Padre Manuel da Nóbrega (* 18. Oktober 1517 in der nordöstlichen Provinz Entre-Douro-e-Minho, Portugal; † 18. Oktober 1570 in Rio de Janeiro, Brasilien) war ein bedeutender portugiesischer Theologe, Priester, Missionar und Schriftsteller. Von 1553 bis 1559 war er Ordensgeneral der Jesuiten in Brasilien. Als Mitbegründer São Paulos, Rio de Janeiros und Salvador da Bahias ist er in die Weltgeschichte eingegangen.
Manuel da Nóbrega wurde in einer kleinen Ortschaft im Norden Portugals, in der Provinz Entre-Douro-e-Minho (heutige Distrikte Viana do Castelo, Braga, Porto und Teile der Distrikte von Aveiro, Viseu und Vila Real umfassend) geboren. Anderen Angaben zufolge soll er in Sanfins do Douro im Distrikt Trás-os-Montes e Alto Douro geboren sein. Während sein Geburtsdatum als gesichert gilt, ist es der Geburtsort nicht. Sein Vater war Baltasar da Nóbrega. In Porto widmete sich Manuel da Nóbrega den Studia humanitatis, danach wechselte er an die Kanonische (Theologische) Fakultät der Universität Salamanca, wo er zwischen 1534 und 1538 Kirchenrecht und Philosophie studierte, und wechselte dann an die Universität Coimbra, wo er 1541 seine Studien beendete und seinen Abschluss machte. Anschließend war er in Nordportugal, Galicien und Spanien als Missionar tätig.
Am 21. November 1544 trat er dem Jesuitenorden bei und wurde zum Priester geweiht. 1549 begleitete er eine Expedition des Generalgouverneurs Tome de Souza, die am 29. Februar 1549 in der Bucht des heutigen Salvador da Bahia landete. Souza war ein guter Freund Nóbregas. In diesem Jahr legte Nóbrega mit anderen den Grundstein Salvador de Bahias. 1554 gründete er in São Paulo dos Campos de Piratininga eines der ersten Jesuitenkollegs auf amerikanischem Boden. Dieses war der Ausgangspunkt zur Gründung der Stadt São Paulo, als deren Gründer Nóbrega allgemein gilt. 1563 war er an der Gründung der Stadt Rio de Janeiro beteiligt. Dort gründete er ein weiteres Kolleg, dem er als Rektor vorstand. An der Seite des Gouverneurs Mem de Sá kämpfte er mit Predigten gegen die Invasion der Franzosen. Bei der Kolonialregierung setzte er sich dafür ein, den Indigenen den Verzehr von Menschenfleisch zu verbieten.
Nóbrega war von 1553 bis 1559 der erste Ordensgeneral der Jesuiten in Brasilien und damit in Amerika. 1570 hätte er es erneut werden sollen, starb aber vor seiner Ernennung.
Er war ein Studienfreund und Missionsbruder von José de Anchieta, der einmal in einer Schrift sagte, dass Nóbrega sein bester Freund und sie beide wie Brüder seien.
Nóbrega gilt als der zweite Entdecker Brasiliens. Seine Schriften trugen viel zum Verständnis Brasiliens als neue Kolonie Portugals bei, da er sich mit Fragen wie der Moral und dem Verhalten gegenüber den indigenen Völker, aber auch der Weißen untereinander befasste. Somit schrieb er die ersten klassischen soziologischen und anthropologischen Studien über Brasilien. Er versuchte mit einigen seiner Schriften, die Indios zu schützen und wurde einer ihrer Verteidiger und Fürsprecher. Neben António Vieira gilt er als einer der bedeutendsten Jesuiten, die jemals in Brasilien gewirkt hatten. Daneben gilt er als eine bedeutende Gestalt Portugals und Brasiliens im 16. Jahrhundert. Durch die Teilnahme an der Gründung dreier der bedeutendsten Städte Brasiliens ging er in die Weltgeschichte ein. Der britische Schriftsteller Robert Southey nannte ihn die „größte politische Figur in der kolonialen Ära Brasiliens“. Stefan Zweig urteilte: „Es gibt kein wichtiges Ereignis in der Geschichte Brasiliens jener Zeit, mit dem sein Name nicht in Verbindung steht.“
Zahlreiche posthume Ehrungen erfolgten durch den portugiesischen und brasilianischen Staat: In Lissabon und São Paulo sind Straßen nach ihm benannt, in Brasilien mehrere Schulen. Beide Länder brachten bereits Briefmarken mit dem Konterfei Nóbregas zum Jubiläum der Gründung São Paulos heraus.
Cartas do Brasil. 1549–1560 (Briefe aus Brasilien) (portugiesisch; Scan der von Antonio Franco herausgegebenen und mit einem von Alfredo do Valle Cabral verfassten Vorwort versehenen Ausgabe der Imprensa Nacional, Rio de Janeiro 1886 in der Google-Buchsuche).
Serafim Leite (Ed.): Novas cartas jesuíticas (De Nóbrega a Vieira). (Neue jesuitische Briefe) Companhia Editora Nacional, São Paulo / Rio / Recife / Porto Alegre 1940, S. 19 ff. (portugiesisch; archive.org [Memento vom 15. Juli 2024 im Internet Archive; PDF; 10,7 MB]).
Informação da Terra do Brasil. 1549 (Informationen über das Land Brasilien).
Diálogo sobre a Conversão do Gentio. 1556/57 (portugiesisch; Überschriften lateinisch; eines der ersten Prosawerke Brasiliens, als wichtiges Werk Nóbregas oft zitiert; mit Überlegungen für den Generalgoverneur Duarte da Costa zur damals umstrittenen Möglichkeit der Konversion der Indios, zum Verbot des von ihnen geübten Kannibalismus und zu ihrer Zusammnführung in Dörfer unter Kontrolle der Krone; ibiblio.org [PDF; 143 kB]).
Informação das Coisas da Terra e Necessidade Que Há Para Bem Proceder Nela. 1558 (portugiesisch; Informationen über die Beschaffenheiten des Landes und die Erfordernisse, in ihm gut voranzukommen).
Tratado contra a Antropofagía e contra os cristãos seculares e eclesasticos que a formenta e a conseitam. 1559 (portugiesisch; Traktat gegen Kannibalismus).
Caso de Consciência sobre a Liberdade dos Índios. 1567 (portugiesisch; Die Gewissensfrage der Freiheit der Indios).
Franz Obermeier: Manuel da Nóbrega. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 22, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2, Sp. 920–928.
Ítalo Ogliari, Mara Elisa Matos Pereira, Marione Rheinheimer, Moema Cavalcante: Literatura brasileira do quinhentismo ao romantismo. Editora Intersaberes, Curitiba 2013, ISBN 978-85-8212-537-3, ISBN 978-85-8212-578-6, o. S. [S. 26] (brasilianisches Portugiesisch; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Christian-Muslim Relations. A Bibliographical History. Vol. 7: Central and Eastern Europe, Asia, Africa and South America (1500–1600) (= The History of Christian-Muslim Relations. Band 24). Hrsg. von David Thomas und John Wesworth. Brill, Leiden / Boston 2025, ISBN 978-90-04-29848-4, S. 816–823 (englisch; Biografie, Bibliographie; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Fernando Rebouças: Manuel da Nóbrega. (Memento vom 21. März 2013 im Internet Archive) In: historiabrasileira.com (portugiesisch; Biografie)