An diesem Tag

Marius Petipa

Französisch-russischer Tänzer und Choreograf

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Marius Petipa (/mari'ʏs peti'pa/) (eigentlich: Victor Marius Alphonse Petipa; * 11. März 1818 in Marseille; † 1. Julijul. / 14. Juli 1910greg. in Hursuf auf der Krim) war ein französischer Balletttänzer und Choreograf, der einen großen Teil seines Lebens in Russland verbrachte. Er ist besonders wegen seiner Zusammenarbeit mit Komponisten wie Peter Tschaikowski, Léon Minkus, Alexander Glasunow und Riccardo Drigo bekannt. Er gilt als Vater des klassischen Balletts, indem er französische und italienische mit spanischen und russischen Einflüssen kombinierte.

Marius Petipa wurde am 11. März 1818 um 9 Uhr morgens als drittes Kind des Choreografen und Ballettmeisters Jean-Antoine Petipa (1787–1855) und der Schauspielerin Victorine Grasseau-Maurel (1794–1860) in Marseille geboren. Er hatte fünf Geschwister: Joseph Lucien (1815–1898) – der ebenfalls ein sehr erfolgreicher Tänzer wurde –, Elisabeth Marianne (* 1816), Jean Claude Tonnerre (1820–1873), Aimée Victorine Anne (1824–1905) und Adélaïde Antoinette (* 1826).

Ein Jahr nach seiner Geburt übersiedelten seine Eltern nach Brüssel, wo er mit fünf Jahren, am 19. März 1823, seinen ersten Bühnenauftritt als kleiner Cupido hatte, in der Inszenierung seines Vaters von Pierre Gardels Ballett Psyché et l’Amour.

Mit sieben Jahren begann er unter der Anleitung seines Vaters zu tanzen und hatte am 25. August 1826 im Alter von acht Jahren sein Debüt als Tänzer in der Rolle des Savoyer in Gardels La Dansomanie, wiederum in der Inszenierung seines Vaters. Daneben erhielt er eine allgemeine Erziehung am Grand College von Brüssel und lernte am Conservatoire das Spiel der Violine.

1834 zog die Familie nach Bordeaux. Hier erhielt er eine gezielte Ballettausbildung durch den Ballettmeister Auguste Vestris. Diese setzte er in den folgenden Jahren, auch nach verschiedenen Ortswechseln, fort.

Im Jahre 1839 wurde er Premier Danseur (Haupttänzer) am Theater in Nantes. In seinen Memoiren behauptete Marius Petipa später, dass er seinen Vater in der Folge auf eine Tournee in die USA begleitet habe und im Theater am Broadway in La Tarantule aufgetreten sei. Nach neueren Forschungen ist er jedoch gar nicht mitgereist, sondern wirkte bis 1842 in Nantes. Wahrscheinlich Anfang 1840 brach er sich das Bein oder zog sich zumindest eine Verletzung zu, weshalb er eine Zeitlang nicht tanzen konnte; etwa um diese Zeit schuf er seine ersten Choreografien, von denen jedoch wenig bis nichts erhalten oder nachzuweisen ist. Zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt reiste er für einige Monate nach Paris und nahm dort Unterricht bei dem berühmten Auguste Vestris. In Paris wirkten er und sein Bruder Lucien neben Carlotta Grisi am 27. Oktober 1842 bei einer Benefiz-Aufführung zugunsten der Schauspielerin Lucinde Paradol an der Comédie-Française mit.

1843 ging er ans Grand Théâtre von Bordeaux, wo er zunächst als erster Tänzer in Giselle die Rolle des Albrecht übernahm. Aufgrund relativ negativer Kritiken wurde er jedoch schon nach drei Aufführungen zum Deuxième Danseur („zweiter Tänzer“) heruntergestuft. Bereits hier tanzte er neben Rollen in romantischen Balletten wie La Sylphide, La Fille mal gardée, La Tyrolienne oder Nathalie ou la laitière suisse auch in spanischen Tänzen wie Cachucha, Bolera oder Jota aragonesa. Obwohl sein Engagement in Bordeaux nur 11 Monate dauerte, da das Theater am 13. Mai 1844 den Bankrott erklären musste, behauptete Petipa später, er habe während dieser Zeit Choreografien zu vier Balletten kreiert – was sich nicht nachweisen lässt.

