Marie Pierre Louis de Frotté, genannt Blondel (* 5. August 1766 in Alençon – hingerichtet am 18. Februar 1800 in Verneuil-sur-Avre), war ein symbolhafter Anführer der normannischen Chouannerie in der Armee der Emigranten.
Er war der Sohn von Pierre Henry de Frotté, Junker und Herr von la Rimblière, und seiner Ehefrau Agathe de Clairambault. Nach dem Tod seiner Frau heiratete la Rimblière Anne Suzanne Dumont de Bostaquet. Deren beide Söhne aus erster Ehe gehörten ebenfalls der „Armée royale de Normandie“ an – Isaac Gabriel Auguste alias du Verdun und Isaac Antoine Auguste alias La Fontelaye.
Der Comte Louis de Frotté begann seine militärische Karriere 1781 im Régiment Colonel-Général. Als Infanterieoffizier während der Französischen Revolution war er ein früher Gegner der Revolutionäre und stellte sich bald auf die Seite der Emigration.
Nach der gescheiterten Flucht der königlichen Familie nach Metz, die in Varennes-en-Argonne endete (→ Flucht nach Varennes), verließ de Frotté seine Truppe und schloss sich der Armee des Herzogs von Braunschweig an. In der Kanonade bei Valmy kämpfte er gegen die Republikaner, emigrierte 1792 nach Italien und dann nach Deutschland. Hier trat er in das Korps der Chevaliers de la couronne der Armee der Emigranten ein.
Als Angehöriger im Regiment „Chevaliers de la couronne“ des Vicomte de Bussy bereitete in England den Aufstand seiner Heimatprovinz vor. Um seine Hingabe an die Sache der Bourbonen zu verdeutlichen, bat er Joseph de Puisaye, der für die Interessen des Königs in der Bretagne zuständig war, 1794 in London nachdrücklich um die Erlaubnis nach Frankreich zu gehen, um in der Normandie einen Aufstand anzuzetteln. Er erhielt seine Vollmachten sowie eine Bestätigung als Colonel per Brevet. Anfang 1795 landete er mit einigen anderen Herren an der Küste von Saint-Malo, unterstützte einen Kampf gegen die republikanischen Truppen, entkam einer Verfolgung und erreichte die Normandie.
Er brachte großen Mut und Geduld mit, natürliche, aber schlecht ausgebildete militärische Fähigkeiten und ein unerschütterliches Durchsetzungsvermögen seiner Ideen. Besessen von der Notwendigkeit, sich einen Namen zu machen, stürzte er sich in die Karriere des Bürgerkriegs, die einzige, die seiner Kühnheit offenstand. Allerdings waren damals im Département Vendée und in der Bretagne von einer Annäherung und einer Waffenruhe zwischen den Republikanern und den Royalisten die Rede. Der Nationalkonvent wollte unbedingt die Zahl seiner inneren Feinde auf friedlichem Wege verringern, eine Möglichkeit, die bis dahin von den Revolutionären abgelehnt worden war.
Als Gegner jeder friedlichen Lösung reiste Frotté am 1. April 1795 in die Bretagne, um an den Sitzungen zur Ausarbeitung des Mabilais-Vertrages teilzunehmen. Dort weigerte er sich, den von Pierre Dezoteux de Cormatin ausgehandelten Vertrag zu unterzeichnen, und erklärte, dass er seine Prinzipien niemals leugnen würde und dass es für die Royalisten nur bewaffnete Sicherheit gäbe. Sofort kehrte er in die Normandie zurück, konnte die angrenzenden Départements Calvados und Départements Manche für den Aufstand gewinnen und schaffte es, über die Îles Saint-Marcouf eine Verbindungslinie mit Jersey aufzubauen. Er versuchte dann, über den Kanton Domfront und insbesondere den Canton de Tinchebray seine Operationen mit denen der Royalisten in der Comté du Maine abzustimmen.
Frotté hatte anfangs nur dreihundert Mann unter seinem Kommando, die allerdings noch nicht sehr erfahren waren. Doch seine Ausdauer und unermüdliche Tätigkeit brachte ihm immer wieder Teilerfolge in den republikanischen Kantonen ein. Er bemühte sich, das Vertrauen der Landbevölkerung zu gewinnen und steigerte die Zahl seiner Anhänger täglich. Seine Korrespondenz mit England und den französischen Fürsten war bald in vollem Gange. Mehrere emigrierte Offiziere wurden aus London zu ihm geschickt und Überläufer kamen, um seine Truppe zu verstärken. Nachdem er sich geweigert hatte, seine Waffen niederzulegen, sah er im Juli 1795 mit Freude die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen den Royalisten und den Republikanern in fast allen Departements des Westens. Um diese Zeit marschierte er im Maine ein, wo er zusammen mit anderen Führern vorübergehend die Stadt Mayenne einnahm.
