Martin Bormann (* 17. Juni 1900 in Halberstadt; † 2. Mai 1945 in Berlin) war ein deutscher Funktionär der NSDAP. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Inhaber höchster Parteiämter, zuletzt Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP im Rang eines Reichsministers und wichtiger Vertrauter Adolf Hitlers.
Nach seiner Flucht aus dem Führerbunker unter dem Garten der alten Reichskanzlei Anfang Mai 1945 galt er als verschollen. Er wurde in Abwesenheit im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher als eine von 24 Personen angeklagt, am 1. Oktober 1946 in zwei von drei Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tode durch den Strang verurteilt. Jahrzehntelang hielt sich das Gerücht, Bormann sei die Flucht ins Ausland gelungen. Nach Angaben des Reichsjugendführers Artur Axmann und dessen Adjutanten Günter Weltzin hatten sich Bormann und Ludwig Stumpfegger in der Nähe des Lehrter Bahnhofs in der Invalidenstraße selbst getötet. Beide Leichen wurden 1972 bei Bauarbeiten in Berlin entdeckt und identifiziert, unter anderem mit zahnmedizinischen Methoden. Im Jahre 1998 wurde die Identität Bormanns mittels DNS-Analyse zweifelsfrei bestätigt.
Bormann war der Sohn von Theodor und Antonie Bormann. Theodor Bormann (1862–1903) war Postbeamter. Nachdem seine erste Ehefrau Louise Grobler, die ihm zwei gemeinsame Kinder hinterließ, 1898 im Alter von 30 Jahren gestorben war, heiratete Theodor noch im selben Jahr Antonie Bernhardine Mennong, die damals 35-jährige Tochter eines Arbeitskollegen. Von den drei kurz hintereinander geborenen Söhnen der beiden erreichten nur Martin (1900–1945) und Albert Bormann (1902–1989) das Erwachsenenalter.
Martin Bormann heiratete 1929 Gerda Buch, die älteste Tochter des Parteirichters Walter Buch. Als Trauzeugen fungierten Adolf Hitler und Rudolf Heß. Gerda Bormann brachte zwischen 1930 und 1943 zehn Kinder zur Welt, von denen eines kurz nach der Geburt starb. Das erste Kind wurde zu Ehren des „Führers“ Adolf Martin genannt.
Im Juni 1918 wurde Bormann in das 2. Thüringische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 55 in Naumburg eingezogen, ohne noch an Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg teilzunehmen. Nach dem Krieg absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre auf einem Gutshof und wurde Mitglied im Verband gegen die Überhebung des Judentums. Der dortige Gutsbesitzer beherbergte Mitglieder des Freikorps Roßbach, dem Bormann beitrat. Als Mitglied des Freikorps war er in rechtsradikale Umtriebe verwickelt und wurde 1924 wegen Fememordes angeklagt. Gemeinsam mit dem späteren SS-Obersturmbannführer und Kommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz Rudolf Höß, der eine zehnjährige Zuchthausstrafe erhielt, musste er sich für den Parchimer Fememord an dem Volksschullehrer Walter Kadow (1900–1923) verantworten. Bormann wurde zu einem Jahr Gefängnisstrafe verurteilt.
Während des Prozesses beschwerte Bormann sich über die Tatsache, dass er in den Akten des Gerichtes als evangelischer Christ geführt wurde. Seiner Aussage nach glaubte er damals „an gar nichts“. Zum 27. April 1927 trat er, gemeinsam mit seinem Bruder Albert, der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 60.508). Dort war er kurzzeitig Fahrer von Gauleiter Fritz Sauckel in Weimar und stieg bereits ein Jahr später in die Führungsriege der NSDAP auf. 1928 übernahm er die SA-Versicherung und baute sie später weiter zur Hilfskasse der NSDAP aus.
