Marcelo José Bordon (* 7. Januar 1976 in Ribeirão Preto, Bundesstaat São Paulo) ist ein ehemaliger brasilianischer Fußballspieler. Der Innenverteidiger spielte von 1999 bis 2010 in der deutschen Bundesliga für den VfB Stuttgart und den FC Schalke 04.
Marcelo José Bordon hat italienische Vorfahren und stammt aus Ribeirão Preto, einer Stadt im Bundesstaat São Paulo. In seiner Jugend spielte er für den Botafogo FC, bevor er 1993 zum FC São Paulo wechselte. Ab 1994 gehörte der körperlich robuste Abwehrspieler zum Kader der Profimannschaft. Im Dezember 1994 gewann Bordon mit seinem Klub durch einen Sieg über Peñarol Montevideo (5:0; 0:3) die Copa Conmebol sowie 1998 die Staatsmeisterschaft von São Paulo.
Im Juli 1999 wechselte Bordon für umgerechnet 4,5 Millionen D-Mark zum VfB Stuttgart in die deutsche Bundesliga. Die Umstellung vom emotionalen brasilianischen Fußball zum taktisch orientierten Fußball gelang ihm eher schleppend. Trainer Ralf Rangnick sah den Hauptgrund in Bordons mäßigen Englischkenntnissen. Nach einer Anpassungsphase wurde er zu einem wichtigen Leistungsträger und avancierte zum Abwehrchef einer teils noch jungen Mannschaft. Während Bordon mit dem VfB Stuttgart in der Saison 2000/01 lange gegen den drohenden Abstieg gekämpft hatte, entwickelten sie sich unter Felix Magath kontinuierlich weiter. 2002/03 wurden die Stuttgarter überraschend Vizemeister und qualifizierten sich für die UEFA Champions League. Mittlerweile galt Bordon als einer der stärksten Innenverteidiger der Bundesliga. Er zeichnete sich durch ungeheure Athletik, ein überragendes Kopfballspiel, große Zweikampfstärke und gutes Spielverständnis aus. Im Gegensatz zu anderen Südamerikanern verzichtete er auf Schnörkel und jegliche Schönspielerei. Bei seiner ersten Champions-League-Teilnahme überstand er mit dem VfB die Gruppenphase und scheiterte im Achtelfinale am FC Chelsea (0:1; 0:0). Eine bemerkenswerte Partie absolvierte Bordon am 26. Spieltag der Saison 2003/04, als ihm beim 4:4 gegen Werder Bremen ein Hattrick gelang. Er traf einmal per Kopf und verwandelte zwei direkte Freistöße. Durch seine Leistungen war Bordon unlängst in das Blickfeld anderer Vereine geraten. Im Januar 2004 teilte er dem VfB Stuttgart mit, dass er seinen bis 2005 datierten Vertrag nicht verlängern und stattdessen zum FC Schalke 04 wechseln werde. Nun entbrannte ein Streit um den Wechselzeitpunkt zwischen Magath, der seinen Abwehrchef nicht vorzeitig ziehen lassen wollte und Schalke-Manager Rudi Assauer, der wiederum einen Wechsel bereits im Sommer anstrebte. Schließlich einigten sich die Verhandlungspartner auf einen Transfer zum 1. Juli 2004. Die Ablösesumme betrug fünf Millionen Euro.
Insgesamt bestritt Bordon 157 Pflichtspiele für den VfB Stuttgart und erzielte dabei 12 Tore.
Bei Schalke unterzeichnete Bordon einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2009, der ihm ein Jahresgehalt von zwei Millionen Euro einbrachte. Der ambitionierte Revierklub hatte darüber hinaus mit Aílton, Mladen Krstajić und Lincoln weitere namhafte Neuzugänge verpflichtet. Bordon übernahm von Beginn an die ihm zugedachte Rolle des Abwehrchefs und bildete mit Krstajić eines der besten Innenverteidiger-Duos der Bundesliga. Über Jahre waren sie das Rückgrat der Schalker Defensive, die bis 2010 viermal die wenigsten Gegentreffer kassierte. In seiner ersten Saison (2004/05) wurde Schalke Vizemeister, hatte allerdings 14 Punkte Rückstand auf den FC Bayern München. Gegen die Bayern unterlagen sie auch am 28. Mai 2005 im DFB-Pokalfinale mit 1:2. Durch seine Ausstrahlung, seine leidenschaftliche und kompromisslose Spielweise verkörperte Bordon den absoluten Siegeswillen, offenbarte jedoch Schwächen im Spielaufbau. Obwohl er abseits des Platzes als konfliktscheu galt, zählte er zu den Führungsspielern und wurde nach dem Karriereende von Ebbe Sand im Sommer 2006 neuer Mannschaftskapitän.
