An diesem Tag

Marianne von Oranien-Nassau

Prinzessin der Niederlande und von Preußen

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Wilhelmina Frederika Louise Charlotte Marianne von Oranien-Nassau (* 9. Mai 1810 in Berlin; † 29. Mai 1883 auf Schloss Reinhartshausen in Erbach, heute ein Stadtteil von Eltville am Rhein) war eine geborene Prinzessin der Niederlande und eine geschiedene Prinzessin von Preußen. Sie war eine für ihre Zeit höchst unkonventionell denkende und lebende Frau. Weil sie ihren untreuen Ehemann Prinz Albrecht von Preußen verließ und mit ihrem Lebensgefährten Johannes van Rossum und dem gemeinsamen unehelichen Sohn zusammenlebte, musste sie, wie auch die anderen an der Affäre Beteiligten, Preußen verlassen. Ihren neuen Wohnsitz, Schloss Reinhartshausen in Erbach, machte die Kunstsammlerin und Mäzenin zu einem kulturellen Anziehungspunkt am Rhein. Durch ihr bemerkenswertes soziales Engagement für Bedürftige, vor allem im Rheingau und in Schlesien, erwarb sie sich große Sympathien bei der Bevölkerung. Eng mit ihrem Schicksal verknüpft ist die Johanneskirche in Erbach, die die tief religiöse Marianne der Gemeinde anlässlich des tragischen Todes ihres zwölfjährigen Sohnes stiftete. Diese Kirche gilt als außergewöhnliches Kulturdenkmal und war das erste evangelische Gotteshaus im Rheingau.

Marianne war die jüngste Tochter des späteren niederländischen Königs Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau und der Wilhelmine von Preußen, Tochter König Friedrich Wilhelms II. von Preußen und dessen zweiter Ehefrau, Prinzessin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt. Neben ihren zwei älteren Brüdern Wilhelm II. Friedrich Georg Ludwig (1792–1849) und Wilhelm Friedrich Karl (1797–1881) hatte sie noch eine Schwester, die mit sechs Jahren 1806 verstorben war. Nach der Eroberung der Niederlande durch Frankreich im Jahr 1795 war die Familie an den schwiegerväterlichen Hof in Berlin geflüchtet. Dort kam Marianne 1810 als „Nesthäkchen“ im Niederländischen Palais zur Welt. Als ihr Heimatland im Jahr 1813 von der napoleonischen Herrschaft befreit worden war, kehrte die Familie in die Niederlande zurück. Die Königsfamilie lebte fortan in der Residenz Het Loo in Apeldoorn. Prägend für Marianne war die liebevolle, nicht autoritäre Erziehung durch ihre Eltern. 1828 wurde sie mit dem ehemaligen Kronprinzen Gustav von Schweden (Wasa) verlobt, wobei das Brautpaar offenbar wahre Gefühle füreinander hatte. Doch der Sohn eines entthronten Königs galt als nicht standesgemäß, und die Verlobung wurde 1829 wieder gelöst.

Ehe mit Prinz Albrecht von Preußen

Am 14. September 1830 heiratete Marianne ihren Cousin Prinz Albrecht von Preußen (1809–1872), jüngstes von zehn Kindern des Königspaares Friedrich Wilhelm III. und Luise. Das Paar lebte in Berlin zunächst in Schloss Schönhausen in Pankow, von 1832 an in dem von Karl Friedrich Schinkel umgestalteten Prinz-Albrecht-Palais in der Friedrichstadt. Aus der zunächst sehr glücklichen Ehe gingen fünf Kinder hervor:

Charlotte (1831–1855) :⚭ 1850 mit Erbprinz Georg, dem späteren Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914)

Albrecht (1837–1906), preußischer Generalfeldmarschall, Regent des Herzogtums Braunschweig, Herrenmeister des Johanniterordens ⚭ 1873 mit Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg (1854–1898)

Elisabeth (27. August – 9. Oktober 1840)

Alexandrine (1842–1906) ⚭ 1865 Herzog Wilhelm zu Mecklenburg (1827–1879), preußischer General der Kavallerie

Die feinfühlige, tief religiöse, künstlerisch und sozial interessierte Marianne und der militärisch erzogene, den preußischen Drill liebende Albrecht passten charakterlich nicht zueinander. Albrecht neigte zudem zu außerehelichen Abenteuern. Marianne wollte dies nicht klaglos hinnehmen und, wie seinerzeit erwartet wurde, der Form halber Stillschweigen bewahren. 1844 kam es schließlich zur Trennung, nachdem ihr Mann ein Liebesverhältnis mit ihrer Hofdame Rosalie von Rauch, der Tochter des preußischen Kriegsministers Gustav von Rauch, eingegangen war. Marianne verlangte die Scheidung, doch weder der preußische noch der niederländische Hof erteilte die Zustimmung. Daraufhin verließ sie Albrecht, reiste durch Europa oder hielt sich auf ihren Gütern in Italien, Schlesien (Grafschaft Glatz) und den Niederlanden auf. Es gab sogar Streit um die Aufbewahrung der Leiche der Tochter Elisabeth, die sechs Wochen nach der Geburt 1840 gestorben war und 1845 immer noch im weißen Eisensarg in der Sakristei der katholischen Kirche in Kamenz aufbewahrt wurde. Ihr Vater verweigerte die Bestattung in der Königlichen Kapelle. Trotzdem versuchte Marianne bis 1848, eine Versöhnung mit Albrecht zu erreichen. Am 28. März 1849 wurde die Ehe geschieden.

