Maria Teresa von Spanien (auch Maria Theresia von Spanien; spanisch María Teresa de Austria, französisch Marie-Thérèse d’Autriche; * 10. September 1638 im Escorial bei Madrid; † 30. Juli 1683 in Versailles) war eine europäische Hochadelige. Als Tochter des spanischen Königs Philipp IV. war sie Infantin von Spanien und als Prinzessin aus dem Hause Österreich wird sie auch Maria Theresia von Österreich genannt; zudem führte sie den Titel Erzherzogin von Österreich.
Am 9. Juni 1660 wurde sie mit dem Sonnenkönig Ludwig XIV. vermählt und war dadurch bis zu ihrem Tod Königin von Frankreich und dem Navarra. Dieser Eheschluss besiegelte nach einem jahrzehntelangen Krieg den vereinbarten Frieden zwischen Frankreich und dem habsburgischen Spanien. Die Ehe war für sie sehr unglücklich, und sie stand schon bald dauerhaft im Schatten von Ludwigs wechselnden Mätressen. Im Alter von 44 Jahren starb sie. Sie war die Großmutter Philipps V. von Spanien und Urgroßmutter Ludwigs XV. von Frankreich.
Maria Teresa war die jüngste Tochter des spanischen Königs Philipp IV. aus dessen erster Ehe mit Isabella von Frankreich, der Tochter des französischen Königs, Heinrichs IV. Die sieben Vollgeschwister Maria Teresas starben alle sehr jung, zuletzt 1646 Baltasar Carlos im Alter von 17 Jahren. Ihre Mutter verlor sie schon 1644 als Sechsjährige. 1649 bekam sie eine nur vier Jahre ältere Stiefmutter, als sich Philipp IV. in zweiter Ehe mit seiner Nichte Maria Anna, der Tochter Kaiser Ferdinands III., vermählte.
Maria Teresa wurde sehr streng und religiös im gegenreformatorischen Sinn erzogen und erhielt eine relativ bescheidene Ausbildung. Obwohl früh ihre mögliche Verheiratung mit Ludwig XIV. im Gespräch war, bekam sie praktisch keinen Unterricht in der französischen Sprache. Über ihre Erziehung wachten nacheinander drei Franziskaner. Als Fünfjährige wurde sie dem Pater Jean de la Palme anvertraut, sodann André de Guadalupe und schließlich Alfonso Vázquez, der sie auch nach Frankreich begleiten sollte. Der berühmte Maler Diego Velázquez schuf ein Porträt der Infantin, das seit 1653 im Badezimmer von Anna von Österreich, der Mutter Ludwigs XIV., hing.
Verhandlungen für die Heirat mit Ludwig XIV.
1656 bemühte sich Frankreich, den bereits seit 1635 andauernden Krieg mit Spanien zu beenden, und strebte zur Besiegelung des Friedens eine Vermählung Maria Teresas mit Ludwig XIV. an. Dieser war sowohl von väterlicher als auch von mütterlicher Seite her der Cousin der für ihn ausgewählten Braut, da sein Vater Ludwig XIII. ein Bruder von Maria Teresas Mutter, Isabella, und seine Mutter Anna eine Schwester von Maria Teresas Vater, Philipp IV., war. Das nicht nur von der Königinmutter, Anna, sondern auch von Kardinal Mazarin gewünschte Heiratsprojekt wurde bei den Friedensverhandlungen in Madrid von Philipp IV. abgelehnt, da er 1656 noch keinen männlichen Nachkommen hatte und seine Tochter Maria Teresa die potentielle Thronerbin war. Somit wären im Falle einer Verheiratung mit dem Bourbonen Spanien und alle Besitzungen der spanischen Linie der Habsburger nach dem Tod Philipps IV. an diesen gefallen, was dem spanischen Herrscher nicht behagen konnte. Ein weiteres Hindernis für das Eheprojekt entstand durch das Interesse des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Leopolds I., an einer Ehelichung Maria Teresas; diese Idee wurde von Königin Maria Anna, der Schwester Leopolds und zweiten Gemahlin Philipps IV., unterstützt.
