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Marc-Antoine Charpentier

Französischer Komponist

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Marc-Antoine Charpentier [maʁk ɑ̃ˈtwan ʃaʁpɑ̃ˈtje] (* um 1643 in Paris; † 24. Februar 1704 ebenda) war ein französischer Komponist zur Zeit Ludwigs XIV. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Hauptthema aus dem Präludium seines Te Deum (H. 146), das heute als Fanfare bei Fernseh-Übertragungen im Rahmen der Eurovision verwendet wird.

Charpentiers Ausbildung in Italien bei dem berühmten Oratorienkomponisten Giacomo Carissimi versetzte ihn nach seiner Rückkehr nach Paris in eine Außenseiterrolle, da der königliche Surintendant Jean-Baptiste Lully seinen Einfluss auf den König Ludwig XIV. nutzte, einem von ihm mitentwickelten „französischen Stil“ die Vorherrschaft zu sichern und Musik mit italienischen Stileigenschaften Widerstände entgegenzubringen. Nach dem Tode seiner Gönnerin Mademoiselle de Guise, in deren Palast Charpentier 17 Jahre lang gelebt, gesungen und unter anderem die Musik für die Andachten der Prinzessinnen von Guise komponiert hatte, fand er Anstellung bei den Jesuiten: Er wurde maître de musique am Collège Louis-le-Grand und an der Kirche Saint-Louis. Obwohl er immer wieder vom königlichen Hof Aufträge erhielt und den späteren Herzog von Orléans und Regenten Philippe de Chartres unterrichtete, kam es nicht zu einer Anstellung am Hof. In seinen letzten Jahren versah er allerdings das prestigeträchtige Amt des maître de musique der Sainte-Chapelle.

Charpentiers Werk umfasst alle zu seiner Zeit gängigen Gattungen und ist in seiner Gestaltung sehr vielfältig. Er stellte in seiner Musik den italienischen und den französischen Stil gegenüber und schuf Verbindungen, womit er den Goûts réunis von François Couperin vorwegnahm. Italienisch ist vor allem sein freier Umgang in der Harmonik, französisch etwa die präzise Deklamation in Bühnenwerken. Er führte das lateinische Oratorium in Frankreich ein, was jedoch ohne Nachfolge blieb. Als einziger französischer Komponist bemühte er sich um die konzertierende Messe. Neben den großen, teilweise pompösen Motetten stehen die Petits Motets, in denen die jesuitische Spiritualität intensiven Ausdruck erfährt.

Charpentiers Geburtsjahr ist unbekannt, lange wurde es auf 1634 datiert. Dies widerspricht jedoch seiner Studienzeit in Rom, wo er den Komponisten Charles Coypeau Dassoucy traf, der sich dort zwischen 1662 und 1669 aufhielt, die letzten beiden Jahre davon allerdings im Gefängnis. Geht man von einem Studienaufenthalt Charpentiers während seiner Jugend aus, so ist seine Geburt in den 1640er-Jahren anzusetzen. Ein Inventar angefertigt zum Anlass des Todes von Charpentiers Vater vom 16. Januar 1662 gibt in Übereinstimmung damit das Alter des Sohnes als etwa achtzehnjährig an.

Manche seiner Vorfahren hatten offizielle Ämter in den Häusern der Guise und Orléans inne. Sein Vater Louis Charpentier erbte ein Haus in Nivernais im Herzogtum der Gonzaga-Nevers, einem Cousin der Mademoiselle de Guise, die den Komponisten künftig fördern sollte. Louis Charpentier arbeitete als Kopist, womit ihm oblag, Fälschungen zu identifizieren und Abschriften anzufertigen. Durch seinen Tod im Jahr 1662 wurde Marc-Antoine Waise. Kurz darauf heiratete die ältere Schwester Elisabeth den Tanzlehrer und Instrumentalisten Jean Édouard, der somit in Frage kommt, den Schwager unterrichtet zu haben.

Die Ursache für Charpentiers Reise nach Rom in der Zeit um 1666 bis 1669 ist nicht bekannt. Während in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zahlreiche Maler von Frankreich nach Italien reisten, um sich auszubilden, war eine solche Studienreise für französische Komponisten nicht üblich, Charpentier eine Ausnahme. In seiner Biographie universelle des musiciens nannte François-Joseph Fétis im späten 19. Jahrhundert das Interesse an Malerei als Beweggrund Charpentiers; später wurde eine Verwandtschaft mit Malern und Bildhauern desselben Nachnamens in Erwägung gezogen. Ebenfalls spekulativ ist die Überlegung, dass die kostspielige Studienreise bereits von der Mademoiselle de Guise finanziert wurde.

