Earvin „Magic“ Johnson Jr. (* 14. August 1959 in Lansing, Michigan) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Basketballspieler. Zusammen mit Larry Bird prägte er die Transformation der NBA in den 1980er Jahren. Der 2,06 Meter große Johnson spielte aufgrund seiner außergewöhnlichen Passfähigkeiten hauptsächlich als Point Guard, obwohl diese Position normalerweise mit kleineren Spielern besetzt wird.
Nach Titelgewinnen in Highschool und College wurde Johnson im NBA-Draft 1979 von den Los Angeles Lakers an erster Stelle ausgewählt. Bereits in seiner ersten Saison gewann er mit den Lakers den Meistertitel und wurde zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt (NBA Finals MVP Award). Vier weitere Titel mit Los Angeles folgten in den 1980er Jahren; insgesamt neunmal erreichte er mit dem Team die NBA-Finals. Im Jahr 1991 trat Johnson unvermittelt vom Profisport zurück, als bei ihm HIV diagnostiziert wurde. Beim All-Star Game 1992, in dem er als bester Spieler ausgezeichnet wurde, gab er sein Comeback bekannt und gewann im Sommer mit dem Dream Team, das seine Gegner nach Belieben dominierte, Gold bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona. Nach Protesten anderer Spieler brach Johnson seine Saisonvorbereitung für die Spielzeit 1992/93 ab, in der er wieder in den regulären Spielbetrieb hatte einsteigen wollen. Vier Jahre später kehrte er noch einmal in die Liga zurück und absolvierte 32 Spiele für die Lakers.
Johnson gewann dreimal die Auszeichnung als bester Spieler der Saison (NBA MVP Award), nahm zwölfmal am All-Star Game teil und wurde zehnmal in Serie ins All-NBA Team berufen, dabei neunmal in das erste Team. Viermal gelangen ihm die meisten Assists aller Spieler in der regulären Saison, mit durchschnittlich 11,2 Assists pro Spiel führt er bei den Assists die ewige Bestenliste der Liga an. Im Jahr 1996 wurde Johnson als einer der 50 besten Spieler in der Geschichte der NBA ausgezeichnet und 2002 in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame aufgenommen. Der Sportsender ESPN kürte ihn 2007 zum besten Point Guard aller Zeiten. Seine Freundschaft und Rivalität mit Larry Bird, auf den er zum ersten Mal im 1979er NCAA-Division-I-Basketball-Championship-Finale und später unter anderem dreimal in den NBA-Finals traf, prägte maßgeblich den Basketball der achtziger Jahre. Seit seinem Rücktritt vom aktiven Sport engagiert sich Johnson unter anderem für die Vorbeugung gegen HIV/AIDS und wirbt für Safer Sex.
Earvin Johnson Jr. wurde als sechstes von zehn Kindern in Lansing, der Hauptstadt des Bundesstaats Michigan, geboren. Sein Vater Earvin Sr. war Fließbandarbeiter bei General Motors und Christine, seine Mutter, arbeitete als Aufseherin in einer Schule. Johnson wuchs in Lansing auf und begann sich als kleiner Junge für Basketball zu begeistern. Er trainierte „den ganzen Tag“ und verehrte Spieler wie Earl Monroe und Marques Haynes.
In einem Highschool-Spiel erzielte Johnson im Alter von 15 Jahren ein „triple-double“ mit 36 Punkten, 18 Rebounds und 16 Assists. Von Fred Stabley Jr., einem Sportjournalisten der Lokalzeitung Lansing State Journal, wurde er daraufhin mit dem Spitznamen „Magic“ bedacht. In seinem Senior-Jahr führte Johnson das Schulteam mit durchschnittlich 28,8 Punkten und 16,8 Rebounds pro Spiel zu einer Saisonbilanz von 27 Siegen bei nur einer Niederlage und damit zum Gewinn der Schulmeisterschaft Michigans.
Johnson wurde von mehreren namhaften Colleges umworben, unter anderem von der Indiana University und der UCLA, wollte aber gern in der Nähe der Heimat bleiben. Zunächst favorisierte er die University of Michigan, entschied sich dann aber für die Michigan State University in East Lansing, nachdem ihm der Basketballcoach die Point-Guard-Position zugesichert hatte.
Johnson strebte nicht von vornherein eine Karriere als Profisportler an, sondern konzentrierte sich auf sein Studium der Kommunikationswissenschaft mit dem Ziel, Fernsehkommentator zu werden. An der Seite der späteren NBA-Spieler Greg Kelser und Jay Vincent erzielte Johnson in seiner ersten Saison pro Spiel im Durchschnitt 17,0 Punkte, 7,9 Rebounds und 7,4 Assists. Die Spartans gewannen den Titel in der Big Ten Conference und stießen bis ins Viertelfinale des Turniers auf Bundesebene vor, wo sie dem späteren Meister Kentucky Wildcats knapp unterlagen.
In der folgenden Saison qualifizierte sich Michigan State erneut für die Endrunde und erreichte diesmal das Finale der NCAA Division I Basketball Championship, wo es dem Team der Indiana State University um Larry Bird gegenüberstand. Im meistgesehenen Spiel in der Geschichte des College-Basketballs gewann Michigan State mit 75:64, und Johnson wurde zum besten Spieler des Final-Four-Turniers gewählt. Nach zwei Jahren College, in denen er im Durchschnitt 17,1 Punkte, 7,6 Rebounds und 7,9 Assists erreicht hatte, verließ Johnson das College und meldete sich zum NBA-Draft 1979 an.
