An diesem Tag

Malcolm X

US-amerikanischer Anführer der Bürgerrechtsbewegung

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Malcolm X [ˌmælkəm ˈɛks] (* 19. Mai 1925 als Malcolm Little in Omaha, Nebraska; nach seiner Pilgerfahrt nach Mekka 1964 El-Hajj Malik el-Shabazz; † 21. Februar 1965 in Washington Heights) war ein US-amerikanischer Menschenrechtler und eine der Schlüsselpersonen der Bürgerrechtsbewegung.

Nach einer schweren Kindheit – sein Vater starb, als er sechs war, seine Mutter wurde in eine Nervenklinik eingewiesen, als er dreizehn war – wurde er ein Kleinkrimineller in Harlem und Boston. Er landete 1946 im Gefängnis, wo er 1948 Mitglied der schwarz-nationalistischen und weißen-feindlichen Nation of Islam (NOI) wurde. Nach seiner Freilassung 1952 gelang ihm vor allem dank seines Redetalents und seines Erfolgs bei der Missionierung neuer Mitglieder ein rasanter Aufstieg innerhalb der Organisation.

Malcolm wurde daher von Elijah Muhammad, dem Anführer der NOI, zum offiziellen Sprecher der Religionsgemeinschaft gekürt. In dieser Rolle verbreitete er die Ideen der NOI in der amerikanischen Öffentlichkeit. Ihre Kernaussage war es, dass Weiße Teufel seien und die Kollektivschuld für die systemische Unterdrückung der Schwarzen in den USA und auf der ganzen Welt trugen. Malcolm X zeigte sich in dieser Zeit als einer der schärfsten Kritiker der vergleichsweise moderaten Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King. Sein Vorwurf gegen den Pazifisten King lautete, dass er durch seine Botschaft der Gewaltlosigkeit und Rassenintegration die Afroamerikaner ruhig halte und echte Veränderungen behindere. Notwendig sei stattdessen eine gewaltsame Revolution der Schwarzen gegen ihre Unterdrückung.

1963 kam es zu einem Bruch zwischen Malcolm X und der Führungsriege der NOI. Daraufhin konvertierte er zum sunnitischen Islam und führte die traditionelle Pilgerfahrt nach Mekka durch, auf der er einen radikalen Sinneswandel erlebte. Er distanzierte sich von seinem ehemaligen Rassismus und bekannte sich zu einem toleranten Humanismus. Er strebte eine Vereinigung aller Menschen im Kampf für ihre Rechte an, ungeachtet ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion. Sein Ziel war es, dass auch Schwarze in Würde leben könnten und nicht unter Armut leiden müssten. Eine einfache Gleichheit vor dem Gesetz reiche nämlich nicht aus. Zu diesem Zweck signalisierte er auch seine Bereitschaft für eine Zusammenarbeit mit King und anderen Bürgerrechtlern, die er einst kritisiert hatte. Nach wie vor meinte er jedoch, dass die Afroamerikaner in ihrem Freiheitskampf „alle nötigen Mittel“, also gegebenenfalls auch Gewalt einsetzen sollten. Darüber hinaus betonte Malcolm X auch die Bedeutung des Internationalismus: Alle unterdrückten Völker der Welt sollten sich im Kampf gegen den Kolonialismus und die White Supremacy und für eine bessere Verteilung der Ressourcen vereinigen.

Malcolm X wurde 1965 bei einem Attentat in New York City getötet, für das vermutlich die NOI verantwortlich war. Dennoch erwies sich Malcolm X’ Einfluss als prägend für die weitere Entwicklung der Bürgerrechtsbewegung. Heute zählt er zu den Ikonen des Antirassismus und der afroamerikanischen Kultur.

Malcolm X war der Sohn des baptistischen Priesters Earl Little, der als Gelegenheitsarbeiter tätig war, und seiner Frau Louise Langdon Norton. 1917 verließ Earl Little wie viele Afroamerikaner im Zuge der Great Migration die US-amerikanischen Südstaaten, um der brutalen Unterdrückung durch das System der Jim-Crow-Rassentrennung zu entgehen. Er siedelte sich in Kanada an, genauer in Montreal. Seine Familie – seine Frau Daisy Mason und die drei gemeinsamen Kinder Ella, Mary und Earl Jr. –, mit der die Beziehung ohnehin angespannt war, verließ er, ohne die Scheidung einzureichen. Stattdessen gab er sich als Witwer aus und heiratete am 10. Mai 1919 Louise Norton. Malcolms Mutter wurde auf Grenada in Britisch-Westindien als Tochter eines schottischen Vaters und einer schwarzen Mutter geboren. Über die Beziehung ihrer Eltern ist nur wenig bekannt; Malcolm X sprach jedoch stets von einer Vergewaltigung. Louise Nortons Mutter starb früh und ihr Vater verließ sie, so dass sie von ihrer Großmutter und Tante aufgezogen wurde. In ihrer Jugend emigrierte die Afrokaribin auf Einladung ihres Onkels Edgerton Langdon nach Kanada, wo sie Earl Little auf einem Kongress der Universal Negro Improvement Association (UNIA) kennenlernte und heiratete. Von dessen ehemaliger Familie erfuhr sie erst später. Das Paar hatte sieben Kinder: Wilfred, Hilda, Philbert, Malcolm, Reginald, Yvonne und Wesley.

