Maria Luisa von Spanien (vollständiger Name: Maria Luisa Josefina Antonieta Vicenta; spanisch: María Luisa de Borbón) (* 6. Juli 1782 in Madrid; † 13. März 1824 in Rom) war durch Geburt spanische Infantin. Sie heiratete 1795 den parmesischen Erbprinzen Ludwig und wurde 1801 Königin von Etrurien. Nach dem frühen Tod ihres Gatten (1803) fungierte sie als Regentin für ihren unmündigen Sohn Karl Ludwig, kehrte aber nach der Besetzung Etruriens durch französische Truppen Ende 1807 nach Spanien zurück. 1808 folgte sie ihrer Familie nach Frankreich, widersetzte sich Napoleon und musste von 1811 bis 1814 in einem römischen Kloster wohnen. Nach Napoleons Sturz erhielt sie 1815 durch den Wiener Kongress das Herzogtum Lucca, das sie bis zu ihrem Tod 1824 regierte.
Abstammung, frühes Leben und Heirat
Maria Luisa Josefina Antonieta Vicenta war die dritte, das Kleinkindalter überlebende Tochter des spanischen Königs Karl IV. (1748–1819) und seiner Gattin Maria Luise von Bourbon-Parma (1751–1819), einer Tochter des Herzogs Philipp von Parma und seiner Gattin Marie Louise Élisabeth de Bourbon. Ihre ersten beiden Namen erhielt sie nach ihrer älteren, vier Tage vor ihrer Geburt im Alter von nur vier Jahren verstorbenen Schwester Maria Luisa Carlota. Sie verbrachte eine glückliche Kindheit und wurde innerhalb ihrer Familie Luisetta gerufen.
1795 kam Prinz Ludwig (1773–1803), ältester Sohn des Herzogs Ferdinand von Parma und seiner Gattin Maria Amalia von Österreich, an den spanischen Hof und sollte nach einer Absprache zwischen seiner Familie und der spanischen Königsfamilie eine der Töchter Karls IV. heiraten. Obwohl erwartet wurde, dass er die 15-jährige Infantin Maria Amalia ehelichen würde, zog er deren jüngere, heiterere und hübschere Schwester Maria Luisa vor, die kleine Statur, dunkelgelockte Haare und braune Augen hatte. Beide Infantinnen gewannen von dem großgewachsenen und attraktiven Prinzen einen vorteilhaften Eindruck.
Am 25. August 1795 heiratete die erst 13-jährige Maria Luisa schließlich den zum spanischen Infanten ernannten Prinzen Ludwig im Königspalast La Granja, während gleichzeitig ihre Schwester Maria Amalia ihren 39-jährigen Onkel Antonio Pascual zum Gatten nahm. Maria Luisa führte nun den Titel einer Prinzessin von Parma. Ihre Ehe war glücklich, aber durch die angegriffene und sich weiter verschlechternde Gesundheit ihres Gatten, der unter epileptischen Anfällen litt, getrübt. Die ersten Ehejahre, seine glücklichste Zeit, verbrachte das junge Paar in Spanien. Während seines dortigen Aufenthaltes wurde Maria Luisas erstes Kind, Karl Ludwig, am 22. Dezember 1799 in Madrid geboren. Danach wollten die Eheleute in das Herzogtum Parma übersiedeln, das sie erben sollten, doch ließ sie König Karl IV. nicht ziehen. Goya malte das Ehepaar gemeinsam mit der spanischen Königsfamilie Anfang 1800 während eines Aufenthalts im Palast von Aranjuez.
Nach einer Anfang 1801 geschlossenen Vereinbarung Napoleons mit König Karl IV. von Spanien und dem Haus Bourbon-Parma sollte Maria Luisas Ehemann nicht das Herzogtum Parma erben, das Frankreich künftig, nämlich nach dem Tod Herzog Ferdinands für sich beanspruchte, sondern Herrscher des aus dem vormaligen Großherzogtum Toskana neu geschaffenen Königreichs Etrurien werden.
Die politisch unerfahrene Maria Luisa lehnte diesen Plan ab. Trotz ihres Widerstrebens gab sie auf Druck ihrer Familie der Forderung Napoleons nach, sich zuerst mit ihrem Gatten nach Paris zu begeben, um dort mit ihm die Einsetzung in ihre neue Herrscherwürde zu erhalten. Am 21. April 1801 verließ das junge Paar Madrid, überquerte die Grenze bei Bayonne und reiste inkognito als Graf und Gräfin von Livorno nach Paris, wo es am 24. Mai von Napoleon ehrenvoll empfangen wurde. Es machte anfangs in seiner unmodischen spanischen Tracht keinen guten Eindruck. Napoleon war aber von Maria Luisas Zärtlichkeit zu ihrem kleinen Sohn, den sie selbst stillte, beeindruckt. Die künftige Königin Etruriens hatte keine sonderliche Freude über ihren Aufenthalt in Paris, besuchte ungern zu ihren Ehren gegebene Veranstaltungen und lag öfters mit Fieber im Bett. Auch war sie über den schlechten Gesundheitszustand ihres Gatten besorgt.