Lebenspartnerschaft mit Johannes van Rossum

1848 ging Marianne mit ihrem Leibkutscher, Reisebegleiter und späteren Kabinettssekretär Johannes van Rossum (1809–1873), einem Niederländer aus Den Haag, der ebenfalls verheiratet war, eine außereheliche und nicht standesgemäße Liebesbeziehung ein. Damit verstieß sie gegen die Grundsätze ihres Standes und beschwor einen Skandal herauf. Als sie von diesem Mann ein Kind erwartete, erteilten beide Höfe schließlich, um einen noch größeren Skandal zu verhindern, ihre Erlaubnis zu der von Marianne und Albrecht lange erwünschten Scheidung. Im März 1849 wurde die Ehe geschieden, im Oktober brachte Marianne auf einer ihrer Reisen in Sizilien einen Sohn zur Welt, Johann Wilhelm von Reinhartshausen (1849–1861; der Nachname wurde ihm einige Jahre später von Herzog Adolph von Nassau verliehen, in Anlehnung an das Schloss Reinhartshausen, in dem er aufwuchs und das er erben sollte). Die Höfe von Haag und Berlin brachen daraufhin alle Kontakte mit Marianne ab. Preußen erließ ein Verbannungsdekret, das ihr für nur jeweils 24 Stunden den Aufenthalt erlaubte. Auch die Erziehung ihrer Kinder aus der Ehe mit Albrecht wurde ihr entzogen; die Vormundschaft ging an Königin Elisabeth von Preußen über.

Bald nach Johann Wilhelms Geburt reiste Marianne mit Johannes van Rossum durch Europa und den Orient (Ägypten, Palästina, Syrien), bevor sie sich 1851 schließlich in Rom niederließ, die Villa Celimontana kaufte und ihren Sohn zu sich holte. Mit ihrer Entscheidung, ihr uneheliches Kind selbst großzuziehen und nicht, wie im Adel üblich, als „Fehltritt“ stillschweigend in fremde Hände zu geben, zog sie erneut die Missbilligung der Königshäuser auf sich. Geheiratet haben Marianne und van Rossum nie, eine morganatische Ehe wäre aber möglich gewesen, nachdem Van Rossums niederländische Ehefrau 1861 gestorben war.

Marianne – Mutter und Unternehmerin

Für Marianne bedeutete das Verbannungsdekret, dass sie ihre Kinder (und später Enkelkinder), mit denen sie ihr Leben lang eng verbunden blieb, nur außerhalb Preußens treffen konnte oder aber während eines 24-stündigen Aufenthaltes. Die Begegnungen fanden daher auf ihren Besitztümern in den Niederlanden und in Italien statt und im 1853 erworbenen Schloss Weißwasser in Österreichisch Schlesien direkt hinter der preußischen Grenze. Von hier aus war sie schnell in Preußen und konnte auch ihre zu Preußen gehörenden Güter in Schlesien erreichen und sich weiterhin um deren Bewirtschaftung und Verwaltung kümmern.

Marianne war eine kluge Unternehmerin, die ihre Besitztümer im Laufe ihres Lebens vermehrte und ihre Nachkommen zum reichsten Zweig der Hohenzollerndynastie machte. ihrer Tochter Charlotte schenkte sie anlässlich ihrer Hochzeit die Villa Carlotta in Tremezzo am Comer See. Charlotte starb 1855 mit nur 23 Jahren bei der Geburt ihres vierten Kindes, aber die Villa blieb bis 1915 im Besitz ihrer Nachkommen. Die Stiftsherrschaft Kamenz in Niederschlesien, wo sie über viele Jahre den Bau von Schloss Kamenz koordiniert hatte, war das Hochzeitsgeschenk für ihren Sohn Albrecht. Auf den Hochzeiten ihrer Kinder war sie, wie auf allen Familienfeiern, aber zeitlebens nicht geduldet. Trotz der familiären und gesellschaftlichen Ächtung bekannte sich Marianne stets zu ihrem nicht standesgemäßen Lebensgefährten und ihrem unehelichen Kind und zeigte sich mit ihnen auch bei öffentlichen Anlässen.

Auf der Suche nach einem Wohnsitz nahe der preußischen Grenze, der ihr die Besuche ihrer Kinder erleichtern sollte, zog es Marianne 1855 von Italien zurück nach Deutschland. Sie erwarb Schloss Reinhartshausen in Erbach (Rheingau). Der Ort lag im Herzogtum Nassau, ebenso wie die Stammsitze ihres Hauses Oranien-Nassau (Burg Laurenburg, Nassau (Lahn), Dillenburg, Diez). In Reinhartshausen ließ sie sich mit Johannes van Rossum und ihrem Sohn nieder. Es sollte bis zu ihrem Tod ihr Wohnsitz bleiben.

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