Emmanuel Dapidran „Manny“ Pacquiao (* 17. Dezember 1978 in Kibawe) ist ein ehemaliger philippinischer Profiboxer und Politiker. Er ist der erste und aktuell einzige Profiboxer in der Geschichte des weltweiten Boxsports, der in sieben Gewichtsklassen anerkannter Boxweltmeister wurde. Pacquiao gilt als einer der besten Boxer seiner Zeit. Das US-Magazin Time nahm ihn 2009 erstmals in sein Ranking der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten auf.
Der Rechtsausleger Pacquiao wurde 1995 mit einer Amateurbilanz von 60–4 Profiboxer im Fliegengewicht. Mit seinem aggressiven Kampfstil und großer Schlagkraft wurde er schnell beliebt. Als Schwächen galten seine eigenen Nehmerfähigkeiten und seine Kondition. So verlor er 1996 in seinem zwölften Profikampf gegen seinen international unbekannten Landsmann Rustico Torrecampo durch K. o. in der dritten Runde.
Am 4. Dezember 1998 errang er in Phuttamonthon (Thailand) durch einen K. o. in der achten Runde über den thailändischen Titelverteidiger Chatchai Sasakul den WBC-Weltmeistertitel im Fliegengewicht, was auch in den USA Aufmerksamkeit erregte. Sasakul galt nach seinen Kämpfen gegen den Russen Juri Arbatschakow als bester Boxer in dieser Gewichtsklasse und hatte bei seiner bis dahin einzigen Niederlage gegen Arbatschakow nur nach Punkten verloren.
Pacquiao hatte aber große Probleme, die Gewichtsklasse zu halten, was mit dazu beitrug, dass er 1999 seinen Titel überraschend durch K. o. in der dritten Runde an den Thailänder Medgoen Singsurat verlor.
Im Anschluss stieg er ganze drei Gewichtsklassen in das Superbantamgewicht auf. Auch gegen den unbekannten Australier Nedal Hussein musste er im Jahre 2000 zu Boden, gewann am Ende aber durch technischen K. o. in der zehnten Runde, da der Kampf vom Ringrichter wegen einer blutenden Platzwunde über Husseins rechtem Auge abgebrochen wurde. Hussein fühlte sich benachteiligt, da das Anzählen bei dem Niederschlag zu lange gedauert hätte, ein von ihm geforderter Rückkampf wurde ihm jedoch verwehrt. Am 23. Juni 2001 kämpfte Pacquiao erstmals in den USA und gewann in Las Vegas den IBF-Weltmeistertitel im Halbfedergewicht gegen den Südafrikaner Lehlohonolo Ledwaba durch technischen K. o. in der sechsten Runde. Mit diesem spektakulären und in den USA live von HBO übertragenem Kampf etablierte er sich auch auf dem US-amerikanischen Markt. Er wurde anschließend vom bekannten Manager Shelly Finkel betreut und von Freddie Roach trainiert. Ein Titelvereinigungskampf mit dem WBO-Titelträger Agapito Sánchez endete im November 2001 nach verletzungsbedingtem Abbruch in der sechsten Runde mit einem Unentschieden. Der Kampf wurde auf Anraten des Ringarztes wegen einer Platzwunde über Pacquiaos rechtem Auge infolge eines unabsichtlichen Kopfstoßes beendet. Nach Auszählung der Punktwertungen lagen Pacquiao und Sánchez bei je einem Punktrichter vorn, der dritte Juror sah den Kampf bis zu diesem Zeitpunkt ausgeglichen.
Nach drei weiteren Titelverteidigungen legte er seinen IBF-Titel nieder und wechselte hoch ins Federgewicht. Dort schlug er in seinem ersten Kampf in dieser Klasse am 15. November 2003 überraschend den Mexikaner Marco Antonio Barrera durch technischen K. o., nachdem Barreras Trainer in der elften Runde den Ring betreten und damit den Kampfabbruch ausgelöst hatte. Barrera wurde zu diesem Zeitpunkt vom Ring Magazine als stärkster Federgewichtler bewertet. Aufgrund dieser Leistung bekam er schon in seinem nächsten Kampf die Chance, gegen den hoch eingeschätzten Juan Manuel Márquez, Titelträger der IBF und WBA im Federgewicht, im MGM Grand Hotel in Las Vegas anzutreten. Obwohl ihm im Kampf mehrere Niederschläge gelangen, erreichte er dabei nur ein Unentschieden, da er zum Ende des Kampfes konditionell einbrach.
Daraufhin stieg er in das Superfedergewicht auf und unterlag im März 2005 Erik Morales über zwölf Runden nach Punkten, seine erste Niederlage seit sechs Jahren. Im Januar 2006 kam es dann zum Rückkampf gegen den Mexikaner, den Pacquiao durch technischen K. o. in der zehnten Runde für sich entscheiden konnte. Dies war das erste Mal, dass Morales in seiner bis dahin 13-jährigen Profikarriere K. o. ging. Nach einem Punktsieg Pacquiaos über den langjährigen WBC-Titelträger im Halbfedergewicht Óscar Larios in Manila wurde eine dritte Begegnung mit Morales für den 18. November 2006 angesetzt. Diesmal konnte er sich noch deutlicher durchsetzen und gewann durch K. o. in der dritten Runde. Der Kampf wurde von 350.000 Kunden des TV-Senders HBO gekauft, erzielte 17,5 Millionen Dollar PPV-Einnahmen und gilt als lukrativster Kampf aller Zeiten unterhalb des Leichtgewichts.
