Maria Marc, geborene Bertha Pauline Marie Franck (* 12. Juni 1876 in Berlin; † 25. Januar 1955 in Ried, Gemeinde Kochel am See) war eine deutsche Malerin, Bildwirkerin und zweite Ehefrau von Franz Marc.
Maria Franck, die aus einem bürgerlichen evangelischen Haus stammte, wurde als Tochter des Buchhalters und späteren Bankdirektors Philipp Franck (1843–1913) und dessen Frau Helene Franck, geborene Sonntag, in der Prinzenstraße 81 in der Luisenstadt geboren. Ab 1883 besuchte sie eine Höhere Mädchenschule in Berlin. Ihr künstlerisches Talent wurde schon während ihrer Schulzeit gefördert, indem sie Klavier- und Gesangsunterricht erhielt und eine Kunstschule besuchte.
Nach dem Schulabschluss beendete Maria Franck 1895 an der Berliner Königlichen Kunstschule ihre Ausbildung als Zeichenlehrerin für die Volks-, Mittel- und höheren Schulen. Sie wurde unter anderem ausgebildet im Zeichnen nach „Körper nach Modellen“, „verzierten Architekturteilen“, „lebenden Pflanzen“. Ihr Lehrer war unter anderen der Maler, Grafiker und Zeichenlehrer Philipp Franck (namensgleich mit ihrem Vater). 1899 nahm Franck Unterricht an der Kunstakademie in Berlin im Damenatelier des Malers und Illustrators Karl Storch und verbrachte zusammen mit ihrem Lehrer und den Mitschülerinnen den Sommer desselben Jahres in der Holsteinischen Schweiz, um Freilichtmalerei zu betreiben. Im Sommer 1900 malte sie erneut in Ostholstein, für den Sommer 1901 empfahl ihr Storch die Gegend um Kellinghusen. In den Sommermonaten 1902 unternahm sie mit ihrer Freundin Marianne Dusche ihre vierte Reise nach Schleswig-Holstein, anschließend gestatten ihr die Eltern einen ersten, bis zum April 1903 befristeten Aufenthalt in München. Hier trat sie in die Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins ein, da ein Studium an der Kunstakademie für Frauen noch nicht vorgesehen war. Ihre Lehrer an der Damenakademie waren Angelo Jank und Max Feldbauer. Anfang 1904 gestatteten ihr die Eltern die Rückkehr nach München.
Im Februar 1905 begegneten sich Maria Franck und Franz Marc erstmals auf dem Bauernkirchweihball, einem Schwabinger Kostümfest, verloren sich jedoch wieder aus den Augen, da Franck kurz darauf nach Berlin zurückkehrte. Den Sommer und Herbst 1905 verbrachte sie in der Künstlerkolonie Worpswede, um unter der Anleitung von Otto Modersohn zu zeichnen. Im Dezember begegneten sich Franck und Franz Marc, der in der Zwischenzeit eine enge Freundschaft mit der elf Jahre älteren Malerin Marie Schnür (* 1869; † 1934) unterhielt, erneut auf einem Kostümfest, woraus sich in der Folge eine intime Beziehung entwickelte. Im Februar 1906 fuhren Marc und Franck, eine Schülerin von Schnür, zu Malaufenthalten nach Kochel am See. Franz Marc, der sich Anfang Mai allein nach Kochel begab, um dort zu malen, verbrachte in der Folge den Sommer mit der kurze Zeit später nachgereisten Maria Franck und der im Juni auf Bitten von Marc hinzugekommenen Marie Schnür eine ménage à trois in Kochel. Marc malte beide Frauen zunächst lebensgroß auf einem Bild, schnitt es dann auseinander, aus der einen Hälfte ist das Porträt Maria Marc (1906) erhalten. Die Skizze, die beide Frauen zeigt, ist im Franz Marc Museum in Kochel am See ausgestellt.
Da Schnür ihren im Februar 1906 in Paris aus der Beziehung zu ihrem Lehrer Angelo Jank unehelich geborenen Sohn Klaus (lt. Brigitte Roßbecks Marc-Biografie 2015 war der Vater August Gallinger) zu sich nehmen wollte, gab Marc ihr ein Eheversprechen, was er Maria Franck im November 1906 mitteilte, und heiratete Schnür am 27. März 1907 in München. Ab April machten sich bei Maria Franck, die finanziell völlig von ihren Eltern abhängig war, psychosomatisch bedingte Rheumaerscheinungen der rechten Hand bemerkbar, die bis an ihr Lebensende immer wieder auftraten. Am 8. Juli 1908 wurde Marcs Ehe mit Schnür geschieden. Da Schnür Marc jedoch entgegen der Absprache des Ehebruchs mit Maria Franck beschuldigte, benötigte Marc einen Dispens, um Franck heiraten zu können. Dieser wurde zunächst nicht erteilt. Maria Franck war ab 1908 die einzige Partnerin Marcs. Im Sommer arbeiteten beide in Lenggries.
