An diesem Tag

Marc Jongen

Deutscher Politiker (AfD), MdB/MdEP, und Philosoph

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Marc Stephan Jongen (* 23. Mai 1968 in Meran, Italien) ist ein Politiker der AfD und Dozent. Er hat die deutsche, niederländische und italienische Staatsbürgerschaft. Er gilt als „Parteiphilosoph“, „Chefideologe“ oder „Vordenker“ der AfD. Er war von März 2017 bis Februar 2019 Landessprecher der AfD Baden-Württemberg und ist seither stellvertretender Landessprecher. Seit 2024 ist Jongen Mitglied des Europäischen Parlaments, zuvor war er von 2017 bis 2024 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Jongen wuchs in Lana in Südtirol auf. Über seinen Vater hat er die niederländische, über seine Mutter die italienische Staatsbürgerschaft. Er studierte 1987/1988 Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und danach bis 1995 Philosophie sowie eine Fächerkombination aus Indologie, Geschichte, Germanistik und Wissenschaftstheorie an der Universität Wien. Nach einem dreimonatigen Indienaufenthalt legte er 1996 seine Magisterarbeit mit dem Titel Das Wesen spiritueller Erkenntnis erschlossen aus dem Advaita Vedanta Shri Shakaracharyas vor, die überarbeitet 1998 im Verlag Eugen Diederichs erschien. Darin heißt es: „Der spirituelle Standpunkt ist der einzige, von dem aus ein Ausweg aus der gegenwärtigen Krise der Menschheitsentwicklung sich zeigen kann, der einzige, von dem aus eine grundlegende Erneuerung unseres Wissens, unserer Kultur und Gesellschaft – nämlich im Sinne der Wiederherstellung des Uralten – möglich ist.“

In den Jahren zwischen 1996 und 1999 war er Kulturredakteur der Neuen Südtiroler Tageszeitung in Bozen und arbeitete an einer „Philosophie der Astrologie“. 1999 begann er ein Doktoratsstudium an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe als Stipendiat der Leopold-Ziegler-Stiftung. Von 2001 bis 2003 war Jongen Landesgraduiertenstipendiat des Landes Baden-Württemberg. 2009 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert.

2011 erhielt Jongen die deutsche Staatsangehörigkeit.

Von 2003 bis 2017 war Jongen wissenschaftlicher Mitarbeiter für Philosophie und Ästhetik an der

Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG Karlsruhe). Seit 2017 ruht das Beschäftigungsverhältnis aufgrund von Jongens Bundestagsmandat. Zuvor hatte er die Verstetigung seiner Stelle gegen den Willen der Hochschule gerichtlich eingeklagt.

Während dieser Zeit entstand auch Jongens Dissertation mit dem Titel Nichtvergessenheit. Tradition und Wahrheit im transhistorischen Äon. Umrisse einer hermetischen Gegenwartsdeutung im Anschluss an zentrale Motive bei Leopold Ziegler und Peter Sloterdijk. Die Arbeit, so Jongen in seiner Einleitung, enthalte „gewissermaßen eine Wette darauf, dass wir gegenwärtig einem Weltalterwechsel assistieren, der Ausblicke in einen transhistorischen Äon oder Zeit-Raum freigibt, im Zuge dessen auch das gesamte überlieferte Material einer grundsätzlichen Revision unter den Auspizien eines gewandelten Zeitbewusstseins und epistemologischen Regimes insgesamt unterzogen wird“. Für diese Revision der gesamten philosophischen Überlieferung böten Ziegler und Sloterdijk die geeigneten „Theoriemittel“: „Während uns Ziegler die […] Stimme Alteuropas ist, […], ist uns Sloterdijk das Medium des Weltgeists auf seinem zeitgenössischem Stand“. Die Arbeit wurde von Peter Sloterdijk betreut und mit summa cum laude bewertet. Sie wurde nie als Buch veröffentlicht. Seine ebenfalls bei Sloterdijk geplante Habilitation hat Jongen abgebrochen.

Bis 2015, dem Ende der Amtszeit Sloterdijks als Rektor, war Jongen dessen Assistent. Von 2011 bis 2015 gab er die Reihe HfG Forschung heraus. In einem Beitrag zu einer Festschrift zu Sloterdijks 60. Geburtstag bescheinigte Jongen diesem einen „Seminar- und Vortragsstil“ mit „Merkmalen dessen, was in Indien ‚Satsang‘ genannt wird: Zusammenkunft von Wahrheitssuchern bei einem spirituellen Meister“.