Petipa ging nun nach Madrid und wurde erster Tänzer am dortigen Teatro del Circo, anfangs unter der Leitung von Jean Baptiste Barrez, ab 1845 dann unter seinem eigenen Vater Jean-Antoine Petipa. Als Partner der berühmten französischen Ballerina Marie Guy-Stéphan hatte er Erfolg in den männlichen Hauptrollen von Balletten wie Giselle, Jean Corallis La Tarentule, Joseph Maziliers Le Diable amoureux, und besonders in Perrots La Esmeralda und Ondine. Im Frühling 1846 folgten Petipa und Guy-Stéphan einer Einladung von Fernando Millet, dem Impresario des Teatro Principal von Sevilla, und machten zusammen mit Millets Compagnie eine Andalusien-Tournee, die sie unter anderem nach Cádiz, Málaga und Granada führte. In Sanlúcar de Barrameda erlebten sie bei einem jährlichen Festival hautnah nicht nur Stierkämpfe mit Toreros mit, sondern auch echte spanische Volkstänze. Erlebnisse wie diese prägten Petipa für sein Leben und begründeten seine Liebe zur spanischen Musik und traditionellen Tänzen. Sein Aufenthalt kam jedoch 1847 zu einem dramatischen Ende: Er hatte sich in Carmen Mendoza y Castro, die Tochter einer spanischen Marquesa verliebt, deren Familie jedoch über diese unstandesgemäße Verbindung überhaupt nicht erfreut war und konsequente Schritte zu ihrer Unterbindung unternahm. Schließlich versuchte das Paar gemeinsam zuerst nach England, und von da nach Frankreich zu fliehen. Sie wurden jedoch am 13. März 1847 in der Nähe von Rouen von der Polizei aufgespürt, Carmen musste nach Spanien zurück und Petipa zu seiner Familie nach Paris.

Offenbar durch Vermittlung seines Bruders Lucien, der eine große Karriere in Paris machte, erhielt Marius eine Stelle als Premier Danseur am Kaiserlichen Theater von Sankt Petersburg, wo er am 30. Maijul. / 9. Juni 1847greg. eintraf, gefolgt von seinem Vater Jean Petipa im Oktober desselben Jahres. Sein erfolgreiches Debüt hatte Marius Petipa am 26. Septemberjul. / 8. Oktober 1847greg. als Lucien d’Hervilly in der russischen Premiere von Paquita, dabei war er auch bereits in die Produktion involviert. Noch im selben Jahr tanzte er außerdem die männlichen Hauptrollen in Le Diable amoureux, La Péri und Giselle.

Obwohl er die russische Sprache bei seinem über sechzigjährigen Aufenthalt nie ausreichend beherrschen lernte, erlebte er dort mit dem kaiserlichen Ballett zunächst am Bolshoi Kamenny Theater und später (ab 1885) am Mariinski-Theater seine größten Erfolge.

Von 1849 bis 1858 arbeitete er mit Jules Perrot zusammen, der während dieser Jahre die Stelle des Ballettmeisters innehatte. Dabei war Petipa neben seiner Tätigkeit als Tänzer auch an Choreografien beteiligt, unter anderem für Tanzeinlagen in Opern wie 1849 für die Flotow-Oper Alessandro Stradella, aber auch bei Wiederaufführungen älterer Ballette wie Giselle (1850) und Le Corsaire (1858). Marius Petipas erstes komplett eigenes Ballett war das 1855 uraufgeführte Divertissement L’Étoile de Grenade („Der Stern von Granada“) mit Musik von Cesare Pugni, der als offizieller Ballettkomponist der Kaiserlichen Theater bis 1869 auch die Musik zu Petipas folgenden Ballett-Kreationen komponierte. Zu seinen frühen Choreographien gehörte auch Le Marché des parisiens (1859), welches das erste Ballett Petipas war, das außerhalb Russlands bekannt wurde: Er überarbeitete es 1861 für Aufführungen in Paris unter dem neuen Titel Le Marché des Innocents und führte es 1863 auch auf Tourneen in Berlin und Riga auf, als Zugpferd für seine erste Frau, die Ballerina Maria Surowschtschikowa-Petipa (siehe unten).

Als Perrot 1858 Russland verließ, wurde Arthur Saint-Léon dessen Nachfolger als Premier Maître de Ballet (erster Ballettmeister), mit dem es zu einer jahrelangen künstlerischen Rivalität kam. Dabei fungierte Petipa, trotz seiner regelmäßig herausgebrachten eigenen Ballett-Choreografien, bis 1862 offiziell „nur“ als Premier Danseur. Erst sein überaus erfolgreiches Ballett La Fille du Pharaon („Die Tochter des Pharao“, 1862) markierte einen Wendepunkt in seiner Karriere: Nun bot man ihm die Stelle des zweiten Ballettmeisters an, und es war das letzte Ballett, in dem der mittlerweile 44-jährige selber als Tänzer auftrat.

Nachdem Saint-Léon 1870 Sankt Petersburg endgültig verlassen hatte, wurde Petipa am

29. Februarjul. / 12. März 1871greg. in Anerkennung seiner Verdienste zum Premier Maître de Ballet der Kaiserlichen Theater ernannt.

Zwischen 1869 und 1886 arbeitete Petipa mit Léon Minkus zusammen, der Pugnis Nachfolger als Ballettkomponist der Kaiserlichen Theater war. Ihre erste Zusammenarbeit war das heute noch (in veränderter Form) berühmte Ballett Don Quixote (1869), wo Petipa seine Vorliebe für spanische Tänze ausleben konnte – die Uraufführung fand ausnahmsweise in Moskau statt, am Bolschoi-Theater. Als ihr gemeinsames Meisterwerk gilt La Bayadère (1877), mit seinem in Indien angesiedelten exotischen Flair und der berühmten Schattenszene. Die Titelrolle schuf er für die bedeutende russische Ballerina Jekaterina Wasem, die zu dieser Zeit seine Lieblingstänzerin war.

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