Aus der Sicht Kardinal Mazarins gefährdete zu allem Überfluss seine eigene Nichte Maria Mancini 1658 seinen Heiratsplan, weil der jugendliche Ludwig XIV. sich ernsthaft in sie verliebte und sie zu heiraten erwog. Andererseits hatte sich der Krieg für Spanien inzwischen unerfreulich entwickelt, und zudem hatte Philipp IV. 1657 von seiner zweiten Gattin einen Thronerben, Felipe Próspero, bekommen. Weil aber der Madrider Hof immer noch zögerte, griff der Kardinal zu einer List und begab sich mit dem französischen König und dessen Mutter im Spätherbst 1658 nach Lyon, wo er scheinbar Verhandlungen für eine Verheiratung Ludwigs XIV. mit Margarete Jolande von Savoyen einleitete. Diese Scheinkandidatin war die zweite Tochter der Herzogin Christina von Savoyen, einer Schwester Ludwigs XIII. Der Plan des Kardinals ging auf: Philipp IV. entschloss sich im Dezember 1658 zu einer ernsthaften Friedensvereinbarung einschließlich seiner Zustimmung zur Ehe seiner Tochter mit Ludwig XIV. Er schickte rasch seinen Staatssekretär Antonio Pimentel als Sondergesandten nach Lyon, um sein Angebot Mazarin zu übermitteln. Daraufhin wurden die Heiratsgespräche mit dem Haus Savoyen eingestellt, und Pimentel folgte der französischen Königsfamilie im Februar 1659 nach Paris. Dort führte Mazarin mit dem spanischen Sondergesandten zähe Verhandlungen. Anfang Juni war Philipp IV. zur Unterzeichnung eines Präliminarfriedens bereit. Am 13. August begannen sodann die entscheidenden monatelangen Gespräche zwischen Mazarin und dem spanischen Minister Luis Méndez de Haro y Guzmán. Sie wurden auf der Fasaneninsel inmitten des Flusses Bidassoa geführt, dessen Unterlauf Frankreich und Spanien voneinander trennte. Ludwig XIV. war unterdessen noch in Maria Mancini verliebt, und nur mit viel Mühe gelang es seiner Mutter und dem Kardinal, dass er sich der Staatsräson fügte.
Schließlich waren sich die Verhandlungspartner so weit einig, dass der Marschall de Gramont mit einer französischen Delegation nach Madrid reiste, wo er am 17. Oktober ankam und als Brautwerber Ludwigs XIV. um die Hand der Infantin anhielt. Am 7. November 1659 unterzeichneten Mazarin und Luis de Haro den Friedensvertrag. Dieser sogenannte Pyrenäenfrieden brachte Frankreich territoriale Gewinne und beinhaltete die Eheschließung zwischen der spanischen Infantin und Ludwig XIV. Eine Klausel des Ehevertrags besagte, dass die Infantin mit dessen Inkrafttreten für sich und ihre Nachkommen auf alle Ansprüche auf die spanische Krone verzichtete – unter der Voraussetzung allerdings, dass ihr Vater Philipp IV. eine enorme Mitgift in Höhe von 500.000 Gold-Écus entrichtete. Spaniens Staatskasse war jedoch leer und konnte diese Summe nicht aufbringen. Dass Spanien eine solche Klausel akzeptierte, zeigt, dass Frankreich zu diesem Zeitpunkt bereits die Vormachtstellung in Europa errungen hatte.
Nach dem Friedensschluss vergingen sieben Monate bis zur tatsächlichen Heirat der spanischen Infantin und des französischen Königs. Philipp IV. begleitete seine Tochter zur Hochzeitszeremonie. Maria Teresa heiratete zunächst per procurationem am 3. Juni 1660 in der Kathedrale von Fuenterrabia auf spanischem Territorium, wobei Luis de Haro den Bräutigam vertrat. Drei Tage später trafen die spanische und die französische Königsfamilie mit ihrem Gefolge auf der Fasaneninsel ein, nachdem Anna von Österreich schon am 4. Juni mit ihrem Sohn ihren Bruder, Philipp IV., und dessen Tochter besucht hatte, wobei Ludwig „al incognito“ einen ersten Blick auf die Braut werfen konnte. Bei der offiziellen Zusammenkunft am 6. Juni beschworen die beiden Könige feierlich den Frieden. Dabei stellten die modisch und bunt gekleideten französischen Edelmänner einen auffälligen Kontrast zu den schwarz gekleideten spanischen Hofleuten dar. Zwischen den beiden Delegationen verlief eine imaginäre durch Teppiche angezeigte Trennlinie, die die Grenze zwischen den beiden Reichen darstellte, denn der spanische König durfte französischen Boden nicht betreten und der französische nicht den spanischen. Tags darauf wurde Maria Teresa der französischen Seite übergeben. Sie nahm zuvor unter Tränen für immer von ihrem Vater Abschied. Nach ihrer Abholung wurde die Infantin entkleidet und in eine französische Tracht gehüllt.
Am 9. Juni 1660 wurde in der Kirche von Saint-Jean-de-Luz die Hochzeit des im 22. Lebensjahr stehenden Ludwig XIV. und seiner um fünf Tage jüngeren Braut mit großer Pracht gefeiert. Diese trug eine Krone und ein Kleid, das ihren neuen Status als Königin Frankreichs demonstrierte: Es war aus blauem Samt, mit goldenen Lilien bestickt – wie die Lilie auf blauem Grund im königlichen Wappen Frankreichs; die Schleppe trugen zwei junge Prinzessinnen aus dem Haus Orléans. Maria Teresa war von nun an Marie-Thérèse, Königin von Frankreich.