Nach 20 Tagen verließen Maria Luisa und ihr Gatte die französische Hauptstadt und reisten über Piacenza, wo Ludwig seine Eltern wiedersah, und Parma, wo sie drei Wochen verweilten, nach Etrurien. Das Königspaar hielt am 12. August 1801 seinen Einzug in Florenz, der Hauptstadt seines neuen Reichs. Obwohl die Toskana noch vom französischen General Joachim Murat besetzt gehalten wurde, hatte Graf Ventura sie im Namen König Ludwigs in Besitz genommen. Das Volk empfing seine neuen Herrscher unfreundlich, da diese unter dem Schutz französischer Armeen eingetroffen waren und als bloßes Werkzeug Frankreichs angesehen wurden. Maria Luisa erlitt eine Fehlgeburt und ihr Gatte hatte häufigere epileptische Anfälle. Ihre Residenz, der Palazzo Pitti, war ziemlich leergeräumt, so dass sie ihn aus Geldmangel mit geborgtem Mobiliar der lokalen Nobilität ausstatten mussten.
Der Wiener Hof erkannte als Erster die Herrschaft Ludwigs an und schickte den General Colli als österreichischen Botschafter nach Florenz. Papst Pius VII. entsandte den späteren Kardinal Morozzo als Apostolischen Nuntius in das Königreich Etrurien. Dieses litt unter Kriegszerstörungen sowie zerrütteten Finanzen und hatte für die dort stationierten französischen Truppen aufzukommen. Vergeblich bemühte sich Maria Luisa mit ihrem Gatten, den Abzug dieser Militärkontingente zu erreichen, und erhielt nur das Versprechen, dass die in der Hauptstadt befindlichen Soldaten nach der Schaffung einer königlichen Garde nach Pisa und Livorno verlegt würden.
Im Sommer 1802 wurde Maria Luisa mit ihrem Gatten Ludwig zur Doppelhochzeit ihres Bruders Ferdinand mit Maria Antonia von Neapel-Sizilien und ihrer jüngeren Schwester Maria Isabel mit Francesco von Bourbon, Kronprinz von Neapel-Sizilien, eingeladen. Wegen Etruriens Finanzproblemen, der sich verschlechternden Gesundheit Ludwigs und ihrer beginnenden Schwangerschaft trat Maria Luisa nur auf Druck ihres Vaters die Seereise nach Spanien an, in deren Verlauf sie krank wurde und am 2. Oktober 1802, kurz vor Erreichen der Küste bei Barcelona, unter Schwierigkeiten ihre Tochter Maria Luisa Carlota gebar. Sie erholte sich noch einige Tage an Bord ihres Schiffs, ehe sie in Barcelona an Land gebracht wurde, wo sie ihre Eltern erwarteten. So versäumte sie die am 6. Oktober abgehaltene Doppelhochzeit. Als Ludwig erfuhr, dass sein Vater Ferdinand kurz danach, am 9. Oktober, gestorben war, wollte er nach Florenz zurückkehren, musste sich aber mit Maria Luisa auf Drängen von deren Eltern zuerst an den Madrider Hof begeben und durfte sich mit ihr erst im Dezember 1802 in Cartagena zur Rückreise nach Etrurien einschiffen. Dort angekommen wurde der Bevölkerung die Krankheit Ludwigs verheimlicht und Maria Luisa übte allein die Regierung aus. Fünf Monate nach seiner Rückkehr nach Etrurien starb Ludwig am 27. Mai 1803 im Alter von nur 29 Jahren und ließ die über den Tod ihres Gatten erschütterte Maria Luisa als Regentin für ihren unmündigen Sohn Karl Ludwig zurück.
Der in Frankreich und Spanien diskutierte Plan, die erst knapp 21-jährige Maria Luisa mit ihrem vier Jahre jüngeren Cousin Pedro Carlos von Bourbon, Sohn des spanischen Infanten Gabriel, eines jüngeren Bruders König Karls IV., zu verheiraten, wurde letztlich nicht realisiert. Die etrurische Regentin gründete in Florenz eine höhere Lehranstalt für Wissenschaften, das Museum für Physik und Naturkunde, und suchte ihre Untertanen durch ein mildes Regiment zu gewinnen. So ließ sie öfters Leute im Palazzo Pitti bewirten und gab für Künstler und Schriftsteller großzügige Empfänge.
In verschiedenen Teilen Etruriens waren noch immer französische Truppen stationiert, deren Erhalt Steuererhöhungen nötig machte. Doch räumten diese Streitkräfte schließlich das Land und wurden durch 6000 Spanier ersetzt. Laut ihren Memoiren hatte Maria Luisa diesen Truppentausch durch ihr entsprechendes Ersuchen beim französischen Kabinett erreicht; nach anderer Darstellung habe dagegen Napoleon selbst die Entsendung spanischer Soldaten nach Etrurien vorgeschlagen, um diese Armee dann auch anderswo im französischen Interesse einsetzen zu können. Tatsächlich schickte Napoleon die in Etrurien stationierten spanischen Truppen 1806 nach den Küsten der Ost- und Nordsee. Maria Luisas Untertanen mussten dennoch weiterhin hohe Subsidien für im Sinne Napoleons eingesetzte Militärkontingente zahlen.