An diesem Tag

Mario Giacomelli

Italienischer Fotograf

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Mario Giacomelli (* 1. August 1925 in Senigallia in der Region Marken, Italien; † 25. November 2000 ebenda) war ein italienischer Fotograf.

Mario Giacomelli wurde als ältester von drei Brüdern geboren. 1934, als er neun Jahre alt war, starb sein Vater. Seitdem arbeitete seine Mutter in einer Wäscherei in der Nähe des Hospizes von Senigallia. Jahre später nahm er in diesem Hospiz eine seiner bekanntesten Serien auf.

Er wuchs in ärmsten Verhältnissen auf. Mit 13 Jahren (1938) verließ er die Schule und entschloss sich, die Familie finanziell zu unterstützen. Er begann eine Ausbildung zum Schriftsetzer und Drucker in seiner Heimatstadt. Später wurde er Teilhaber und schließlich Besitzer einer Druckerei im Zentrum Senigallias.

Am 24. April 1954 heiratete er Anna Berluti.

Er arbeitete sein ganzes Leben in der Druckerei und verdiente sich so seinen Lebensunterhalt. Nur in seiner freien Zeit fotografierte er. 1995 erhielt er den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Mario Giacomelli starb an Krebs.

An Heiligabend 1953 kaufte er von dem Geld, das er ursprünglich für ein gebrauchtes Motorrad gespart hatte (800 Lire), seine erste Kamera.

Am nächsten Tag machte er seine ersten Aufnahmen am Strand von Senigallia. Da er aber nicht wusste, wie man die Kamera bediente, konnte er nur zwei der Negative verwenden. Eine dieser Aufnahmen zeigt einen vom Meerwasser umspülten Hausschuh.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er versucht zu malen und zu schreiben. Er war jedoch nicht zufrieden mit seinen Ergebnissen. Erst die Fotografie schien ihm das richtige Werkzeug zu sein. Obwohl er kein Freund von technischen Geräten war und nie einen Belichtungsmesser verwendete, erkannte er doch für sich, dass die Fotokamera, dieses scheinbar seelenlose technische Gerät, ihm eine Erweiterung seiner Ausdrucksmöglichkeiten bot (vgl. Horvat). Er fand früh zu einer intensiven graphischen Bildsprache, die zu seiner Zeit für die Fotografie neue Impulse setzte. Sein Stil ist einmalig und unverwechselbar.

Er ist mit seinen Schwarzweißfotos in vielen Museen und Galerien der Welt vertreten.

Er arbeitete immer in Serien. Die Mehrzahl seiner Bilder sind in Senigallia oder in der näheren Umgebung seiner Heimat entstanden.

Oft bereitete er sich lange auf eine Serie vor. So ging er ein ganzes Jahr in das Hospiz von Senigallia, damit sich die Bewohner dort an ihn gewöhnen konnten. Erst als er ihnen vertraut war, nahm er seine Kamera mit. Lediglich bei den Serien Zingari (Zigeuner, 1958) und Mattatoio (Schlachthaus, 1960) wich er von diesem Prinzip ab. Bei den Zigeunern hatte er etwa eine halbe Stunde für die Aufnahmen, bevor ihm weitere Aufnahmen verboten wurden. Im Schlachthaus hielt er es nach seiner eigenen Aussage nur ein paar Minuten aus, dann musste er fliehen und mied diesen Ort fortan.

Die Bilder dieser Serie zeigen die Bewohner des Hospizes von Senigallia. Zeit, Vergänglichkeit und das Alter beschäftigten und begleiteten ihn bei vielen seiner Serien. Ganz besonders gilt das für die Hospizbilder:

Im Hospiz entstanden sehr emotionale Bilder der Bewohner. In diesen Fotografien blicken wir dem nahenden Tod ins Antlitz. Die Wirkung der Bilder wird durch ihren harten Kontrast noch gesteigert. Die Menschen werden in ihrer Umgebung gezeigt, die alles andere als komfortabel ist. Doch nicht als Sozialkritik sind diese Bilder gemeint. Für ihn war jede dieser Aufnahmen wie ein Selbstporträt (vgl. Interview mit Frank Horvat). Eine zweite Serie zum Hospiz, die 1966–1968 entstand, nennt er denn auch Verrà la morte e avrà i tuoi occhi (etwa: Kommen wird der Tod und er wird deine Augen haben) nach einem Gedicht von Cesare Pavese (1908–1950).

Die Hospizbilder waren ihm immer die wichtigsten:

Nur selten verließ er seinen Heimatort. Mehrmals jedoch (1957, 1959 und 1995) besuchte er Scanno, ein Bergdorf in den Abruzzen, etwa 270 km südlich von Senigallia. Dort entstanden archaische Bilder der Menschen in diesem Dorf, in dem das traditionelle Leben zu jener Zeit noch unberührt und lebendig war. Bei seinen Aufnahmen wählte er eine lange Belichtungszeit, um diesen Ort etwas „magischer“ zu machen.

John Szarkowski, von 1962 bis 1991 zuständig für Fotografie im Museum of Modern Art in New York, zeigte 1964 die Serie „Scanno“ der amerikanischen Öffentlichkeit. Nachdem Giacomelli schon 1963 während der Photokina in Köln ausgestellt worden war, bedeutete diese Ausstellung für ihn den internationalen Durchbruch.

Im Jahre 1995 besuchte er Scanno zum dritten Mal – doch diesmal machte er keine Aufnahmen. Wieder war es die Zeit, die ihm Kummer bereitete: das alte Scanno, so wie er es fotografiert hatte, gab es nicht mehr, die moderne Welt hatte auch hier Einzug gehalten.

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