Maria von Jever, im Jeverland als Fräulein Maria oder Froichen bekannt, (* 5. September 1500 in Jever; † 20. Februar 1575 ebenda) war die letzte Regentin der Herrschaft Jever aus dem Häuptlingsgeschlecht der Wiemkens.
Maria von Jever wurde als drittes Kind des Häuptlings Edo Wiemken des Jüngeren geboren. Ihre Mutter Heilwig, Edos zweite Ehefrau und Schwester des Grafen Johann V. von Oldenburg, starb bereits, als Maria ein Jahr alt war, vermutlich bei der Geburt der jüngsten Schwester. Ihr Vater starb 1511. Sein Schwager, der Graf von Oldenburg, übernahm die Vormundschaft für die Kinder und setzte fünf von Edo dazu bestimmte Dorfoberhäupter als Regenten ein. Diese verfolgten vor allem ihre eigenen Interessen, veruntreuten den Besitz der Waisen und machten Edos Bemühungen, einen einheitlichen und zentralistischen Territorialstaat zu schaffen, zunichte. So wurde die Behebung der Schäden der Antoniflut, die das Land kurz vor Edos Tod getroffen hatte, jahrelang vernachlässigt.
Die Erziehung von Maria und ihren zwei Schwestern richtete sich auf die typische damalige Frauenrolle aus, nach wirtschaftlich und politisch günstigen Gesichtspunkten verheiratet zu werden. Der einzige Sohn Christoph genoss währenddessen am Hof von Lüneburg eine ritterliche Ausbildung, um seinen zukünftigen Aufgaben als Häuptling des Jeverlands gerecht werden zu können. Schon als Jugendlicher nahm er an der Seite von Graf Johann und Hero Omken an der Sächsischen Fehde gegen Edzard I. von Ostfriesland teil. Während dieses Krieges wurde Jever 1514 von ostfriesischen Truppen niedergebrannt. Die von Edzard eroberte Burg Roffhausen eroberte Christoph gemeinsam mit den Herzögen Erich und Heinrich von Braunschweig am 26. Mai 1517 zurück.
Jever unter ostfriesischer Regierung
Als mit Junker Christoph der einzige männliche Erbe am 21. Juni 1517 bereits im Alter von 18 Jahren plötzlich verstarb, fanden sich die Fräuleins Maria und ihre Schwestern Anna (1499–1536) und Dorothea (1501–vor 1527) von verschiedenen Seiten bedroht: Zunächst erschien Balthasar von Esens vor Jever. Als Neffe von Edos erster Frau Frouwa, der Tochter von Sibet Attena, sah er sich als deren berechtigter Erbe. Er zog aber unverrichteter Dinge ab, als er nicht in die Burg gelassen wurde.
Heinrich von Braunschweig versuchte sich als Pflegevater des Bruders das Vertrauen der Mädchen zu erschleichen, um sie in ein Kloster abschieben und Jever für sich behalten zu können, woran er jedoch von Johann von Oldenburg gehindert wurde.
Graf Edzard I. von Ostfriesland, der bereits mit Edo Wiemken in Dauerfehde gelegen hatte wegen seiner angeblichen Ansprüche auf das Jeverland, demonstrierte seine militärische Stärke an der jeversch-ostfriesischen Landesgrenze. Er legte einen gefälschten Lehnsbrief vor, um seinen angeblich von 1454 stammenden Anspruch der Cirksena auf Jever zu dokumentieren. Er erreichte die Zustimmung der Regenten und Vormünder der Mädchen, durch einen Heiratsvertrag die Schutzherrschaft über das Jeverland zu erzwingen. Innerhalb von sieben Jahren sollte eins der Fräuleins einen der Grafensöhne heiraten. Die Herrschaft Jever solle die Mitgift darstellen. Bis dahin sollte Jever von Ostfriesland regiert werden.
In den folgenden Jahren beteiligten sich die Fräuleins nur wenig an der Regierung, doch stehen ihre Namen auf den Urkunden und sie kümmerten sich auch darum, dass die Deiche zehn Jahre nach der großen Sturmflut endlich wiederhergestellt wurden. Zu Graf Edzard und dessen Söhnen bestand anscheinend ein gutes Verhältnis. Mehrfach verteidigte er Jever gegen weitere Angriffe von Balthasar von Esens. Doch die Hochzeit wurde immer weiter hinausgezögert. Graf Edzards ältester Sohn Ulrich, der die Erbtochter Anna hätte heiraten sollen, wurde wegen Geisteskrankheit entmündigt. Auch die jüngeren Grafensöhne Enno und Johann von Ostfriesland hielten das Heiratsversprechen nicht, sondern besetzten stattdessen 1527 die Burg in Jever und ließen sich huldigen. Die Schwestern – Dorothea war inzwischen verstorben – waren nun schweren Demütigungen ausgesetzt. Vermittelt durch den abgesetzten dänischen König Christian II., einen nahen Verwandten der Oldenburger Grafen, schloss Enno, eigentlich Marias Verlobter, 1529 den Utrechter Vergleich mit Anton von Oldenburg über die Aufteilung des Jeverlandes und heiratete zur Besieglung dieses Vertrags Anna von Oldenburg. Die Fräuleins sollten mit einer Mitgift für den Verzicht auf Jever entschädigt werden. Allerdings hintertrieb Ennos Rat Fulk von Innhausen und Knyphausen eine standesgemäße Heirat mit Ulrich von Regenstein.
