An diesem Tag

Martin Kröncke

Deutscher Münzmeister und preußischer Generalmünzdirektor

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Martin Kröncke (auch Marten Kröncke; getauft am 6. Juli 1705 in Neuenkirchen, Land Hadeln; † 26. April 1774 in Berlin) war ein deutscher Pädagoge, Freimaurer, Münzmeister und etwas mehr als sechs Jahre lang Generalmünzdirektor des Königreiches Preußen.

Aus bescheidenen dörflichen Verhältnissen stammend, erarbeitete sich Kröncke seine Kenntnisse zur Numismatik weitgehend autodidaktisch und stieg während der Regentschaft König Friedrichs II. zum einflussreichsten Finanzbeamten auf. Nach dem wirtschaftlich verheerenden Siebenjährigen Krieg gelang es ihm, die finanzielle Situation Preußens zu stabilisieren.

Bereits zu Krönckes Lebzeiten war kaum etwas über seine Biographie bekannt, wozu er durch das konsequente Schweigen bezüglich seines Privatlebens entscheidend beitrug. Die Angaben zu seiner Person stützen sich auf nur wenige Quellen. In seinem Heimatort ist der Marten-Kröncke-Weg nach ihm benannt.

Herkunft, familiäres Umfeld und Ausbildung

Marten Kröncke kam als Sohn der Pastorentochter Anna und des Bauern Dietrich (Dierk) Kröncke in Neuenkirchen zur Welt. Der genaue Standort seines Geburtshauses ist dabei umstritten – manche Autoren nennen die Gemarkung Katthusen, andere den unmittelbar angrenzenden Ortsteil Dörringworth. Auch hinsichtlich der Straße variieren die Angaben. Entweder war es ein Bauernhof im Windweg oder in der Straße In der Hundt. Lutherisch getauft wurde er von Pastor Hector Mithobius auf den Namen seines Großvaters († 1699) väterlicherseits, der aus Hüll stammte. Die Taufe fand entweder auf dem elterlichen Hof oder in der Neuenkirchener St.-Marien-Kirche statt und als Taufpaten fungierten die Nachbarn. Mit Margarethe hatte Marten zunächst eine Schwester.

Gut ein Jahr nach der Geburt starb sein Vater am 12. Oktober 1706 im Alter von 26 oder 27 Jahren. Die verwitwete Mutter heiratete am 4. Oktober 1707 den Witwer Paul Hottendorf vom Nachbarhof, der mehrere Kinder in die Ehe mitbrachte. Darüber hinaus bekam das Ehepaar den Sohn Johann sowie die Tochter Anna. 1713 verstarb Paul Hottendorf allerdings – zusammen mit den beiden gemeinsamen sowie einem seiner vorherigen Kinder erlag er der Pest. Anna war zu diesem Zeitpunkt mit Martens Halbbruder Johann schwanger, der am 20. März 1714 geboren wurde und später den elterlichen Hof übernahm sowie (Deich-)Schultheiß in Neuenkirchen wurde. Im selben Jahr heiratete sie Carsten Niebuhr.

Marten Kröncke verlebte seine Jugendjahre im Land Hadeln in den Elbmarschen, das damals mit weitgehender Selbstverwaltung unter direkter kaiserlicher Landeshoheit stand. Er besuchte die Dorfschule Neuenkirchen und galt als sehr begabter Schüler. Die Neuenkirchener Kantoren Michael von Spreckelsen (amtierte 1689–1718) und Dietrich Hincke (amtierte ab 1718), letzterer war auch Schulleiter, erkannten seine Talente und förderten ihn. Im Alter von 15 Jahren verließ er die Schule. Die ursprüngliche niederdeutsche Variante seines Vornamens (Marten) sollte er im Laufe seines späteren Lebens in das hochdeutsche Martin ändern.

Nachdem er die Schule verlassen hatte, arbeitete Kröncke ab dem Alter von 15 Jahren zunächst – „der Sitte der Zeit entsprechend“ – als Hauslehrer auf unterschiedlichen Höfen. Darüber hinaus stellte Hincke ihn als seinen Adjunkt an. Anschließend gründete er im Haus des Schmiedes Carsten Junge in Osterende-Altenbruch eine eigene „Heubodenschule“, deren Leitung er übernahm und an der er mehrere Jahre lang unterrichtete. 1727 zog er ohne jegliche finanzielle Mittel nach Hamburg und fand in der Hansestadt Anstellung als Privat- und Hauslehrer bei wohlhabenden Bürgerfamilien. Sein dabei verdientes Einkommen investierte er größtenteils in die eigene Weiterbildung, insbesondere auf dem Gebiet der Mathematik, sodass er oftmals in prekäre finanzielle Lagen geriet und Hunger litt. Von Zeit zu Zeit schickte ihm Dietrich Hincke aus der Heimat Zuwendungen in Form von Lebensmittelpaketen oder Kleidung.

