An diesem Tag

Mapuche

Indigenes Volk, welches das historische Gebiet der Araucanía in den heutigen Staaten Chile und Argentinien bewohnt

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Die Mapuche (früher zusammen mit benachbarten Völkern Araukaner genannt) sind ein indigenes Volk Südamerikas. Ihr angestammtes Gebiet erstreckt sich auf die Staaten Chile und Argentinien. Die Mapuche teilen sich in diverse Regionalidentitäten auf, so zum Beispiel die Picunche (Menschen des Nordens), die Huilliche (Menschen des Südens), die Lafkenche (Menschen des Meeres), die Wenteche (Menschen der Täler) und die Pehuenche (Menschen der Andentanne), die die bekannteste und größte Gruppe bilden. Die Picunche wurden bereits in vorkolumbischer Zeit von den Inka unterworfen und als Fronarbeiter eingesetzt, wobei die Landstrukturen allerdings bestehen blieben. Die Huilliche waren bis ins 13. oder 14. Jahrhundert Jäger und Sammler, bevor sie ergänzend dazu einen begrenzten Gartenbau einführten. Der reiche Wildbestand und Pinienfrüchte lieferten nach wie vor die wichtigste Subsistenzbasis. Im 16. und 17. Jahrhundert gingen sie zu Ackerbau (Weizen, Kartoffel) und Viehzucht (Lama, Rind, Schaf, Pferd) über.

Die Mapuche (genauer: die Pehuenche und Teile der Huilliche) widersetzten sich der spanischen Kolonisation mit erbitterter und – im Gegensatz zu den meisten anderen indigenen Völkern Amerikas – über 300 Jahre langer erfolgreicher Gegenwehr. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an etablierten die Mapuche ein – in historischen Aufzeichnungen auch als „Staat“ bezeichnetes – Gemeinwesen (zum Teil nach spanischem Vorbild), das bis 1883 Bestand hatte. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen Staat nach modernem Verständnis. Seitdem besteht teilweise unter den Mapuche die Bestrebung, wieder die Unabhängigkeit zu erlangen, was bis heute zu Konflikten führt.

Die Bezeichnung „Mapuche“ verwenden die Angehörigen seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Begriff wird auch genutzt, um sich von anderen gesellschaftlichen Gruppen abzugrenzen. Die Bezeichnung der Spanier lautete „Araukaner“ und wurde nach der Unabhängigkeit von der spanischen Krone zunächst von den Chilenen übernommen, wenn sie sich auf gesellschaftliche Gruppen südlich des Flusses Bío Bío bezogen. Anfang der 1980er Jahre verlangten die Mapuche vom chilenischen Staat und der chilenischen Gesellschaft, die Bezeichnung Araukaner nicht mehr zu verwenden.

Den Mapuche gelang es als einzigem indigenen Volk Amerikas über lange Zeit hinweg, sich der Kolonisation durch die Spanier zu entziehen und ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich vom Río Choapa im mittleren Norden Chiles bis zur Insel Chiloé, es hatte also eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 1600 Kilometern. In der Sprache der Mapuche, dem Mapudungun, bedeutet Mapu Erde und Che so viel wie Mensch. Die Mapuche nennen sich selbst, wie viele andere indigene Volksgruppen, „Menschen der Erde“.

„Mapuche“ als identitärer Oberbegriff für die verschiedenen Regionalidentitäten entwickelte sich erst im 17. und 18. Jahrhundert in Abgrenzung zu den „Winkas“ (< ue ingka, „neue Inkas“), den Fremden, wie zunächst die spanischen Kolonisatoren und später die chilenische Mehrheitsgesellschaft bezeichnet wurde. Die Eigenbezeichnung als „Mapuche“ ist somit als Resultat von Widerstands- und Reorganisationsprozessen unter dem Einfluss der Spanier zu verstehen. Die Mapuche sehen sich als eine Volkseinheit, Jeqmonche genannt, die sich in mehrere nach geografischen Herkunftsgebieten benannte Gruppen gliedert. Bei den vorkolonialen Mapuche handelte es sich um Halbnomaden, die nur in geringem Maße Land- und Viehwirtschaft betrieben. Sie lebten in zahlenmäßig kleinen Familienverbänden, so genannten Lofche, die autarke und autonome Einheiten bildeten. Sie kannten weder größere Dörfer noch Städte. Auch das Rad war unbekannt. Ihr Land verwalten die Mapuche noch heute in Gemeineigentum.

