An diesem Tag

Marie Wiegmann

Deutsche Malerin

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Marie Elisabeth Wiegmann, geborene Hancke (* 7. November 1820 in Silberberg, Regierungsbezirk Breslau in Schlesien, heute Srebrna Góra, Polen; † 4. Dezember 1893 in Düsseldorf), war eine deutsche romantische Malerin von Kinderbildern, mythologischen Szenen, Genres und Porträts.

Rudolf Wiegmann nennt in seiner Biographie über Marie Wiegmann als Geburtsort Silberberg in Schlesien, macht aber keine Angaben über ihr Geburtsdatum und ihre Familienverhältnisse. Über ihre Herkunft, Kindheit und Jugend finden sich auch in der Fachliteratur keine Angaben.

Marie Hancke kam 1841 zur künstlerischen Ausbildung nach Düsseldorf, wo sie bis etwa 1843 unter der Leitung des Historienmalers Hermann Stilke arbeitete. Anschließend erlernte sie die Porträtmalerei und das Ideal-Genre bei Karl Ferdinand Sohn. Sie studierte und wirkte in seinem Atelier für Privatschüler und orientierte sich an seiner Malweise.

Bis 1850 malte sie vorwiegend Genrebilder zu Märchen und romantischen Dichtungen, später auch Porträts von berühmten Gelehrten, Frauen und Kindern und Einzelfiguren in historischem Kostüm. Im Jahr 1843 malte Karl Ferdinand Sohn ein Porträt von der 23-jährigen schönen aparten Frau, das sich heute im Museum Kunstpalast in Düsseldorf befindet.

Im Jahr 1841 heiratete Marie Hancke den Düsseldorfer Maler, Architekten und Professor Rudolf Wiegmann. Sie trug anschließend den Namen Marie Wiegmann. Er hatte Architektur und Kunstwissenschaft studiert und war seit 1839 Professor für Baukunst an der Kunstakademie Düsseldorf und von 1846 bis 1865 führte er auch das akademische Sekretariat. Die Heirat mit Rudolf Wiegmann ermöglichte ihr den Zugang zur Akademie, jedoch nicht in die akademischen Klassen. Die wenigen Frauen, denen der Zugang zur Düsseldorfer Schule gelang, studierten privat, dies unter anderen bei Karl Ferdinand Sohn. Künstlerinnen wurden damals in Düsseldorf generell benachteiligt. Die Mitgliedschaft in dem Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten war Frauen bis 1977 verwehrt.

Aus der Ehe mit Rudolf Wiegmann gingen drei Kinder hervor: die Tochter Klara (* 1842), der Sohn Arnold (* 1846) und der Sohn Walter (* 1861), der nur vier Jahre alt wurde.

Im Jahr 1843 verkaufte Marie Wiegmann zum ersten Mal ein Gemälde: Hagar und Ismael. In den Jahren 1843 und 1845 unternahm sie auf den Spuren ihres Mannes Reisen nach Rom und Venedig. Rudolf Wiegmann hatte in den Jahren 1828 bis 1832 eine Studienreise in die deutsche Künstlerkolonie von Rom unternommen und von dort aus die Architektur des Altertums und der Folgezeit erforscht, die Wandmalereien in Pompeji untersucht und sich archäologischen Ausgrabungen gewidmet. Seinerzeit galt ein mehrjähriger Studienaufenthalt in Rom als wesentliche Ergänzung zum Hochschulstudium und als wichtige Vorbereitung für den beruflichen Aufstieg. Damals war die deutsche Künstlerkolonie in Rom ein wesentliches Zentrum der deutschen Forschung und ein wichtiger Treffpunkt der deutschen Künstler, Architekten und Wissenschaftler und ermöglichte so das Kennenlernen der bedeutenden Persönlichkeiten, die in den deutschen Kleinstaaten Rang und Namen besaßen.

1846 zog Marie Wiegmann mit ihrer Familie in das 1840 erbaute Doppelhaus Pfannenschoppenstraße 32 (jetzt Klosterstraße). In der zweiten Hälfte, der Nr. 33, wohnte seit 1844 Karl Ferdinand Sohn mit Familie. Ihre unmittelbaren Nachbarn in der Pfannenschoppenstraße 35 waren Alwine und Adolph Schroedter.

Im Jahr 1853 unternahm sie eine Studienreise nach England. Sie verbesserte ihr Können durch ausgiebige Museums- und Galeriebesuche in Deutschland (Dresden, Berlin), Holland, Belgien, England und Italien (Venedig).

Ihr Mann starb mit 61 Jahren an seinem 61. Geburtstag, dem 17. April 1865, an der Schwindsucht, und einen Monat später verstarb auch ihr erst vierjähriger Sohn Walter. Im selben Jahr nahm sie an seiner Stelle eine Pflegetochter auf, Auguste Bettauer, genannt Else Wiegmann.

Ihr Sohn Arnold fiel am 6. August 1870 in der Schlacht bei Spichern. Am 4. Dezember 1893 starb Marie nach kurzer Krankheit in Düsseldorf in ihrem Wohnhaus Pfannenschoppenstr. 32, nachdem sie 52 Jahre erfolgreich in der Stadt Düsseldorf gelebt und gearbeitet hatte.

Marie Wiegmann in der zeitgenössischen Beurteilung

Wolfgang Müller von Königswinter beurteilte Marie Wiegmann 1854 folgendermaßen:

Die talentvollste Schülerin Sohn’s ist Frau Maria Wiegmann, geborene Hanke, die in mehreren Elfen-Darstellungen, so wie in einer Damajanti, das unzweifelhafteste Zeugnis eines reichen duftigen Talentes, so wie es fast nur den Frauen eigen ist, an den Tag gelegt hat. In ihrer tanzenden Zigeunerfamilie, die vor einer aristokratischen englischen Familie im Garten eine(r?) Cottage tanzt, hat sie ebenfalls ein anmutiges Werk geliefert. Zarte, weiche Empfindung, anmutvolle Zeichnung und sanfte, schwellende Farben geben ihren Bildern einen eigentümlichen Reiz. Dieselben Eigenschaften bewundern wir bei ihren Bildnissen, die zugleich trefflich charakterisiert sind und häufig die mitstrebenden Männer in den Hintergrund stellen.

Rudolf Wiegmann beschrieb ihre Malweise 1856 folgendermaßen:

Eine poetische echt weibliche Auffassung der mit feinem Sinne gewählten Gegenstände, ein liebevolles kindliches Sichhingeben an dieselben, im Vereine mit tiefem Gefühle für die einfache Wahrheit und Schönheit in der Natur zeichnet diese Künstlerin innerhalb des von ihr gewählten Gebietes in hohem Grade aus. Zu mehreren ihrer Bilder hat sie den Stoff aus Dichtungen entnommen, manche sind aber selbst plastische Originalgedichte, wie z. B. das figurenreiche Bild „zwei Großmütter“. Auch im Bildnisfache hat sie sich unzweideutige Anerkennung erworben, und namentlich einen edlen Geschmack in der Anordnung und in geist- und lebensvoller Auffassung der zu reproduzierenden Individualität bewiesen. Besonders gefallen ihre Kinderporträts durch die graziöse Naivität, mit welcher sie dargestellt sind.

Im Biographisches Künstler-Lexikon heißt es 1882:

Wie ihre Bilder des idealen, den Dichtungen entnommenen Genres eine poetische, echt weibliche Auffassung, ein tiefes Gefühl für Naturwahrheit und Schönheit und eine kräftige Technik zeigen, so ihre Porträte (namentlich der Kinder) eine geistvolle Auffassung der betreffenden Persönlichkeit.

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