An diesem Tag

Maria Leszczyńska

Durch Heirat mit Ludwig XV. Königin von Frankreich

Anúncio

Maria Karolina Zofia Felicja Leszczyńska () (französisch Marie-Caroline-Sophie-Félicité Leszczyńska; * 23. Juni 1703 in Trebnitz, Schlesien; † 24. Juni 1768 in Versailles, Frankreich) aus dem Adelsgeschlecht der Leszczyński, war durch Heirat mit Ludwig XV. Königin von Frankreich.

Maria war die jüngere Tochter von Stanislaus Leszczyński, der zum Zeitpunkt ihrer Geburt Woiwode von Posen war, und der Gräfin Katharina Opalińska. Ihre ältere Schwester Anna Leszczyńska starb bereits 1717.

Der schwedische König Karl XII. erzwang am 14. Februar 1704 die Absetzung von August dem Starken als polnischem König und am 12. Juli 1704 die Wahl von Stanislaus Leszczynski zum neuen König von Polen. Im September 1704 griff der entthronte August Warschau an. Stanislaus ließ seine Familie unter dem Schutz treuer Gardetruppen überstürzt nach Posen fliehen. Nach der entscheidenden Niederlage Karls XII. in der Schlacht bei Poltawa (8. Juli 1709) gegen Peter den Großen konnte sich August der Starke erneut als polnischer König etablieren. Stanislaus Leszczynski und seine Familie mussten flüchten. Sie lebten zuerst u. a. in Stettin, dann in Schweden und seit 1714 im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, das der Schwedenkönig Stanislaus zum Nießbrauch übertragen hatte. Dort residierte der vertriebene Polenkönig auf Schloss Tschifflik. Maria bekam durch ihren Vater und ihre Erzieherin, Madame Marenska, eine solide Ausbildung. Sie beherrschte mehrere Sprachen, u. a. Latein, und erhielt Musik- und Malunterricht.

Nach dem Tod Karls XII. am 11. Dezember 1718 musste die Familie Leszczynski Pfalz-Zweibrücken verlassen und fand Aufnahme in Frankreich. Herzog Philipp von Orléans, der Regent von Frankreich für den minderjährigen König Ludwig XV., wies den Flüchtlingen einen Wohnsitz in Wissembourg im Elsass zu. Stanislaus erhielt zwar im Namen des Königs eine kleine Pension, die aber nur unregelmäßig ausgezahlt wurde. So musste er mit seinen Angehörigen in recht bescheidenen Verhältnissen leben. 1733 konnte er mit französischer Unterstützung nach dem Tod Augusts des Starken wieder den polnischen Thron besteigen, wurde aber schon bald durch den sächsischen Kurfürsten August, den Sohn Augusts des Starken, verdrängt. Stanislaus musste nun endgültig auf den polnischen Königstitel verzichten und erhielt 1736/37 als Ersatz von Ludwig XV. die neu erworbenen Herzogtümer Lothringen und Bar zugesprochen. Letztlich soll die königliche Pension 2000 Livres betragen haben. Obwohl persönlich sehr fromm, blieb er als ein Förderer religiöser Toleranz, Kunst, Architektur und Literatur und vieler sozialer Einrichtungen in Erinnerung.

Maria verliebte sich zunächst in Ludwig Georg, den zukünftigen Markgrafen von Baden, doch dessen Mutter verhinderte eine tiefere Beziehung durch eine Wallfahrt nach Rom. Nach dem Tod des Herzogs von Orléans am 2. Dezember 1723 wurde Herzog Louis IV. Henri de Bourbon, genannt Monsieur le Duc, französischer Premierminister. Seine Mätresse, Madame de Prie, schlug ihm, da er sich verheiraten wollte, die polnische Prinzessin als Braut vor.

Sehr bald wurden aber für Maria andere Heiratspläne gemacht. Der junge König sollte nämlich so rasch wie möglich verheiratet werden. Ludwig XV. war zwar bereits mit der spanischen Infantin Maria Anna verlobt, die aber erst fünf Jahre alt war, weshalb eine Eheschließung nicht so bald in Frage kam. Dies bedeutete aber eine Gefahr für den Fortbestand der Dynastie der Bourbonen. Falls der öfter kranke König ohne Nachkommen sterben sollte, wäre der Thron an den Herzog von Orléans gegangen, was ein Ende des politischen Einflusses des Herzogs von Bourbon bedeutet hätte. Daher wurde die kleine Verlobte des Königs im April 1725 nach Spanien zurückgeschickt. Als Ersatz wurde zunächst ein Katalog von 99 und später eine neue Liste von 82 Heiratskandidatinnen aus dem Adel ganz Europas erstellt. Die Auserwählte musste zwar von hohem Stand sein, am besten aus königlichem Geschlecht, um ihrem künftigen Gemahl ebenbürtig zu sein, aber sie sollte trotzdem aus politisch möglichst einflusslosen Verhältnissen stammen. Für den Herzog von Bourbon und seine Mätresse war die polnische Königstochter Maria die ideale Kandidatin, da diese ihnen die Wahl zur neuen Königin zu verdanken hätte und ihr Vater Stanislaus ein entthronter Monarch mit wenig Einfluss war. Der französische Premierminister rechnete mit Marias Abhängigkeit und Dankbarkeit und gedachte, über sie auf den jungen König einzuwirken. So wurde ihre Verlobung mit Ludwig XV. am 25. März 1725 im Geheimen Rat beschlossen und zwei Monate später, am 27. Mai, offiziell verkündet.

