An diesem Tag

Marina Weisband

Deutsche Politikerin (Piratenpartei, später Bündnis 90/Die Grünen) und Publizistin

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Marina Weisband (ukrainisch Марина Вайсбанд, wiss. Transliteration Marina Vajsband, vor der Emigration Marina Onufriyenko/Марина Онуфрієнко ; * 4. Oktober 1987 in Kiew, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist eine ukrainisch-deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) und Publizistin. Sie war von Mai 2011 bis April 2012 politische Geschäftsführerin und Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Deutschland.

Marina Weisband wuchs in Kiew in einer jüdischen Familie auf. Ihr Vater Igor Weisband (1951–2018) war Programmierer und Sozioniker, ein Großvater, Dawid Weisband (1906–1998), diente während des Zweiten Weltkriegs als Oberst der Artillerie in der Roten Armee und erhielt den seltenen Kutusoworden I. Grades. Danach war er Kommandeur einer in Brandenburg stationierten Brigade. Der andere Großvater Weisbands ist Holocaust-Überlebender. Die Familie änderte aufgrund von Antisemitismus in der Sowjetunion ihren jüdischen Nachnamen in Onufriyenko.

Weisband wurde rund eineinhalb Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 geboren, weniger als 100 km vom Unglücksreaktor entfernt. Sie galt als Tschernobylkind und hatte schwere gesundheitliche Probleme, die ihrer Aussage nach wahrscheinlich mit der Strahlenbelastung zusammenhingen. Im Alter von vier Jahren war sie längere Zeit im Krankenhaus und hatte auch in den folgenden Monaten mit Krankheiten zu kämpfen. Auf dringenden Rat der Ärzte verließen ihre Eltern und der Großvater Dawid schließlich mit ihr die Ukraine.

1994 zog sie mit ihren Eltern im Zuge der Regelung für jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland um, wo sich die Familie in Wuppertal niederließ. Dort bestand Weisband das Abitur am Carl-Fuhlrott-Gymnasium und studierte ab 2006 Psychologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Seit 2013 ist sie Diplom-Psychologin.

Weisband lebt weiterhin im westfälischen Münster. Sie ist seit 2013 verheiratet. Das Ehepaar hat eine Tochter (* 2016).

Neben der deutschen Staatsangehörigkeit hat Weisband auch die ukrainische Staatsbürgerschaft.

Marina Weisband ist seit 2020 an Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS oder chronisches Erschöpfungssyndrom) erkrankt und setzt sich seit Herbst 2021 dafür ein, dass öffentlich über diese Krankheit berichtet wird.

2009 trat Weisband der Piratenpartei bei. Für die Hochschulgruppe der Piratenpartei saß sie von Dezember 2010 bis November 2011 im 53. Studierendenparlament der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie war zudem Mitglied des Kreisverbandes Münster im Landesverband Nordrhein-Westfalen. Auf dem Bundesparteitag 2011 in Heidenheim an der Brenz am 15. Mai 2011 wurde sie als Nachfolgerin Christopher Lauers zur politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei gewählt; das Amt entspricht dem des Bundesgeschäftsführers anderer Parteien.

Weisband setzte sich während ihrer aktiven Zeit für die „Vermittlung von demokratischen Grundwerten an Schüler und Jugendliche“ ein sowie für selbstmotiviertes und freies Lernen. „Gesunder Menschenverstand“ müsse auch im Jugendschutz durchgesetzt werden, denn „Kinder vor allem zu beschützen, schützt Kinder nicht“. Bildung sei die „Grundvoraussetzung für die Wissensgesellschaft“. Des Weiteren forderte Weisband, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu erleichtern.

Als Reaktion auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa vom September 2011, bei der die Piratenpartei bundesweit bei sieben Prozent lag und nach der die meisten Wähler in den Piraten eine Protestpartei sahen, sagte Weisband dem Nachrichtenportal news.de, ihre Partei sei keine „Protestpartei mit Dauer-Veto“, die Piraten hätten „konkrete Ziele wie zum Beispiel mehr Transparenz in der Politik“.

Im Oktober 2011 nahmen mit dem Parteivorsitzenden Sebastian Nerz, dem Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus von Berlin Andreas Baum und Marina Weisband erstmals Angehörige der Piratenpartei an der Bundespressekonferenz in Berlin teil. Weisband nannte als Ziele ihrer Partei vor allem „Bildung in allen Schattierungen – frühkindliche Bildung, Bildung als Voraussetzung für politische Teilhabe, Bildung als Bedingung für ein verantwortliches Leben“ sowie „Freiheit im Internet und Transparenz politischer Prozesse“. Zudem gehe es den Piraten um einen „grundlegend veränderten Politikstil“. Gefragt nach weiteren Unterschieden zu anderen Parteien sagte sie: „Wir bieten kein Programm, sondern ein Betriebssystem.“

In der Diskussion über den Umgang mit ehemaligen Mitgliedern der rechtsextremen NPD in den eigenen Reihen distanzierte sie sich öffentlich vom Parteivorsitzenden Nerz und erklärte dessen Rede von „Jugendsünden“ für unpassend.

Am 25. Januar 2012 gab Weisband ihren Rückzug aus der Parteispitze bekannt. Als Grund nannte sie gesundheitliche Probleme und den Wunsch, ihre Diplomarbeit in Psychologie zu schreiben; das sei aufgrund der Umstellung auf das Bachelor-Master-System im Zuge des Bologna-Prozesses an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster nur noch bis zum Sommersemester 2013 möglich. Sie wolle sich dennoch weiterhin innerhalb der Partei engagieren.

Nach dem Verzicht auf eine zweite Amtszeit teilte sie mit, dass sie während ihrer aktiven Zeit in der Parteispitze antisemitischen Beleidigungen ausgesetzt war. In einem Interview erklärte sie, das sei aber kein Grund für ihren Rückzug. Als einen der Gründe nannte sie den unerwartet großen Erfolg ihrer Partei, sie sei ihm nicht gewachsen und brauche deshalb eine Pause. Außerdem sei zuvor vereinbart worden, dass sie ihr politisches Amt nur für eine Legislaturperiode annehme.

Nach dem Scheitern des Parteiausschlussverfahrens gegen den Holocaust-Relativierer und Geschichtsrevisionisten Bodo T. rief Weisband im April 2012 dazu auf, gegen antisemitische und rassistische Mitglieder rigoros vorzugehen. „Es ist Bullshit, dass wir rechtsextreme Meinungen tolerieren müssen“, kommentierte sie.

Im September 2016 teilte Weisband mit, dass sie bereits vor einem Jahr bei den Piraten ausgetreten sei, weil „das Label Piraten verbrannt“ sei. Sie sei still ausgetreten, um der Piratenpartei nicht zu schaden. Als Grund für ihren Austritt nannte sie, dass der progressive Flügel aus der Partei vertrieben worden sei und nun dort nur noch konservative Kräfte vertreten seien, die „das Internet in den Grenzen von 1990“ wollten. Weisband schloss eine Rückkehr in die Politik bei einer anderen Partei nicht aus.

Bündnis 90/Die Grünen (seit 2018)

Im Mai 2018 wurde bekannt, dass Marina Weisband die Partei Bündnis 90/Die Grünen bei der Erarbeitung des kommenden Grundsatzprogramms zu netzpolitischen Fragen berät. Im Oktober desselben Jahres wurde publik, dass sie der Partei beigetreten ist.

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