An diesem Tag

Markusdom

Kathedrale in Venedig

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Der Markusdom (offiziell Basilika St. Markus, italienisch Basilica di San Marco) ist eine römisch-katholische Kirche am Markusplatz in der italienischen Stadt Venedig. Der im Jahr 829 begonnene und 1094 vollendete byzantinische Sakralbau ist dem Evangelisten Markus geweiht und beherbergt auch dessen Gebeine. Der Dom war das zentrale Staatsheiligtum der Republik Venedig bis zu ihrem Ende 1797 und ist seit 1807 die Kathedrale des Patriarchen von Venedig. Er befindet sich am Markusplatz im Sestiere San Marco und bildet mit dem freistehenden Markusturm und dem angrenzenden Dogenpalast ein architektonisches Ensemble.

Die erste dem heiligen Markus geweihte Kirche wurde 828 gestiftet und in den Jahren 829 bis 832 als Palastkapelle des Dogenpalastes unter dem Dogen Giovanni I. Particiaco erbaut, um die 828 aus Alexandria geraubten Gebeine des Evangelisten Markus aufzunehmen, der den heiligen Theodor als Stadtheiligen Venedigs ablöste. Dabei war der Wechsel des Stadtpatrons auch ein Zeichen der Unabhängigkeit von Byzanz.

976 wurden die Kirche und 200 Häuser durch ein von Aufständischen im Dogenpalast gelegtes Feuer zerstört. Im selben Jahr begann unter dem Dogen Pietro Orseolo der Wiederaufbau der zweiten Kirche. Der heutige Markusdom wurde 1063–1094 als Stiftung des Dogen Domenico I. Contarini errichtet. Der Legende nach wurden die Gebeine des hl. Markus durch ein Wunder am 25. Juni 1094 wiedergefunden. Dieser Tag wurde zum Feiertag Inventio Sancti Marci.

Im 13. Jahrhundert wurden die Kuppeln der Markuskirche erhöht, die nördliche – vom Dogenpalast abgewandte – Vorhalle hinzugefügt und die dem Markusplatz zugewandte Westfront als Säulenfassade umgestaltet. Seither sind die Kuppeln vom Markusplatz aus zu sehen. Die nördliche Vorhalle entstand zwischen 1231 und 1253 nach byzantinischem Vorbild. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgte eine dritte Bauphase, die das Gebäude im Sinne der venezianischen Gotik veränderte. Diese Bau- und Ausschmückungsphase erstreckte sich bis ins 17. Jahrhundert, als Fertigstellungsdatum gilt vielfach das Jahr 1617. Daher erschien zum 400. Jahrestag eine 2-Euro-Gedenkmünze.

Bis zum Ende der Republik Venedig war es durch die Jahrhunderte hindurch ihr erklärtes Ziel, den Bischofssitz des Patriarchen von Venedig weit entfernt vom Zentrum der Macht in San Pietro di Castello zu halten. Die Quadriga über dem Hauptportal, die aus Konstantinopel stammt, wurde 1982 durch Kopien ersetzt, das Gesamtgebäude bis 1994 restauriert. Die offizielle Bezeichnung der Kirche lautet kurz Basilika St. Markus italienisch Basilica di San Marco bzw. lang italienisch Basilica Cattedrale Metropolitana Patriarcale di San Marco Evangelista. Im deutschsprachigen Raum wird sie jedoch wegen ihrer Größe und Bedeutung allgemein Markusdom genannt.

San Marcos Baugestalt folgt Vorbildern aus der byzantinischen Architektur: Ein ungleichmäßiges griechisches Kreuz bildet den Grundriss (76,5 m Länge und 62,6 m Breite). Der westliche Arm ist breiter und länger. Neben der Vierung sind auch die Kreuzarme durch Kuppeln (45 m Höhe) überwölbt. Dabei sind die Vierungskuppel und die westliche Kuppel größer als die restlichen drei Kuppeln. Die enge Verbindung Venedigs mit Byzanz bewirkte, dass die zu den Bauarbeiten herangezogenen Künstler vor allem nach byzantinischen Vorbildern arbeiteten. Vorbild könnte die heute nicht mehr vorhandene justinianische Apostelkirche in Konstantinopel (536–546) gewesen sein. San Marco folgt also bewusst keinen neueren Bauten der eigenen Zeit, sondern der würdevolleren, ursprünglichen Form. San Marco hat den Baugedanken des großen überkuppelten Zentralbaues nach Italien gebracht und wurde damit seinerseits vorbildlich für die wesentlich späteren Großkuppelbauten von Bramante und Michelangelo. Die Anbauten des 13. Jahrhunderts erfolgten noch im byzantinischen, die des 14. Jahrhunderts im gotischen Stil.

Um vom Markusplatz aus in die Basilika zu gelangen, muss man einige Stufen hinabsteigen. Dieses Absinken des Bodens, das zurzeit 23 cm beträgt, betrifft nicht nur die Markuskirche, sondern alle alten Stadtteile Venedigs.

