Martin Hellberg (eigentlich Martin Gottfried Heinrich; * 31. Januar 1905 in Dresden-Löbtau; † 31. Oktober 1999 in Bad Berka) war ein deutscher Theater- und Filmregisseur, Schauspieler und Autor.
Kindheit, Jugend und Theaterschaffen
Martin Heinrichs Vater war eigentlich Glaser von Beruf, doch schloss er sich den Katholisch-apostolischen Irvingianern an und als solcher wurde er Vorsteher der Katholisch-apostolischen Gemeinde in Dresden. Als Martin drei Jahre alt war, wurde sein Vater nach Essen versetzt, aber ein knappes Jahr später nach Dresden zurückberufen. Dies war für längere Zeit der einzige Wohnortwechsel. Mit zwölf Jahren ermöglichte die Mutter ihm, die Hofoper im Stehparkett zu besuchen. So wurde er großer Fan der Oper, kannte jeden Beteiligten und sammelte alles über sie. Ins Jahr 1918 fiel sein erster Schauspielbesuch.
Zu Ostern 1919 schloss er die Volksschule ab und entschied sich, Maschinenschlosser zu werden, um später als Bühnentechniker im Theater zu arbeiten. Bei der Firma Schladitz-Werke AG unterschrieb sein Vater für ihn einen dreieinhalbjährigen Lehrvertrag. Er erlernte dort auch das Technische Zeichnen. 1920 trat er in einem Märchenspiel zum ersten Mal vor Publikum auf und spielte darin leidenschaftlich die Hauptrolle. Im September 1922 erhielt er seinen Gesellenbrief als Schlosser und Zeichner und wurde ab Oktober als Dreher und Fräser in der Kinobau-Abteilung der Ernemann-Werke in Dresden-Neustadt angestellt. Zu dieser Zeit besuchte er, dies vor allem vor seinem Vater verheimlichend, als Abendschüler das Conservatorium für Musik und Theater. Im November 1923 wurde er nach der Teilnahme an einem Streik bei den Ernemann-Werken entlassen.
Er wurde als Komparse am Schauspielhaus angenommen und arbeitete mit den kaum Altersunterschied aufweisenden Curt Trepte und Alfons Mühlhofer zusammen. In der Spielzeit 1923/1924 wurde seine Bühnenpräsenz auf kleine Einsätze ausgeweitet. Ohne umfassende Schauspielausbildung nahm sich Georg Kiesau seiner an. Bedingung für ein festes Engagement war die Änderung des Nachnamens, da „Heinrich“ einerseits als häufiger Familienname nicht unverwechselbar und andererseits wegen des Vornamencharakters irritierend war. Spontan entschied sich der Nachwuchsschauspieler für „Hellberg“, der Hauptfigur aus dem Roman, den sein Vater geschrieben hatte. So erhielt er einen Vertrag am Dresdner Schauspielhaus ab der Spielzeit 1924/1925. Seine erste Rolle als Berufsschauspieler war die des Lanzelot Gobbo im Kaufmann von Venedig.
1926 war Hellberg Mitwirkender bei der deutschen Uraufführung von Ben Jonsons Volpone oder Der Tanz ums Geld, frei bearbeitet von Stefan Zweig, mit Alfred Meyer als „Volpone“ und Erich Ponto als „Mosca“. Hellberg traf auf diese Weise mit Stefan Zweig zusammen. In den darauffolgenden Jahren spielte er tragende Rollen in Shakespeare-Komödien und Goethe- wie Lessing-Dramen. Unter seinen Bühnenpartnern waren zum Beispiel Felix Steinböck, Walther Kottenkamp und der schon erwähnte Erich Ponto.
Mit einer Gruppe junger Schauspieler und Laien inszenierte er außerhäusig Peter Martin Lampels Revolte im Erziehungshaus – obwohl für die Staatstheaterbediensteten traditionell die Vorschrift politischer Passivität galt. Aus dieser Freizeitaktivität entstand das erste reine Arbeitertheater in Dresden, „Rotor“ überschrieben. In der Bezeichnung für ein damals neu erfundenes Vehikel steckte das Wort „rot“, das geeignet war, anzuzeigen, was die Theatertruppe transportieren wollte, nämlich linkes Gedankengut. Anlässlich einer Großkundgebung füllte Hellberg am 15. Juli 1931 den Beitrittsschein zur KPD aus. Bald kam er in engste Fühlung mit der Dresdner Agitproptruppe „Rote Raketen“. Zu deren Repertoire gehörten unter anderem die Friedrich-Wolf-Stücke Cyankali und Die Matrosen von Cattaro. Am Tag vor Hitlers Machtübernahme veranstaltete Hellberg im Dresdner Central-Theater eine Maxim-Gorki-Feier, die mit einer polizeilichen Hinausprügelei des Publikums endete. Seine offen gezeigte Mitgliedschaft in der KPD führte zum Ausschluss aus dem Verband der Sächsischen Staatstheater mit Wirkung ab 21. April 1933.