Kampf um die Eigenständigkeit Jevers 1531–1540
Hilfe kam in dieser Situation von unerwarteter Seite. Der von den ostfriesischen Grafen eingesetzte Drost Boing von Oldersum stellte sich auf Marias Seite und vertrieb schließlich 1531 die Besatzer aus Jever. Er gilt bis heute als Marias Verlobter und Geliebter. Heiraten wollte er jedoch erst, wenn er vom Ruf des Verräters gereinigt würde. Die Cirksena betrachteten Jever nach wie vor als ihren Besitz. Enno, der seinen Anspruch auf Jever schwinden sah, versuchte sie nun doch zu einer Hochzeit mit seinem Bruder Johann zu überreden, doch Maria erklärte, sie würde nur nach eigener Wahl heiraten.
In dieser Situation trat Maria erstmals eigenverantwortlich auf, als sie 1531 einen Freundschaftsvertrag mit ihrem Vetter und bisherigen Gegner Balthasar von Esens zum gegenseitigen Schutz vor Ostfriesland schloss. Nicht nur durch ihren starken Willen und die wachsende Sehnsucht nach Selbständigkeit, wie es in manchen Quellen heißt, sondern auch durch ungewöhnliche Entscheidungen gelang es Maria – zunächst noch gemeinsam mit ihrer älteren Schwester, die 1532 Maria ihre Ansprüche als Erbfräulein abtrat, – in den Folgejahren, das väterliche Erbe zu verteidigen und die Regierungsgeschäfte nach und nach in die eigenen Hände zu nehmen. So wandte sie sich ebenfalls 1531 an Kaiser Karl V. um Hilfe. Als Herzog von Brabant und Graf von Holland nahm er daraufhin das Jeverland in Besitz und gab es Maria als Lehen. Damit hatte Maria die seit 1417 geltende Reichsunmittelbarkeit der Herrschaft Jever beenden lassen. Allerdings zog sich das Verfahren über ihre gleichzeitig vorgebrachte Klage gegen die Grafen von Ostfriesland lange hin, da die beklagten Grafen nicht vor dem Schiedsgericht von der Statthalterin der habsburgischen Niederlande Maria von Ungarn erschienen. Die Verhandlungen in den Niederlanden führte teils Boing, teils Maria selbst. Anna führte unterdessen die Regierung in Jever.
Zudem fiel er mehrmals mit Landsknechten in Jever ein. 1532 brannte dabei der Flecken Jever nieder. Maria begann sofort mit dem Ausbau und der Befestigung von Burg und Ort und bat die Statthalterin um militärische Hilfe. Obwohl die Unterstützung ausblieb, gelang es Boing von Oldersum allein mit angeworbenen Söldnern, die Gegner aus dem Land zu vertreiben.
Am 26. Januar 1534 wurden schließlich die Ansprüche der Ostfriesen abgewiesen und Annas und Marias Herrschaftsrechte bestätigt. Doch Graf Enno gab nicht auf und legte Berufung beim Reichskammergericht ein. Um die Streitigkeiten beizulegen, versuchte die Statthalterin Maria von Ungarn 1536 Maria von Jever, die nach dem Tod ihrer Schwester nunmehr alleinige Herrscherin war, zu überreden, doch noch die Ehe mit Johann von Ostfriesland zu schließen. Maria forderte jedoch hartnäckig ihr Recht, den Ehepartner selbst zu wählen, und verlangte, dass Boings Ehre wiederhergestellt würde. Sie verweigerte der Statthalterin den Gehorsam und die Rückzahlung ihrer Schulden und verbündete sich stattdessen mit weiteren Gegnern Ostfrieslands.
Erst am 26. Juni 1540 wurde der zähe Kleinkrieg durch den Vertrag von Oestringfelde beendet. Maria hatte sich in fast allen Punkten durchgesetzt. Enno erklärte Boing für einen ehrenwerten Mann, so dass einer Hochzeit nichts mehr im Wege stand. Der Vertrag enthielt jedoch die Klausel, dass Marias – bisher noch nicht einmal gezeugtes – Kind mit einem der Kinder des ostfriesischen Grafenpaares vermählt werden sollte.