Mark Selby MBE (* 19. Juni 1983 in Leicester) ist ein englischer Snooker- und Poolbillardspieler. Er war der erfolgreichste Spieler der 2010er Jahre und führte bis 2022 mit Unterbrechungen 350 Wochen die Weltrangliste an. In diesem Zeitraum gewann er viermal die Weltmeisterschaft und jeweils dreimal die anderen beiden Turniere der Triple Crown.
Mark Selbys Eltern trennten sich, als er acht Jahre alt war, und er wuchs bei seinem Vater auf. Der brachte ihm Snooker bei und nahm ihn mit zu Turnieren. Da er aus Altersgründen nicht im Club seines Vaters spielen durfte, nahm ihn Malcolm Thorne, selbst Clubbetreiber und der Bruder von Profispieler Willie Thorne, unter die Fittiche und ermöglichte ihm das tägliche Training und die Teilnahme an Turnieren.
1998 wurde Selby englischer U15-Meister. Daraufhin durfte er auf der UK Tour spielen, wo seine Ergebnisse für eine Qualifikation für die erstklassige Profitour ausreichten. So wurde er zur Saison 1999/2000 mit 16 Jahren als jüngster Spieler der Tour Profi. Zwei Monate vorher war Selbys Vater an einer Krebserkrankung verstorben. Dessen letzter Wille war es, dass sein Sohn einmal Snookerweltmeister werden sollte.
Im ersten Jahr kam Selby viermal unter die Letzten 64 und hielt sich damit im Profifeld. Im Jahr darauf war die letzte Qualifikationsrunde bei den China Open 2000 sein bestes Ergebnis. In der Saison 2001/02 gelang ihm beim selben Turnier der Durchbruch: Er kam in die Hauptrunde der China Open, schlug mit Joe Swail und Stephen Hendry zwei Top-10-Spieler und anschließend sogar den Weltranglistenersten Ronnie O’Sullivan, bevor er im Halbfinale gegen Anthony Hamilton ausschied. Zwei weitere Male erreichte er immerhin die Hauptrunde, bei der Weltmeisterschaft kam er erstmals in die letzte Qualifikationsrunde. Höhepunkt der nächsten Saison waren die Regal Scottish Open, bei denen er sein erstes Ranglistenfinale erreichte. Mit Paul Hunter, Matthew Stevens und Ken Doherty schlug er drei Spieler aus den Top 10, verpasste aber durch ein knappes 7:9 gegen David Gray seinen ersten Titel. Dreimal kam er zudem in die Runde der Letzten 32 und bei der WM erreichte er mit einem Sieg gegen James Wattana zum zweiten Mal die letzte Qualifikationsrunde, was ihn bis in die Top 32 der Weltrangliste steigen ließ.
Weil im Jahr darauf herausragende Ergebnisse fehlten und er nur zweimal unter die Letzten 32 kam, rutschte er umgehend wieder auf Platz 36 ab. Die Saison 2004/05 begann mit dem Viertelfinaleinzug beim Grand Prix. Außerdem gelang ihm durch einen 10:2-Sieg über Joe Perry bei der WM-Qualifikation zum ersten Mal der Einzug in die Hauptrunde im Crucible Theatre, auch wenn er dort 5:10 gegen John Higgins verlor. Bereits im Jahr darauf bekam er an selber Stelle Gelegenheit zur Revanche und mit einem 10:4 über den Schotten gelang ihm sein erster Hauptrundensieg bei der Weltmeisterschaft. Nach einer auch sonst soliden Saison ging es nach drei Jahren wieder aufwärts in die Top 32.
Aufgrund der geringen Zahl der Turniere für Snookerprofis zu der Zeit und der wenigen Partien wegen der gestaffelten Qualifikation blieb Selby Zeit, daneben auch noch im Blackball, der englischen Variante von 8-Ball-Billard anzutreten. Auch dort erwies er sich als sehr talentierter Spieler und 2006 gelang ihm der Sieg bei der WEPF-Weltmeisterschaft. Danach fasste er allerdings den Entschluss, sich in Zukunft ganz auf Snooker zu konzentrieren.
In der Snooker-Saison 2006/07 gelang ihm in vier von sechs Ranglistenturnieren der Einzug ins Achtelfinale. Seine erste Masters-Teilnahme verpasste er knapp durch eine Niederlage gegen Stuart Bingham im Entscheidungsspiel des Qualifikationsturniers. Am Saisonende zog er zum dritten Mal in Folge in die Weltmeisterschaftsendrunde ein. Als ungesetztem Spieler gelang ihm der Durchmarsch ins Finale, was vor ihm erst zwei Spieler (1979 Terry Griffiths und 2005 Shaun Murphy) geschafft hatten. Dabei drehte er im Viertel- und im Halbfinale jeweils nur noch einen Frame vom Ausscheiden entfernt das jeweilige Spiel und gewann mit dem letzten und entscheidenden Frame. Auch im Finale machte er eine 1:7-Session und einen Rückstand von 4:12 nach dem ersten Finaltag mit einer 6:0-Serie am zweiten Tag nahezu wett. Dennoch unterlag er John Higgins in einem bis 0:55 Uhr dauernden Match am Ende mit 13:18. Mit seinen Erfolgen bei diesem Turnier schaffte er erstmals den Sprung unter die besten 16 Snookerspieler der Welt, in der offiziellen Weltrangliste für die Saison 2007/08 stand er auf Platz 11.
