Magda Goebbels (* 11. November 1901 in Berlin als Johanna Maria Magdalena Behrend, ab 1908 Friedländer, ab 1920 Ritschel, 1921 bis 1931 Quandt; † 1. Mai 1945 ebenda) war die Ehefrau des nationalsozialistischen Politikers Joseph Goebbels. Sie wurde propagandistisch zur Vorzeigemutter des Dritten Reiches stilisiert.
Magda Goebbels wurde als Tochter des damals noch unverheirateten katholischen Dienstmädchens Auguste Behrend geboren. Ihr Vater war angeblich der Bauunternehmer und promovierte Ingenieur Oskar Ritschel, der Auguste Behrend kurz nach der Geburt ihrer Tochter heiratete. Die Mutter ließ sich 1905 scheiden und heiratete 1908 den in Brüssel tätigen wohlhabenden jüdischen Kaufmann Richard Friedländer, der Magda adoptierte und dessen Namen sie annahm. Ritschel und Friedländer, die einander persönlich schätzten, wetteiferten um die Erziehung des Einzelkindes. Friedländer kam im Februar 1939 im KZ Buchenwald ums Leben. Magda wuchs in bürgerlicher Atmosphäre auf. In ihrem 19. Lebensjahr am 15. Juli 1920, 13 Tage vor ihrer Verlobung mit Quandt, adoptierte Ritschel sie (weiteres unter Oskar Ritschel#Privates).
In Belgien besuchte Magda Friedländer die katholischen Klosterschulen in Vilvoorde bei Brüssel. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges zogen Mutter und Tochter nach Berlin; der Stiefvater folgte später. Dank der Unterstützung durch Ritschel konnte Magda weiterhin ein Mädcheninternat besuchen.
Während zahlreicher Besuche bei ihrem Vater Ritschel, der in Duisburg lebte und der Krefelder Freimaurerloge Eos angehörte, wurde sie von ihm in den Buddhismus eingeführt.
Während ihrer Schulzeit verliebte sie sich in den Bruder einer Mitschülerin, Viktor Chaim Arlosoroff. In der Familie Arlosoroff wurde sie mit dem jüdischen Glauben vertraut. Sie trug den Davidstern an einer Kette um den Hals und erwog sogar kurzzeitig, mit Chaim Arlosoroff nach Palästina auszuwandern. Arlosoroff heiratete 1919 Gerda Luft, mit der er 1924 nach Palästina auswanderte.
Ehe mit dem Industriellen Günther Quandt
Auf einer Bahnfahrt nach Goslar im Februar 1920 lernte Magda Friedländer im überfüllten Zug den in einem reservierten Abteil erster Klasse sitzenden Industriellen Günther Quandt kennen, der doppelt so alt wie sie und seit anderthalb Jahren verwitwet war. Magda fand Gefallen an ihm und an der Aussicht, durch eine Heirat in die Oberschicht aufzurücken. Sie verlobten sich an seinem 39. Geburtstag am 28. Juli 1920 und heirateten am 4. Januar 1921. Vorher hatte sie den Nachnamen ihres leiblichen Vaters (Ritschel) annehmen müssen, da Günther Quandt sich weigerte, Magda mit ihrem seiner Meinung nach jüdisch klingenden Namen (Friedländer) in seine protestantische Familie aufzunehmen. Sie wechselte auch zum protestantischen Glauben.
Magda Quandt war auch für die Erziehung der zwei Kinder aus der ersten Ehe von Günther Quandt zuständig, deren Mutter 1918 an der Spanischen Grippe gestorben war. Zehn Monate nach der Heirat kam am 1. November 1921 Sohn Harald zur Welt. Sie wurde in dieser Ehe nicht glücklich – ihre Bedürfnisse nach kulturellem und gesellschaftlichem Leben mit rauschenden Festen entsprachen nicht der Lebensführung des älteren, nüchternen Quandt.
Günther und Magda Quandt entfremdeten sich einander stetig. Als er im Mai 1928 erfuhr, dass Magda ihn mit einem Studenten betrog, warf er sie aus seinem Haus. Das „skandalöse“ Verhältnis mit einem Liebhaber war geeignet, eine Scheidung zu provozieren. Die von Magda ausgesprochene Drohung, kompromittierende Briefe zu veröffentlichen, die Quandt „von Frauenzimmern niedrigeren Standes“ erhalten hatte, verhalf ihr dann zu einer reichlichen Abfindung: 50.000 RM für eine neue Wohnung, 20.000 RM für Krankheitsfälle, 4.000 RM monatliche Zahlung, und weiterhin freie Benutzung des Quandtschen Gutes mit Neorenaissanceschloss (Herrenhaus) aus den 1880er Jahren in Severin. Außerdem erhielt sie das Sorgerecht für den Sohn Harald. Im Sommer 1929 wurde die Ehe geschieden. Von den Zahlungen konnte sie sich eine repräsentative Wohnung am Reichskanzlerplatz in Berlin-Westend sowie ein Kindermädchen und eine Köchin leisten.
Ihr geschiedener Mann Günter Quandt gehörte zu einer Gruppe von Großindustriellen, die sich Mitte 1931 mit Hitler im Hotel Kaiserhof traf und der NSDAP im Falle eines Linksputsches 25 Millionen Reichsmark in Aussicht stellten.
