Manfred Adolf Seel (* 30. Oktober 1946 in Königstein im Taunus; † 26. August 2014 in Schwalbach am Taunus), von der Presse Hessen-Ripper oder Jack the Ripper von Schwalbach genannt, war ein mutmaßlicher deutscher Serienmörder, der seine Opfer im Rhein-Main-Gebiet tötete. Seels Täterschaft wird derzeit für fünf Mordfälle angenommen, in vier weiteren ungeklärten Fällen wird noch ermittelt.
Manfred Seel wuchs als Einzelkind in Kronberg im Taunus auf. 1957 wechselte er auf die Realschule in Oberursel. Danach absolvierte er in der Frankfurter Traditionsdruckerei und Klischeeanstalt Georg Stritt & Co. in der Mainzer Landstraße 184 eine Lehre als Klischeeätzer. 1967 begann sein zweijähriger Wehrdienst. Von 1968 bis 1969 diente Seel im Raketenartilleriebataillon 52 in der Steuben-Kaserne in Gießen.
Ab 1970 arbeitete er in seinem gelernten Beruf in Frankfurt und begann 1973, nachdem er auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur absolviert hatte, an der Goethe-Universität Frankfurt ein Studium der Kunst- und Sozialgeschichte, das er kurze Zeit später abbrach. Seine Arbeitsstelle in der Mainzer Landstraße befand sich in Nähe zum Johanna-Kirchner-Stift, in dem 1970 die beiden Opfer Gudrun Ebel und Hatice Erülkeroğlu beschäftigt waren. Zusammen mit seinem Partner Werner Lederer führte er ab 1986 ein kleines Entrümpelungs- und Gartenbau-Unternehmen in Schwalbach. Seine Frau, mit der er seit 1973 verheiratet war und seit 1979 eine gemeinsame Tochter hatte, starb im Jahr 2013. In seiner Freizeit spielte Seel von 1985 bis 2014 Klarinette und Saxophon in der Band Overall Jazz Gang. Von seinen Nachbarn wurde er als freundlicher und unauffälliger Mann beschrieben, der jedoch zu gelegentlichen aggressiven Ausbrüchen neigte.
Manfred Seel soll laut Zeugenaussagen Anfang der 1990er Jahre regelmäßig den Frankfurter Straßenstrich aufgesucht haben. Eine Prostituierte berichtete, dass sie von ihm misshandelt worden sei und diesen Vorfall der Hotline des Frankfurter Streetwork- und Beratungsprojekts für Sexarbeiterinnen gemeldet hatte, um andere Frauen vor seinem gewalttätigen Verhalten zu warnen. Im Jahr 1996 unterzog er sich einer Alkoholentziehungskur in der Entzugsklinik Sonnenberg in Erbach/Odenwald. 2014 starb Manfred Seel, ein Jahr nachdem er die Diagnose Speiseröhrenkrebs erhalten hatte.
Die Ermittlungen gegen Seel begannen wenige Wochen nach seinem Tod: Seine Tochter und ihr Lebensgefährte entdeckten bei der Auflösung seines Haushalts in einer von Seel gemieteten Garage Leichenteile und informierten die Polizei. Ab September 2015 war die LKA-Arbeitsgruppe Alaska, die Manfred Seel als Hauptverdächtigen mehrerer Morde ausmachte, mit der Aufklärung dieser Fälle beschäftigt. Alaska war der Spitzname von Manfred Seel, da er dafür bekannt war, auch in der warmen Jahreszeit häufig Pelzbekleidung zu tragen und zudem Alaska eines seiner bevorzugten Reiseziele war. Seel galt zuvor als „unbescholtener Bürger“. Die Spur führt ins Frankfurter Rotlichtmilieu und zum Aufrollen alter und ungeklärter Fälle von Prostituiertenmorden.
Die Seel zugeschriebenen Morde wurden mit großer Brutalität und Destruktivität aus sexuellem Sadismus ausgeführt. Die Opfer wurden durch „scharfe Gewalt in sexuell relevanten Zonen“ getötet. Bezeichnend ist, dass der Täter als Trophäe seinen Opfern, bis auf einen Fall post mortem, Organe entnahm, beziehungsweise ihnen bestimmte Körperteile wie Genitalien oder Arme und Beine abschnitt, die er später an verborgenen Orten aufbewahrte. Der Täter habe sich vermutlich bewusst einen Rückzugsort gesucht, um die Tatbegehung dann ungestört in seine sexuellen Phantasien einbauen zu können. Auch Kannibalismus kann derzeit nicht ausgeschlossen werden.