Johnson wurde an erster Stelle des 1979er Drafts von den Los Angeles Lakers, die eben diesen Draft-Pick in einem früheren Trade von den Utah Jazz erhalten hatten, ausgewählt. Er schrieb später in seiner Autobiographie, das „Aufregendste“ („most amazing“) an seiner Verpflichtung durch die Lakers sei es gewesen, dass er an der Seite Kareem Abdul-Jabbars spielen konnte. Der 2,18 m große Abdul-Jabbar spielte auf der Position des Center und hielt später den Rekord für die meisten gesammelten Punkte aller NBA-Spieler bis ins Jahr 2023. Trotz Abdul-Jabbars Spielstärke hatten die Lakers mit ihm noch keine Meisterschaft gewonnen und setzten nun auf Johnsons Unterstützung, um dieses Ziel zu erreichen. Johnson erzielte in dieser Saison im Durchschnitt 18,0 Punkte, 7,7 Rebounds und 7,3 Assists pro Spiel und wurde für das NBA All-Rookie Team ausgewählt sowie in die Startaufstellung im NBA All-Star Game gewählt. Die Auszeichnung für den besten Neuling der Saison (NBA Rookie of the Year Award) ging an seinen Rivalen Bird, der von den Boston Celtics verpflichtet worden war.
Die Lakers beendeten die reguläre Saison mit einer Bilanz von 60:22 Spielen und erreichten die Finals, wo sie den von Forward Julius Erving angeführten Philadelphia 76ers gegenüberstanden. Nach fünf Spielen führten die Lakers in der Finalserie mit 3:2. Allerdings hatte sich Abdul-Jabbar, der in der Serie bis dahin durchschnittlich 33 Punkte pro Spiel erzielt hatte, in Spiel 5 den Fuß verstaucht und fiel damit in Spiel 6 aus. Trainer Paul Westhead entschied sich, das Spiel mit Johnson auf der Center-Position zu beginnen; zeitweilig auch als Guard und als Forward spielend, gelangen Johnson beim 123:107-Sieg 42 Punkte, 15 Rebounds, 7 Assists und 3 Steals. Danach wurde Johnson als bis heute einziger Spieler in seiner Rookie-Saison als bester Spieler der Finalserie ausgezeichnet (NBA Finals MVP). Seine unter großem Druck vollbrachte Leistung in diesem Spiel wird als eine der besten in der Geschichte der NBA angesehen. Außerdem wurde er zu einem von vier Spielern, die ein Jahr nach dem College-Titel gleich in ihrer ersten Saison auch in der NBA den Titel gewannen.
Wechselhafte Jahre (1980–1983)
Anfang der Saison 1980/81 zog sich Johnson einen Meniskusriss im linken Knie zu, durch den er insgesamt 45 Spiele verpasste. In seiner Autobiographie schrieb er später, während seiner Reha-Zeit sei er so niedergeschlagen („most down“) gewesen wie nie zuvor. Rechtzeitig zu den Playoffs kehrte er in die Mannschaft zurück, für die sich die Lakers mit einer Bilanz von 54:28 qualifizierten.
Das Team spielte gegen die Houston Rockets, die sich mit einer Bilanz von 40:42 für die Playoffs qualifiziert hatten. Überraschend setzte sich Houston mit 2:1 durch; dabei vergab Johnson in Spiel 3 kurz vor Schluss die Chance zum Sieg. Nach der Saison unterschrieb Johnson einen Vertrag über 25 Jahre, der ihm, beginnend im Jahr 1984, pro Jahr eine Million Dollar zusicherte. Dies war zu diesem Zeitpunkt sowohl der am längsten laufende als auch der höchstdotierte Vertrag eines Sportlers überhaupt.
Am Anfang der Saison 1981/82 hatte Johnson einen Streit mit Trainer Paul Westhead, dessen Training und Taktik das Team seiner Ansicht nach zu „langsam“ und „leicht ausrechenbar“ machte. Als er wechseln wollte, feuerte Jerry Buss, der Besitzer der Lakers, den Trainer und ersetzte ihn durch den Co-Trainer Pat Riley. Johnson bestritt es, für die Entlassung verantwortlich zu sein, wurde aber trotzdem von vielen Fans ausgepfiffen, auch von Fans der Lakers. Trotz der Kontroversen war er auf dem Spielfeld erfolgreich: Im Durchschnitt gelangen ihm 18,6 Punkte, 9,6 Rebounds, 9,5 Assists sowie 2,7 Steals (Ligaspitze) pro Spiel und Johnson wurde in das All-NBA Second Team gewählt. Darüber hinaus erreichte er als dritter Spieler nach Wilt Chamberlain und Oscar Robertson 700 Punkte, 700 Rebounds und 700 Assists in einer Saison. Die Lakers zogen zum zweiten Mal innerhalb dreier Jahre ins NBA-Finale ein, wo sie den Philadelphia 76ers gegenüberstanden. Mit einem Triple-Double von Johnson gewann Los Angeles Spiel 6 und damit die Serie mit 4:2. Johnson wurde zum zweiten Mal als wertvollster Spieler des NBA-Finales ausgezeichnet (NBA Finals MVP Award). In der Finalserie gegen die 76ers erzielte er im Schnitt 16,2 Punkte bei einer Wurfquote von 53 %, 10,8 Rebounds, 8,0 Assists sowie 2,5 Steals pro Spiel. In seiner Autobiographie äußerte er später, die Lakers seien in dieser Saison zu einer Spitzenmannschaft avanciert, und schrieb diesen Erfolg Trainer Riley zu.