Ins nächste Jahr ging er mit Halbfinals beim Shanghai Masters und bei der UK Championship, wo er nur knapp 8:9 gegen Ronnie O’Sullivan verlor. Im Viertelfinale des Turniers gegen Marco Fu spielte er mit 77 Minuten den bis dahin längsten Frame, der je bei einer Live-Übertragung eines Weltranglistenturniers gespielt worden war. Für das Masters 2008 war er automatisch qualifiziert und bei seinem ersten Auftritt bei dem Traditionsturnier kam er auf Anhieb ins Finale. Er besiegte Stephen Lee mit 10:3 und gewann seinen ersten Titel auf der Main Tour. Nur einen Monat später stand er bei den Welsh Open wieder im Finale. Das erneute Aufeinandertreffen mit O’Sullivan entschied er diesmal nach 5:8-Zwischenstand mit 9:8 für sich und ließ damit seinen ersten Sieg bei einem Ranglistenturnier folgen. Er erhielt eine Einladung für die erstmals ausgetragene Championship League und erreichte auch dort das Finale, verlor es aber mit 1:3 gegen Joe Perry. Trotz einer Auftaktniederlage bei der WM-Endrunde war er nach der Saison der viertbeste Spieler der Welt.
2008/09 verlief hinsichtlich der Ranglistenturniere nicht so erfolgreich, nur beim Shanghai Masters erreichte er das Halbfinale. Bei den Einladungsturnieren war der Engländer dagegen sehr erfolgreich, jedoch ohne Finalglück: Das Jiangsu Classic verlor er gegen Ding Junhui, die Premier League und das Masters gegen Ronnie O’Sullivan, die Championship League gegen Judd Trump. Auch im nächsten Jahr fehlten die großen Erfolge in den Ranglistenturnieren. Saisonhöhepunkt war das dritte Masters-Finale in Folge, das er nach 6:9-Rückstand noch 10:9 gegen O’Sullivan gewann. Er konnte nicht viele Punkte aus den zwei Jahren davor verteidigen, dank des Halbfinals bei der Weltmeisterschaft 2010 konnte er sich aber unter den Top 10 halten.
Weltranglistenerster und Weltmeister
Die Saison 2010/11 brachte größere Umbrüche im Snookersport mit der Einführung der Players Tour Championship und weiterer neuer Turniere. Mit der enormen Steigerung an Spielen kam er gut zurecht. Schon beim zweiten PTC-Turnier gewann er seinen ersten Minor-Ranking-Titel, ein Sieg mit einer reduzierten Zahl an Weltranglistenpunkten. Anschließend gewann er die Weltmeisterschaft im Sonderformat 6-Red-Snooker. Zweimal erreichte er das Endspiel bei den vollwertigen Ranglistenturnieren, verlor aber das nach 13 Jahren erstmals wieder ausgetragene German Masters gegen Mark Williams und die China Open gegen Judd Trump. Vier weitere Male erreichte er das Halbfinale. Erstmals drang er am Saisonende in die Top 3 vor. Zu Beginn der nächsten Spielzeit holte er beim Einladungsturnier in Wuxi seinen nächsten Titel. Danach gewann er das zur PTC-Serie gehörende Paul Hunter Classic in Fürth. Der Sieg beim hochdotierten Shanghai Masters im September 2011 brachte ihn schließlich in der Saisonzwischenwertung erstmals auf Platz 1. Es war sein achter Turniersieg, aber erst der zweite bei einem vollwertigen Ranglistenturnier. Das Finale gegen Mark Williams ging mit 10:9 an ihn, nachdem er 7:9 zurückgelegen hatte. Im weiteren Saisonverlauf folgte noch das Finale bei den Welsh Open und das Halbfinale beim World Open und trotz einer erneuten Auftaktniederlage in der WM-Endrunde verteidigte er die Spitzenposition bis zum Saisonende.
2012/13 brachte Selby gleich vier weitere Titel. Am wertvollsten war der Sieg bei der UK Championship, dem zweiten Triple-Crown-Turnier. Er brachte ihm auch seine Spitzenposition zurück, nachdem ihn Judd Trump zwischenzeitlich in der Weltrangliste überholt hatte. Das Masters gewann er in dieser Saison bereits zum dritten Mal. Dazu kam die Titelverteidigung beim Paul Hunter Classic und der Gewinn der Munich Open, den beiden deutschen PTC-Turnieren. Zwei weitere Finale erreichte er bei den China Open und beim PTC-Turnier in Antwerpen.