Mark Oliver Benecke [ˈbe:nɛkə] (* 26. August 1970 in Rosenheim) ist ein deutscher Kriminalbiologe, Spezialist für forensische Entomologie, Autor, Kolumnist, Politiker (Die PARTEI) und Schauspieler.
Mark Benecke war nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium Köln an der Universität zu Köln für die Fächer Germanistik, Psychologie und Theaterwissenschaft eingeschrieben, beschränkte sich dann aber auf Biologie mit dem Nebenfach Psychologie. Er promovierte summa cum laude über genetische Fingerabdrücke. Im Bereich seines Nebenfachs Psychologie beschäftigte er sich mit Lernexperimenten an Tieren. Anschließend absolvierte er diverse polizeitechnische Ausbildungen innerhalb der Rechtsmedizin in den Vereinigten Staaten, unter anderem an der FBI-Akademie.
Benecke wird als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger herangezogen, um biologische Spuren bei vermuteten Gewaltverbrechen mit Todesfolgen auszuwerten. Er ist Ausbilder an deutschen Polizeischulen sowie Gastdozent in den Vereinigten Staaten, Vietnam, Kolumbien und auf den Philippinen. Ende der 1990er-Jahre war Benecke als Kriminalbiologe im Office of Chief Medical Examiner (Institut für Rechtsmedizin) im New Yorker Stadtbezirk Manhattan angestellt.
Nach eigener Aussage versteht er weniger von Psychologie, ihn interessiert umso mehr die Biologie: „Zwar habe ich auch Psychologie im Nebenfach studiert, aber als herzenstief der Biologie verschriebener Student interessierte mich nicht so sehr die Software des Menschen als dessen harte Verdrahtung mit Nerven- und Sinneszellen. Den Beweggründen eines Serienmörders lässt sich so aber nicht auf die Spur kommen.“
Die Fernsehsender National Geographic Channel, History Channel und n-tv berichteten bereits ausführlich über einige seiner Fälle. Der breiteren Öffentlichkeit ist Benecke auch durch seine Gastkommentare in den Fernsehserien Medical Detectives (VOX, RTL Nitro) und Autopsie – Mysteriöse Todesfälle (RTL II) bekannt, welche die Aufklärung realer Kriminalfälle zeigen und die hierbei eingesetzten, meist wissenschaftlichen Methoden in den Mittelpunkt stellen. Er erklärt dort allgemeinverständlich wissenschaftliche Hintergründe. In seinen Vorträgen setzt er sich auch mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Prozess der Verwesung toter Körper auseinander.
Benecke veröffentlichte mehrere populärwissenschaftliche Bücher, unter anderem über Kriminalfälle, Kriminalbiologie und das Altern aus biomedizinischer Sicht. Darüber hinaus gab er unter anderem für Ravensburger und Oetinger Kinder-Experimentierkästen und -bücher heraus. Mehrere seiner Bücher erreichten in der Spiegel-Bestsellerliste hohe Platzierungen und wurden in viele Sprachen übersetzt. Seine damalige Ehefrau, die Kriminalpsychologin Lydia Benecke, ist Mitautorin von vier seiner Bücher.
Er ist außerdem Gastherausgeber für die Forensic Science International (Forensic Entomology Special Issue) und war Mitglied im Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Er veröffentlichte Bücher und Artikel in den Zeitschriften Skeptical Inquirer und Kriminalistik zu ausgefallenen Themen wie Spontane Selbstentzündung, Blutwunder (zusammen mit dem ZDF), Vampir, magnetische Berge und anderes.
Für die Annals of Improbable Research, die jährlich an der Harvard-Universität die Ig-Nobelpreise verleihen, arbeitet Benecke im Wissenschaftlichen Beirat und als Mitherausgeber.
Seit 2011 ist Benecke Vorsitzender des Vereins ProTattoo (Information, Schulung und Öffentlichkeitsarbeit für und von Angehörige/n der Tätowierbranche).
Benecke ist seit 2015 in zweiter Ehe verheiratet mit Ines Benecke geborene Fischer.
Im Jahr 2019 wurde die Tierart Astrophiura markbeneckei – ein Schlangenstern aus der Tiefsee – nach ihm benannt. Im Jahr 2022 wurde die neu entdeckte Waffenfliegen-Art Ptecticus benecki aus Guano von Fledermäusen aus einer Höhle in Kolumbien ebenfalls nach Benecke benannt. Benecke selbst entdeckte die Trauermücken-Art Pseudolycoriella martita an einem verwesenden Schwein im Urwald in Florencia, benannt nach der Biologin Marta Wolff und beschrieben von Wolff, Kristina Baumjohann und Hans-Georg Rudzinski.
Subkultur und Body-Modification
Benecke dokumentiert die internationale Tattoo- und Piercing-Subkultur und hält regelmäßig Vorträge auf der Fachkonferenz BMXnet, die seit 2023 fest in Berlin stattfindet. Er engagiert sich zudem als Ehrenmitglied im Institut für deutsche Tätowier-Geschichte e.V. (IDTG) für die Erhaltung und wissenschaftliche Aufarbeitung der Fachhistorie.
Im Jahr 2008 nahm er gemeinsam mit dem Tätowierer und Fotokünstler Herbert Hoffmann an der Berliner Kunstausstellung Transgressive Bodies teil und erhielt von diesem eines seiner letzten Anker-Tattoos („Tattoogramm“). Nach Hoffmanns Tod im Jahr 2010 übernahm Benecke dessen feste Kolumne im TätowierMagazin. Auf der damals noch in Essen ausgetragenen BMXnet-Konferenz 2022 begleitete er die Vorstellung des historisch ersten, im Jahr 1978 von Manfred Kohrs angefertigten Barbell-Zungenpiercings; dabei übernahm er die kriminalbiologische Dokumentation sowie die forensisch-messtechnische und farbliche Erfassung des Exponats. Auf der Berliner BMXnet-Konferenz 2025 partizipierte er an dem kunsthistorischen Konzeptkunst-Happening „Richtungsweisend“, bei dem Kohrs ihn in einer traditionellen Hand-Poked-Technik tätowierte.
1997/1998 hatte Benecke nach der Untersuchung von Maden die Leichenliegezeit der getöteten Frau des Pastors Klaus Geyer festgestellt. Geyer hatte für den so ermittelten Tatzeitpunkt kein Alibi und wurde schließlich wegen Totschlags verurteilt.
Im Todesfall einer pflegebedürftigen Frau in Köln ermittelte Benecke anhand von gefundenen toten Stallfliegen (Muscina stabulans), dass die Frau durch ihre Pflegerin vernachlässigt worden war.
In Zusammenarbeit mit dem FSB (Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation) untersuchte Benecke Adolf Hitlers mutmaßliche Schädeldecke und sein Gebiss.
Er untersuchte zudem den Fall des kolumbianischen Serienmörders und Vergewaltigers Luis Garavito.