Mani (griechisch Μάνης Mánēs oder Μανιχαῖος Manichaíos [aus syrisch Mānī ḥayyā ‚der lebendige Mani‘], lateinisch Manes oder Manichaeus; * 14. April 216 in Mardīnū in der Gegend von Seleukia-Ktesiphon südöstlich des heutigen Bagdad; † 14. Februar 276 oder 26. Februar 277 in Gundischapur) war der Stifter der nach ihm benannten Religion des Manichäismus.
Mani lebte im persischen Sasanidenreich und wuchs in einer Gemeinschaft christlicher Täufer auf. Als Erwachsener trennte er sich von den Täufern, um seine eigene, stark von gnostischem Gedankengut geprägte Lehre vom absoluten Dualismus zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis zu verkünden. Dabei berief er sich auf göttliche Offenbarungen, denen er sein Wissen verdanke. Er sah sich als Vollender der älteren Religionen Christentum, Zoroastrismus und Buddhismus, deren Gründer er für seine Vorläufer hielt. Seine Religionsgemeinschaft organisierte er nach dem Vorbild der christlichen Kirche hierarchisch. Zunächst wurde seine Missionstätigkeit von persischen Königen gefördert, und der Manichäismus breitete sich über weite Gebiete aus. Schließlich unterlag Mani jedoch in einem Konflikt mit der zoroastrischen Priesterschaft, wurde verhaftet und starb im Gefängnis. Damit wurde er für seine Anhänger zum Märtyrer.
Die Quellen zerfallen in zwei Gruppen: nichtmanichäische Schriften, in denen oft heftig gegen Mani und seine Lehre polemisiert wird, und manichäische Schriften, die sein Leben in legendenhafter Weise schildern. Obwohl Mani Werke hinterließ, die für die Manichäer von fundamentaler Bedeutung waren und daher weite Verbreitung fanden, waren bis ins 20. Jahrhundert keine manichäischen Originalschriften bekannt. In der Frühen Neuzeit und im 19. Jahrhundert standen nur antimanichäische Quellen zur Verfügung, denen immerhin einzelne Zitate aus manichäischer Literatur entnommen werden konnten. Das manichäische Schrifttum wurde teils schon in der Antike, teils im Mittelalter weitgehend vernichtet, da der Manichäismus in allen Gebieten, in denen er sich ausgebreitet hatte, im Lauf der Zeit unterdrückt bzw. von anderen Religionen verdrängt wurde. Erst im Lauf des 20. Jahrhunderts wurde eine größere Zahl von manichäischen Handschriften entdeckt, wobei es sich allerdings teilweise nur um Fragmente in schlechtem Erhaltungszustand handelt. Ein noch nicht ausgewerteter Teil dieser Handschriften ging nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wiederum verloren.
Während die gegnerischen Schriften großenteils ein polemisch verzerrtes Bild von Mani zeichnen, sind die manichäischen Bücher, die für erbauliche oder liturgische Zwecke bestimmt waren, wegen ihres legendenhaften Charakters ebenfalls nur begrenzt als biografische Quellen verwertbar.
Wichtige nichtmanichäische Quellen sind:
der 988 in Bagdad verfasste große arabische Literaturkatalog kitāb al-Fihrist des schiitischen Gelehrten Ibn an-Nadīm. Seine Angaben fußen ebenso wie Berichte späterer arabischsprachiger Autoren auf einer verlorenen Darstellung des Manichäers Abū ʿĪsā al-Warrāq, der im 9. Jahrhundert lebte.
das Werk „Die verbliebenen Denkmäler der vergangenen Generationen“ (auch als „Chronologie“ bekannt), das der persische Gelehrte al-Bīrūnī im Jahr 1000 verfasste.
die Acta Archelai des Kirchenvaters Hegemonius aus dem 4. Jahrhundert. Diese Streitschrift gegen den Manichäismus ist vollständig nur in einer lateinischen Übersetzung aus dem Griechischen erhalten. Sie berichtet von zwei Streitgesprächen zwischen Mani und dem christlichen Bischof Archelaos. Der Autor versucht den Eindruck von Authentizität zu erwecken, aber in Wirklichkeit sind die Disputationen frei erfunden. Der Inhalt der Acta Archelai ist größtenteils literarische Fiktion, doch wurden einzelne biografische Angaben einer manichäischen Quelle entnommen. Die Acta Archelai haben die antimanichäische Literatur der Christen stark beeinflusst; sie sind die Grundlage aller Berichte griechischsprachiger Autoren über Manis Leben.
Unter den manichäischen Quellen sind hervorzuheben:
die Fragmente ältester manichäischer Literatur, die aus der Oase Turfan in Ostturkestan stammen. Sie wurden zwischen 1902 und 1914 von Forschern des Berliner Völkerkundemuseums entdeckt. Die Turfantexte sind teils in iranischen Sprachen (parthisch, mittelpersisch und sogdisch), teils in uigurischer Sprache verfasst.
