An diesem Tag

Maria Luisa Gabriella von Savoyen (1688–1714)

Königin und Regentin von Spanien

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Maria Luisa Gabriella von Savoyen (spanisch María Luisa Gabriela de Saboya, italienisch Maria Luisa Gabriella di Savoia; * 17. September 1688 in Turin; † 14. Februar 1714 in Madrid) war eine savoyardische Prinzessin und durch ihre Heirat mit Philipp V. von 1701 bis zu ihrem frühen Tod im Alter von 25 Jahren Königin von Spanien. Ihr Leben ist sehr gut durch den umfangreich erhaltenen Schriftverkehr mit Familienmitgliedern dokumentiert.

Maria Luisa wurde zwölfjährig mit dem spanischen König Philipp V. vermählt und fand sich im Alter von gerade einmal 13 Jahren an der Spitze der spanischen Regierung, als ihr Mann zu militärischen Unternehmungen nach Italien aufbrach. Obwohl vollkommen unerfahren in politischen Dingen und in der Staatsführung, zeigte sie sich bei diesen Aufgaben trotz ihrer Jugend schnell als eine sehr mutige Regentin. Sie legte eine für ihr Alter außergewöhnliche Beharrlichkeit an den Tag, die ihr die volle Anerkennung und die Loyalität der spanischen Granden sowie die Verehrung durch das Volk einbrachte. Ihr Engagement und entschiedenes Eintreten für die Rechte und Ansprüche ihres Mannes sicherten dem Haus Bourbon während des Spanischen Erbfolgekriegs die Krone Spaniens. Neben Ludwig XIV. war Maria Luisa Gabriella eine der wichtigsten Stützen ihres Mannes in diesen Auseinandersetzungen, die sowohl mit militärischen als auch diplomatischen Mitteln ausgefochten wurden.

Maria Luisa Gabriella, im Familienkreis kurz Louison genannt, kam als dritte Tochter der Anne Marie d’Orléans und deren Ehemannes Viktor Amadeus II., des damaligen Herzogs von Savoyen und späteren Königs von Sizilien und Sardinien, in Turin zur Welt. Durch ihre Mutter, einer Tochter Philippes I. de Bourbons und der Henrietta Anne Stuart, war sie nicht nur Großnichte des französischen Königs Ludwig XIV., sondern auch mit dem englischen Königshaus verwandt. Eine weitere familiäre Bindung zum französischen Hof kam ab 1697 durch Marie Luisa Gabriellas ältere Schwester Maria Adelaide von Savoyen dazu, die in jenem Jahr Louis, einen Enkel Ludwigs XIV. und Herzog von Burgund, heiratete. Obwohl sie ihre Schwester nach deren Abreise nach Frankreich nie wieder sah, blieb sie ihr zeit ihres Lebens innig verbunden; ebenso ihrer Großmutter Maria Johanna von Savoyen, die neben Maria Luisas Camarera mayor Marie-Anne de La Trémoille (genannt Madame des Ursins) immer ihre engste Vertraute war.

Im Alter von zwölf Jahren heiratete die Prinzessin Philipp von Anjou, den jüngeren Bruder ihres französischen Schwagers, der als Philipp V. König von Spanien geworden war. Mit ihm hatte sie vier gemeinsame Kinder, von denen zwei das Erwachsenenalter erreichten:

Ludwig I. (1707–1724), 1724 König von Spanien

Ferdinand VI. (1713–1759), ab 1746 König von Spanien

Maria Luisa Gabriella wurde von ihrer Gouvernante Françoise de Lucinge, Gräfin von Noyers, erzogen. Ihre Mutter und ihre Großmutter trugen dafür Sorge, dass sie und ihre ältere Schwester Maria Adelaide eine sehr fundierte und umfassende Ausbildung erhielten, was zu jener Zeit für Töchter aus dem Hochadel Europas außergewöhnlich war.

Im Mai 1701 erreichte Viktor Amadeus II. eine offizielle Anfrage des spanischen Königs um die Hand seiner Tochter Maria Luisa. Das Ansinnen war durch Philipps Großvater Ludwig XIV. gelenkt, der durch die angestrebte Verbindung versuchte, das Herzogtum Savoyen in dem sich anbahnenden Spanischen Erbfolgekrieg auf die Seite Frankreichs zu ziehen und damit einen Verbündeten gegen das Haus Habsburg zu haben. Der Herzog zögerte zunächst, gab dann jedoch seine Einwilligung. Die Verlobung Maria Luisas und Philipps V. wurde am 1. Juni 1701 gleichzeitig in Turin und Madrid bekanntgegeben. Eine spanische Gesandtschaft unter der Leitung Carlos Omodeis, Markgraf von Castel Rodrigo und Almonacid, traf am 8. September in der Hauptstadt Savoyens ein, um die junge Braut nach einer Trauung per procurationem nach Spanien zu geleiten. Die Hochzeit fand am Nachmittag des 11. Juni 1701 in der Capella del Sudario des Turiner Doms statt. Carlo Giuseppe Doria del Maro, der erste Almosenier des Herzogs, leitete die Zeremonie, bei welcher der Bräutigam von dem Fürsten von Carignan, Emanuel Philibert, vertreten wurde. Am Abend zuvor war der Heiratsvertrag unterschrieben worden, der für die zukünftige Königin von Spanien eine Mitgift in Höhe von 300.000 Silberécu festlegte. Diese mussten jedoch nicht gezahlt werden, sondern wurden mit den Schulden der spanischen Krone gegenüber dem Haus Savoyen verrechnet.