Die Littles waren Anhänger des schwarzen Nationalisten Marcus Garvey, dem Vorsitzenden der UNIA. Garvey war die Führungsfigur der Back-to-Africa-Movement, einer Massenbewegung mit mehreren Millionen Anhängern, die die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit der Afroamerikaner von den Weißen propagierte. Er forderte von seinen Anhängern, stolz auf ihre Hautfarbe und ihre Herkunft zu sein und sich gegen ihre Unterdrückung zur Wehr zu setzen. Kontakt mit Weißen sollte vermieden werden, um die „Reinheit der schwarzen Rasse“ zu bewahren. Als Endziel sah er eine Rückkehr nach Afrika vor, wo die schwarzen Völker der Welt einig und frei von weißer Bevormundung leben sollten. Um Garveys Ideen in den USA zu verbreiten, verließ das Ehepaar Little Kanada und zog erst nach Philadelphia und dann nach Omaha. Earl Little wurde dort Vorsitzender des neugegründeten lokalen Zweigs der UNIA. Seinen weißen Nachbarn galt der selbstbewusste schwarze Aktivist als „aufmüpfiger Nigger“. Es fiel Little daher schwer, eine feste Stelle zu finden. Er hielt sich und seine Familie mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, u. a. als Aushilfsprediger. Nebenher jagte er, während seine Frau Kaninchen und Hühner züchtete. Auch die Kinder mussten von klein auf teils schwere Arbeit im Garten verrichten.

Die politische Haltung seines Vaters führte zu Anfeindungen und Angriffen durch weiße Rassisten: In seiner Autobiographie schildert Malcolm einen Überfall von bewaffneten Ku-Klux-Klan-Mitgliedern auf das Haus der Familie. Diese forderten, dass Earl Little sein Haus verlassen und zu ihnen kommen solle. Malcolms Mutter, die zu diesem Zeitpunkt mit Malcolm schwanger war, konfrontierte die Terroristen und richtete ihnen aus, dass ihr Mann verreist sei. Die Ku-Klux-Klan-Mitglieder drohten der Familie mit weiteren Gewaltakten, forderten von ihnen, die Stadt zu verlassen, und ritten schließlich davon. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte wurde später durch Aussagen von sowohl Malcolms Mutter als auch seiner Tante Rose in Zweifel gezogen, wird jedoch immer wieder auch in eigentlich reputablen Biographien kolportiert. Im Kontext der Darstellung des Lebens eines schwarzen Freiheitskämpfers zeigt das Bild einer schwangeren Frau, die mutig die böswilligen Schergen der White Supremacy konfrontiert, der Historikerin und Malcolm-X-Biographin Britta Waldschmidt-Nelson zufolge effektiv die Brutalität des Rassismus. Zugleich erscheine die Geschichte den meisten Lesern glaubwürdig, da ähnliche rassistisch motivierte Gewaltakte in den gesamten Vereinigten Staaten üblich waren.

Malcolm X kam 1925 im Uniklinikum Omaha auf die Welt. Seine Kindheit war unglücklich; rückblickend betitelte er dieses Kapitel seines Lebens als „Albtraum“ (englisch nightmare). Ehestreitigkeiten über die Affären seines Vaters oder seine Unfähigkeit, für die Familie zu sorgen, waren ebenso wie häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Malcolm war auch wegen seiner vergleichsweise hellen Haut und seinen rotbraunen Haaren der Lieblingssohn seines selbst sehr dunkelhäutigen Vaters, der ihn deshalb nur wenig schlug. Prügelstrafen teilte ihm gegenüber meist seine Mutter aus, der die helle Haut ihres Sohnes missfiel. Malcolm wurde früh von den Predigten seines Vaters über die Lehren Marcus Garveys geprägt. Earl Little wollte seinem Sohn klarmachen, dass er als Schwarzer den Weißen nicht unterlegen sei, sondern den gleichen Verstand habe und die gleichen Rechte verdiene.

Fehlendes Geld und Anfeindungen durch weiße Rassisten zwangen die Familie immer wieder zu Umzügen. Als sie sich 1929 in Lansing ansiedelte, wurde sie drei Monate später aus ihrem Haus ausgewiesen – laut einem Grundbucheintrag war Afroamerikanern der Erwerb dieser Immobilie nicht gestattet. Die Littles zogen erfolglos vor Gericht; ihnen wurde nicht einmal der Kaufpreis erstattet. Wenig später brannte das Haus samt dem Hab und Gut der Familie nieder. Die Brandursache blieb unklar. Während Malcolm X in seiner Autobiographie weiße Rassisten der Brandstiftung bezichtigte, ignorierte die Polizei dahingehende Hinweise und vermutete, dass Earl Little Versicherungsbetrug beging. Er hatte nämlich zuvor eine vergleichsweise hohe Brandversicherung auf das Haus abgeschlossen. Die Familie zog daraufhin zunächst nach East Lansing und später auf ein Grundstück, das außerhalb der Stadt gelegen war. Am 8. September 1931 starb Earl Little einem Polizeibericht zufolge bei einem Straßenbahnunfall. Louise Little und die Mehrheit ihrer Kinder, darunter auch Malcolm, gingen hingegen von einem Mordanschlag der Black Legion aus, einem Ableger des Ku-Klux-Klans. Die Malcolm-X-Biographen Les Payne und Tamara Payne bezeichnen dies jedoch als eine Verschwörungstheorie.

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