Marilyn vos Savant [mæɹɪlɪn vɑs sə'vɑnt] (* 11. August 1946 in St. Louis, Missouri; gebürtig Marilyn Mach) ist eine US-amerikanische Kolumnistin und Schriftstellerin.
Aufgrund mehrerer weit überdurchschnittlicher Ergebnisse, die sie bei verschiedenen Intelligenztests erzielte, wurde vos Savant in den von 1986 bis 1989 erschienenen Editionen des Guinness-Buches der Rekorde unter der Rubrik höchster Intelligenzquotient aufgeführt. Seitdem schreibt sie die Kolumne „Ask Marilyn“, die im Sonntagsmagazin Parade erscheint, und hat mehrere Ratgeber und Bücher verfasst, in denen sie sich hauptsächlich mit mathematischen, politischen und sozioökonomischen Problemen auseinandersetzt. 1990 veröffentlichte vos Savant in ihrer Kolumne ihre korrekte Lösung des Ziegenproblems, einer Aufgabe mit Bezug zur Wahrscheinlichkeitstheorie, die ihr unter anderem von Mathematikprofessoren zunächst nicht geglaubt und als „Frauenlogik“ abgetan wurde.
Marilyn Mach ist das jüngste Kind von Marina vos Savant, einer italienischen Immigrantin, deren Geburtsnamen sie später annahm und Joseph Mach, einem aus einer Bergarbeiterfamilie stammenden deutschen Einwanderer. Das Ehepaar betrieb ein Restaurant in einem Arbeiterviertel von St. Louis und eröffnete später eine Kette von Reinigungen. Marilyn vos Savants Großeltern mütterlicherseits hießen vor der Eheschließung Maria Savant und Giuseppe vos Savant.
Im Laufe ihrer Schulzeit wurde vos Savant verschiedenen Intelligenztests unterzogen, wobei sie jedes Mal die höchstmögliche Punktezahl erreichte. Während ihr Umfeld auf diese Resultate mit großem Erstaunen reagierte, verspürte vos Savant angesichts ihrer Testergebnisse keinerlei Verblüffung, wie sie 2009 in einem Interview mit der „Financial Times“ angab.
In einem Interview, das sie 2009 der kolumbianischen Zeitschrift „Semana“ gewährte, gab vos Savant an, keine einfache Kindheit gehabt und den Schulbesuch verabscheut zu haben. Als Mädchen sei sie aufgrund ihres Geschlechtes stets mit Geringschätzung behandelt worden. Ihre Lehrer hätten ihre Intelligenz als eine „nutzlose Eigenschaft“ betrachtet. Einmal schloss sie ein Lehrer von seinem Naturkundeunterricht aus, weil sie in der Klasse das einzige Mädchen war. Als vos Savant ihren Schulabschluss machte, befand sie sich in einem Jahrgang von 613 Schülern auf dem 178. Platz. Sie studierte Philosophie an der Washington University in St. Louis, brach das Studium nach zwei Jahren jedoch auf Drängen ihrer Eltern ab. Vos Savant arbeitete daraufhin mit Aktien, war im Investment- und Immobilienbereich tätig und arbeitete für die Reinigungskette ihrer Eltern. Nachdem sie finanzielle Unabhängigkeit erlangt hatte, versuchte sie, Schriftstellerin zu werden. Unter einem Pseudonym veröffentlichte vos Savant Kurzgeschichten, Essays und Zeitungsartikel.
Wie ihre Mutter und Großmutter mütterlicherseits ging vos Savant ihre erste Ehe im Alter von 16 Jahren ein; nach 10 Jahren wurde die Ehe, aus der ihre beiden Kinder stammen, jedoch geschieden. Vos Savants zweite Ehe dauerte ebenfalls 10 Jahre.
Am 23. August 1987 heiratete vos Savant den Wissenschaftler und Unternehmer Robert Jarvik. Dieser entwickelte „Jarvik-7“, das erste brauchbare Herzimplantat, das 1982 erstmals eingesetzt werden konnte. Seit den 1980er Jahren wohnt vos Savant mit ihrer Familie im New Yorker Stadtteil Manhattan.
