An diesem Tag

Manfred Kohrs

Deutscher Künstler und Tätowierer

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Manfred Kohrs (* 24. Januar 1957 in Hannover) ist ein deutscher Ökonom, Künstler und Tätowierer. Während das Magazin Kunstleben Berlin festhält, dass Kohrs bereits Anfang der 1970er Jahre gemeinsam mit Timm Ulrichs und Horst Streckenbach die Absicht verfolgte, Tätowierung und Kunst miteinander zu verbinden, ordnet ihn der Schriftsteller Paul-Henri Campbell in einer biografischen Publikation als prägenden Akteur der Modernisierung der damaligen Szene ein.

Medienberichte spiegelten diesen künstlerischen Anspruch früh wider; so porträtierte ihn die hannoversche Wochenzeitung *NaNa* im Jahr 1982 unter dem Titel „Er versteht seine Arbeit als Kunst“. In diesem Kontext gründete Kohrs 1977 die erste Vereinigung deutscher Tätowier-Künstler mit dem Ziel, das Handwerk organisatorisch von einer rein gewerblichen Einordnung abzugrenzen. Als Mentee des Frankfurter Tätowierers Horst Streckenbach war er an der Weiterentwicklung von Rotations-Tätowiermaschinen sowie an der frühen Fertigung von Barbell-Piercings mit Innengewinde beteiligt. Seit 1997 bekleidet Kohrs den Vorstandsvorsitz des von ihm initiierten Instituts für deutsche Tätowier-Geschichte.

Manfred Kohrs wuchs in Hannover–Linden auf. Sein Vater war Kesselschmied, die Mutter Hauswirtschafterin. Ab 1963 besuchte er die Volksschule in Letter und von 1972 bis 1975 absolvierte er eine Ausbildung zum Betriebsschlosser bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft in Hannover. In den 1970er Jahren spielte er Rugby, in der Position des rechten Außendreiviertel, beim SC Germania List. 1977 eröffnete Kohrs das erste Tätowierstudio in Hannover. Es folgte 1977 bis 1981 eine Dienstzeit als SaZ beim Aufklärungsgeschwader 52 der Luftwaffe in Leck zuletzt als Stabsunteroffizier. Ab 1983 gründete er mehrere Kapitalgesellschaften, darunter ein Fuhrunternehmen und eine Zahnarztgesellschaft. Die Tätowiererei gab Manfred Kohrs um 1990 auf. Er absolvierte einen Studiengang der Betriebswirtschaftslehre, den er 1999 mit Erfolg abschloss; seit 1995 ist er in der Unternehmens- und Steuerberatung tätig.

Im Sommer 2016 erschien Kohrs wieder in der Tätowiererszene. Nach einer Pause von 30 Jahren gab er mehreren Fachmagazinen ausführliche Interviews. Im Frühjahr 2019 übernahm der Schriftsteller Paul-Henri Campbell ein umfangreiches Interview in das Buch Tattoo & Religion. Die bunten Kathedralen des Selbst. Unter dem Titel Anatomie einer Szene gibt Kohrs einen autobiografischen Einblick in die vergangenen 50 Jahre seines Wirkens.

In einem im Juni 2026 veröffentlichten, umfassenden Porträt-Interview für die historische Reihe Tattoopedia des Fachmediums Inkers Magazine blickte Kohrs im Gespräch mit dem Journalisten Pascal Bagot auf seine Pionierarbeit in den 1970er-Jahren zurück. Das Interview beleuchtet insbesondere seinen Einsatz für die gesellschaftliche Anerkennung des Tätowierens über die damaligen gesellschaftlichen Ränder hinaus sowie seine anhaltende Arbeit als Leiter des Instituts für deutsche Tattoo-Geschichte (IDTG).

Das erste Tattoo stach sich Manfred Kohrs während seiner Schulzeit im Alter von zwölf Jahren auf den Arm und begann im Alter von 13 Jahren von Hand zu tätowieren, dem so genannten „Peikern“. Im Januar 1975 ließ er sich von Herbert Hoffmann tätowieren und erlernte die Grundlagen der Arbeit mit einer Tätowiermaschine.

Am 26. Januar 1975 traf Kohrs, anlässlich eines Happenings im Kunstverein Hannover, auf Timm Ulrichs, Helmut R. Leppien und Horst Streckenbach. Ulrichs hatte einige „Old-Skool“-Tätowiermotive auf Leinwand ausgestellt und Streckenbach tätowierte Kohrs vor laufender Kamera des NDR. In der Folgezeit erlernte Kohrs bei Streckenbach das Tätowieren und nach zweijähriger Arbeit als Reisetätowierer eröffnete er im Jahr 1977 das erste Tätowierstudio in Hannover.

In den späten 1970er Jahren hatte Kohrs aufgrund einer Vermittlung von Streckenbach ein Treffen mit Fukushi Katsunari. Im Jahr 1983 trat eine Braunschweiger Klinik für Plastische Chirurgie an Kohrs heran, um für eine Mamillenrekonstruktion den Brustwarzenhof zu tätowieren. In der Folgezeit führte er mehrfach derartige Arbeiten aus, belieferte Kliniken mit entsprechendem Gerät und schulte Mediziner an. Ende der 1980er Jahre beendete Kohrs seine Laufbahn als aktiver Tätowierer.

