An diesem Tag

Martin Jahn (Künstler)

Deutscher Maler, Zeichner und Kunstpädagoge

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Martin Jahn (* 10. November 1898 in Potsdam; † 6. Juli 1981 in Darmstadt) war ein deutscher Maler, Zeichner und Kunstpädagoge.

Martin Jahn war der Sohn eines Potsdamer Kunstschlossers, der auch zu Arbeiten für das schmiedeeiserne Gitter um das Berliner Stadtschloss herangezogen wurde. Nach der Schule arbeitete er in einer Kunstschlosserei, dann in einer lithographischen Anstalt. Von 1916 bis 1919 besuchte er die Staatliche Kunstschule zu Berlin, die Zeichenlehrer im Sinne des Naturalismus ausbildete, legte dort das Staatsexamen ab und entschloss sich, sein Studium nach der Referendarzeit in Potsdam und Berlin am 1919 von Walter Gropius gegründeten Bauhaus Weimar fortzusetzen. Er wurde zum Wintersemester 1920 dort aufgenommen.

Studierender am Bauhaus Weimar

Martin Jahn absolvierte die Vorlehre bei Johannes Itten und wurde danach in der Metallwerkstatt ausgebildet, die nacheinander unter der künstlerischen Leitung von Johannes Itten, Paul Klee und László Moholy-Nagy stand, und nahm Anregungen von Lyonel Feininger auf.

1923 legte er vor der Handwerkskammer Weimar seine Gesellenprüfung als Silberschmied ab.

Die Abbildung seines Gesellenstücks, einer Mokkakanne aus Bronze, ist in jedem Standardwerk über das Bauhaus enthalten. Jahn allerdings hat später nie wieder mit Metall gearbeitet, sondern sein künstlerisches Talent ausschließlich dem Malen und Zeichnen gewidmet. Das Bronzekännchen gehört heute zur Sammlung des Bauhaus-Museums Berlin, ebenso wie eine Reihe von Zeichnungen, die in Ittens Vorlehre entstanden. Jahns herausragendes Zeichentalent war offensichtlich: Bereits in seinem Aufnahmesemester wurde er mit der Einladungsgestaltung zur Einweihung von Haus Sommerfeld betraut, dessen Architekt der Bauhaus-Direktor Walter Gropius war. Der beurteilte Jahn in einem „Zeugnis“ von 1925:

„Seine Begabung lag im besonderen auf der künstlerischen und vor allem auf der zeichnerischen Seite. Diese zeichnerische Begabung war so hervorragend, dass er zum Teil den Professoren des Instituts als Assistent Hilfe leistete.“

Martin Jahn schrieb später über seine Bauhaus-Zeit:

„Vom Arbeitsrat für Kunst herausgegeben, erschien eine Art Flugblatt mit Aufrufen von Künstlern. Einer dieser Aufrufe war von Walter Gropius. Er proklamierte, dass Kunst nicht lehrbar sei; daß man nur das Handwerk erlernen könne, und daß nur in begnadeten Augenblicken aus dem Handwerk Kunst entstehen könne. Und als Gropius in Weimar eine Schule gegründet hatte, die dem Grundsatz huldigte, dass das Handwerk das Fundament der Ausbildung sein muss und ich noch dazu erfuhr, dass der Maler Lyonel Feininger an dieser Schule ‚Meister‘ war, da war es für mich eine beschlossene Sache, dass ich nach Ablegung meines Kunsterzieher-Examens und meiner Referendarzeit nach Weimar ging. Diese Schule hieß das ‚Staatliche Bauhaus‘.

Ich war nach Weimar gegangen, um mit Feininger in Kontakt zu kommen; aber man konnte am Bauhaus sich nicht den Lehrer wählen, zu dem man sich am stärksten hingezogen fühlte. Das Erlernen eines Handwerkes war ja die Grundlage des Bauhauses; und so hatte man nur die Freiheit der Wahl einer Werkstatt. Jede Werkstatt hatte einen Werksmeister, der für die Ausbildung im Handwerklichen verantwortlich war. Jede Werkstatt hatte aber außerdem einen Formmeister, der den ‚Bauhäuslern‘ in Bezug auf die künstlerische Formgebung der Werkarbeiten beratend zur Seite stand. Diese Formmeister wechselten von Zeit zu Zeit. Während ich in der Metallwerkstatt arbeitete, war die Werkstatt nacheinander Itten, Klee und László Moholy-Nagy unterstellt. (…) Doch im Laufe der Zeit wandelte sich vieles, auch am Bauhaus. Ich spürte immer stärker, dass mein eigentlicher Platz nicht die Metallwerkstatt, sondern der Zeichentisch war. (…) Ich zog die Konsequenzen und verließ 1924 das Bauhaus.“