Sloterdijk wiederum hat sich 2016 von seinem ehemaligen Assistenten Jongen in einem Interview öffentlich distanziert: „Er dürfte sich vielleicht als mein Schüler bezeichnen, wenn er in seiner Assistentenzeit wenigstens ein einziges vorzeigbares Buch geschrieben hätte. So aber bleibt es nur bei falschen Zitaten.“ 2018 beantwortete Sloterdijk die Frage, ob es eine gemeinsame Basis („common ground“) zwischen ihm und Jongen gäbe, gegenüber dem New Yorker mit einem klaren Nein und nannte Jongen einen „kompletten Hochstapler“ („a complete impostor“). Jongen habe seine akademischen Ziele aufgegeben, und die Politik sei nun ein Ausweg für ihn. Sloterdijk kritisierte 2020 zudem, Jongen habe sein Konzept von Eros und Thymos falsch interpretiert, und gab an, seit Längerem keinen Kontakt mit ihm zu haben.

Mitte Oktober 2017 hielt Jongen im Hannah Arendt Center des Bard College in New York einen Vortrag zum Thema „Does Democracy Need to be More Populist?“ anlässlich der Konferenz „Crises of Democracy: Thinking in Dark Times“. Jongens Einladung als Vortragsredner durch das Hannah Arendt Center wurde von Professoren in den USA kritisiert. Inhalt und Form des Vortrags wurden auch in der deutschen Presse negativ beurteilt: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte Jongens Ausführungen „philosophisch dürftig“, die Zeit verglich sie mit einer „Bierzeltrede“, die „allein aus politisch-agitatorischen Behauptungen, die sich in ähnlicher Form im Parteiprogramm der AfD wiederfinden“, bestünde.

Jongen trat im April 2013 in die Alternative für Deutschland ein. Auf dem Gründungsparteitag des Landesverbandes Baden-Württemberg wurde er als Beisitzer in den Vorstand gewählt. Im Januar 2014 wurde er stellvertretender Sprecher der AfD Baden-Württemberg und im Januar 2015 Mitglied der Bundesprogrammkommission. Zur Bundestagswahl 2013 stand er auf Platz 10 der Landesliste und war Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Karlsruhe-Stadt. 2014 wurde er vom Bundesparteitag auf Platz 8 der Kandidatenliste zur Europawahl gewählt, war damit erster Nachrücker, und verzichtete später zugunsten von anderen. Im März 2017 wurde Jongen in Sulz am Neckar vom Landesparteitag neben Ralf Özkara zu einem der beiden Landessprecher der AfD Baden-Württemberg gewählt.

Zur folgenden Bundestagswahl 2017 am 24. September zog Jongen über Platz 3 der Landesliste der AfD Baden-Württemberg in den 19. Bundestag ein. Zudem erhielt Jongen als Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Neckar-Zaber 12,6 % der Erststimmen und war damit Drittplatzierter im Wahlkreis. Jongen galt im Januar 2018 vorübergehend als Kandidat der AfD für den Vorsitz des Kulturausschusses. Am 23. Januar wurde Jongen zum kulturpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion gewählt.

Jongen war Mitglied des Vorstands der AfD-nahen Gustav-Stresemann-Stiftung die als Parteinahe Stiftung der AfD in der Diskussion war. Nach Angaben des Stiftungsvorsitzenden Rainer Gross war Jongen für die inhaltliche Arbeit der Stiftung verantwortlich. Außerdem ist er Vorstandsmitglied des AfD-nahen Johann-Gottfried-Herder-Verein für Demokratie in Bonn. Nachdem der AfD-Vorstand sich im April 2018 für die Desiderius-Erasmus-Stiftung als zukünftige Parteistiftung entschieden hatte, berichtete Tagesschau.de, dass Jongen, „der in der neurechten Szene als promovierter Philosoph anerkannt ist, dem Vorstand angehören“ soll. Seit Juli 2018 ist Jongen Mitglied des Kuratoriums der Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Im 19. Deutschen Bundestag war Jongen Obmann im Ausschuss für Kultur und Medien. Als ordentliches Mitglied gehörte er dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ an. Jongen ist als stellvertretendes Mitglied im Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung vertreten.

Bei der Bundestagswahl 2021 wurde er über Platz 3 der Landesliste erneut in den Deutschen Bundestag gewählt.

Am 18. Juni 2022 wurde Jongen zum Beisitzer im AfD-Bundesvorstand gewählt und 2026 bestätigt.

Jongen wurde im Juli 2023 auf einem Europaparteitag in Magdeburg auf Listenplatz 6 als AfD-Kandidat zur Europawahl 2024 gewählt, womit er ein Mandat erreichte. Am 15. Juli 2024 schied er daher aus dem Bundestag aus, Nachrücker war Volker Münz.

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