Martin Höfer (* 25. Oktober 1982 in Sondershausen) ist ein deutscher Künstler und ein Vertreter der zeitgenössischen Konzept- und Medienkunst. In seiner Arbeit erforscht er Interventionen der Bildenden Kunst, Konzept- und Medienkunst, die Beziehung zwischen Performer und Publikum, die Systemgrenzen von Kunst, Medien, Sport und Gesellschaft. Seine wissenschaftliche Beschäftigung in Forschung und Lehre sind die Medien, darunter die Massenmedien und die öffentliche Kommunikation, aber auch Aspekte der Ästhetik, Technik, Geschichte und Theorie der Medien.
Höfer wurde als Sohn des deutschen Schriftstellers Gerald Höfer und der Therapeutin Ute Höfer in Sondershausen geboren und verbrachte seine Kindheit in Sondershausen und Bendeleben am Kyffhäuser. Insbesondere durch das kulturelle Engagement seines Vaters kam er schon sehr früh mit Kunst in Berührung. So organisierte Gerald Höfer in Sondershausen Mitte der 1980er Jahre unter anderem die Veranstaltungsreihe Das Café Pille Experiment mit Lesungen, Kabarettvorstellungen und Ausstellungen. Von 1999 bis 2003 besuchte Martin Höfer die Walter-Gropius-Schule für Kunst und Gestaltung in Erfurt bei Ulrike Hess, wo er, nach Ideen des Bauhaus-Vorkurses von Johannes Itten, Josef Albers und László Moholy-Nagy, konstruktive und strukturale Kompositionsübungen erlernte.
Anfänge und Multimediale Universalpoesie
Ende der 1990er Jahre begann Höfer seine künstlerisch gestalterische Praxis. 1998 entstand die Vater-Sohn Künstlergruppe Barbara Rossa mit multimedialen Lesungen und Speech Performances. 1999 begann er eine Berufsausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien mit der Fachrichtung Mediendesign für digitale Medien bei Peter Roskothen und Andreas Fack, welche er 2002 mit sehr guter Leistung abschloss. In den Jahren 2002 und 2004 gründete er gemeinsam mit seinem Vater zunächst die ARTE FAKT Verlagsanstalt und später die ARTE FAKT Galerie. In deren Kontext fanden diverse künstlerisch kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen und Lesungen, Festivals und Filmvorführungen statt. Darüber hinaus erschienen mehrere Publikationen. Um dieser Veränderung Rechnung zu tragen, rückte in seiner künstlerischen Mediengestaltung das Wort Kunst mehr in den Vordergrund. 2005 richtete er zusammen mit dem Museumspädagogen des Panorama Museums Michael Wollenheit seine erste größere Einzelausstellung Multimediale Universalpoesie aus.
Studium und neue künstlerische Strategien im öffentlichen medialen Raum
Im Jahr 2005 begann er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zunächst bei Christin Lahr und ab 2007 bei Günther Selichar das Studium der Medienkunst. Die im Jahr 2007 neugegründete Klasse für Mass Media Research und Kunst im medialen öffentlichen Raum von Günther Selichar war von zentraler Bedeutung für sein künstlerisches Wirken. In den darauf folgenden Jahren hatte er verschiedene Gastaufenthalte bei Lei Cox und Steven Dixon an der Kunst- und Designhochschule Bergen in Norwegen, bei Hashem El-Ayoubi an der Helwan University Cairo, Ägypten, bei Ramiz Sabbagh an der Al-Balqa Applied University Amman, Jordanien, sowie bei Henrik B. Andersen an der Vilniaus dailės akademija, Litauen. Im Jahr 2013 schloss er sein Studium mit dem Diplom der Bildenden Kunst mit Auszeichnung ab. 2015 erhielt er ein von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördertes sechsmonatiges Artist in Residence Stipendium für die Teilnahme am International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York.
Interventionen in den zeitgenössischen Leistungssport und die Massenmedien
Im Jahr 2010 entsteht seine künstlerische Arbeit Siegen im Auftrag der Kunst, welche in den Jahren 2012/13 zur (massenmedialen) Aufführung kam. Das Konzeptkunstwerk stellt die Kunstpatronage auf den Kopf, in dem der Künstler selbst zum Auftraggeber für ein Rennteam wird. Es steht die massenmediale Reproduktion der Performance und Collaterals, assoziierte Kunstwerke, die durch die Performance entstehen oder mit ihr in Zusammenhang gebracht werden, im Fokus. Von 2014 bis 2018 entstand EISKANAL / Citius, Altius, Fortius. als künstlerische Intervention in die deutsche Bob-Nationalmannschaft. 2016 griff er mit seiner Arbeit BEST BUY ME / NO. 10 in die Werberotation des Basketball-Bundesliga-Spiels Science City Jena gegen Alba Berlin ein. Im selben Jahr inszenierte er während des Fußball-Bundesliga-Spiels FC Bayern München gegen RB Leipzig eine partizipative Performance mit 7.500 Fans in der Allianz Arena. In der Ausstellung Mythos Tour de France im NRW-Forum Düsseldorf zum Start der Tour de France 2017 in Düsseldorf war Höfer neben Andreas Gursky, Robert Capa, Reinhard Mucha und Kraftwerk mit seiner Arbeit The surplus self of mine promotes my triumph (Eigenblutdoping). der jüngste und kritischste Künstler. 2018 erhielt er vom Thüringer Wirtschaftsministerium am ThEX ein Stipendium der EU für innovationsbasierte Gründungsprojekte und wurde 2019 für den ThEx Award in der Kategorie Ideenhaber nominiert. Ebenfalls 2019 war Höfer künstlerischer Leiter der ANHYDRITE — Biennale of Media Art. In den Jahren 2019 gründete er die Gesellschaft zur Förderung der künstlerischen Avantgarde mbH, 2020 war er Mitglied des Gründungsvorstands des BDS Akademie e.V. und 2021 konzipierte er das Netzwerk ART 2 INNOVATION am Zentrum für Produkt, Verfahrens- und Prozessinnovation GmbH (ZVPV) in der Experimentellen Fabrik Magdeburg.
