Marc-André Fleury (* 28. November 1984 in Sorel, Québec) ist ein ehemaliger kanadischer Eishockeytorwart. Zwischen 2003 und 2025 bestritt er über 1000 Partien für vier Teams in der National Hockey League (NHL). Er gilt als einer der besten Torhüter der Ligageschichte, so wird er in absolvierten Spielen und Siegen (575) nur von Martin Brodeur übertroffen.
Beim NHL Entry Draft 2003 wurde Fleury an erster Stelle von den Pittsburgh Penguins ausgewählt. Nach dem Erreichen der Finalserie 2008 gewann er in den Playoffs 2009 seinen ersten Stanley Cup mit dem Team. Diesem folgten zwei weitere Erfolge in den Jahren 2016 und 2017. Insgesamt verbrachte er 13 Jahre in Pittsburgh und hält dort zahlreiche Franchise-Rekorde, unter anderem für die meisten Einsätze, Siege und Shutouts. Anschließend verbrachte er vier Jahre bei den Vegas Golden Knights, die ihn im NHL Expansion Draft 2017 ausgewählt hatten. Mit diesen erreichte er in den Playoffs 2018 abermals das Endspiel, unterlag dort allerdings den Washington Capitals, und gewann in deren Trikot im Jahre 2021 die William M. Jennings Trophy sowie die Vezina Trophy als bester Torhüter der NHL. Ferner war er gegen Ende seiner Karriere für die Chicago Blackhawks und die Minnesota Wild aktiv.
Auf internationaler Ebene gewann Fleury mit dem Team Canada bei den Eishockey-Juniorenweltmeisterschaften 2003 und 2004 jeweils die Silbermedaille. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 stand er im Aufgebot der kanadischen Nationalmannschaft und gewann mit dieser die Goldmedaille.
Ligue de hockey junior majeur du Québec (bis 2003)
Marc-André Fleury begann im Alter von sechs Jahren in seiner Heimatstadt Sorel-Tracy mit dem Eishockeyspielen, nachdem seine Tante ein Jahr zuvor begonnen hatte, mit ihm auf der Straße zu trainieren. Er entschied sich dabei schnell für die Torwartposition, da er nach eigenen Angaben kein guter Torschütze war und im Tor außerdem nicht ausgewechselt wurde. Nachdem er bei mehreren Juniorenvereinen in seiner Heimatstadt aktiv gewesen war, wechselte er an das Collège Charles-Lemoyne in Longueuil und spielte als Torwart in der dortigen Schulmannschaft, den Riverains du Collège Charles-Lemoyne, in der Midget-AAA-Liga der Provinz Québec. Dabei blieb er unter anderem einmal 126 Minuten am Stück ohne Gegentor. Im Jahr 2000 wurde Fleury im Midget Draft der Ligue de hockey junior majeur du Québec an 16. Position von den Cape Breton Screaming Eagles aus der Provinz Nova Scotia ausgewählt.
Daraufhin wechselte er im Alter von 15 Jahren ans Cape Breton, das etwa 1200 Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt liegt. Zusätzlich musste sich Fleury, der im französischsprachigen Québec aufwuchs, zunächst auf die englische Sprache in Nova Scotia umstellen. Sein erstes Spiel in der höchsten Juniorenliga Québecs bestritt er am 23. September 2000 gegen die Castors de Sherbrooke, das die Screaming Eagles mit 0:6 verloren. Am Ende seiner Rookie-Saison hatte Fleury 35 Spiele absolviert und dabei zwölf Siege verzeichnet. In den Play-offs besiegte seine Mannschaft zunächst die Saguenéens de Chicoutimi in sieben Spielen, schied allerdings in der folgenden Runde aus. Im Verlauf der Play-offs stand Fleury aber nur gut 30 Minuten auf dem Eis.
In der Saison 2001/02 wurde Marc-André Fleury zum Stammtorhüter bei den Screaming Eagles und absolvierte 55 Spiele in der regulären Saison, in denen ihm 26 Siege und eine Fangquote von 91,5 Prozent gelangen. Auf dem dritten Platz der Division Maritimes war die Mannschaft für die Play-offs qualifiziert und besiegte dort in den ersten beiden Runden den Drakkar de Baie-Comeau und die Halifax Mooseheads, bevor Fleurys Team wie im Vorjahr auf die Acadie-Bathurst Titan traf. Gegen das Team aus New Brunswick schieden die Screaming Eagles allerdings erneut in fünf Spielen aus. In den Play-offs bestritt Fleury alle Einsätze für seine Mannschaft.
