Manchester ([ˈmɛntʃɛstɐ], englisch [ˈmæntʃɪstə] ()) ist eine Stadt im Nordwesten von England im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland mit dem Status eines Metropolitan Borough sowie einer City. Sie hat etwa 570.000 Einwohner und liegt im Metropolitan County Greater Manchester, einer der größten Agglomerationen in England mit 2,9 Mio. Einwohnern (2022). Die Einwohner Manchesters werden „Mancunians“ oder verkürzt „Mancs“ genannt.
Die Ursprünge der Stadt gehen auf ein römisches Kastell am Zusammenfluss von Irwell und Medlock zurück. Vor allem im Zeitalter der Industriellen Revolution wurde Manchester zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort. Einen besonderen Stellenwert nahm dabei die Textilindustrie ein, deren Anfänge in Manchester auf das Spätmittelalter zurückgehen. Im 20. Jahrhundert erfolgte ihr stetiger Zerfall. Heute ist Manchester dennoch eines der wichtigsten Wirtschaftszentren des Königreichs und beherbergt zudem zahlreiche Museen, Hochschulen und Orte der Kunst und Kultur.
Orte in der Umgebung Manchesters, die im Zuge der Industrialisierung Bedeutung erlangten, sind Altrincham, Sale, Stretford, Ashton-under-Lyne, Bury, Bolton, Oldham, Rochdale, Salford, Stockport und Wigan.
Zu den kleineren Städten gehören Heywood, Littleborough, Shaw, Uppermill, Middleton, Stalybridge, Hyde, Mottram-in-Longdendale, Romiley, Wythenshawe, Leigh, Irlam, Urmston, Golborne, Horwich, Prestwich, Radcliffe und Ramsbottom.
Südöstlich der Stadt liegt der Peak-District-Nationalpark. Mit dem Auto gut erreichbar ist der Lake-District-Nationalpark, der nördlich der Stadt liegt.
Vor der Invasion Britanniens durch die Römer lag das heutige Stadtgebiet im Territorium des keltischen Stammes der Briganten. Gnaeus Iulius Agricola ließ 79 n. Chr. am Zusammenfluss von Irwell und Medlock ein Kastell errichten mit Namen Mamucium, keltisch-lateinisch für „brustförmiger Hügel“. Der Wortteil chester bedeutet Lager (castrum). Nachdem die römischen Truppen um das Jahr 407 Großbritannien verlassen hatten, war die Gegend nur noch dünn besiedelt, bis sich im 7. Jahrhundert Angelsachsen niederließen. Sie gründeten ein Dorf mit dem Namen Mameceaster, woraus sich Manchester entwickelte.
Die Ruinen der römischen Befestigung waren bis zum 18. Jahrhundert sichtbar und wurden erst beim Bau einer Haupteisenbahnlinie endgültig beseitigt. Ein Nachbau des römischen Kastells wurde im Stadtteil Castlefield errichtet.
Das kleine Dorf Manchester stieg im 13. Jahrhundert zu einer Marktsiedlung auf und erhielt im Jahre 1222 das Recht, Jahrmärkte durchzuführen. Im Jahr 1301 folgte das Recht auf Selbstverwaltung. Im 14. Jahrhundert ließen sich Einwanderer aus Flandern nieder und begründeten die Tradition der Wollverarbeitung und Leinenherstellung. Dank dieser Gewerbezweige war Manchester im 16. Jahrhundert ein florierender Marktort geworden. Die Stadtkirche, seit 1847 die Kathedrale der Diözese Manchester, wurde zwischen 1421 und 1506 erbaut. Das Wachstum erhielt um 1620 einen weiteren Schub durch die Einführung der Baumwollweberei.
Als 1642 der Englische Bürgerkrieg ausbrach, stand Manchester auf der Seite des Parlaments. Die Stadt wehrte sich erfolgreich gegen eine Belagerung der königlichen Truppen, obwohl sie keine Stadtmauern besaß. Als die Royalisten nach 1660 wieder an die Macht gelangten, verlor Manchester sämtliche Sitze im Parlament und war fast zweihundert Jahre lang nicht mehr vertreten. Trotz des verlorenen politischen Einflusses nahm die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt weiter zu.
Manchester spielte eine Schlüsselrolle während der Zeit der Industriellen Revolution. Die zahlreichen Bäche, die in den Pennines nördlich und östlich der Stadt entsprangen, waren ideal für die Errichtung von Baumwollspinnereien, die durch Wasserkraft angetrieben wurden. Die Stadt profitierte außerdem von der Nähe zum Seehafen in Liverpool.
Nach der Erfindung der Dampfmaschine waren die Baumwollspinnereien nicht mehr länger auf die Wasserkraft angewiesen und in der Folge entstanden noch größere Betriebe in der Stadt selbst sowie in den umliegenden Dörfern und Städten. Viele Bewohner ländlicher Gegenden zogen auf der Suche nach Arbeit nach Manchester. Innerhalb weniger Jahrzehnte stieg die Bevölkerungszahl um ein Vielfaches an und Manchester wurde zum wichtigsten industriellen Zentrum der Welt.
