An diesem Tag

Marcel Duchamp

Französisch-amerikanischer Maler und Objektkünstler (1887–1968)

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Marcel Duchamp (Aussprache [maʁsɛl dyʃɑ̃], * 28. Juli 1887 in Blainville-Crevon, Frankreich; † 2. Oktober 1968 in Neuilly-sur-Seine bei Paris, Frankreich), eigentlich Henri Robert Marcel Duchamp, war ein französisch-amerikanischer Maler und Objektkünstler. Er ist Mitbegründer der Konzeptkunst und zählt zu den Wegbereitern des Dadaismus und Surrealismus. Nach ihm ist der Prix Marcel Duchamp benannt.

Henri Robert Marcel Duchamp wurde 1887 als drittes von sechs Kindern des Notars Justin-Isidore „Eugène“ Duchamp (1848–1925) und dessen Frau Marie Caroline Lucie Duchamp, einer Tochter des Malers, Kupferstechers und Schiffmaklers Émile Frédéric Nicolle (1830–1894), in Blainville-Crevon bei Rouen geboren. Duchamps ältester Bruder Gaston, unter dem Pseudonym Jacques Villon (1875–1963) bekannt, widmete sich der Malerei. Sein Bruder Raymond Duchamp-Villon (1876–1918) war ein bedeutender Bildhauer des Kubismus. Von den drei Schwestern Duchamps, Suzanne (1889–1963), Yvonne (* 1895) und Magdelaine (* 1898), war die älteste, Suzanne Duchamp, ebenfalls Malerin. Als Kind spielte er oft mit Suzanne, da die beiden älteren Brüder auswärts in Rouen die Schule besuchten. 1896 erhielt Duchamp sein „Certificat d’étude primaire“ an der Grundschule in Blainville, wurde im Oktober 1897 Internatsschüler an der École Bossuet in Rouen und erhielt Unterricht am Lycée Corneille. 1902, mit 15 Jahren, begann Duchamp zu malen. Seine ersten Bilder waren noch von dem damals herrschenden impressionistischen Malstil beeinflusst. Im darauffolgenden Jahr entstanden Skizzen von seiner Schwester Suzanne und seiner Großmutter sowie unter anderem von Robert Pichon, einem Maler und Freund der Familie aus Rouen.

Im Juli 1904 erhielt Duchamp das „Baccalauréat de philosophie“ am Lycée Corneille in Rouen. Hiernach ging er für einige Monate an die private Kunstschule Académie Julian in Paris, wo er bei seinem Bruder Jacques Villon in der rue Caulaincourt 71 wohnte. Während seiner Studien an der Akademie setzte er sich vorwiegend mit der impressionistischen Malerei auseinander. Im Oktober 1905 meldete er sich freiwillig zum Militär und nutzte ein Gesetz aus, das Ärzten, Rechtsanwälten, Facharbeitern und Handwerkern eine von drei auf ein Jahr verkürzte Militärdienstzeit garantierte. Seine Tätigkeit als Kunsthandwerker (ouvrier d’art) konnte er nachweisen, da er ab Mai 1905 in Rouen, wohin seine Eltern gezogen waren, bei der Imprimerie de la Vicomte eine Lehre begann, die er nach fünf Monaten erfolgreich abschloss. Sein grafisches Prüfungswerk bestand aus Druckerpressenabzügen einer Radierung seines Großvaters Émile Nicolle. Nach dem Ende des Wehrdiensts im Oktober 1906 kehrte er nach Paris zurück und nahm sich eine Wohnung in der rue Caulaincourt 65. In der nächsten Zeit versuchte er sich als Illustrator.

Von Juli 1908 bis Oktober 1913 lebte er in Neuilly in der Nähe seines älteren Bruders Jacques Villon, der in Puteaux wohnte. In dessen Garten kamen ab 1911 immer sonntags neben seinen Brüdern Künstler und Schriftsteller wie Albert Gleizes, Henri Le Fauconnier, Roger de La Fresnaye, Jean Metzinger und Guillaume Apollinaire zusammen; die Treffen führten zur Bildung der sogenannten Puteaux-Gruppe.

1909 nahm Duchamp in Paris an der Ausstellung des Salon des Indépendants, die vom 25. März bis 2. Mai dauerte, mit zwei Bildern teil, wovon eines die Landschaft von 1908 war. Für die vom 1. Oktober bis 8. November stattfindende Ausstellung des Salon d’Automne trug Duchamp drei Werke bei, darunter die Werke Auf den Klippen von 1908 und Saint Sébastien von 1909, das im damaligen Katalog zur Ausstellung unter dem Titel Veules (Eglise) aufgeführt wurde. Nachdem er einige Zeit Karikaturen für mehrere Zeitschriften gezeichnet hatte, wandte er sich wie seine Brüder 1911 dem Kubismus zu. Im selben Jahr freundete er sich mit Guillaume Apollinaire und Francis Picabia an. Wie Francis Picabia, Albert Gleizes, Juan Gris und sein Bruder Jacques Villon war Marcel Duchamp Mitglied der Section d’Or sowie der Puteaux-Gruppe.

Ende Juni 1912 fuhr Duchamp auf Vorschlag des deutschen Malers Max Bergmann, den er aus Paris kannte, nach München, wo er knapp drei Monate blieb („Mein Aufenthalt in München war der Ort meiner völligen Befreiung.“). Beim Besuch des Deutschen Museums und der Bayerischen Gewerbeschau fand er wichtige technische Details als Inspiration für seine Arbeit. Er verschickte Postkarten vom Hofbräuhaus und vom Nymphenburger Schloss und ließ sich von Heinrich Hoffmann fotografieren.