Reichsleiter und Stabsleiter von Rudolf Heß
Im Oktober 1933 wurde Bormann in seiner Eigenschaft als Chef des Stabes des Stellvertreters des Führers zu einem der 18 Reichsleiter der NSDAP ernannt und übte das Amt bis zum Englandflug von Rudolf Heß im Jahr 1941 aus. Nach der Reichstagswahl am 12. November 1933 wurde er Mitglied des Reichstages.
Hitler ernannte ihn zum Verwalter seines Vermögens, das er z. B. mit Lizenzgebühren für Hitlers Buch Mein Kampf und für dessen Abbildung, z. B. auf Briefmarken, zu vergrößern wusste. Außerdem hatte Hitler persönlichen Zugriff auf den von Bormann und anderen eingerichteten Adolf Hitler Stiftungsfonds der deutschen Wirtschaft.
Rudolf Heß betraute ihn mit dem Bau und der Aufsicht eines Führersperrgebiets auf dem Obersalzberg, das neben anderen Privathäusern der NS-Politprominenz auch Hitlers Berghof und das Kehlsteinhaus umfasste.
Der Ort Pullach bei München wurde von ihm als Ort für eine NS-Mustersiedlung für die Parteielite ausgewählt. Die Siedlung war gedacht für den Stab von Rudolf Heß. Auftraggeber und Bauherr war Martin Bormann, seinerzeit Leiter des Stabes des Stellvertreters des Führers. Die Reichssiedlung Rudolf Heß wurde von Bormann persönlich genutzt und nach dem Krieg zum Standort des Bundesnachrichtendienstes. Die ehemalige Bormann-Villa wurde zur Präsidenten-Villa.
Bormann gelang es dann auch, den bisherigen persönlichen Adjutanten Hitlers, SA-Obergruppenführer Wilhelm Brückner, aus seinem Amt und aus dem unmittelbaren Umfeld Hitlers zu verdrängen.
Reichsminister und Privatsekretär Hitlers
Im Mai 1941 wurde Bormann die Dienststelle des in englischer Gefangenschaft sitzenden Heß übertragen, mit den Befugnissen eines Reichsministers; sie wurde in Partei-Kanzlei umbenannt. Er war jetzt der zweitmächtigste Mann in der NSDAP.
Er gab am 7. Juni 1941 einen Geheimerlass an alle Gauleiter heraus zum »Verhältnis von Nationalsozialismus zum Christentum«. Darin bestimmte er, dass Nationalsozialismus und Christentum unvereinbar seien und der Einfluss der Kirchen in Deutschland ausgeschaltet werden müsse.
Je länger der Krieg dauerte, desto stärker konnte Bormann Einfluss darauf nehmen, wer Zugang zu Hitler erhielt, um seine Anliegen vorzutragen, und welche Post Hitler erreichte. Am 12. April 1943 erhielt er den Titel Sekretär des Führers. Er bewohnte in Obersalzberg die ehemalige Villa Regina, wo er in unmittelbarer Nähe den Berghof von Adolf Hitler überblicken konnte. Seine Frau und seine acht Kinder brachte er 1943 in einer Villa am Schluchsee unter.
Durch die ständige Nähe zu Hitler und dessen immer stärkere Konzentration auf die Kriegsführung erlangte Bormann eine Machtstellung, die auch einflussreiche NS-Größen wie Hermann Göring, Heinrich Himmler oder Albert Speer begrenzte. In seinem Testament bezeichnete Hitler Bormann als den „Treuesten seiner Parteigenossen“. Bormann war Trauzeuge Hitlers bei dessen Vermählung mit Eva Braun im Führerbunker am 29. April 1945, die kurz vor deren gleichzeitigen Suiziden stattfand.
Bis zum Ende im Führerbunker ausharrend, blieb der in Parteikreisen und beim Militär gleichermaßen unbeliebte Bormann bei Hitler, der ihn in seinem politischen Testament zum Parteiminister im Kabinett Goebbels ernannte.