Den Opfern wurden stets unterschiedliche Körperteile entnommen und niemals die gleichen. Ermittler Frank Hermann sagte dazu auf einer Pressekonferenz: „Mal sei es ein rechtes Bein, mal ein linker Arm – wenn Sie das zusammenrechnen, könnten Sie sich tatsächlich dadurch einen neuen Körper herstellen.“ Die Polizei räumt ein, dass Manfred Seel bei der Ausübung seiner Taten möglicherweise einen Komplizen gehabt haben könnte. Anlass dazu geben die Spuren und das extreme Verletzungsbild an einer Leiche, die möglicherweise erst durch das Zusammenwirken zweier Personen möglich wurden. Das Landeskriminalamt wandte sich mit einem Aufruf an die Bevölkerung, um weitere Hinweise über den oder die Täter und seine Opfer zu erhalten. Auch ist man auf der Suche nach überlebenden Opfern, mithilfe deren Aussage Rückschlüsse auf den Täter, sein Motiv oder auf den Tathergang gezogen werden könnten.
Die Polizei sieht in Manfred Seel einen Frauen- oder Menschenhasser. Auf den Festplatten mehrerer PCs, die sich in seinem Keller befanden, fanden die Ermittler 32 000 gewaltpornografische und gewaltverherrlichende Fotos und Filme. Das pornographische Material der Sammlung hat im Laufe der Zeit eine Größenordnung von fünf Terabyte erreicht. Man geht davon aus, dass Seel im Darknet mithilfe einer Spezialsoftware surfte, die keine Spuren hinterlässt. Möglicherweise dienten sie Seel als graphische Vorlage für seine Taten, welche die Auslebung seiner sexuellen Phantasien bedeuteten. Nach Aussage des in dem Fall ermittelnden Fahnders Frank Herrmann handelt es sich nicht um eine Reihe von spontan und emotional abgelaufenen Sexualdelikten, sondern um sehr stringente Handlungen bei der Tötungsserie, wobei die sexuelle Komponente darin auf einer anderen Ebene liege.
Die Ermittler gehen im Fall Seel davon aus, dass der Täter hinter seiner bürgerlichen Fassade über Jahrzehnte ein Doppelleben geführt haben muss. Nach Aussage der Kriminalpsychologin Lydia Benecke hätte der Täter keinerlei Mitgefühl oder Schuldempfinden gehabt. Er würde die Opfer als Objekte für die Befriedigung seiner Triebe sehen, die er nach Benutzung wegwirft. Die Gründe für die Mordtaten liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit in seiner Persönlichkeit, die von sadistischen Phantasien geprägt war, denen vermutlich ein geringes Selbstwertgefühl zugrunde lag. Die Entmenschlichung des Opfers, seine Erniedrigung, das Zufügen von Schmerzen, grenzenloses Machterleben, ein stark herabgesetztes Empathieempfinden und Kontrolle über das Opfer müssen in der Mordserie eine große Rolle gespielt haben. Die Trophäenjagd und das Aufbewahren von Körperteilen der Opfer dienten möglicherweise einer weiteren Luststeigerung nach der eigentlichen Tat.
Nach Meinung des Kriminalpsychologen Helmut Kury verspürte Seel „Lust an Gewaltausübung und Aggression“ und es habe ihm sehr wahrscheinlich an „emotionaler Schwingungsfähigkeit“ gefehlt. Er geht davon aus, dass die „soziale Seite“ seiner Persönlichkeit und der Aufbau seiner bürgerlichen Fassade hauptsächlich dem Kaschieren seiner perversen Neigungen dienten. Der offensichtlich steuerungsfähige Täter sei in der Lage gewesen, intelligent zu handeln. Er habe nicht spontan und im Affekt agiert, sondern seine Taten (Auswahl der Opfer sowie der Tathergang) zuvor minutiös geplant. Die Ursachen für seine sadistischen Verbrechen könnten in frühkindlichen Entwicklungen gelegen haben. Seels Tötungstrieb setzte nach Ansicht der ermittelnden Polizei zwischen den Jahren 1971 und 1991 wahrscheinlich aus, da er sich durch veränderte Lebensumstände wie Heirat und Familiengründung in einer psychisch stabilen Phase befunden habe.
Die Polizei geht davon aus, dass Seel zwischen 1971 und 2004 mindestens fünf Frauen ermordet hat. Vor allem drogenabhängige Prostituierte vom Straßenstrich, die als Hochrisikogruppe eingestuft werden, da sie leicht angesprochen werden können und ihr Verschwinden meist nicht sofort bemerkt wird, gehörten offenbar zum bevorzugten Beuteschema des Serientäters. Die untersuchten Mordfälle weisen große Verhaltensübereinstimmungen auf, so ist eine „persönliche Handschrift des Täters“ erkennbar. Die Gemeinsamkeit der ritualhaften Mordserie liegt darin, dass alle Opfer durch Erwürgen oder Erdrosseln getötet wurden. Außerdem wurden der Schambereich oder die Brüste der Frauen verunstaltet. Des Weiteren wurden allen Körperteile abgetrennt oder Organe entnommen. Die ungeklärten Morde an folgenden Personen werden derzeit mit ihm in Verbindung gebracht: