Margaret Alice Murray (* 13. Juli 1863 in Kalkutta, Indien; † 13. November 1963 in Welwyn, Hertfordshire) war eine britische Anthropologin und Ägyptologin. Sie war in akademischen Kreisen weithin für wissenschaftliche Beiträge zur Ägyptologie und volkskundliche Studien bekannt, die zu einer Theorie über eine paneuropäische, vorchristliche, paganistische Religion um den „gehörnten Gott“ führten.
Margaret Murray wurde am 13. Juli 1863 in Kalkutta geboren und war die jüngere Tochter von James Charles Murray und seiner Frau Margaret Carr. Die Familie ihres Vaters, der Partner einer Firma von Kaufleuten in Manchester war, lebte seit einigen Generationen in Indien. Ihre Mutter entstammte einer religiösen Familie aus Northumbria und war als Missionarin und Sozialarbeiterin nach Indien gekommen, um die Lebensumstände indischer Frauen zu verbessern.
Murray verbrachte ihre Kindheit und Jugend zwischen Indien und England, mit Ausnahme eines Aufenthalts von 1873 bis 1875 in Bonn, wo sie Deutsch lernte. Sie wurde hauptsächlich von ihrer Mutter unterrichtet. In England hielt sie sich oft bei ihrem Onkel John Murray, dem Pfarrer von Lambourn in Berkshire und späteren Rektor von Rugby, auf, der dann an ihrer Schulbildung arbeitete. Durch ihn lernte sie Alte Geschichte kennen.
Zurück in Indien absolvierte sie ihre erste Ausbildung als Krankenschwester. 1883 erlaubte ihr der Vater eine dreimonatige Tätigkeit als Krankenschwester im Kalkutta General Hospital. Margaret Murray war damit die erste Frau in Indien, der dieses gestattet wurde. Zurück in England 1887 musste sie ihre Hoffnungen auf eine Arbeit als Krankenschwester aufgeben, da sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße von nur 1,45 m (4ft10) als zu klein für diesen Beruf angesehen wurde. Sie arbeitete dann im Sozialbereich, zuerst in Rugby, anschließend in Bushey Heath, Hertfordshire, wo sich ihre Eltern 1887 nach ihrer Rückkehr aus Indien niederließen.
Es dauerte bis Januar 1894, bis Margaret Murray an das University College London ging, das einzige, an dem damals auch Frauen studieren konnten. Sie wollte Archäologie studieren, jedoch war es zu jener Zeit schwierig für Frauen, in diesem Fach ein Diplom zu erhalten. Deshalb wählte sie den Umweg über Linguistik und Anthropologie und studierte ägyptische Hieroglyphen. Vielleicht waren diese Schwierigkeiten der Grund dafür, dass sie sich der Suffragetten-Bewegung anschloss.
Ägyptologin – Assistenz-Professorin – Archäologin
1898 übernahm Murray die Unterrichtung in Hieroglyphen und koptischer Sprache in den Anfängerklassen der ägyptischen Abteilung des University College in London. Flinders Petrie verhalf ihr ein Jahr später zu der sicheren Beschäftigung als Juniorlektor an der Hochschule, obwohl ihr hierzu die formalen Voraussetzungen fehlten. Sie wurde mehrmals befördert, so 1909 zum Assistenten-Lektor und 1921 Senior-Lektor. 1922 wurde sie Fellow.
Nach 1914 leitete sie praktisch die Abteilung, während Petrie in Ägypten war. Da sie nicht genug am College verdiente, gab sie noch zusätzlich Abendunterricht und dehnte ihre Vorlesungen über altägyptische Geschichte, Religion, Sprache und Kultur bis nach Oxford aus. Außerdem katalogisierte sie die ägyptischen Bestände des National Museum of Ireland in Dublin, des Royal Museum in Edinburgh, des Manchester Museum der University of Manchester und des Ashmolean Museum in Oxford.