Das vorkolumbische Volk der Mapuche wird in der heutigen Literatur teilweise auch „Reche-Mapuche“ genannt, was so viel bedeutet wie „ursprüngliche“ oder „authentische“ Mapuche, von Mapudungun Re (rein, unvermischt, unverfälscht) und Che (Mensch). Die Reche-Mapuche besaßen nach Darstellungen einiger Autoren bis zum Auftauchen der spanischen Kolonisatoren eine gesellschaftliche Struktur, die frei von jeglicher Herrschaft war und keine festen territorialen Grenzen oder Barrieren zwischen den gesellschaftlichen Schichten kannte. Ordnung wurde durch soziale Bindungen wie Verwandtschaften oder Allianzen hergestellt, die frei eingegangen werden konnten. Diese Deutung des Gesellschaftsmodells der Mapuche als einer dem Anarchismus nahestehenden Form des Zusammenlebens, die auch von Vertretern der Mapuche selbst verfochten wird, kritisiert an der neuzeitlichen politischen Anthropologie, dass sie keine Gesellschaft ohne Herrschaft denken konnte und die herrschaftsfreien Gesellschaften des amerikanischen Doppelkontinents deshalb stets nur im Hinblick auf Funktionsträger wie „Häuptlinge“ (etwa die temporären Kriegshäuptlinge der Mapuche) oder (auch als Priesterärzte tätige) Machi (weibliche oder homosexuelle „Schamanen“) untersucht habe. In der ursprünglichen Mapuche-Gesellschaft hätten derartige Personen zwar durchaus über Macht (im Sinne von Einfluss), nicht aber über die zur Durchsetzung von tatsächlicher Herrschaft nötigen Zwangs- und Gewaltmittel verfügt. Wer sich ihnen nicht beugen wollte, ging eigene Wege und wurde in Ruhe gelassen. Auch gab es bei den Reche-Mapuche keine universelle Gottesfigur. Anders als Maya und Azteken kannten sie keine zentralen Gottheiten und Repräsentationsinstanzen der religiösen Sphäre, die von allen vorbehaltlos anzuerkennen waren.

So sahen denn auch die spanischen Konquistadoren in den Mapuche eine Art Gegenbild zum eigenen, straff hierarchisch organisierten System: „Sie haben kein Oberhaupt, sie erkennen keine Obrigkeiten an, sie haben keine Schriftsprache, sie haben kein Gesetz, ihnen fehlen Glaube und Ansehen“ (Holdenis Casanova Guarda)

Die kirchlich und kolonial geprägte, ethnozentrische Sicht stellte die Mapuche oft als „Mangelgesellschaft“ dar – also als Gesellschaft ohne Staat, ohne Schrift, ohne Geschichte und ohne Markt. Diese Perspektive wird der Realität aber nicht gerecht. Sie übersieht, dass die Mapuche ihre natürliche Umwelt sehr erfolgreich nutzten und beherrschten – und zwar so, dass es zu ihrer Lebensweise und ihren Bedürfnissen passte. Zudem ist die übliche Vorstellung gesellschaftlicher „Entwicklung“, die davon ausgeht, dass wirtschaftliche Entwicklung automatisch mit dem Aufbau politischer Machtstrukturen einhergeht, nach heutiger Meinung nicht geeignet, um solche Gemeinschaften richtig zu verstehen.

Kolonisation durch die Spanier ab 1536

Die seit 1536 eindringenden Spanier wurden – wie zuvor die Inkas – erbittert bekämpft. Sehr schnell und viel gezielter als etwa die nordamerikanischen Indianer übernahmen die Araukaner das Pferd durch systematischen Diebstahl und erlernten die Reitkunst und Zucht der Tiere. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich eine kriegerische südamerikanische Reiterkultur, die es vollbrachte, jahrhundertelang als antikolonialer „Gegenstaat“ (der viel von den Spaniern kopierte) zu bestehen.

1546 trafen spanische Konquistadoren unter Pedro de Valdivia am Fluss Bío Bío erstmals auf die Mapuche, die die Kolonisatoren zunächst erfolgreich am Aufbau einer Festung hinderten. Erst 1550 gelang es den Spaniern, die Stadt Concepción zu gründen. Die Mapuche entschlossen sich daraufhin zum Krieg. Im Dezember 1553 kam es zur Schlacht von Tucapel, die mit einem Desaster für die Spanier endete und in der Valdivia selbst zu Tode kam. Unter ihrem gemeinsamen Kriegshäuptling, dem Toki („Beil“) Lautaro zerstörten sie von 1554 bis 1556 in mehreren Angriffswellen eine Reihe von Stützpunkten, darunter auch die Festung Arauco und die befestigte Stadt Concepción, wurden dann aber auf dem Marsch nach Santiago de Chile in der Schlacht bei Peteroa (1. April 1557) von Francisco de Villagra bei einem nächtlichen Überraschungsangriff geschlagen, bei dem auch Lautaro ums Leben kam. Der neue Gouverneur García Hurtado de Mendoza unternahm ab Sommer 1557 einen weiteren Feldzug nach Süden, der jedoch nach mehreren verlustreichen Gefechten ins Stocken kam und schließlich abgebrochen werden musste. Arauco konnte allerdings wieder besetzt werden und wurde endgültig erst 1723 von den Mapuche überrannt. Lautaros Nachfolger Caupolicán wurde von den Spaniern gefangen und grausam getötet. Er diente dem spanischen Schriftsteller Alonso de Ercilla y Zúñiga, der den Feldzug selbst miterlebte, als Vorbild für seinen 1569 veröffentlichten Versroman La Araucana. Auch der Chronist Pedro Mariño de Lobeira beschreibt in seiner „Chronik des Königreichs Chile“ (Crónica del Reino de Chile, erschienen 1595) die Kämpfe mit den Mapuche aus der Sicht der Eroberer anschaulich.

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