Maria war eine sehr fromme Katholikin, von guter Gesundheit, und galt als gutmütig und anspruchslos. Sie wird als nicht gerade schön, allenfalls ansehnlich und kleinwüchsig beschrieben; außerdem war sie sechs Jahre älter als ihr Bräutigam. Manche Quellen charakterisieren sie als ernst und langweilig, aber aufgrund ihrer gediegenen Bildung war sie durchaus geistreich. Das Leben am französischen Hof sprach sie wenig an, sie sollte es als intrigant empfinden und bewusst zu ihm auf Distanz gehen. Am französischen Hof fand die geplante Vermählung nicht ungeteilte Zustimmung; ausgestreute Gerüchte stellten die polnische Prinzessin als hässlich, epileptisch oder unfruchtbar dar. Eine ärztliche Untersuchung konnte jedoch die Gesundheit und Fruchtbarkeit der auserwählten Braut belegen. Angehörige des Hauses Orléans bezeichneten das Heiratsprojekt zudem als „Mesalliance“ für den französischen König, wenn auch zum Zeitpunkt der Vermählung der polnische Thron und das riesige Vermögen des Brautvaters noch nicht endgültig verloren waren.

Marias Vater Stanislaus soll hocherfreut gewesen sein, als ein königlicher Eilkurier ihn am 2. April 1725 über die beabsichtigte Verheiratung seiner Tochter mit Ludwig XV. informierte, und Mutter und Tochter aufgefordert haben, Gott für diese glückliche Fügung zu danken. Als Stanislaus Leszczyński Jahre später (1737) von seinem Schwiegersohn als Herzog von Lothringen und Bar eingesetzt wurde, erwies er sich als ein kluger, in vieler Hinsicht seiner Zeit voraus agierender Herrscher.

Die Ferntrauung der polnischen Prinzessin fand am 15. August 1725 unter der Leitung des Kardinals Rohan in der Kathedrale von Straßburg statt, wobei der Herzog von Orléans die Rolle des Bräutigams übernahm. Nachdem die 22-jährige Maria dem fünfzehnjährigen König bei einer gemäß der strengen Hofetikette verlaufenden Begrüßung vorgestellt worden war, wurde die eigentliche Hochzeit des Paares am 5. September 1725 in Schloss Fontainebleau gefeiert. Zahlreiche französische und ausländische Fürsten nahmen an der prunkvollen Zeremonie teil, bei der die Braut einen violettsamtenen, edelsteinbesetzten Königsmantel, ein Diadem und eine elf Meter lange, von drei adeligen Hofdamen getragene Schleppe trug. Noch in der Hochzeitsnacht soll das Paar seine Ehe vollzogen haben und angeblich war es für den jungen König sein erstes sexuelles Erlebnis.

Der König soll zunächst sehr in seine Gattin verliebt und die Ehe dementsprechend glücklich gewesen sein. Wegen ihrer vielen Schwangerschaften begleitete Maria ihren Gemahl selten, der sie dann wohl auf die Dauer doch als zu wenig anziehend, vielleicht sogar langweilig empfand. Sobald eine Schwangerschaft bei der Königin festgestellt wurde, enthielt sie sich auf den Rat ihrer Ärzte jeglicher sexueller Kontakte zu ihrem Gatten. An der Geburt ihres zehnten Kindes im zwölften Ehejahr wäre die Königin fast gestorben. Aufgrund der Warnung ihrer Ärzte beschloss sie, keine weiteren Kinder zu bekommen, und verweigerte ihrem Gemahl jegliches weiteres Sexualleben. Von ihren zehn Kindern erreichten drei das Erwachsenenalter nicht.

Schon mit Marias kurz nach der Hochzeit erfolgtem einzigem Versuch, in der Politik mitzubestimmen – wovor sie ihr Vater dringend gewarnt hatte – begann eine zunehmende Entfremdung zwischen ihr und dem König. Sie versuchte damals, den Herzog von Bourbon – dem sie ja ihren gesellschaftlichen Aufstieg verdankte – bei dessen Kampf um die Gunst des Königs zu unterstützen. Sein Rivale um die Macht im Staat war der bereits 72-jährige André-Hercule de Fleury, Bischof von Fréjus. Dieser kritisierte oft die Politik des Premierministers und konnte nicht selten Staatsangelegenheiten in die von ihm gewünschte Richtung lenken. Nach der Rückkehr Ludwigs XV. von einem Jagdausflug bat ihn seine Gemahlin des Abends um ein Gespräch. Sie drang gemeinsam mit dem ebenfalls anwesenden Herzog von Bourbon auf den König ein, dass er nicht mehr bei jeder Unterredung mit seinen Ministern auch Fleury hinzuzog. Doch der König weigerte sich, verlangte später brieflich von seiner Gattin, alle Entscheidungen des Bischofs von Fréjus zu akzeptieren, und machte diesen schließlich zum nahezu unumschränkten Machthaber, nachdem er am 11. Juli 1726 den Herzog von Bourbon endgültig entmachtet hatte. Maria hatte sich mit ihrer Haltung die dauerhafte Feindschaft Fleurys zugezogen und wagte keinen weiteren Versuch, die Politik ihres Gatten mitzubestimmen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Maria Leszczyńska | World in Stories