Kohrs fertigte seine Maschinen und das Zubehör selbst an; die von Streckenbach ab 1965 angefertigte Tätowiermaschine entwickelte er dabei ständig weiter. Von den gängigen Modellen, die Samuel O’Reilly sich hatte patentieren lassen, unterschieden sie sich beispielsweise durch die Antriebsart. So setzte Kohrs auf Rotation statt Magnetfelder. Das Modell ’76 Manfred Kohrs kam auch in Australien in den Handel. Im Jahr 1978 stellte Kohrs ein neues Design für eine Rotationsmaschine vor, die mit einem Gleichstrommotor betrieben wurde. Laut Popular Mechanics war diese Version im Vergleich zu den damals üblichen Systemen „leichter, leiser und tragbarer“ und bot den Künstlern eine bessere Kontrolle bei der Handhabung. Während die Neuerung ein „rotierendes Revival“ auslöste, verblieben andere Künstler bei den gewohnten Spulenmaschinen.

Im Jahr 1978 fertigte Kohrs erstmals ein Piercing an, das aus einem Metallstift mit zwei verschraubbaren Kugeln mit Innengewinde im Stift (sogenanntes Internal) bestand. Dieses erste Exemplar wurde Horst Streckenbach im selben Jahr von Jim Ward in die Zunge gesetzt. Es ist seit 2018 Teil der Sammlung Kohrs, die sich im Institut für deutsche Tätowier-Geschichte befindet. Es ist dort unter „Barbell No. 1“ archiviert. Zudem wird es in Museen gezeigt, wie von November 2019 bis Mai 2020 in der Sonderausstellung „Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“ im Museum für Hamburgische Geschichte innerhalb der Abteilung Streckenbach-Kohrs-Ulrichs.

Auf der damals noch in Essen ausgetragenen BMXnet-Konferenz 2022 begleitete Mark Benecke die Vorstellung des historisch ersten, im Jahr 1978 von Kohrs angefertigten Barbell-Zungenpiercings; dabei übernahm er die kriminalbiologische Dokumentation sowie die forensisch-messtechnische und farbliche Erfassung des Exponats.

Im Jahr 1977 initiierte Manfred Kohrs ein erstes Informationstreffen in Hannover, zu dem er mehrere in Deutschland und der Schweiz ansässige Tätowierer einlud. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Horst Streckenbach, Edward Szustak („Tattoo Eddy“), Herbert Hoffmann, Heinrich Dietz, Theodor Vetter sowie Dietmar Gehrer. Das primäre Ziel dieses Treffens bestand im Aufbau einer nationalen Vereinigung, um verbindliche technische sowie hygienische Standards innerhalb des Handwerks zu etablieren. Zu diesem Zeitpunkt gehörten Kohrs und Streckenbach zu den wenigen Akteuren in Deutschland, die in ihren Betrieben bereits Autoklaven zur obligatorischen Gerätesterilisation einsetzten.

Aus dieser gewerblichen Initiative heraus gründete Kohrs noch im selben Jahr den National Tattoo Club Germany. In der Folgezeit knüpfte er internationale Kontakte zu dem US-amerikanischen Tätowierer „Philadelphia Eddie“ Funk, um sich im National Tattoo Club of the World einzubringen, welcher im Jahr 1984 per Mitgliederbeschluss in National Tattoo Association (N.T.A.) umbenannt wurde.

Zwischen 1976 und 1984 unternahm Kohrs regelmäßige Arbeits- und Informationsreisen in die Vereinigten Staaten, besuchte dortige Tattoo-Conventions und publizierte Beiträge in verschiedenen Verbandsmedien. Er nahm im Januar 1976 an der ersten Convention des National Tattoo Club of the World in Houston (Texas) sowie im März 1979 an der Folgeveranstaltung in Denver (Colorado) teil. Im Rahmen dieser internationalen Treffen kam es zum fachlichen Austausch mit Akteuren wie David Yurkew, Don Ed Hardy und Arnold Rubin. Zudem wurde Kohrs von Terry Wrigley als 25. Mitglied in die European Tattoo Artist Association (E.T.A.A.) aufgenommen.

Der im Jahr 1977 begründete National Tattoo Club Germany durchlief in den Folgejahrzehnten mehrere strukturelle Veränderungen. Im Rahmen der Expo 2000 in Hannover wurde die Organisation als KUNSTverein 2000 Wedemark e. V. neu in das Vereinsregister eingetragen. Am 2. Dezember 2018 erfolgte unter dem neuen Vorsitz von Heiko Gantenberg eine grundlegende Neuausrichtung sowie die offizielle Umbenennung in Tätowierkunst e. V. Mit dieser Reformierung der Satzung wird das Tätowieren seither gezielt im Kontext der bildenden Kunst gefördert, wodurch dem Verein heute neben aktiven Tätowierern auch Personen aus der Kunstgeschichte, der Rechtswissenschaft und anderen akademischen Disziplinen angehören. Im Rahmen der Hauptversammlung am 15. März 2026 wurde Kohrs gemeinsam mit Heiko Gantenberg und Tanina Palazzolo die Ehrenmitgliedschaft des Vereins verliehen.

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