Zu Beginn der Rückrunde 2006/07 übernahm Schalke die Tabellenführung der Bundesliga und galt als aussichtsreichster Titelkandidat – die erste Meisterschaft seit 49 Jahren schien greifbar nah. Doch im Saisonendspurt verspielte die Mannschaft ausgerechnet durch eine 0:2-Niederlage im Revierderby gegen Borussia Dortmund den fast sicher geglaubten Titel. Bis auf Kapitän Bordon und Torhüter Manuel Neuer, die sich als einzige vehement gegen diese Niederlage gestemmt hatten, waren alle Schalker Spieler weit unter ihren Möglichkeiten geblieben. Deutscher Meister wurde der VfB Stuttgart, Schalke erneut nur Zweiter. Nach der verpassten Meisterschaft verlängerte Bordon seinen Vertrag um zwei weitere Jahre bis zum 30. Juni 2011. Bordon spielte weiterhin auf hohem Niveau und erreichte mit fünf Ligatoren in der anschließenden Spielzeit 2007/08 seinen persönlichen Bestwert. Die Königsblauen wurden Dritter und scheiterten im Viertelfinale der Champions League am FC Barcelona (0:1; 0:1).
Wegen anhaltender muskulärer Probleme war Bordon während der sportlich enttäuschenden Saison 2008/09 (Platz 8) deutlich von seiner Top-Verfassung vergangener Jahre entfernt und absolvierte lediglich 23 Bundesliga-Spiele. Auch sein Verhältnis zu Trainer Fred Rutten galt als unterkühlt, weshalb bereits öffentlich über einen vorzeitigen Abschied des zunehmend unzufriedenen Verteidigers spekuliert wurde. Die Unruhe im Klub erreichte einen neuerlichen Höhepunkt, als Bordon das Kapitänsamt am 17. März 2009 überraschend niederlegte. Erst die Entscheidung des FC Schalke, Felix Magath als neuen Trainer zu verpflichten, bewog den zweifelnden Bordon dazu, seine Laufbahn fortzusetzen. Unter Magath gehörte der 33-jährige Routinier während der Saison 2009/10 wieder zu den unverzichtbaren Stammkräften. Angesichts schwindender Spritzigkeit und Athletik versprühte er zwar nicht mehr die furchteinflößende Aura vergangener Jahre, harmonierte aber durch seine souveräne Art gut mit dem jungen Benedikt Höwedes. Schalke spielte überraschend konstant und wurde hinter Bayern München Vizemeister; damit belegte Bordon zum dritten Mal in seiner Schalker Zeit den zweiten Platz.
Am 5. Juli 2010 lösten Bordon und der FC Schalke den ursprünglich bis zum 30. Juni 2011 laufenden Vertrag des Spielers auf. Es hatte bereits seit Monaten Gerüchte über einen möglichen Abschied des Brasilianers gegeben, der sich dem wachsenden Konkurrenzkampf auf der Innenverteidiger-Position nicht mehr stellen wollte. Der Verteidiger bestritt insgesamt 231 Pflichtspiele (18 Tore) für die Königsblauen.
Nach elf Jahren Bundesliga wechselte Bordon in die Qatar Stars League und schloss sich dem al-Rayyan SC an. Die Mannschaft wurde durch den Brasilianer Paulo Autuori trainiert und 2010/11 bestritt Bordon elf Ligaspiele (ein Tor), bevor er seine Laufbahn beendete.
Am 9. Juli 2011 wurde er mit einem Abschiedsspiel in der Veltins-Arena verabschiedet und in die Schalker Ehrenkabine gewählt.
Obwohl Bordon lange Zeit zu den besten Verteidigern der Bundesliga zählte, absolvierte er nur ein Länderspiel für die brasilianische Nationalmannschaft. Am 28. April 2004 wurde er in der Partie gegen Ungarn (4:1) nach 67 Spielminuten eingewechselt. Anschließend gehörte er zwar zum brasilianischen Aufgebot für die Copa América 2004, wurde allerdings von Trainer Carlos Alberto Parreira während des Turnierverlaufs nicht eingesetzt. Die Seleção gewann den Titel.
Staatsmeisterschaft von São Paulo: 1998
UEFA-Intertoto-Cup-Sieger: 2000, 2002
Deutscher Vizemeister: 2003, 2005, 2007, 2010
Copa-América-Sieger: 2004 (ohne Einsatz)
Tor des Monats: Juli 2002, Januar 2007
Berufung in die Schalker Ehrenkabine: 2011
Berufung in die Jahrhundertelf des VfB Stuttgart : 2012