Marius Hubertus Hans Müller-Westernhagen (später auch nur Westernhagen; * 6. Dezember 1948 in Düsseldorf) ist ein deutscher Rockmusiker und ehemaliger Schauspieler.
Mit rund 12,1 Millionen verkauften Tonträgern gilt er als einer der erfolgreichsten deutschen Musiker. Zu seinen bekanntesten musikalischen Werken zählen Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz, Sexy, Weil ich dich liebe, Freiheit und Wieder hier. Sein Durchbruch als Filmschauspieler gelang ihm mit dem 1976 gedrehten Film Aufforderung zum Tanz als Theo Gromberg.
Herkunft, Ausbildung und Schauspielerei
Marius Müller-Westernhagen wurde als Sohn des Schauspielers und Spielleiters Hans Müller-Westernhagen (1918–1963) und dessen Frau Liselotte, geb. Krawczack (1920–1999), einer Postangestellten und späteren Regierungsbeamtin, in Düsseldorf geboren, wo er zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Christiane Müller-Westernhagen im linksrheinischen Stadtteil Heerdt aufwuchs. Sein Vater war Mitglied des Ensembles des Düsseldorfer Schauspielhauses zur Zeit des Intendanten Gustaf Gründgens; er starb im Alter von 44 Jahren in Düsseldorf. Seine Mutter stammte aus einer Kieler Offiziersfamilie. Müller-Westernhagens Großvater mütterlicherseits war Chefingenieur bei der U-Boot-Flotte. Das schwierige Verhältnis Müller-Westernhagens zu seiner Mutter sowie der frühe Verlust des Vaters waren immer wieder Gegenstände seiner Liedtexte (wie in Was Du … aus dem Album In den Wahnsinn). Erst in den 1990er Jahren kam es zur Versöhnung. Im autobiographischen Interview Versuch dich zu erinnern mit Manfred Bissinger sagt Müller-Westernhagen, seine Mutter hätte seinen „Ruhm zwar genossen […]. Lieber aber wäre ihr doch gewesen, wenn ich den Hamlet gespielt hätte, das hätte ruhig in Kleinkleckersdorf am Stadttheater sein können. Es hätte sie vielleicht stolzer gemacht, als wenn ihr Sohn in Fußballstadien eine Rockshow inszeniert. Sie wurde zwar aufgrund dessen überall hofiert, aber ich glaube, im tiefsten Innern hielt sie es für unseriös.“ Liselotte Müller-Westernhagen ist auch im Film Keine Zeit zu sehen.
Nach dem Besuch des Düsseldorfer Humboldt-Gymnasiums wechselte Müller-Westernhagen an die Handelsschule in Düsseldorf, an der er 1963 die Mittlere Reife erlangte.
Durch seinen Vater war er frühzeitig mit der Schauspiel- und Filmszene in Kontakt gekommen. In dem Fernsehfilm Die Zeugin im grünen Rock, eine Folge der Fernsehkrimireihe Stahlnetz, hatte er seine mutmaßlich erste Filmrolle. In der nicht gelisteten Rolle spielte er ein Mädchen. Die Folge war im April 1960 erstmals ausgestrahlt worden, Müller-Westernhagen war damals 11 Jahre alt.
Seither war er regelmäßig in Fernsehfilmen zu sehen. Seine frühen Gagen soll er in eine Eishockey-Ausrüstung investiert haben, er verstand sich als Fan der Düsseldorfer EG. Ende der 1960er Jahre erhielt er eine Schauspielausbildung bei Otto Ströhlin. Marius Müller-Westernhagen entschied sich zunächst, beim Schauspiel zu bleiben, und wurde zu Beginn seiner Karriere als Film- und Fernsehschauspieler bevorzugt in der Rolle des rebellischen Jugendlichen eingesetzt. 1965 übernahm er die Sprechrolle für die Hauptfigur bei der WDR-Hörspiel-Produktion von Wickie und die starken Männer.
Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler schrieb Müller-Westernhagen Texte für die Zeitschriften Twen und Underground und gehörte zum Autorenteam des satirischen Nachrichtenmagazins Express. Zudem arbeitete er für den Hörfunk und als Regieassistent bei Gerhard Schmidt.
1962–1969: Musikalische Anfänge
In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre widmete sich Müller-Westernhagen der Musik, brachte sich selbst das Gitarrenspiel bei und begann eine klassische Gesangsausbildung bei Gisela Litz in Hamburg. Stimmlich erreichte er bereits die „Shouterqualität“, die sein gesangliches Markenzeichen wurde und an Steve Marriott von der damals sehr populären Band The Small Faces erinnerte. In der damals sehr lebendigen Düsseldorfer Musikszene brachte er es Ende der 1960er mit seiner Band About Five bereits zu lokaler Bekanntheit. Die Band hieß Harakiri Whoom im gleichnamigen WDR Kurzfilm von 1969 und änderte nach den Dreharbeiten den Namen von About Five in Harakiri (Whoom wurde weggelassen). Mit dem im Jahr 1978 erschienenen Titel Mit 18 thematisierte er diese musikalische Jugendzeit (Textzeile: „Mit 18 rannt’ ich in Düsseldorf rum – war Sänger in ’ner Rock’n’Roll-Band“). Mit dem Namen der Band entstand 1968 auch ein Film, eine Politsatire, die zum Skandal geriet und zunächst nicht ausgestrahlt wurde. Nach Auflösung von Harakiri widmete Müller-Westernhagen sich der Tätigkeit als Theaterschauspieler, Musiker und Journalist.