Manichäische Texte in chinesischer Sprache, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Dunhuang aufgefunden wurden. Für Manis Biografie ist besonders das „Fragment Pelliot“ wichtig.
Texte aus manichäischen Handschriften in koptischer Sprache, die in Medinet Madi in Ägypten gefunden und zwischen 1933 und 1940 veröffentlicht wurden. Sie stammen aus dem späten 3. und aus dem 4. Jahrhundert und sind durch ihre zeitliche Nähe zu den beschriebenen Ereignissen in Manis Leben wertvoll. Zu diesem Schrifttum gehören manichäische Predigten; darin findet sich unter anderem eine detaillierte Schilderung der Umstände, die zu Manis Tod führten.
der „Kölner Mani-Kodex“, eine griechische Pergamenthandschrift aus Ägypten, die 1969 in die Kölner Papyrussammlung gelangte. Er enthält eine spätantike Biografie Manis unter dem Titel „Über das Werden seines Leibes“, die aus älteren Darstellungen kompiliert ist; sie überliefert autobiografische Aussagen Manis und fußt auf Berichten seiner Jünger. Dank dieser erstrangigen Quelle konnten die Angaben der schon früher ausgewerteten Quellen korrigiert und ergänzt werden.
Manis Vater hieß Patēg; sein Name wird in den Quellen und in der Forschungsliteratur unterschiedlich wiedergegeben (Patek, Pattek, Patig, Patyg, griechisch Pattíkios). Ibn an-Nadim berichtet, Pategs Heimat sei Hamadan gewesen (die alte persische Königsresidenz Ekbatana). Später habe er in Ktesiphon gelebt. Pategs Vater sei „Abū Barzām“ gewesen und die Familie habe zum Geschlecht der „Ḥaskāniyya“ gehört. Dabei dürfte es sich um eine falsche Wiedergabe von „Askāniyya“ handeln, der arabischen Form des persischen Namens der Arsakiden. Demnach besagt die Angabe, dass Manis Vorfahren väterlicherseits von der parthischen Königsfamilie der Arsakiden abstammten, die zur Zeit von Manis Geburt noch regierte, aber wenige Jahre später (224) entmachtet wurde. Diese Identifizierung des überlieferten Geschlechtsnamens gilt in der Forschung als plausibel, da Angaben einer chinesischen Quelle in die gleiche Richtung weisen. Für Manis Mutter werden in den Quellen unterschiedliche Namen genannt; ihr tatsächlicher Name war Maryam. Sie gehörte dem vornehmen armenischen Geschlecht der Kamsarakan an, das arsakidischer Herkunft war. Somit ist von königlicher Abstammung Manis zumindest von der mütterlichen Seite auszugehen. Manichäische Behauptungen, Mani sei ein Königssohn gewesen und im Königspalast geboren, haben demnach trotz legendenhafter Ausschmückung einen historischen Kern.
Nach der manichäischen Überlieferung, auf die sich Ibn an-Nadim stützt, pflegte Pateg in Ktesiphon einen Tempel aufzusuchen. Welche Gottheit dort verehrt wurde, wird nicht mitgeteilt. Als seine Frau mit Mani schwanger war, habe ihn im Tempel eine göttliche Stimme wiederholt aufgefordert, kein Fleisch zu essen, keinen Wein zu trinken und sich des Geschlechtsverkehrs zu enthalten. Er sei von der Stimme angewiesen worden, einer asketischen Religionsgemeinschaft beizutreten. Darauf habe er sich den „Muġtasila“ („Die sich Waschenden“) angeschlossen. Dabei handelte es sich um die Elkesaiten, eine stark missionierende christliche Täufergruppe. Die Bezeichnung als „Waschende“ spielt nicht in erster Linie auf einen Taufritus an, sondern auf regelmäßige rituelle Waschungen.
Als Manis Geburtstag überliefert eine chinesische Quelle den 14. April 216. Sein Geburtsort Mardīnū, über den ansonsten nichts bekannt ist, war eine Ortschaft im Gebiet von Kutha (heute Tell Ibrahim, etwa 40–50 km von Ktesiphon entfernt). Einer glaubwürdigen Überlieferung zufolge litt Mani an einer Behinderung; er hatte ein verwachsenes Bein oder einen verkrüppelten Fuß. Der Name Mani war verbreitet; die Namensform Manichaios bzw. Manichaeus, auf die der Begriff „Manichäer“ zurückgeht, ist vom syrischen mānī ẖayyā („Mani der Lebendige“) abgeleitet. Manis Muttersprache war das Aramäische.