Marilyn vos Savant leitet das Finanzwesen des Jarvik-Unternehmens, übt allerdings auch eine wissenschaftliche Tätigkeit aus, wobei sie hauptsächlich Herz-Kreislauferkrankungen erforscht. Sie hält außerdem Vorträge an Universitäten und in Firmen.
Vos Savant ist Mitglied des Committee for Skeptical Inquiry und hat im Vorstand des National Council of Economic Education und der National Association for Gifted Children gearbeitet. Ferner ist sie Mitglied von Mensa International, der Prometheus Society und der International Society for Philosophical Enquiry. Mitte der 1980er Jahre war sie Mitglied und Sekretärin der Mega Society, deren Mitglieder einen IQ mit einem Prozentrang von mindestens 99,9999 % erzielt haben müssen.
Außerdem schreibt vos Savant die Kolumne „Ask Marilyn“ (Frag Marilyn), die seit 1986 wöchentlich in der Sonntagszeitung Parade Magazine erscheint. In ihrer Kolumne antwortet vos Savant Lesern, die ihr – zumeist mathematische oder sprachliche – Rätsel aufgeben, sie manchmal allerdings auch um persönliche Ratschläge bitten oder philosophische, technische oder naturwissenschaftliche Fragen stellen. Von Zeit zu Zeit publiziert vos Savant selbst eine Denksportaufgabe oder führt unter ihren Lesern eine Umfrage durch.
Nachdem vos Savant erstmals im Guinness-Buch der Rekorde erschienen war, veröffentlichte Parade einen Artikel über vos Savant und publizierte im Nachhinein einige von ihr beantwortete Leserfragen. Da Parade fortlaufend Fragen empfing, wurde „Ask Marilyn“ in eine Kolumne umgewandelt.
Die Kolumne wird auch im Internet veröffentlicht. Die virtuelle Version ergänzt insofern die gedruckten Ausgaben, als dort fehlerhafte und kontroverse Antworten besprochen, manche Antworten ausführlicher erläutert, bestimmte Fragen noch einmal gestellt und zusätzliche Fragen beantwortet werden.
Drei ihrer Bücher – Ask Marilyn: Answers to America’s Most Frequently Asked Questions (1992), More Marilyn: Some Like It Bright! (1994), und Of Course I’m for Monogamy: I’m Also for Everlasting Peace and an End to Taxes (1996) – sind aus ihrer Kolumne entstanden. In jedem Buch werden bestimmte Fragen und Antworten, die in „Ask Marilyn“ zuvor veröffentlicht wurden, ausführlicher dargelegt.
Am 9. September 1990 beantwortete vos Savant folgende Leserfrage:
Marilyn vos Savant antwortete, man solle Tür Nr. 2 wählen, da sich die Gewinnchancen dadurch von 1/3 auf 2/3 erhöhen würden. Sie erhielt daraufhin ungefähr 10.000, teils beleidigende Briefe, deren Absender, unter ihnen auch Mathematikprofessoren, mehrheitlich glaubten, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Gewinn zu erlangen, für beide Türen gleich bleibe, also 1/2.
Das Ziegenproblem wurde von Mitarbeitern der Central Intelligence Agency, des Massachusetts Institute of Technology und des Los Alamos National Laboratory sowie in mehr als tausend amerikanischen Schulen analysiert.
Trotz der weitgehend ablehnenden Reaktionen weigerte sich Marilyn vos Savant, ihre Aussage zu widerrufen. In ihrer zweiten Kolumne über das Ziegenproblem (2. Dezember 1990) schrieb sie:
In ihrer dritten Kolumne über das Ziegenproblem (17. Februar 1991) rief vos Savant ihre Leser dazu auf, das Ziegenproblem nachzuspielen und ihr die Ergebnisse zuzusenden. Außerdem betonte sie, dass die Tatsache, dass der Showmaster stets absichtlich eine Tür mit einer Ziege öffnet, der wichtigste Punkt sei.