Leben und künstlerisches Werk nach 1924

Ab 1924 unterrichtete Martin Jahn Kunst an Gymnasien in Thüringen: kurzzeitig in Arnstadt, von 1924 bis 1930 in Weida (1928 Heirat mit Mathilde Schlafke, 1929 Geburt der Tochter Judith, spätere Apel), ab 1930 bis 1947 in Saalfeld (1936 Geburt des Sohnes Jörg-Wolfgang) – mit Unterbrechung durch seine Tätigkeit an der Deutschen Schule in Rom. 1948 übersiedelte Martin Jahn ins Ruhrgebiet und verdiente seinen Lebensunterhalt als Kranführer, bis er seine Familie in Gummersbach wiedervereinen konnte. Hier wirkte er als Kunsterzieher am Städtischen Jungen-Gymnasium bis zu seiner Pensionierung 1963. Er war Mitbegründer der Gemeinschaft Oberbergischer Künstler, Dozent an der Volkshochschule und beteiligt an vielen Ausstellungen. Für das Gymnasium entwarf er 1962 – als Ehrenmal für die gefallenen Schüler – ein Glasfenster mit dem Titel „Die Trauernde“. 1974 zog Martin Jahn mit seiner Frau nach Darmstadt, wo er 1981 starb.

Neben seiner Tätigkeit als Kunsterzieher hat Jahn ein umfangreiches malerisches und zeichnerisches Werk geschaffen.

„Von den Arbeiten, die während seiner Tätigkeit als Kunsterzieher und bei Auslandsaufenthalten entstanden sind, (…) ist der größte Teil nach der Übersiedlung des Künstlers in den Westen in Thüringen verschollen, wenn nicht gar zerstört worden. Die geretteten Arbeiten (…) zeugen von figürlich-gegenständlicher Erfassung der Motive und einer Gestaltung in der Tradition des Expressionismus wie auch der neuen Sachlichkeit. Die Freiheit zu abstrakten bildnerischen Manifestationen hat sich Martin Jahn erst im Westen genommen. In seinen Kompositionen baut er spannungsvolle Gegensätze auf und hält sie in der Balance, unterstützt durch eine zeichnerische Virtuosität, die vielfältigen Ausdruck ermöglicht. So sind im gestalterischen Ansatz nach 1950 Spuren seiner Ausbildung am Bauhaus ebenso erkennbar wie solche der informellen und konstruktiven Strömungen der Zeit.“

„Ab 1974 wendet sich Jahn besonders dem Zeichnen mit Graphit zu und findet ganz neue Wege.

Die Zeichnungen sind zunächst geprägt von Jahns typischem, makaber-frechen Humor, Spaß am Detail und einem zuweilen kritischen Blick auf die Ästhetik seiner Umgebung. Es entsteht ein Stil, den man als ‚skurrilen Surrealismus‘ bezeichnen könnte.

In einer ersten Phase gestaltet Jahn im Zeichen der ‚ökologischen Krise‘ mit zynisch-kritischem Humor Szenerien seiner Umgebung. Hier sind Ruinen oder Wohnblocks zu sehen, eine alte, vergessene Puppe liegt zerfetzt zwischen den Trümmern. An einer trostlosen Betonmauer, umgeben von zerstörter Natur, klebt noch ein Fetzen einer früheren Werbung.

In einer folgenden großen Serie macht Jahn sich mit Spaß daran, mittels der Sprache seines sophistizierten, selbst ins Skurrile gehenden Zeichenstils, die Vergänglichkeit in den kleinen Dingen aufzuspüren; er entdeckt dort die feinen Strukturen ihrer Überreste: Man sieht vertrocknete Blüten, Knochenreste, knorrige, alte Traubenstengel, einen krummen Nagel in der Wand, an welchem noch ein Stück abgerissener Faden hängt oder auch Steine, die zu Megalithen werden, indem sie mit ihrer zum Anfassen scheinenden, realistischen Struktur die ganze Bildfläche ausfüllen. Es ist ganz offensichtlich, dass sich der alternde Künstler, mit Humor einerseits und einer wehmütigen Ehrfurcht andererseits, mit der Vergänglichkeit des Lebens auseinandersetzt. Doch die beeindruckendsten, aber erschütternden Sujets sind tote, seelenlose Landschaften, in denen nicht zu identifizierende, skurrile Überreste längst vergangenen Lebens sich bis zum Horizont erstrecken, an welchen ein Himmel grenzt, der in alle Ewigkeit dunkel bleibt.

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