Maria Fitzen-Wohnsiedler (* 31. Juli 1908 in Heilbronn; † 9. Januar 1989 in Vico Equense, Kampanien, Italien) war eine deutsche Keramikerin, Grafikerin, Malerin und Schriftstellerin.
Maria wurde am 31. Juli 1908 als einzige Tochter der Eheleute Wohnsiedler in der Staufenbergstraße Nr. 1 in Heilbronn geboren. Die Eltern stammten von Kleinbauern ab. Diese kamen ursprünglich aus Hohenlohe und siedelten um die Jahrhundertwende nach Heilbronn über. 1907 erhielt der Vater das Heilbronner Bürgerrecht und arbeitete als Bierkutscher.
1915 war sie zunächst Schülerin an der Rosenauschule. 1917 erhielt sie ein Stipendium und konnte daraufhin die neunklassige Mädchenmittelschule im Hafenmarkt besuchen. Sie absolvierte zunächst eine zweijährige Ausbildung zur Kontoristin bei dem Lebensmittelhersteller Knorr. Seit 1926 nahm sie Fernunterricht und studierte autodidaktisch 700 Aufgaben rund um Perspektive, Körperproportion und Ornamentik. In den Jahren 1927 bis 1934 erstellte sie Gebrauchsgrafiken für Unternehmen wie die Schuhfabrik Wolko, die Deutschen Linoleumwerke und Bleyle. Sie heiratete 1931 den Typografen Peter Fitzen. 1935 gewann sie den ersten Preis im Plakatwettbewerb Schwäbisches Schaffen.
Ab November 1934 bildete sie sich in einer Töpferwerkstätte in Besigheim unter dem dortigen Meister Hermann Hoyle zur Keramikerin weiter. Die Arbeit mit Ton brachte sie ab 1939 auch bei ihrem Einsatz als Rot-Kreuz-Schwester MAWO in die Töpferei im Reserve-Lazarett in der Heilbronner Jägerhausstraße ein. Nach anfänglichem Zögern gab diese Therapieform vielen Kriegsversehrten neuen Lebensmut. Ein Armverletzter äußerte sich zur Therapiemaßnahme mit Knet und Ton: „Jedes gelungene Werk war Ermutigung, dass man auch mit nur einer Hand, sogar nur mit wenigen Fingern viele Dinge machen kann, die man nicht für möglich gehalten hat.“ Die Ergebnisse der therapeutischen Töpferarbeit hat Fitzen-Wohnsiedler in Wort und Bild dokumentiert. Ihr Manuskript Kleingeld aus dem Lazarett wurde vom Rotkreuzpräsidium in Berlin als kleines Buch gedruckt, die Auflage fiel dann aber einem Bombenangriff auf Berlin zum Opfer. Kurz darauf wurde sie vom Rotkreuzpräsidium beauftragt, ein Manuskript für einen abendfüllenden Film zu erstellen. Gegenstand des Films sollte die menschliche Seite der Kriegsversehrten und ihr schöpferisches Arbeiten mit Ton sein. Das Propagandaministerium legte jedoch dagegen ein Veto ein. Zitat: „Das Manuskript verstößt gegen das Führerprinzip, es wird darin behauptet, der Einzelne wisse selbst, was er zu tun habe.“
1945 eröffnete sie eine Keramikwerkstatt in Heilbronn, in der sie u. a. Hochzeitsteller, Familienwappen, Kachelofenteil, Bauelemente und Gartenfiguren erstellte. 1956 konnte sie ihre inzwischen sehr erfolgreiche Werkstätte baulich erweitern. Ab 1959 war sie Mitglied im Künstlerbund Heilbronn. Nachdem ihr Mann 1962 verstorben war, schloss sie Ende 1963 ihre keramische Werkstatt, um sich danach vorrangig der autodidaktisch erlernten Malerei zu widmen. 1965 übergab sie ihre Keramiksammlung dem Historischen Museum Heilbronn und zog nach Süditalien. Trotz des Wohnortwechsels, der u. a. auch mit ihrer Unzufriedenheit über die Nachkriegs-Entwicklung in Heilbronn zu tun hatte, blieb sie ihrer Heimatstadt mit zahlreichen Ausstellungen verbunden. Von 1970 an trat sie auch als Autorin von Gedichtbänden und Kurzgeschichten in Erscheinung.
