An diesem Tag

Margery Allingham

Englische Krimi-Schriftstellerin

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Margery Louise Allingham (* 20. Mai 1904 in London; † 30. Juni 1966 in Colchester, Essex) war eine englische Schriftstellerin und Krimi-Autorin. Sie wird heute zu den Vertreterinnen des klassischen Detektivromans gezählt.

Allinghams Eltern waren Journalisten und Schriftsteller. Sie selber begann sehr früh zu schreiben, konzentrierte sich anfangs aber auf Theaterstücke und Kurzgeschichten. Ihren ersten größeren Durchbruch hatte sie mit ihrem zweiten Kriminalroman The Crime at Black Dudley – auf Deutsch unter den Titeln Mord in Black Dudley beziehungsweise Der Italienische Dolch erschienen –, der 1927 veröffentlicht wurde. In diesem Roman führt sie auch ihren wichtigsten Protagonisten Albert Campion ein. Bereits ihr dritter Kriminalroman Mystery Mile (Gefährliches Landleben), in dem sie die Figur des Magersfontein Lugg als Diener von Campion einführt, wurde vom Doubleday Crime Club zur Buchempfehlung des Monats gewählt.

Allingham ist unter den wesentlichen Schriftstellerinnen, die dem sogenannten Goldenen Zeitalter der Detektivgeschichte zugerechnet werden, die einzige, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren wurde. Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Ngaio Marsh und Josephine Tey wurden im Gegensatz zu ihr alle im ausgehenden 19. Jahrhundert geboren.

Allingham war das erste Kind von Emily „Em“ Hughes und Herbert Allingham und kam in London zur Welt. Zwei Jahre später kam ihr Bruder Phil und 1913 ihre Schwester Joyce auf die Welt. Erzogen wurde sie allerdings von Hausangestellten. Ihr Vater war zum Zeitpunkt ihrer Geburt Herausgeber des London Journals, einer Wochenzeitschrift, die als Fortsetzungsserie die Erzählungen populärer viktorianischer Schriftsteller veröffentlichte. Zeitschriften dieser Art trafen auf ein zunehmend geringeres Interesse beim Lesepublikum, und Herbert Allingham gab diese Tätigkeit auf, als Margery fünf Jahre alt war. Von da an arbeitete er als freier Schriftsteller für verschiedene Publikationen. Allinghams Mutter Emily Hughes war – nachdem sich ihre Mutter vom alkoholabhängigen Ehemann getrennt hatte – in materiell sehr begrenzten Verhältnissen aufgewachsen und hatte vor der Heirat als Hutmacherin gearbeitet. Sie schrieb zum Zeitpunkt von Margery Allinghams Geburt gleichfalls für diverse britische Publikationen. Beide Elternteile standen sozialistischen Ideen aufgeschlossen gegenüber und gehörten zum Umkreis der Fabian Society, einer intellektuell-sozialistischen Bewegung. Em Hughes experimentierte außerdem mit verschiedenen religiösen Richtungen, kennzeichnend war aber ihre Ablehnung einer traditionellen Mutter- und Hausfrauenrolle.

1909 zog das Ehepaar Allingham mit seinen Kindern in die Nähe von Colchester in Essex. Das neue Familienheim war ein ehemaliges, heruntergekommenes Pfarrhaus, dessen Wohnkomfort all die Annehmlichkeiten fehlten, die damals schon zum Wohnstandard der Mittelschicht gehörten. In diesem weitläufigen Haus richtete das Ehepaar Allingham anlässlich des siebten Geburtstags ihrer Tochter für sie einen Raum im Dienstbotentrakt als Büro ein: Hier begann sie unter Aufsicht ihres Vaters zu schreiben. Herbert Allingham gab ihr eine Handlung vor und ließ seine älteste Tochter dann eine Geschichte schreiben, die diese Vorgabe ausfüllte. Er lehrte sie unter anderem sorgfältiges Überarbeiten ihres ersten Entwurfes. Ihre erste Geschichte war ein Märchen, wenig später begann sie eine Familienzeitung zu schreiben, die unter anderem Fortsetzungsgeschichten, Gedichte und sogar Werbung enthielt.

Kurz nach ihrem siebten Geburtstag wurde Margery Allingham in einem Mädchenpensionat eingeschrieben und kehrte nur noch an den Wochenenden zu ihrer Familie zurück. Nach einem Jahr erkrankte sie allerdings schwer an Typhus. Der behandelnde Arzt empfahl nach ihrer Genesung, sie nicht mehr auf die Schule zurückkehren zu lassen. Margery Allingham wurde entsprechend bis 1915 von einer Reihe unterschiedlicher Gouvernanten erzogen, bevor sie in das Mädchenpensionat zurückkehrte.