Ihre erste Berührung mit der nationalsozialistischen Ideologie erfuhr Magda Quandt in einem politischen Club namens „Nordischer Ring“ (der später in „Bogenclub München“ umbenannt wurde). In diesem rassenkundlichen Debattierzirkel verkehrten Adlige wie Viktoria von Dirksen und Marie Adelheid Prinzessin Reuß-zur Lippe. Hier empfahl ihr im Spätsommer 1930 Prinz „Auwi“ aus dem Haus Hohenzollern, ein Sohn des abgedankten Kaisers Wilhelm II., sich als Mittel gegen Langeweile und Depression bei einer Ortsgruppe der NSDAP zu ehrenamtlicher Parteiarbeit zu melden. Zunächst besuchte sie am 30. August 1930 eine Veranstaltung der NSDAP im Berliner Sportpalast, auf der Joseph Goebbels sprach. Zum folgenden Tag, dem 1. September 1930, trat sie der NSDAP-Ortsgruppe Westend bei (Mitgliedsnummer 297.442), wurde kurz darauf Leiterin der örtlichen NS-Frauenschaft und begann mit der Lektüre von Alfred Rosenbergs Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Aber diese Arbeit an der Parteibasis lag ihr nicht. Sie war eher von Goebbels beeindruckt und meldete sich in der Zentrale der Berliner NSDAP und bot dort ihre Mitarbeit an. Goebbels war damals NSDAP-Gauleiter von Berlin und arbeitete daran, mittels Propaganda und Schlägertrupps Berlin für die NSDAP zu erobern. Er machte sie zur Betreuerin seines Privatarchivs. Sie sammelte und ordnete z. B. Zeitungsartikel über Goebbels aus der in- und ausländischen Presse, wobei ihr ihre Sprachkenntnisse zustatten kamen.
Im Eintrag vom 7. November 1930 findet sich in Goebbels’ Tagebuch die erste Erwähnung seiner späteren Frau: Eine schöne Frau mit Namen Quandt macht mir ein neues Privatarchiv. Es folgten in den kommenden Wochen kurze Notizen über beginnende Intimbeziehungen. Anfang 1931 reiste Magda gemeinsam mit ihrem späteren Mann zu einer Parteiveranstaltung. Dort wurde sie in Goebbels’ politisches Umfeld eingeführt. Goebbels steckte damals noch in einer unglücklichen Beziehung zu einer Jugendliebe, die nach der späteren NS-Rassengesetzgebung „Halbjüdin“ war. Auch Magda Quandt führte eine parallele, intime Beziehung mit einem Studenten, ihrem Liebhaber aus der Zeit der Ehe mit Quandt. Dies führte ausweislich Goebbels’ Tagebüchern von Beginn an wiederholt zu heftigen Streitigkeiten.
Im Herbst 1931 lernte Magda Quandt Adolf Hitler persönlich kennen – beim Tee im Hotel Kaiserhof, Berlin. Hitler sagte noch am selben Abend zu seinem Wirtschaftsberater und SA-Stabschef Otto Wagener: „Diese Frau könnte in meinem Leben eine große Rolle spielen, auch ohne dass ich mit ihr verheiratet wäre. Sie könnte bei meiner Arbeit den weiblichen Gegenpol gegen meine einseitig männlichen Instinkte spielen... Schade, dass sie nicht verheiratet ist.“
Obwohl sich die oben erwähnten Spannungen zwischen Magda und Joseph Goebbels nie nachhaltig auflösten, fand am 19. Dezember 1931 ihre Hochzeit auf Gut Severin bei Parchim in Mecklenburg statt. Dieses gehörte ihrem Ex-Mann Quandt, der von der Hochzeit auf seinem Gut jedoch nichts wusste. Goebbels wurde wegen der aus kirchlicher Sicht illegitimen Heirat einer geschiedenen (noch dazu zum Protestantismus übergetretenen) Frau von der katholischen Kirche exkommuniziert. Der nun zehnjährige Sohn Harald wohnte der Zeremonie in DJ-Uniform bei. Adolf Hitler war Trauzeuge.
Schon vor der Hochzeit hatte Hitler eine freundschaftliche Beziehung zu Magda aufgebaut, von der er sehr angetan war. Es war auch Hitler, dessen Urteil über eine mögliche Hochzeit für beide zukünftigen Eheleute maßgeblich war. Goebbels stellte dar, dass Hitler dem Glück seines alten Kameraden nicht im Wege stehen wollte, obwohl er selbst kurz Interesse an einer Beziehung mit Magda gezeigt haben soll. Hitler habe seine eigenen Ambitionen zurückgestellt und schließlich als geradezu väterlicher Freund dem verliebten Paar „seinen Segen gegeben“. Aufgrund der Schilderungen von Hitlers Berater Otto Wagener und anderer Hinweise gehen Historiker wie der Goebbels-Biograph Peter Longerich hingegen davon aus, dass Hitler die Hochzeit keineswegs nur duldete, sondern sie bewusst arrangierte, da er sich von der Ehe der beiden so öffentlichkeitstauglichen und treuen Nationalsozialisten propagandistischen Nutzen versprach und sich gleichzeitig ausrechnen konnte, über seinen engen Kontakt mit dem ihm völlig ergebenen Goebbels auch mit Magda weiter in Kontakt bleiben zu können.