Die Herausgeber des Mercure galant, Jean Donneau de Visé und Thomas Corneille, die mit Charpentier zusammenarbeiteten, bewarben den Komponisten, der in Rom bei Giacomo Carissimi gelernt hätte, den er oftmals konsultiert hätte. Vermutlich folgten sie damit Charpentiers Bedürfnis, sich zu profilieren als jemand, der seine Kenntnisse der italienischen Musik aus erster Hand empfangen hatte. Carissimi durfte zwar keine Privatschüler unterrichten, was aber nicht ausschließt, dass Charpentier ihn oftmals besuchte. Carissimi war 1649 durch sein Oratorium Jephte in ganz Europa berühmt geworden und galt noch nach seinem Tod als einer der größten Komponisten seines Jahrhunderts. Zur Zeit von Charpentiers Aufenthalt in Rom war Carissimi an Sant’Apollinare angestellt, der Kapelle des Jesuitischen Collegium Germanicum, damals einer der größten Erziehungsanstalten. Zu seinen Aufgaben gehörte neben der Organisation der musikalischen Aktivitäten der Kirche der Unterricht am Collegium. Zu seinen Schülern gehörten die später bedeutenden Komponisten Giovanni Paolo Colonna, Johann Kaspar Kerll, Johann Philipp Krieger und Christoph Bernhard. Nach Sébastien de Brossard soll Charpentier Werke von Carissimi nach dem Gehör niedergeschrieben und nach Frankreich verbreitet haben.

Die Rückreise könnte Charpentier durch das Rhone-Tal geführt haben. Das Musée Calvet in Avignon bewahrt eine Kantate mit zweifelhafter Zuschreibung an Charpentier.

Wahrscheinlich nahm Charpentier nach seiner Rückkehr nach Paris Kontakt mit geistlichen Musikern auf, die die italienische Tradition in Frankreich am Leben erhielten, als Jean-Baptiste Lully königlicher Surintendant wurde an der Spitze einer hierarchischen Struktur des Musikbetriebes. Lully vertrat die Gegenposition zu Charpentier in einer Debatte, die durch Gegensätze wie Einfachheit versus Komplexität, Natürlichkeit versus Künstlichkeit bestimmt war. Lully prägte das französische Musikleben mit Opern, die der Deklamation im klassischen französischen Drama sorgsam folgten und verglichen mit italienischen Arien einen gezügelteren Gefühlsausdruck zeigen. Seine Musik galt als perfekter Ausdruck des „guten Geschmacks“ in subtiler Mischung aus Klarheit, Einfachheit und Ausdruck. Er nutzte seinen Einfluss auf den König Ludwig XIV., der darauf die italienische Troupe du Cabinet entließ.

Von 1661 bis 1671 arbeitete der Dramatiker Molière mit Lully an einer Serie von Bühnenwerken, in denen Musik und Tanz eine zunehmende Bedeutung erhielten und eng an die gesprochene Komödie geknüpft wurden. 1671 kam mit Pomone die erste französische Oper auf die Bühne, eine Kollaboration des Dichters Pierre Perrin mit dem Komponisten Robert Cambert. Als der Dichter wegen finanzieller Schwierigkeiten ins Gefängnis kam, nutzte Lully seinen Einfluss beim König, um das Privileg für Opern-Akademien von Perrin zu übernehmen. Dem neuen Leiter der Académie Royale de Musique musste fortan jegliche Aufführung eines Schauspiels mit Musik zur Genehmigung vorgelegt werden, zusätzlich waren komplett vertonte Bühnenwerke und solche mit mehr als zwei Arien und zwei Musikinstrumenten Lully vorbehalten. Die letzte Regelung konnte Molière, der eigentlich selbst einen Opernbetrieb etablieren wollte, durch seinen Kontakt zum König zu Fall bringen, weitere Zusammenarbeiten mit Lully kamen für ihn nun nicht mehr in Frage.

Der Autor mit seiner Vorliebe für italienische Komödie wandte sich nun an den in Italien ausgebildeten Charpentier, der für die Aufführung von La Mariage forcé (1672) am Palais Royal die Bühnenmusik beisteuerte. Lully reagierte und brachte den König dazu, ein Verbot auszusprechen für Theatertruppen, mehr als sächs Sänger oder mehr als zwölf Violinen und Instrumentalisten auf die Bühne zu bringen. Da Molière weiterhin erfolgreich blieb, erbat sich Lully die Erlaubnis, nicht nur seine Arien, sondern auch die dramatischen Werke, für die sie entstanden waren, alleinig veröffentlichen zu dürfen, weshalb Molière sich auf eine neue Produktion konzentrieren musste: die Komödie mit Musik und Tanz Le Malade imaginaire (uraufgeführt 1673) mit Musik von Charpentier. Molière, der selbst als Schauspieler mitwirkte, starb nach der vierten Aufführung; nach einer Pause folgten fünf weitere. Lully übernahm nun das Palais Royal für seine Académie Royale de Musique; die erlaubte Besetzung für Konkurrenten wurde erneut reduziert auf zwei Stimmen und sechs Violinen, sodass Charpentier für weitere Aufführungen seines Malade imaginaire die Partitur umarbeiten musste. 1674 wohnte der König einer Aufführung des Stückes bei. Nach Molières Tod setzte Charpentier die Zusammenarbeit mit der Schauspieltruppe Troupe du roi, ab 1682 Comédie-Française genannt, bis 1686 fort.

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