Planungen für einen Ausstellungspavillon im Heilbronner Harmoniegarten (1948)
Seit 1946 war Fitzen-Wohnsiedler Mitglied der Heilbronner Künstlergilde, für die sie einen „ephemeren Ausstellungspavillon“ im Harmoniegarten plante. Als Ort für den Ausstellungspavillon war der Platz des ehemaligen Kunstvereins an der Ecke Allee/Moltkestraße geplant, wobei der Pavillon eine quadratische Grundfläche (4,3 × 4,3 m) erhalten sollte. Der Raum sollte diagonal unterteilt werden und das Gebäude ein ziegelgedecktes Walmdach erhalten. Große Schaufenster sollten an der Vorder- und Südseite des Gebäudes entstehen. Der Bauplan und 20 Quadratmeter Baufläche an der Ecke Allee/Moltkestraße wurden von der örtlichen Kommunalverwaltung genehmigt.
Wandbrunnen im Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Heilbronn (1952)
1952 gewann sie einen Wettbewerb um den Wandbrunnen im Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium (heute: Mönchsee-Gymnasium). Hier kam zum ersten Mal eine Kombination von Keramik und Marmorgestein zum Einsatz. Ein Steinmosaik für den Wandbrunnen wurde in der Eingangshalle 1954 geschaffen.
Maria Fitzen-Wohnsiedler hat 1952 in Heilbronn einen Entwurf für den Traubenbrunnen geliefert, der die 1,2 m hohe Figur eines Knaben („Brunnen-Büble“) zeigt, der mit seiner rechten Hand eine Traube nach oben hält und mit seinem Mund die unterste Weintraube einfängt, um diese zu essen. Im linken Arm hält er eine Obstschale. Die Figur steht auf einer 1,2 m hohen kelchförmigen Brunnenschale. Umgesetzt wurde der Entwurf von Robert Grässle.
Der Brunnen war zwischenzeitlich verwaist und stand ohne traubenessenden Knaben am Uhlandplatz an der Wollhausstraße. Im Rahmen einer Umgestaltung des Uhlandplatzes im Frühjahr 2016 soll der sanierungsbedürftige Traubenesserbrunnen entfernt werden.
Brunnen für das Kurmittelhaus in Bad Wimpfen
Der von ihr für das Kurmittelhaus in Bad Wimpfen gestaltete Brunnen zeigt ein auf dem Boden sitzenden Mädchen, das Wasser aus einem Krug ausgießt. Das Werk besteht aus farbigen Keramikteilen, die in Zement verlegt sind.
Galerie im Café Noller in Heilbronn (1957)
Das Heilbronner Café Noller ließ 1957 seine Galerie im ersten Obergeschoss mit Keramikmosaiken von Maria Fitzen-Wohnsiedler verzieren.
Brunnenanlage der Wartbergschule in Heilbronn (1959)
Neben der Brunnenanlage in der Eingangshalle der Heilbronner Wartbergschule gestaltete sie zusammen mit Peter Jakob Schober auch die Keramikmosaiken sowohl in den Fluren als auch in der Eingangshalle der Schule. Die Wand der Eingangshalle ist in kräftigem Ultramarin-Blau gehalten, darauf sind teils aus goldenen Keramikmosaiksteinen bestehende Wassertiere aufgebracht. Diese Art der spielerischen Motivstreuung kam in den 1950er Jahren in Heilbronn sehr häufig vor.
Der Kunst- und Architekturhistoriker und Leiter der Unteren Denkmalpflegebehörde der Stadt Heilbronn, Joachim J. Hennze, bemerkt: „Besonderen Wert legte man auf die künstlerische Gestaltung: Der zurückhaltenden Farbigkeit in den Klassenzimmern antworten kräftige Wandmalereien und Reliefs in den Fluren. Gestaltet haben sie Maria Fitzen-Wohnsiedler, Peter Jakob Schober und Gottfried Gruner.“