Nach einem K.-o.-Erfolg gegen den ungeschlagenen aber auch unbekannten Jorge Solís, abermals einen Mexikaner, kam es am 6. Oktober 2007 zum Rückkampf mit Marco Antonio Barrera. Pacquiao konnte sich über zwölf Runden klar nach Punkten durchsetzen. Durch den Sieg hatte er sich das Recht erkämpft, den WBC-Weltmeister herausfordern zu dürfen. Am 15. März 2008 trat er zu einem Rück- und Titelkampf gegen WBC-Weltmeister Juan Manuel Márquez an. Auch das zweite Duell zwischen Márquez und Pacquiao ging über die volle Distanz von zwölf Runden und wurde durch einen knappen, kontroversen Punktsieg für Pacquiao gewertet. Auch in diesem Kampf gelang Pacquiao ein Niederschlag, der aufgrund der knappen Punktwertungen den Kampf für ihn entschied.
Nach dem Sieg gegen Márquez wechselte Pacquiao in das Leichtgewicht, um schließlich am 28. Juni 2008 gegen den dortigen Titelträger der WBC David Díaz anzutreten. Diesen Kampf konnte Pacquiao durch einen schweren K. o. in der neunten Runde für sich entscheiden. Damit wurde er zugleich der erste asiatische Boxer, dem es gelang, Weltmeister in vier verschiedenen Gewichtsklassen zu werden. Am 6. Dezember 2008 kam es zu einem lukrativen Nichttitelkampf gegen die Boxlegende Óscar de la Hoya. Der Kampf gegen den circa zehn Zentimeter größeren de la Hoya fand im Weltergewicht statt (zwei Klassen über Leichtgewicht). Pacquiao war vor allem in der siebten und achten Runde derart überlegen, dass de la Hoya am Ende der achten Runde aufgab und seine Karriere beendete.
Seinen nächsten Kampf bestritt Manny Pacquiao am 2. Mai 2009 gegen den populären britischen Halbweltergewichtler Ricky Hatton. Der Kampf wurde im Vorfeld eigentlich als relativ ausgeglichen betrachtet, doch auch hier war Pacquiao deutlich überlegen und deklassierte den Briten. Er erzielte bereits in der ersten Runde zwei Niederschläge und beendete den Kampf schon in der zweiten Runde durch einen schweren K. o.
Anschließend trat Pacquiao wiederum im Weltergewicht gegen den Puerto Ricaner Miguel Cotto an, der zu diesem Zeitpunkt den Weltmeistertitel der WBO in dieser Gewichtsklasse hielt. Pacquiao gewann den Kampf am 14. November 2009 durch technischen K. o. in der zwölften Runde.
Am 13. November 2010 konnte Pacquiao den vakanten Halbmittelgewichtstitel nach Version der WBC durch einen klaren Punktsieg über den zuvor hoch eingestuften und 11 cm größeren Mexikaner Antonio Margarito erringen.
Nach Pacquiaos Sieg gegen Cotto wurde über einen Kampf gegen Floyd Mayweather Jr. im März 2010 in Las Vegas verhandelt. Nach Streitigkeiten über die Aufteilung der Kampfbörse und insbesondere über Dopingkontrollen kam das Duell jedoch nicht zustande. Mayweather verlangte unangekündigte Blutproben durch die US-Antidopingagentur USADA, während Pacquiao weniger als 30 Tage vor dem Kampf durchzuführende Blutproben verweigerte. Auch Kompromissvorschläge von 14 bzw. 24 Tagen vor dem Kampf ohne Bluttests wurden von beiden Seiten jeweils nicht akzeptiert. Aufgrund der Weigerung Pacquiaos, dieser Art der Dopingkontrolle zuzustimmen, die im Profiboxen in den USA keine Pflicht ist, wurde ihm von Seiten Mayweathers die Einnahme leistungssteigernder Mittel unterstellt. Nach der Absage des Kampfes trat Pacquiao stattdessen am 13. März 2010 in Arlington gegen Joshua Clottey, ehemaliger IBF-Titelträger im Weltergewicht, an und besiegte den Ghanaer über zwölf Runden klar nach Punkten.
Am 13. November 2010 trat Pacquiao im Cowboys Stadium von Dallas in Texas an, erneut stieg er eine Gewichtsklasse in das Superweltergewicht (Halbmittelgewicht) auf. Sein Gegner war der durch einen Handbandagenskandal bekannt gewordene Mexikaner Antonio Margarito, es ging um den vakanten WBC-Gürtel. Pacquiao gewann den Kampf vor 50.000 Zuschauern über 12 Runden einstimmig nach Punkten. Am 7. Mai 2011 verteidigte er seinen Titel durch einstimmigen Punktesieg über den ehemaligen Mehrfachweltmeister Shane Mosley. Der Kampf hätte beinahe nicht stattgefunden, denn wenige Stunden vor dem Kampf war Pacquiao in einen Verkehrsunfall verwickelt. Einer seiner Leibwächter konnte auf dem Weg von einem Gottesdienst ins Hotel nicht rechtzeitig bremsen und prallte auf das vor ihm fahrende Auto, in dem Pacquiao saß. Dieser gab jedoch schnell Entwarnung und trat zum Kampf an.