1970–1979: Plattenvertrag bei Warner Music und Durchbruch als Filmschauspieler und Musiker
Im Jahre 1972 brachte Müller-Westernhagen für die ZDF-Satiresendung Express das Lied Gebt Bayern zurück an die Bayern in Anlehnung an Paul McCartneys Give Ireland Back to the Irish auf den Markt. Nach massiven Protesten wurde die Single von der Plattenfirma vom Markt genommen. In Roland Klicks Film Supermarkt synchronisierte er die von einem Laiendarsteller gemimte Hauptrolle. Während der Arbeiten zum Film lernte er den Produzenten Peter Hesslein (Lucifer’s Friend) kennen und sang den von Hesslein komponierten Titelsong Celebration unter dem Namen Marius West.
Im Jahre 1974 unterzeichnete er einen Plattenvertrag bei Warner Music. Sein Debüt-Album Das erste Mal wurde von Peter Hesslein im Oktober 1974 produziert und Anfang 1975 veröffentlicht. Es war kommerziell nicht erfolgreich. Die ARD strahlte im selben Jahr unter dem Titel Es geht mir wie dir eine Dokumentation über den jungen Sänger aus, in der Müller-Westernhagen und einige ihm nahestehende Personen, wie seine Mutter und seine Lebensgefährtin, dem Moderator Reinhard Münchenhagen Fragen über sein Leben und seine Musik beantworten.
Sein Durchbruch als Filmschauspieler gelang Marius Müller-Westernhagen mit dem 1976 gedrehten Film Aufforderung zum Tanz als Theo Gromberg. Die Geschichte um die Fernfahrer Gromberg und Goldini (der Italiener Goldini wurde vom späteren Lindenstraßen-Darsteller Guido Gagliardi verkörpert) fand 1980 ihre bedeutend erfolgreichere Fortsetzung im Kino-Film Theo gegen den Rest der Welt. Dieser Film unter der Regie von Peter F. Bringmann wurde zum erfolgreichsten Film des Jahres und mit fast drei Millionen Zuschauern auch einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Nachkriegsfilme überhaupt. Im selben Jahr erhielt Müller-Westernhagen den Ernst-Lubitsch-Preis für seine darstellerische Leistung. Zu dieser Zeit befand sich Müller-Westernhagen auf dem Höhepunkt seiner schauspielerischen Tätigkeit.
Neben den Musikalben nahm Westernhagen, der in jungen Jahren mehrfach für den Hörfunk als Hörspielsprecher tätig war, Tonträger mit gesprochenen Texten auf, einmal Texte von Wolfgang Borchert, dann das musikalische Märchen Peter und der Wolf und Die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten von Francis Poulenc.
Nach zwei weiteren erfolglosen LPs bekam seine musikalische Karriere mit dem 1978 erschienenen Album Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz Aufwind. Es entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Produzenten und Bassisten Lothar Meid, erreichte hohe Verkaufszahlen und verkaufte sich alleine bis Ende des Jahres 2008 über 1,5 Millionen Mal.
1980–1989: Imagewechsel und Ende der Schauspiellaufbahn
Als Musiker fiel er zunehmend durch häufig provokante Texte auf. Das nach Müller-Westernhagens Darstellung gesellschaftskritisch gemeinte Lied Dicke, in dem Westernhagen auf Diskriminierung aufmerksam machen und „den Leuten“ „einen Spiegel vorhalten“ wolle, indem er Beleidigungen, Vorurteile und Klischees aneinanderkettete, wurde von manchen so interpretiert, als wolle er sich diese Ansichten zu eigen und sich über fettleibige Menschen lustig machen, sodass einige Radiosender es nicht spielten. In einem anderen Lied thematisierte er auf ironisch überspitzter Weise die umstrittenen Fahndungsmethoden im Kampf gegen die RAF-Terroristen (Grüß mir die Genossen). An den massiven Erfolg des Pfefferminz-Albums konnte er einige Jahre nicht mehr anschließen, obwohl die Nachfolge-LPs Sekt oder Selters (1980) und Stinker (1981) kommerziell erfolgreich waren. Die LP Stinker enthielt mit Von drüben einen Song der ähnlich kontrovers diskutiert wurde wie Dicke. Thematisiert wurde hier der «Markterfolg» den aus der DDR stammende Musikerinnen seinerzeit im goldenen Westen erzielt hatten.