Der Erste Weltkrieg veränderte das britische Verlagsgeschäft nachhaltig – eine Reihe von Zeitschriften, Zeitungen und Magazine, für die Herbert und Em Allingham geschrieben hatten, wurden entweder eingestellt oder verschmolzen mit anderen. Nach fünf Jahren relativen Wohlstands entschied sich das Ehepaar Allingham, ihre ländliche Idylle in Essex aufzugeben und nach London zurückzukehren, wo sie eine Wohnung in Bayswater bezogen. Die veränderten Lebensumstände belasteten die Ehe erheblich. Ems Schwester Maud war in der Lage, dem Ehepaar behilflich zu sein. Sie war eine der ersten Herausgeberinnen des britischen Frauenmagazins Woman's Weekly und beauftragte Em Allingham mit einer Serie von Detektivgeschichten. Wenig später begann auch Herbert für dieses neue Magazin zu schreiben. In einem Ableger des Magazins, nämlich Mother and Home, erschien 1917 Margery Allinghams erste verkaufte Geschichte, ein Märchen.

Im Jahre 1919 wurde Margery Allingham in einem anderen Internat in Cambridge angemeldet. The Peres High School for Girls war bekannt für ihren Schwerpunkt auf einer klassischen Erziehung und bereitete ihre Schülerinnen auf die Universität vor. Allingham erwies sich jedoch als eher schlechte Schülerin, obwohl sie unter anderem zwei Theaterstücke verfasste, die von ihren Klassenkameradinnen aufgeführt wurden. 1920 verließ sie das Internat und wurde für weitere drei Jahre von Barbara Harper, einer Lehrerin des Queen’s College in London, privat unterrichtet. Auf Harper werden Allinghams Kenntnisse von Literatur und Geschichte zurückgeführt. Parallel zu diesem Unterricht belegte sie einzelne Kurse an Londons Regent Street Polytechnic. Wegen ihrer ersten Erfolge im Schauspielunterricht dieser Universität zielte sie auf eine Schauspielkarriere ab, parallel dazu schrieb sie unter der Anleitung von Harper weiterhin Theaterstücke und Kurzgeschichten. 1921 begann Allingham, inspiriert von einem Familienurlaub auf der abgeschiedenen Mersea Island mit dem Schreiben eines ersten Romans. Die Abenteuergeschichte Blackerchief Dick (in deutscher Sprache nicht veröffentlicht) erschien 1923.

1925 beendete Margery Allingham ihre Studien an der Regent Street Polytechnic. Groß gewachsen und schwergewichtig hatte sie ihren Traum von einer Theaterkarriere aufgegeben. Arbeit bot ihr erneut ihre Tante Maud an. Maud Hughes betreute als Herausgeberin von Frauenzeitschriften auch zwei, deren Schwerpunkt die Filmwelt und eine, die sich an junge, arbeitende Frauen – die sogenannten Flapper – richtete. Allingham begann regelmäßig für diese Publikationen zu schreiben.

1927 erschien Allinghams erster Kriminalroman Ein böser Nachbar (The White Cottage Mystery) als Fortsetzungsserie in einer Zeitung. Im gleichen Jahr, nämlich am 29. September 1927, heiratete sie Philip „Pip“ Youngman Carter, der Bruder einer Studienkollegin ihrer Schauspielkurse. Beide Ehepartner waren gerade 23 Jahre alt. Carter versuchte sich in der Kunstszene, als Maler zu etablieren. Geld verdiente er nur gelegentlich, wenn er Bucheinbände entwarf. Den größeren Teil des Einkommens des Ehepaars steuerte Allingham durch ihre Schreibereien für diverse Zeitschriften und Zeitungen bei. Carter ermutigte sie, als 1928 Allinghams erster Kriminalroman auch in Buchform erschien, zur Arbeit an einer zweiten Detektivgeschichte, die später unter The Crime at Black Dudley (Mord in Black Dudley) erschien. Allingham schrieb später über die Arbeit an diesem Roman:

Allinghams Kriminalromane erwiesen sich schnell als erfolgreich: Der US-amerikanische Doubleday Crime Club wählte ihren dritten Kriminalroman Mystery Mile (Gefährliches Landleben) zum Buch des Monats.

Der Erfolg von Allingham als Autorin blieb nicht ohne Einfluss auf ihre Ehe. Ihr Ehemann Pip Carter nahm zunehmend die Rolle eines Mentors ein – zum Zeitpunkt des Erscheinens von Mystery Mile bezeichnete Allingham ihn als wichtigsten Ideengeber für ihre Romanhandlungen. Zwei Drittel der Handlung von Mystery Mile und die Hälfte des Humors dieses Romans schrieb Allingham unmittelbar ihrem Ehemann zu, der etwa Mitte der 1930er Jahre jegliche Hoffnung auf eine künstlerische Karriere aufgegeben hatte. Die mittlerweile stark übergewichtige Allingham war zunehmend die einzige, die zum Haushaltseinkommen beitrug. Nicht zuletzt auch, weil Allingham zusätzlich zu ihrer Arbeit an ihren Kriminalromanen unverändert für Zeitungen und Zeitschriften schrieb. Pip Carter führte zunehmend das Leben eines Landedelmanns der Gentry: Spielen und Trinken war seine Hauptbeschäftigung. Zwischen den beiden Ehepartnern kam es zunehmend zu Streitigkeiten und es gibt Indizien, dass es dabei auch zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden kam. In einem Tagebucheintrag hielt Allingham 1934 fest:

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