Höfer lebt und arbeitet in Leipzig und Linz (A).
Ausgehend von massenmedialen und systemtheoretischen Überlegungen (Wolfgang Welsch, Neil Postman, Niklas Luhmann, Christoph Menke, Norbert Bolz, Frank Hartmann u. a.) entwickelt Höfer eine künstlerische Sprache, die ihn ab 2012 von der experimentellen Kunst im öffentlichen Raum zur Partizipation, Performance und Intervention in Massenmedien und Leistungssport führt. In seiner künstlerischen Intervention untersucht er nicht nur „Sport“ und „Medien“, sondern auch massenmediale Interaktion, partizipative Performance und Intervention in kunstfremde Umgebungen. So entstehen in der künstlerischen Praxis auf Basis seiner Forschung Collaterals als neue Kategorie von Readymades.
Seit 2023 forscht er zu diesem Thema bei Hubert Lobnig am Institut für Kunst und Bildung der Kunstuniversität Linz (Österreich) und wurde für das PhD Research Collective der Universität ausgewählt.
Kuratorische und editorische Tätigkeit
Martin Höfer organisierte bereits vor seinem Studium verschiedene Ausstellungen, darunter mit 21 Jahren eine Kunstausstellung des surrealistischen Malers Werner Sus sowie 2005 die Ausstellung Multimediale Universalpoesie und gab zahlreiche Bücher heraus. Unter anderen Autoren wie Oswald Henke, Chris Goellnitz, Norbert. K. Engelhardt, Gabriele Stötzer. 2015 kuratierte er die Ausstellung Inauguration — Dialektik zeitgenössischer Kunst mit Künstlern wie Rozbeh Asmani, David Ashley Kerr, Anna Baranowski, Tino Geiß, Jonas Paul Wilisch, u. a., 2016 Gabriele Stötzer — das brennen der worte im mund und 2018 real unreal mit David Ashley Kerr, Andreas Ullrich, Christoph David, Lucie Freynhagen, u. a. 2019 war er künstlerischer Leiter der ANHYDRITE — Biennale of Media Art mit Künstlern wie Bruce Nauman, Floria Sigismondi, Joseph Beuys, Sergej Katran, Maria Zvyagintseva, Sandra Rengifo, Clemencia Echeverri, Laibach, u. a.
EISKANAL/Citius, Altius, Fortius.
Die Rolle des Künstlers in einem kunstfernen Teilsystem des öffentlichen Raums wird in der mehrjährigen Aktion „EISKANAL/Citius, Altius, Fortius“ von Martin Höfer gezielt erforscht. Am New Yorker ISCP entwickelte er die Konzeption des großangelegten massenmedialen Konzeptkunstwerks. Höfer war in seiner Eigenschaft als Künstler über vier Jahre in den Trainerstab der Deutschen Bobnationalmannschaft integriert. Die vollständige Integration eines Künstlers in eine Nationalmannschaft in einer olympischen Disziplin war ein Novum in der Geschichte der Konzeptkunst. Er begleitete das Nationalteam auf Wettkämpfe, beim Training, zu anderen Aktivitäten bis in das private Umfeld der Sportler. Er wurde zum festen Bestandteil des 40-köpfigen Teams. Mehr noch als in anderen Arbeiten, steht bei der Aktion „EISKANAL“ die Akkreditierung und Akzeptanz des Künstlers als Mitglied des Teams im Zentrum. Die Anwesenheit Höfers in allen Bereichen des Sportleralltages wird dabei zum entscheidenden Element dieser Konzeptarbeit, die somit in erster Linie als eine Art Performancekunst bezeichnet werden kann. Höfers spezielles Interesse gilt der Reaktion des Umfeldes und der Interaktion desselben mit dem Künstler. Das spannende an der künstlerischen Arbeit ist, dass sie sich sehr bewusst mit Systemen beschäftigt und diese Systeme zueinander in eine Wechselwirkung bringt. [...] Wir denken oft, da ist das System des Sports, da das System der Wirtschaft, da das System der Kunst. Und spannend wird es, wenn Künstler eben wie Martin Höfer beginnen sich genau an die Schnittstellen dieser Welten zu setzen und diese Systeme absolut ineinanderverweben.