Nach seiner Rückkehr von dieser Expedition bemühte er sich, seine Operationen mit denen der anderen Anführer im Anjou, im Maine und der Bretagne zu koordinieren; aber das Ergebnis der Landung der Emigranten in Quiberon Quiberon-Expedition stoppte die Entwicklung seiner umfangreichen Projekte. Am 15. November wurde er in seinem Hauptquartier von der Garnison von Mortain angegriffen. Er wehrte den Angriff ab und griff sofort seinerseits den Posten von Teilleulan. Nach einem sehr heftigen Kampf setzte er ihn in Brand, zwang so die Republikaner zum Rückzug und hielt sie in Schach, indem er sich überall zeigte. Er erweiterte seine Organisation in der Basse-Normandie, hatte einen Stab und Divisionskommandanten und bemühte sich um die Einführung strenger Disziplin unter seinen Truppen, die zusammen ein Korps von vier- bis fünftausend Mann hätten bilden könnten; aber die kriegerischen Umstände erlaubte fast nie eine komplette Zusammenziehung der Einheiten.
Frotté schloss er sich dann den Kolonnen von Marie Paul de Scépeaux de Bois-Guignot und Fortuné Guyon de Rochecotte in der Umgebung von Mayenne an; sie griffen gemeinsam mehrere republikanische Bataillone an, die zunächst zurückgeschlagen wurden, später aber, verstärkt durch die Garnison von Mayenne, zum Angriff zurückkehrten und ihrerseits die Royalisten in die Flucht trieben. Letztere versammelten sich jedoch dann wieder, und die Kommandanten beratschlagten, um über ihre weiteren Operationen zu entscheiden. Es wurde jedoch schnell klar, dass die unterschiedlichsten Ansichten der Herren nicht zu gemeinsamen Maßnahmen führen würden.
Die Generäle der Royalisten zogen es vor, in ihren jeweiligen Bezirken isoliert zu handeln und kombinierte Aktionen hatten fast nie Erfolg. Rochecotte, Scépeaux und Frotté trennten sich, jeder kehrte in sein eigenes Gebiet zurück. In der Normandie wurde Frotté von seinem Vater aufgesucht, der gerade mit Depeschen und Subventionen des englischen Ministeriums gelandet war. Auf diese Weise ermutigt, verdoppelte Frotté seine Anstrengungen, er gründete eine Gesellschaft, die unter dem Namen Gentilshommes de la couronne (etwa: Edelleute der Krone) organisiert wurde; sein System des Aufstandes verbreitete und propagierte sich. Frotté wurde für die Republikaner zu einem immer gewaltigeren Problem. Er versammelte zu dieser Zeit eine große Truppe im Forêt d’Halouze, wo er gewöhnlich sein Hauptquartier hatte. Mit etwa 1500 Männern marschierte er dann um Tinchebray anzugreifen.
Die Garnison war nicht groß, aber eine große Anzahl von Republikanern, die sich in der Stadt befanden, setzten sich gegen die Royalisten zur Wehr. Die Stadt war mit Palisaden umgeben, der Glockenturm und die Kirche Saint-Rémy waren mit Zinnen oder Schießscharten versehen. Der Angriff war heftig und die Schlacht blutig. Frotté zeigte Furchtlosigkeit und Gelassenheit, er war überall, aber nach verschiedenen Angriffen zog er sich zurück. Das Ergebnis der Expedition war kein wirklicher Erfolg, er sollte nur dazu dienen, den Zusammenhalt der Royalisten zu stärken.
In der Normandie gewann der Aufstand an Dynamik. Fast jeder Kanton hatte Anführer, die Frotté gehorchten. Aber in der Vendée, an den Ufern der Loire, in der Bretagne und im Maine stand es um die Angelegenheiten der Royalisten eher schlecht. General Hoche unterwarf alles, indem er einerseits die Waffen sprechen ließ, aber auch mit der Politik der Mäßigung arbeitete. Er kontrollierte mit seinen vielen Bataillonen die ganze Normandie und die Bretagne. Trotz hartnäckigsten Widerstandes war Frotté gezwungen, wieder nach England zu gehen und lehnte jede Art von Annäherung oder persönlicher Unterwerfung unter die republikanische Regierung ab.
Vor seiner Abreise hatte er seine Divisionen bis auf weiteres entlassen und den Königlichen Rat der Normandie mit den Einzelheiten von Friedensverhandlungen beauftragt, wobei er seinen Soldaten empfahl, ihre Waffen zu verstecken. 1796 in London angekommen, wurde er von dem in dieser Stadt gegründeten Royalistenkomitee zu Comte d’Artois, dann nach Edinburgh geschickt, um den Comte de Provence zu bewegen, eine Expedition in die Bretagne zu unternehmen. Die Umstände schienen nicht günstig zu sein.