Die Eröffnung des Bridgewater-Kanals 1761, der von den Kohlegruben des Duke of Bridgewater in Worsley bis nach Manchester führte, stellte einen Verkehrsweg zur Verfügung, der für den sicheren und preiswerten Transport von Kohle für die Dampfmaschinen und die Haushaltungen in Manchester einerseits und andererseits für den Abtransport von Fabrikgütern aus Manchester sorgen konnte.
Das ungebremste Bevölkerungswachstum brachte die Stadt an die Grenzen der Belastbarkeit. Die meisten Arbeiter wurden zu Hungerlöhnen angestellt und mussten in erbärmlichen Zuständen leben. So kam es 1797 als Folge einer Rezession in der Textilindustrie zu Aufständen und Plünderungen.
Die fehlende Vertretung im Parlament hatte zur Folge, dass die Bevölkerung radikalen politischen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen war. 1819 kam es zum Peterloo-Massaker. Nach der Parlamentsreform von 1832 durfte die Stadt wieder Abgeordnete ins Unterhaus entsenden. Manchester blieb ein bedeutendes Zentrum für radikale politische Ideen. Von 1842 bis 1844 und erneut von 1850 bis 1870 lebte hier der deutsche Journalist und Schriftsteller Friedrich Engels und schrieb sein einflussreiches Buch „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“. 1839 gründete Richard Cobden die Anti-Corn Law League für Freihandel und zur Abschaffung von Zöllen (besonders Zölle auf importiertes Getreide). 1846 gelang die Abschaffung der Corn Laws. Cobden wurde damit zur Symbolfigur des Manchesterliberalismus.
Zahlreiche Kultur- und Bildungsinstitutionen wurden gegründet, so z. B. die Manchester Literary and Philosophical Society (1781), die Portico Library (1803), die Royal Manchester Institution (1823), die heutige University of Manchester Institute of Science and Technology (1824) und die Victoria University of Manchester (1851). 1847 entstand die Diözese Manchester der Church of England. 1853 wurde Manchester offiziell eine Stadt.
Die blühende Textilindustrie führte zu einer Expansion der Stadt und zur Bildung eines breiten Vorortgürtels. Vor allem der Bau von Eisenbahnen und Kanälen trug zum Wachstum bei. 1829 baute George Stephenson die erste Eisenbahn von Liverpool nach Manchester (Liverpool and Manchester Railway). Der Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1861 hatte eine sofortige Verknappung der Baumwolle zur Folge, was die Textilindustrie in der sogenannten Baumwollhungersnot in eine tiefe Krise stürzte. Um die Abhängigkeit vom Hafen von Liverpool zu verringern, wurden zahlreiche Kanäle gebaut, allen voran der 1894 eröffnete Manchester Ship Canal. Dadurch wurde Manchester zur drittgrößten Hafenstadt Großbritanniens, trotz der Entfernung von 64 Kilometern zur See. Offiziell nahm Queen Victoria die Freigabe des Bauwerks für den Schiffsverkehr am 21. Mai 1894 vor, doch war die künstliche Wasserstraße schon ab dem 1. Januar in Betrieb.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Wirtschaftsstruktur der Stadt. 1910 wurde Trafford Park eröffnet, die erste eigens zu diesem Zweck geschaffene Industriezone der Welt. Hier siedelten sich u. a. Ford und Westinghouse Electric Corporation an. 1931 wurde die höchste Bevölkerungszahl von 766.311 Einwohnern erreicht. Die Weltwirtschaftskrise traf die Stadt hart, die Textilindustrie sank fast zur Bedeutungslosigkeit herab. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Manchester die Avro-Flugzeuge gebaut, weshalb die Stadt immer wieder Ziel von Luftangriffen war. Aufgrund dessen ist in der Stadt nur noch wenig alte Bausubstanz anzutreffen und die Stadt ist größtenteils modern im Stil der Nachkriegsjahre geprägt.
Am 15. Oktober 1945 eröffnete der 5. Pan-Afrikanische Kongress in Manchester. Die Redner, allen voran Kwame Nkrumah aus Ghana, forderten sofortige Unabhängigkeiten in Afrika und der Karibik. Nach dem Krieg übernahm Manchester erneut eine Führungsrolle, diesmal in der Informatik. Alan Turing lehrte an der Universität Manchester. 1948 entstand aus seinen Ideen die Small-Scale Experimental Machine, der erste auf der Von-Neumann-Architektur basierende Computer. 1949 folgte der Manchester Mark I, woraus 1951 der Ferranti Star entstand, der weltweit zweite kommerzielle Computer nach dem Z4 von Konrad Zuse.Das Filmstudio Mancunian Films nahm 1947 den Betrieb auf und wurde 1954 von der BBC übernommen. Im gleichen Jahr wurde auch Granada TV gegründet, eine der Hauptstützen von ITV, die u. a. die seit Jahrzehnten laufende Seifenoper Coronation Street produziert.