Er begann, sich aus privatem Interesse mit Numismatik zu befassen, für die er rasch eine Leidenschaft entwickelte. Eine handschriftliche Notiz von Wilhelm Jesse gibt an, dass Kröncke bei der Hamburgischen Münze lernte. Ob es sich dabei um eine vollwertige Ausbildung handelte und ob dies nach oder parallel zur Lehrtätigkeit geschah, ist unklar. Jesse liefert keine Quellenangabe für diese Behauptung und nahezu alle schriftlichen Unterlagen der Hamburger Münzprägeanstalt wurden während des Stadtbrandes von 1842 vernichtet. Schließlich veröffentlichte Kröncke eine Broschüre über das Münzwesen, in der er die Schaffung einer von dem damals maßgebenden Leipziger Fuß unabhängigen Währung diskutierte. Das Werk fand in Hamburg einige Beachtung.

Über Braunschweig nach Breslau

Im Laufe der Jahre gelang es ihm, Bekanntschaften zu einigen einflussreichen Persönlichkeiten zu knüpfen. Ein befreundeter Hamburger Kaufmann – dessen Kinder Kröncke unterrichtet hatte – nahm mehrere Exemplare der Schrift mit zur Braunschweiger Messe, wo sie das Interesse von Herzog Karl I. sowie dessen Münz-Kommissar Johann Philipp Graumann erregte. Letzterem sagten Krönckes Ausführungen derart zu, dass er diesen zwischen Januar und März 1742 als Buchhalter oder Wardein nach Braunschweig berief. Später stieg Kröncke dort zum Münzfaktor auf. Als solcher war er für das fiskalische Funktionieren der Münzanstalt und die Metallbeschaffung zuständig. Zusammen mit Graumann, der ihn explizit für seine Ehrlichkeit lobte, veröffentlichte er Mitte August 1748 die „bahnbrechend wirkende“ Schrift Die Teutsche und anderer Völker Münzverfassung, die eine Rechnung nach dem Leipziger Fuß nicht mehr zuließ, und das Augenmerk des preußischen Königs Friedrich II. auf die Braunschweiger Münzbeamten lenkte.

Nachdem Graumann im Jahr 1750 als Geschäftsführer aller Münzstätten und Generalmünzdirektor nach Berlin gewechselt war, empfahl er dem König eine Anstellung Krönckes und Johann Georg Eimbkes (1714–1793) in der staatlichen Münzverwaltung. Beide erhielten noch im gleichen Jahr Positionen in Breslau: Eimbke als Münzdirektor und Kröncke als zweiter Münz-Wardein und Münzfaktor. Als solcher oblag ihm die Beaufsichtigung der Münzherstellung, insbesondere die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich Gehalt und Wert der verschiedenen Münzsorten. Eimbke verlor jedoch schnell das Vertrauen seiner Berliner Vorgesetzten, da er zu wenig Autorität ausstrahlte und zudem wegen mangelhafter Aufsicht ein Fehlbetrag von 1739 Reichstalern in der Münzkasse entstand. Man enthob ihn seines Amtes und versetzte ihn nach Königsberg oder Kleve. Am 5. Januar 1751 wurde Kröncke zum Breslauer Münzdirektor ernannt. Derweil hatte Graumann – maßgeblich angeregt durch Krönckes Überlegungen – preußenweit den Graumann’schen Münzfuß (auch 14-Taler-Münzfuß genannt) eingeführt. Scharfer Widerstand aus den Reihen der Kaufleute und Regierungsbeamten führte allerdings dazu, dass Friedrich II. ihn 1754 zwar nicht entließ, wohl aber entmachtete.

Die von Eimbke verschuldeten Nachlässigkeiten konnten erst nach vier Jahren vollständig aufgeklärt werden. Kröncke führte darüber mit ihm einen zeitweise sehr erbosten Briefwechsel und schrieb ihm, dass er Gott bitten würde, ihn [Kröncke] nirgends Direktor werden zu lassen, wo zuvor Eimbke es gewesen sei. Ein zweiter Finanzskandal ereignete sich etwas mehr als ein halbes Jahr nachdem Kröncke die Leitung übernommen hatte. Der seit 1743 als Münzmeister in Breslau tätige Adam Heinrich von Ehrenberg war den Ansprüchen, die die verzehnfachte Produktion an die Mitarbeiter stellte, nicht gewachsen und häufte beim Silber einen Weißsiedeabgang in Höhe von 15.881 Talern an. Er wurde daher im Herbst 1751 entlassen, verhaftet und man machte ihm den Prozess. Es stellte sich heraus, dass er nicht in böser Absicht, sondern nur nachlässig und unklug gehandelt hatte. Graumann forderte eine Ersetzung des Verlustes und auch der König sprach sich angesichts der Verantwortung der Münzbeamten und des in sie gesetzten Vertrauens für eine Verurteilung aus. Letztlich wurde der betagte von Ehrenberg im Juni 1753 unter Auflagen aus der Haft entlassen. Als neuen Münzmeister stellte Kröncke Georg Heinrich Singer (1728–1779) an.

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