Sie starb am 13. November 1963 im Alter von 100 Jahren und hatte im selben Jahr noch ihre Autobiographie veröffentlicht.
Entdeckung des Osireion in Abydos
In der Saison 1902/03 hatte Flinders Petrie seiner Frau Hilda die Leitung der Ausgrabungen in Abydos übertragen. Mit dabei waren Margaret Murray, deren Kenntnisse über religiöse Texte für das Kopieren wichtig waren, sowie die Künstlerin Miss F. Hansard für die Zeichnung der Reliefs. Die drei Frauen übernahmen alle notwendigen Aspekte des Unternehmens. In der vorherigen Saison hatte St. G. Caulfeild (Algernon St. George Thomas Caulfield) den langen Gang innerhalb der Einfriedungsmauer (Temenos) teilweise freigelegt. Die großen Sandmassen, die entfernt worden waren, hatten eine riesige Furche wie eine natürliche Schlucht hinterlassen. Petrie hat dieser Fundstätte den Namen „Osireion“ gegeben.
Für den Winter 1903–1904 hatte Flinders Petrie die Erlaubnis erhalten, Margaret Murray in Sakkara diejenigen Gräber der 4. Dynastie kopieren zu lassen, die Auguste Mariette in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgegraben und nur flüchtig aufgezeichnet hatte. Nach Mariettes Tod hatte Gaston Maspero diese unter dem Titel Les Mastabas de l’Ancien Empire veröffentlicht. Es bestand der Wunsch, dass auch von den kleineren und weniger bekannten Mastabas Kopien der Wandzeichnungen und Inschriften erstellt werden sollten. Die Ausgrabungen liefen nominell unter dem Museum von Kairo und Rais Khalifa, so dass Murray einen ägyptischen Aufseher anstellen musste.
Murray wurde durch die erfahrenen Zeichnerinnen F. Hansard und Jessie Mothersole unterstützt.
Sie öffneten insgesamt neun Gräber, von denen sechs bereits von Mariette flüchtig gezeichnet und drei, die bisher nicht erfasst worden waren. Ein Grab kopierten sie im Museum von Kairo. Hilda Petrie half ebenfalls, indem sie einige Inschriften kopierte, die im Hof von Mariettes Haus in Sakkara lagen. Auch Phoebe Slater unterstützte sie, einige der Zeichnungen fertigzustellen, und R. A. Yule mit der Erstellung der Pläne. Murray bedankte sich auch bei Arthur Weigall für seine Unterstützung in vielerlei Hinsicht bei ihrer Arbeit, auf die sie vermutlich sehr stolz war.
Die Übersetzung der Inschriften übernahm später Kurt Sethe und diese wurden 1937 in dem zweiten Band veröffentlicht, an dem auch die Künstlerin Florence Kate Kingsford mitwirkte, die bereits an den Grabungskampagnen 1905 und 1906 teilgenommen hatte.
Die Untersuchung der Mumien von Rifeh
1825 hatte die Literary and Philosophical Society in Leeds bereits das Auswickeln und die Untersuchung einer Mumie durchgeführt. Dies ebnete den Weg für Margaret Murray, die damals die erste weibliche Leiterin der Ägyptischen Abteilung des Manchester Museums war, eine Gruppe für das Studium und die Autopsie von Mumien zusammenzustellen.
Flinders Petrie und Margaret Murray waren davon überzeugt, dass nur durch Studien am Objekt, die auch die Mumien selbst einschlossen, die Bemühungen der Archäologen weiterentwickelt werden konnten. Petrie hatte 1907 in Rifeh das Grab der „zwei Brüder“ entdeckt und der Inhalt des Grabes mit den beiden bemalten Mumiensärgen aus der 12. Dynastie (etwa 1985 bis 1773 v. Chr.) ging an das Manchester Museum. Im Grab der „zwei Brüder“ befand sich ein Papyrus, das von Margaret Murry übersetzt und durch das Manchester Museum 1910 publiziert wurde.