Schon am darauffolgenden Tag verließ Maria Luisa Gabriella ihre Heimatstadt in Richtung Spanien – gemäß den Bestimmungen ihres Heiratsvertrags inkognito. Begleitet wurde sie nicht nur von der spanischen Gesandtschaft, sondern auch von zahlreichen Mitgliedern des savoyardischen Hofs, zum Beispiel der Fürstin von Carignan und ihren beiden Töchtern sowie der Fürstin von Soissons. Am 18. September traf die Reisegruppe in Nizza ein, wo Maria Luisa Gabriella zum ersten Mal ihre Camarera mayor Marie-Anne de La Trémoille traf. Der Aufenthalt dort währte acht Tage, die von Gottesdienstbesuchen, Banketten, Empfängen und Prozessionen gekennzeichnet waren. Dann schiffte sich die junge Königin am 25. September nach Barcelona ein. Wegen eines Unwetters ging es jedoch nur bis Marseille. Von dort bat Maria Luisa, die stark an ihrer Seekrankheit gelitten hatte, Ludwig XIV. darum, den Rest der Reise über den Landweg zurücklegen zu dürfen, was ihr vom französischen König gewährt wurde. Von Marseille ging es über Aix, Nîmes und Montpellier bis nach Perpignan, wo sich die junge Königin unerwarteterweise von ihrem savoyardischen Gefolge trennen musste, obwohl ursprünglich vereinbart war, dass einige der Hofdamen sie bis Barcelona begleiten sollten. Die abrupte Änderung der Reisepläne war das Werk Madame des Ursins, die Maria Luisa schnellstmöglich dem Einfluss ihrer Gouvernante entziehen wollte.

Das frisch vermählte Paar traf sich zum ersten Mal am 3. November in Figueres, wo noch am gleichen Tag in der dortigen Pfarrkirche eine zweite Hochzeitszeremonie stattfand. Bei dem danach ausgerichteten Hochzeitsmahl sollten jeweils zur Hälfte spanische und französische Gerichte aufgetragen werden, denn Maria Luisa Gabriella mochte die spanische Küche nicht. Ihre spanischen Hofdamen wollten diesen Bruch mit ihrer Kultur nicht hinnehmen und servierten ihrer neuen Herrin nur die spanischen Gerichte. Die junge Königin war über die Impertinenz ihrer zugewiesenen Ehrendamen und das Ignorieren ihrer Wünsche derart erbost, dass sie noch am Abend ihrer Eheschließung verkündete, nach Turin zurückkehren zu wollen, und ihrem frisch angetrauten Ehemann die traditionelle Hochzeitsnacht verweigerte. Maria Luisas Ankündigung versetzte den spanischen Hof in helle Aufregung. Ihre Ehrendamen mussten sich vielmals bei ihr entschuldigen und ihr höchstes Bedauern ausdrücken, ehe die junge Königin von ihrem Vorhaben abrückte. Der Zwischenfall zeigte dem spanischen Königshof, dass dieses junge Mädchen über einen äußerst starken Willen verfügte, und lehrte die Hofgesellschaft, sie – obwohl noch keine 13 Jahre alt – nicht wie ein kleines Kind zu behandeln. Der Vorfall trug nicht wenig dazu bei, dass sich Maria Luisa in der Zukunft vollkommen auf die aus Frankreich stammende Marie-Anne de La Trémoille anstatt auf spanische Hofdamen verließ.

Schon kurz nach ihrer Ankunft in Madrid begann die junge Königin damit, einige alte Sitten des spanischen Königshofes zu reformieren. Es begann mit der Änderung der spanischen Mode, die ihr – verglichen mit den von ihr gewohnten französischen Kleidern – zu steif und zu unbequem war. Um den spanischen Hof jedoch nicht allzu sehr zu brüskieren, trug sie zu offiziellen Anlässen stets die althergebrachte spanische Hoftracht, ordnete jedoch an, dass ihre Hofdamen ansonsten Mode à la française zu trägen hätten. Eine weitere sofort spürbare Veränderung war, dass Maria Luisa Gabriella die bei den Habsburger Vorgängern beliebten Zwerge vom spanischen Hof entfernen ließ. Sie waren ihr nicht nur zutiefst suspekt, sondern sie hielt sie auch für Spione im Dienste der Habsburger.

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