Auch besuchte er oft die Alte Pinakothek und sah die Gemälde Lucas Cranachs, die er schätzte und die einen Einfluss auf sein in München entstandenes letztes kubistisches Gemälde Die Braut hatten. Ferner begann er mit den Studien für Die Neuvermählte/Braut wird von ihren Junggesellen entkleidet, sogar (oder: Großes Glas).

Mit Constantin Brâncuși und Fernand Léger besuchte Duchamp im Herbst des Jahres 1912 die Luftfahrtschau im Pariser Grand Palais. Duchamp bemerkte zu Brâncuşi angesichts der technischen Innovationen: „Die Malerei ist am Ende. Wer kann etwas Besseres machen als diese Propeller? Du etwa?“ Angesichts der perfekten industriellen Form hatte der Besuch auf die Gruppe eine ähnliche Wirkung wie etwas früher afrikanische Masken auf Pablo Picasso. Duchamp gab die Malerei auf und schuf sein erstes Readymade Roue de bicyclette (Fahrrad-Rad), Brâncuşis polierte Skulpturen näherten sich der Industrieform, während Léger sich mit der Theorie befasste, wie die Kunst in den Stand versetzt werden könne, die Schönheit der Maschinen zu erreichen.

Duchamps Abschied von der „retinalen Malerei“ ging einher mit einer Hinwendung zu literarischen Quellen. „Ich spürte, daß es für einen Maler viel besser war, von einem Schriftsteller beeinflusst zu werden, als von einem anderen Maler.“ Im Mai 1912 begleitete er seinen Freund Apollinaire sowie Francis und Gabrielle Picabia zu einer Aufführung von Raymond Roussels Stück Eindrücke aus Afrika im Pariser Théâtre Antoine. „Es war grundlegend Roussel“, so erklärte Duchamp rückblickend in einem Gespräch von 1946, „der für mein Glas Die Braut von ihren Junggesellen nackt entblößt, sogar verantwortlich war.“ Einen anderen bedeutsamen Einfluss übte die Linguistik Jean-Pierre Brissets auf Duchamp aus. „Brisset und Roussel waren die beiden Männer, die ich in jenen Jahren am meisten bewunderte wegen ihres Phantasiedeliriums.“

Anfang November 1912 besuchten die amerikanischen Künstler Arthur B. Davies und Walt Kuhn Pariser Galerien, Ateliers und Privatsammlungen, sie waren auf der Suche nach Werken moderner Kunst für ihre geplante große Ausstellung, die Armory Show, in New York. Sie erhielten Hilfe durch den amerikanischen Maler Walter Pach, der seit 1907 in Paris lebte und fließend Französisch und Deutsch sprach. Pach verschaffte ihnen Zugang zu den Ateliers der Maler, führte sie in den Kunstsalon von Gertrude und Leo Stein ein und machte sie mit den Duchamp-Brüdern in Puteaux bekannt. Sie wählten mehrere Werke der Brüder für die Ausstellung aus, darunter vier von Marcel Duchamp. Im April 1913 nahm Duchamp nach einem erfolgreich absolvierten Kursus in Bibliothekswissenschaft seine Arbeit als Bibliotheksassistent an der Bibliothek Sainte-Geneviève in Paris auf.

Nachdem das Bild Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2 (Nu descendant un escalier no.2) aus dem Jahr 1912 im selben Jahr vom Salon des Indépendants in Paris zurückgewiesen worden war, da es über das Programm der Kubisten um Gleizes und Metzinger hinausging, waren die Auswirkungen der Ablehnung für Duchamp von Dauer: „Es war ein wirklicher Wendepunkt in meinem Leben“, so zitiert ihn sein Biograf Calvin Tomkins, der ihn 1959 anlässlich eines Interviews für die Newsweek kennengelernt hatte. „Ich sah, daß ich mich danach nie mehr allzusehr für Gruppen interessieren würde“.

Ein Jahr später wurde das von Duchamp im kubistischen Stil mit gleichzeitigen futuristischen Elementen gemalte, stark von Eadweard Muybridges Bildfolge Woman walking downstairs beeinflusste Nude Descending a Staircase (No. 2) auf der Armory Show 1913 in New York gezeigt. Dort waren die avantgardistischen Stilströmungen Europas vom Impressionismus bis zur abstrakten Malerei erstmals in einer großen Ausstellung in den Vereinigten Staaten vertreten. Duchamp verwandelte das unbewegte Bild in ein scheinbar bewegtes und löste damit heftige Diskussionen aus, es machte ihn dort auf einen Schlag zu einer bekannten Persönlichkeit, da es das amerikanische Publikum provozierte. Duchamp war auf der Messe nicht anwesend; als einziger Künstler der europäischen Avantgarde war Francis Picabia mit seiner Frau Gabrielle vor Ort, der seinen Freunden von dem großen Ereignis berichtete. Duchamps insgesamt vier ausgestellte Werke wurden verkauft, als letztes fand der Akt, eine Treppe herabsteigend, für 342 Dollar einen Liebhaber. Gegenwärtig ist das Werk im Philadelphia Museum of Art ausgestellt.

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