In der folgenden Saison der LHJMQ wurde Marc-André Fleury im Januar 2003 zum CHL Top Prospects Game eingeladen, bei dem jährlich die 40 für den kommenden NHL Entry Draft am höchsten eingeschätzten Spieler auflaufen. Nach Ablauf der regulären Saison wurde er außerdem mit dem Trophée Michael Bossy ausgezeichnet, der an den Spieler der Liga vergeben wird, dem die höchsten Chancen in der National Hockey League eingeräumt werden. Aufgrund seiner Leistungen in der Saison wurde Fleury auch zum Defensiven Spieler des Jahres und in das Second All-Star Team der LHJMQ gewählt. Auch von der Dachorganisation der höchsten drei kanadischen Juniorenligen, der Canadian Hockey League, wurde er in das dritte All-Star Team gewählt. Obwohl er mit diesen Auszeichnungen bei der Preisverleihung der Trophäen zu den erfolgreichsten Spielern der Liga gehörte, konnte Fleury mit den Screaming Eagles in den Play-offs nicht überzeugen, wo die Mannschaft gegen den Divisionskonkurrenten Halifax Mooseheads in der ersten Runde gesweept wurde, also ausschied, ohne ein einziges Spiel zu gewinnen.
Anfänge in der NHL und Lockout (2003–2005)
Vor dem NHL Entry Draft 2003, bei dem sich die 30 Mannschaften der National Hockey League die Rechte an Juniorenspielern sicherten, galt Fleury als einer der am höchsten eingeschätzten Kandidaten, an erster Stelle ausgewählt zu werden. Der Draftjahrgang wurde später als einer der besten der Ligageschichte bezeichnet. Eigentlich hätten die Florida Panthers als Gewinner der Draft Lottery an erster Stelle gezogen, doch wenige Stunden vor der Veranstaltung gaben sie diesen Draftpick gemeinsam mit ihrem Drittrunden-Wahlrecht an die Pittsburgh Penguins ab, die dafür zwei Draftpicks für die dritte und 55. Gesamtposition sowie den Stürmer Mikael Samuelsson nach Florida transferierten. Beim Entry Draft wählten die Penguins schließlich Marc-André Fleury als Gesamtersten aus. Er war damit nach Rick DiPietro, der 2000 gedraftet worden war, erst der zweite Torhüter in der Geschichte der NHL Entry Drafts, der an erster Position ausgewählt wurde.
Fleury unterzeichnete am 6. Oktober 2003, vier Tage vor Saisonbeginn, einen leistungsorientierten Vertrag mit den Pittsburgh Penguins. Zunächst wohnte er nach seiner Berufung in den NHL-Kader bei der Familie von Mario Lemieux, dem Eigentümer des Franchise, bis er eine eigene Wohnung gefunden hatte. Sein NHL-Debüt gab der Torwart zum Saisonauftakt der NHL 2003/04 gegen die Los Angeles Kings. Dabei wehrte Fleury 46 von 48 Schüssen auf sein Tor ab, darunter auch einen Penalty Shot von Esa Pirnes. Obwohl die Penguins das Spiel mit 0:3 verloren, wurde Fleury im Anschluss in einem Zuschauer-Voting zum First Star des Spiels gewählt. Er war damit einer von nur drei Torhütern in den 2000er-Jahren, die mit 18 Jahren zu ihrem NHL-Debüt kamen. Seinen ersten Sieg konnte er im nächsten Spiel, einem 4:3 gegen die Detroit Red Wings, verzeichnen. Ende des Monats gelang ihm gegen die Chicago Blackhawks dann das erste Shutout, ein Spiel ohne Gegentor, seiner NHL-Karriere. Für seine starken Leistungen im ersten Monat der Saison wurde Fleury zum Rookie des Monats Oktober gewählt.
Im Laufe der Spielzeit ließen seine Leistungen allerdings nach und er kehrte, nachdem er 21 Spiele in der NHL bestritten hatte, Ende Januar 2004 zu seinem Juniorenteam in die LHJMQ zurück. Damit verpasste er die notwendigen Kriterien für einen Gehaltsbonus, der ihm 3 Millionen Dollar eingebracht hätte. Fleury bestritt zu Saisonende zehn Spiele für die Screaming Eagles, von denen das Team acht gewann. Damit stand die Mannschaft zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf dem ersten Platz der Division und erhielt damit ein Freilos für die erste Runde der Play-offs. In der zweiten Runde traf sie auf die Saguenéens de Chicoutimi, wo die Screaming Eagles ihrer Favoritenrolle allerdings nicht gerecht wurden. Zwar gewannen sie das erste Spiel der Serie, schieden aber schließlich nach fünf Spielen aus.
Wenige Tage nach dem letzten Spiel in der LHJMQ wurde Marc-André Fleury erstmals in den Kader der Wilkes-Barre/Scranton Penguins, dem Farmteam der Pittsburgh Penguins in der American Hockey League, berufen. Diese starteten wenige Tage später in die Play-offs um den Calder Cup, den Titel der AHL. Nachdem Fleury dort das erste Spiel, eine 4:5-Niederlage nach Overtime, für die Penguins bestritt, wurde er im Tor wieder von Andy Chiodo abgelöst und war für den Rest der Play-offs Reservist. Nach Siegen gegen die Bridgeport Sound Tigers, die Philadelphia Phantoms und den Hartford Wolf Pack in den ersten drei Runden der Play-offs gelang es den Penguins, in die Finalserie um den Calder Cup einzuziehen. Dort wurden die Penguins allerdings von den Milwaukee Admirals gesweept. Dabei kam Fleury erneut zum Einsatz, als er im letzten Spiel der Finalserie eingewechselt wurde. Allerdings konnte er eine 2:7-Niederlage nicht mehr verhindern.