Im folgenden Jahr mieteten sie für die Sommermonate in Sindelsdorf das Anwesen des Schreinermeisters Josef Niggl, das sie im April 1910 endgültig bis 1914 bezogen. Im Januar 1910 lernte das Paar das Künstlerpaar August Macke und Elisabeth Erdmann-Macke kennen und schloss Freundschaft mit ihnen. Macke porträtierte beide zwei Jahre später im Atelier. Am Ende des Monats Mai 1910 entstand das in kräftigen Farben gehaltene Gemälde Akt mit Katze im fauvistischen Stil, in dem Maria als Modell diente.
Neue Künstlervereinigung München und der Blaue Reiter
Franz Marc, der die zweite Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung München (N.K.V.M.) vom 1. bis zum 14. September 1910 besuchte, hatte kurz darauf seinen ersten Kontakt mit den Künstlern der N.K.V.M und konnte Maria Franck berichten, dass sie ihn einstimmig zum Mitglied und 3. Vorsitzenden gewählt hatten.
Am 2. Dezember 1911 trat die Jury der N.K.V.M. zusammen und lehnte Kandinskys Komposition V/Das Jüngste Gericht ab. Von Maria Franck erfährt man durch einen langen Brief an August Macke aufschlussreiche Einzelheiten dieser legendären Sitzung, der sie „nicht selbst beiwohnte“, die sie nur durch Berichte von Marc kannte. In der Folge traten Kandinsky, Marc, Gabriele Münter und Alfred Kubin aus der N.K.V.M. aus, und die Redaktionsgemeinschaft des Blauen Reiters wurde in München gegründet, dessen erste Ausstellung ab dem 18. Dezember 1911 in der Galerie Thannhauser zeitgleich und im selben Gebäude mit der dritten Ausstellung der N.K.V.M. stattfand. Der Name der Redaktionsgemeinschaft Der Blaue Reiter entstand in Sindelsdorf; Kandinsky äußerte sich 1930 in seinem Rückblick: „Den Namen Der Blaue Reiter erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindelsdorf. Beide liebten wir Blau, Marc – Pferde, ich – Reiter. So kam der Name von selbst. Und der märchenhafte Kaffee von Frau Maria Marc mundete noch besser.“
Auf der zweiten Ausstellung des Blauen Reiters vom 12. Februar bis zum 18. März 1912 bei Hans Goltz in der Briennerstraße 8, die unter dem Titel Schwarz-Weiß lief und ausschließlich druckgraphische Werke zeigte, stellte Maria Franck, zu deren Hauptinteresse Kinder und Kinderspielzeug zählten, drei Kinderbilder mit Spielzeug aus. Ihr Wunsch nach einem eigenen Kind erfüllte sich nicht, worunter sie sehr litt, wie aus Briefen an Elisabeth Macke hervorgeht.
1911 war ein von Marc erneut beantragter Dispens für eine Eheschließung mit Maria Franck verweigert worden, weshalb Marc und Franck Anfang Juni nach London reisten, um dort eine Ehe nach englischem Recht einzugehen. Dort angekommen, erfuhren sie, dass seit kurzem Ehen deutscher Staatsbürger nur dann geschlossen werden, wenn nachweislich in deren Heimatland kein Ehehindernis vorliege. Weitere Versuche bei Pfarrern, eine kirchliche Trauung zu erwirken, misslangen, und für eine Eheschließung in Schottland mussten sich Heiratswillige zuvor mindestens drei Wochen im Land aufgehalten haben. Dafür, meinte Maria später, hätte „ihre Barschaft nicht ausgereicht“. Trotz dieses Misserfolgs ließen sie schon in Deutschland vorbereitete doppelseitige Anzeigen mit dem Text „Franz Marc, München, Maria Marc, geb. Franck, Sindelsdorf, Vermählte, Juni 1911“ verschicken und bezeichneten sich fortan öffentlich als Ehepaar.
Anlässlich der Vorbereitungen zur zweiten Ausstellung des Blauen Reiters im Jahre 1912 lernten sich Franz Marc und Paul Klee kennen. Maria Franck nahm seit Februar 1913, als Franz Marc am 7. dieses Monats erstmals eine von ihm gemalte Postkarte an Lily Klee schickte, bei dieser in der Ainmillerstraße in München einmal im Monat Klavierunterricht.
Fünf Jahre nach Marcs Scheidung von Marie Schnür erreichte Marias Anwalt, Heinrich Fromm, die Ausstellung des ersehnten Dispenses, so dass einer offiziellen Trauung nichts mehr im Wege stand. Am 3. Juni 1913 heirateten Maria Franck und Franz Marc standesamtlich in München und lebten ab Frühjahr 1914 in Ried bei Kochel am See in einem eigenen Haus.