hingegen zweifelt die Geschichte an, da der Betrag zu dem Zeitpunkt Marys gesamtes Vermögen dargestellt hätte. Sie zitiert Briefe von Pleasants altem Freund William Gardner, aus denen hervorgeht, dass er die 30.000 Dollar eingefroren hatte und Pleasant Brown lediglich den in New York ausgestellten Wechsel übergab. Auch soll sie während des Treffens Brown als ungestümen, unüberlegten Charakter eingestuft haben, dem sie nicht ihr ganzes Geld aushändigen wollte. John Browns Kinder Jason und Susan Brown bestätigten in einem 1903 veröffentlichten Artikel, dass „eine farbige Frau“ ihrem Vater damals in Chatham Geld gab, jedoch hätte John Brown niemals ihren Namen verraten. Pleasant selbst beharrte bis zu ihrem Tod darauf, dass sie Brown finanziell unterstützt hatte und es die wichtigste, bedeutsamste Tat ihres Lebens war.

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