Im August 1934 wirkte er am Schillertheater Berlin. Von Januar bis Mai 1935 erfüllte er einen Gastspielvertrag mit dem Thalia Theater Hamburg, danach ging er an die Komische Oper Berlin und hiernach wiederum ans Theater in der Behrenstraße. Es folgte ein Umzug nach Stuttgart, wo er als Sprecher und Hörspielakteur im Reichssender Stuttgart eingesetzt wurde. Im Anschluss tingelte er mit Schauspielkollegen über die schwäbischen Kleinstädte. In der Spielzeit 1940/1941 war er Oberspielleiter an der Württembergischen Landesbühne und in derselben Funktion 1941/1942 an den Städtischen Bühnen Freiburg im Breisgau.
Am 22. August 1942 ereilte ihn der Ausschluss aus der Reichskulturkammer und damit ein allgemeines Berufsverbot, das er aber ignorierte, sodass in manchen Lebensabrissen auch die Angabe „1943“ zu finden ist, das Jahr, in dem er als Soldat eines Strafbataillons ins Pripjet-Sumpfgebiet an der Ostfront kommandiert wurde.
Nach dem Krieg kehrte er zunächst nach Freiburg zurück, wo er sein Stück Der neue Weg verfasste und im September 1945 mit ihm selbst in einer der Hauptrollen uraufführte.
Auf Vermittlung von Erich Kästner erhielt Hellberg Ende 1945 den Posten des Abteilungsleiters „Hörspiel“ bei Radio München und den eines Regisseurs an den Münchner Kammerspielen. Als Radiomacher bot er verschiedene Formate an. Das Glanzstück war das Hörspiel Der Revisor nach Nikolai Gogol mit dem – kriegsbedingt ausgedünnten – „Münchner Schauspieler-Reservoir“ (wie Hellberg es nannte). An den Kammerspielen inszenierte er 1946 die deutsche Erstaufführung von Jean Giraudoux’ Der trojanische Krieg findet nicht statt und ging damit auf Gastspielreise in Sachsen. Ebenfalls eine Gastregie war das diesmal auf die Bühne gebrachte Revisor-Stück in Stuttgart, im Schauspielhaus des Neuen Theaters (Premiere: 14. Februar 1947), das Hellberg selbst für „eine der gelungensten Inszenierungen meines Lebens“ hielt. In München gründete er die „Deutsche Schauspielschule München“. Der Unterrichtsbeginn fand im Sommer 1946 statt. Auf 1946 ist auch sein Eintritt in die SED datiert. Die Schauspielschule musste 1948 wegen Kreditverweigerung wieder schließen. Seine zweite Gründung, das „Dramatische Theater am Odeonsplatz“, konnte zu dieser Zeit zwar noch seinen Spielbetrieb aufrechterhalten, seinem Fortbestand wurden jedoch ebenfalls Steine in den Weg gelegt. Hellberg fühlte sich aus politischen Gründen aus München verdrängt – er ging in die sowjetisch besetzte Zone (SBZ) des Landes.
Im August 1949 war er Oberspielleiter und Darsteller an seiner alten Wirkungsstätte am Dresdner Staatstheater. Erwähnenswert sind hier die Götz-von-Berlichingen-Aufführungen. Zugleich unterstützte er Berliner Theater: Er begann 1949 bei Hans Rodenberg als Schauspieler im damaligen Theater im Haus der Kultur der Sowjetunion, inszenierte im Oktober 1949 die Uraufführung von Leon Kruczkowskis Die Sonnenbrucks in den Kammerspielen am Deutschen Theater und fand seine künstlerische Arbeit im Dezember 1949 gekrönt mit der Ernennung zum Generalintendanten der Dresdner Staatstheater. Somit war Martin Hellberg der erste Theaterintendant, der von der Regierung der zwölf Wochen zuvor gegründeten DDR eingesetzt wurde. Die Ausübung des Amtes begann 1950. Hellberg (der andernorts auch Vorträge über Shakespeare hielt) machte sein Einstandsjahr mit der Veranstaltung der lange nachhallenden „Shakespeare-Tage“ sowie der Regiearbeit bei Das Glockenspiel des Kreml (Premiere: 21. Januar 1951) mit seinen 42.000 Besuchern zu einem denkwürdigen Jahr in der Geschichte des Dresdner Großen Hauses. Des Weiteren wurden unter anderem Emilia Galotti, König Johann und die in Berlin erprobten Sonnenbrucks Publikumserfolge.
Im März 1951 erhielt Hellberg von der DEFA das Angebot, im Maetzig-Film Roman einer jungen Ehe mitzuspielen. Das war der Einstieg in eine neue Schaffensperiode als Filmregisseur.
Auslöser für das Ende der Intendanz 1951 war die Kritik an der Doppelbeschäftigung seitens des Ministeriums für Volksbildung, Hauptabteilung Kunst und Literatur. Rund zehn Jahre später, am 1. August 1962, übernahm Martin Hellberg noch einmal eine Theaterleitung, nämlich die Generalintendanz des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin. Am 30. November 1963, mitten in der Spielzeit, erfolgte die Abberufung wegen wiederholter Missachtung von Aufträgen und Anweisungen übergeordneter Dienststellen.