Die in zwei Stockwerke geteilte Hauptfassade repräsentiert den Anspruch von San Marco als Staatskirche Venedigs und ist zugleich Zeichen des Triumphes über Konstantinopel beim Kreuzzug von 1204. Die Fassade wird gegliedert durch fünf Portale mit mosaikverzierten Bögen und entsprechenden Bögen im Abschlussgeschoss, von denen die vier seitlichen ebenfalls Mosaikschmuck aufweisen. Die Supraportenmosaiken über den vier seitlichen Portalen erzählen von der Seite der Mole im Süden nach Norden die Legende der Rettung und Überführung der Gebeine des hl. Markus nach San Marco (siehe Bild), wobei „Rettung und Überführung“ eher ein Euphemismus sind, also eine beschönigende Bezeichnung für Diebstahl. Das nördliche Portal ist das älteste und einzige aus dem 13. Jh. erhaltene Portal, die Porta Sant’Alipio, auf dem die Ansicht des Markusdoms im 13. Jahrhundert überliefert wird. Über dem mittleren Portal der fünf eindrucksvollen Portale ist das Jüngste Gericht nach der Vorlage Lattanzio Querenas (1836) dargestellt. Die Archivolten dieses mittleren Portals wurden im 13. Jahrhundert skulptiert und zeigen die venezianischen Zünfte, die zwölf Monatszeichen und Allegorien der Tugenden. Die vier seitlichen oberen Bögen sind bekrönt mit Blattschmuck und jeweils Reliefbüsten der Propheten im Bogenzwickel. Auf den Bogenspitzen stehen Stadtheilige Venedigs: Konstantin, Demetrius, Markus (1420), Georg und Theodor.

Im Giebelfeld des mittleren, größeren Bogens unterhalb der Statue des heiligen Markus befindet sich ein goldenes Relief des schreitenden Markuslöwen, beides republikanische Symbole.

Der Eindruck der Fassade ist weiter bestimmt durch die überreiche Dekoration durch Marmorverkleidung, die unzähligen antiken Säulen aus Marmor, Porphyr, Jaspis, Serpentin und Alabaster und viele Skulpturen unterschiedlichster Epochen. Die 2600 oft antiken Säulen wurden zu großen Teilen bei Eroberungen (zum Beispiel die von Byzanz während des Kreuzzuges 1204) zusammengetragen und in San Marco als Spolien weiterverwendet. Meist erfüllen sie keine tragende Funktion, sondern dienen zur Dekoration und als Symbolträger für die Macht Venedigs; so die Pilastri Acritani (Pfeiler aus Akko) vor dem Südportal, die aus der Polyeuktoskirche in Konstantinopel stammen.

Nach byzantinischem Vorbild erhielt die Markuskirche 1231–1253 die nördliche Vorhalle (62 m lang, 6 m breit, 7,35 m hoch), die von acht kleineren Kuppeln überwölbt wird.

Angesichts der Schäden, die Scharen von Tauben durch Knabbern an der kalkhaltigen Bausubstanz für ihre Ernährung und durch Ausscheidungen verursachten, erließ die Stadt Anfang Mai 2008 ein Verbot, diese zu füttern. Es verringerte die Taubenpopulation am Markusplatz drastisch.

Die Balustrade über dem Portal wird durch eine Kopie des berühmten antiken Viergespanns aus vergoldeter Bronze dominiert, das – wie auch viele der Säulen und einige Skulpturen – bei der Eroberung von Konstantinopel (1204) geraubt wurde.

Die vier Pferde von San Marco, ehemals Teil einer Quadriga, sind das einzige erhaltene antike Vierergespann. Nach Restaurierung und Untersuchung in den 1960er Jahren wurden sie im Museo Marciano im Inneren des Doms (in einem Seitenraum der Empore) ausgestellt und an der Fassade von San Marco durch Kopien ersetzt. Der Ursprung der Kolossalfiguren ist unter Experten umstritten, ihr Entstehungsort ist zwischen Rom, Griechenland und Alexandrien nicht geklärt. Sicher ist jedoch, dass sie deutlich älter sind als ihr Transfer nach Konstantinopel im frühen 4. Jahrhundert. Manche Wissenschaftler schreiben sie den nicht erhaltenen Triumphbögen der Kaiser Nero oder Trajan in Rom, andere dem Mausoleum Kaiser Hadrians zu (also dem 1./2. Jahrhundert n. Chr.); stilistisch werden aber auch Ähnlichkeiten mit der Reiterstatue Mark Aurels (um 165 n. Chr.) gesehen. Eine Einzelmeinung weist sie sogar dem griechischen Bildhauer Lysipp (aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.) zu, der im Auftrag von Rhodos ein Gespann für Delphi schuf.

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